Bahaitum · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen
Creative Practice as Spiritual Practice: Reflections from a Craftsman
ohne Namen ·
Baha'i Blog ·
2026-09-14
· Quelle
Verantwortung · Hauptbotschaft
Demut · tragend
Wissen · tragend
Kreatives Handwerk kann eine Form geistiger Praxis sein, wenn es mit altruistischer Absicht ausgeübt wird und dabei sowohl das Material als auch den Künstler transformiert.
Handwerk ist Liebe, die sichtbar gemacht wird. Ich glaube, dass Handwerk die Seele ist, die ihren angeborenen Wunsch auszudrücken sucht, zu schaffen; als solches kann es eine Form geistiger Praxis sein, wenn die Absicht für das größere Wohl motiviert ist.
Der Text beschreibt die Werkstatt eines Möbelhandwerkers als Ort geistiger Praxis und vergleicht sie mit einem Tempel. Der Sprecher versteht kreatives Schaffen als Ausdruck der Seele und als Form der Anbetung, wenn es dem größeren Wohl dient. Er bezieht sich auf Bahai-Lehren, die Kunst und Wissenschaft als Akte der Anbetung betrachten. Die Transformation von Materialien wird als ethische und geistige Verantwortung dargestellt, die über die westliche Ausbeutung natürlicher Ressourcen hinausgeht. Der Mittelweg zwischen kreativem Ausdruck und ethischem Lebensunterhalt wird als Mäßigung beschrieben. Die Seele wird als Spiegel verstanden, der geistiges Licht widerspiegeln kann, wenn er von weltlicher Anhänglichkeit befreit ist. Der Text verbindet persönliche Erfahrung mit spirituellen Lehren und ruft zu einer heiligen Beziehung zur Umwelt auf.
- Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
-
Festhalten, Begehren, Nicht-loslassen-Können; Gier, Konsum, unstillbares Verlangen nach mehr
- Wo sitzt das Übel?
-
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
- Was hilft dagegen?
-
praktisches Handeln am Nächsten, Werke; innere Wandlung, Reue, Sinnesänderung
- Was ist der Mensch nach diesem Text?
-
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
- Wohin geht die Geschichte?
-
es wird besser, Entwicklung zum Guten
- Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
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auf den Stifter oder Propheten der Tradition; auf eigenes Erleben, Zeugnis, Begegnung
- Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
-
auch Tieren, Pflanzen, der ganzen Schöpfung
- Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
-
ausdrücklich auf beide
Verwandte Texte aus anderen Traditionen
nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition
Wozu der Text aufruft
- Material auf sein höchstes Maß an Verfeinerung transformieren (gesellschaftlich)
- Die eigenen Grenzen erkennen und lernen (innerlich)
- Zu Verwaltern statt Ausbeutern des Planeten werden (gesellschaftlich)
Genannte Stellen
Baha'u'llah, Epistel an den Sohn des Wolfes · Baha'u'llah, Zusammenstellung Künste und Handwerke · Abdu'l-Baha, Star of the West · Abdu'l-Baha, Ausgewählte Schriften · Baha'u'llah, Tafeln des Baha'u'llah
Gemessen
- Grundhaltung
- 1 von -2 bis 2
- Eindringlichkeit
- 2 von 3
- Reichweite
- 4 von 5
- Konkretheit
- 2 von 3
- Abgrenzung
- 0 von 3
- Zeitbezug
- früher 1, jetzt 2, künftig 1
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut auf Deutsch
In den letzten 50 Jahren bin ich beinahe jeden Tag in meine Werkstatt gekommen, wo ich Möbel nach Auftrag entwerfe und anfertige. Wenn ich zurückblicke, kann ich einen sich entfaltenden Weg der kreativen Entdeckung und geistiger Einsichten erkennen, der mein Werk getragen, geleitet und geformt hat.
Handwerk ist Liebe, die sichtbar gemacht wird.
Ich glaube, dass Handwerk die Seele ist, die ihren angeborenen Wunsch auszudrücken sucht, zu schaffen; als solches kann es eine Form geistiger Praxis sein, wenn die Absicht für das größere Wohl motiviert ist.
Wenn wir an geistige Praxis denken, könnten wir an Gebet und Meditation denken, an den Besuch einer Kirche, eines Tempels oder einer Moschee – wo wir unsere weltlichen Sorgen hinter uns lassen und einen geheiligten Raum betreten, der dem göttlichen Schöpfer gewidmet ist, oder dem, was der Buddhismus das Unerschaffene nennt.
„In Übereinstimmung mit den göttlichen Lehren wird die Erlangung der Wissenschaften und die Vollendung der Künste als Akte der Anbetung betrachtet. Wenn eine Person mit all ihrer Kraft die Erlangung einer Wissenschaft oder die Vollendung einer Kunst betreibt, so ist es, als hätte sie Gott in den Kirchen und Tempeln angebetet…" 1
Eine Werkstatt hat für mich ähnliche Eigenschaften wie ein Tempel. Es ist der Ort, an dem ich die Bedingungen kultiviere und kuratiere, die förderlich für die Verfolgung der Entwicklung meines Handwerks und des Strebens nach Exzellenz sind. Ich komme nicht einfach nur vorbei. Jeder Tag ist eine Neuweihe meines Handwerks – selbst die Reise zu meiner Werkstatt ist eine liminale Erfahrung, wenn ich mich geistig auf die Aufgaben des Tages vorbereite. Es ist eine tägliche Mikro-Pilgerfahrt.
Die profane Routine des Fegens der Böden und des Aufräumens fühlt sich eher wie ein Akt der Reinigung meiner Absichten an. Die ganz notwendige Aufgabe, Meißel zu schärfen, kann auch dazu dienen, den Geist zu schärfen. Und doch ist die Realität einer Werkstatt trotz eines kuratierten Arbeitsraums, dass Dinge schiefgehen und dann ich meinen eigenen Grenzen gegenüberstehe!
Das Lernen, meine Grenzen zu erkennen, ist Teil meiner kreativen Reise, und dies erfordert von mir, sowohl über mich selbst als auch über mein Handwerk zu lernen.
Transformation
Die Materialien, die ich verwende, sind ein wesentlicher Teil meiner kreativen Praxis. In dieser Hinsicht gibt es sowohl ethische als auch geistige Aspekte. Die Bahai-Lehren erwähnen die Verantwortung des Künstlers und Handwerkers, das Material, das sie verwenden, auf sein höchstes Maß an Verfeinerung zu transformieren. Laut diesen Lehren strebt jede natürliche, geschaffene Sache nach ihrem Paradies, ihrem Nirvana, und dies kann erreicht werden, indem der Künstler und Handwerker sich bemüht, ihre jeweiligen Fähigkeiten und Kreativität bis zum Äußersten ihrer Fähigkeit anzuwenden. In unserer westlichen Wirtschaft werden natürliche Ressourcen ausgebeutet und für Profit kommodifiziert. Ein heiliger Ansatz könnte unsere Beziehung zur Umwelt transformieren; wir könnten zu Verwaltern und nicht zu Ausbeutern unseres Planeten werden. Dies könnte auch uns selbst transformieren. Bahá'u'lláh sagt:
„Jeder Mann von Einsicht, der auf der Erde wandelt, fühlt sich in der Tat beschämt, da er sich voll bewusst ist, dass das, was die Quelle seines Wohlstands, seines Reichtums, seiner Macht, seiner Erhöhung, seines Fortschritts und seiner Kraft ist, wie von Gott bestimmt, die sehr Erde ist, die unter den Füßen aller Menschen getreten wird. Es kann keinen Zweifel geben, dass jeder, der sich dieser Wahrheit bewusst ist, von allem Stolz, Hochmut und eitler Ruhm gereinigt und geheiligt wird." 2
Meine kreative und geistige Praxis haben sich über viele Jahrzehnte hinweg interdependent entwickelt. Nach dem Erdgipfel 1992 begann ich, nicht-kommerzielles Holz aus lokalen Wäldern zu beschaffen und es in meiner Werkstatt umzuwandeln und zu trocknen, für meine eigene Verwendung. Dies veränderte mein Verständnis und meine Beziehung zum Material, das ich verwende, und woher es stammt. Ich entdeckte die reiche Vielfalt der Hölzer, ihren Charakter und ihre Qualitäten, und die Individualität jedes Baumes. Jeder Stamm hat eine Geschichte und jede Bohle hat ihren eigenen einzigartigen Charakter. Wenn ich sie in meinem Holzschuppen betrachte, fühle ich mich, als würden sie erwartungsvoll auf die Gelegenheit warten, zu einem Möbelstück gemacht zu werden; ich werde Teil eines sich entfaltenden, miteinander verbundenen geistigen und physischen zyklischen Prozesses.
„Der Mensch ist mit der Welt organisch verbunden. Sein inneres Leben formt die Umgebung und wird selbst auch tiefgreifend von ihr beeinflusst. Das eine wirkt auf das andere ein, und jede dauerhafte Veränderung im Leben des Menschen ist das Ergebnis dieser gegenseitigen Wechselwirkungen.“ 3
Der Mittelweg: Auftragsarbeiten
Ein großer Teil meines kreativen Weges bestand darin zu lernen, wie man es als Handwerker mit einem ethischen Lebensunterhalt in Einklang bringt. Ich denke, dies ist eine Form des Mittelwegs, des Weges der Mäßigung. Meine Lösung seit den späten 1970er-Jahren besteht darin, eigene „Signatur“-Designs zu entwickeln, die allmählich die Grundlage für meine Auftragsarbeiten wurden. Jeder Auftrag ist eine Variation eines dieser Designs. Durch diesen Ansatz bin ich in der Lage, meiner kreativen Richtung zu folgen und Kunden dennoch einen fairen Preis zu berechnen. Seit 1975 bin ich in der Lage, einen bescheidenen Lebensunterhalt zu verdienen, ohne meine geistigen Werte der Fairness und Transparenz zu kompromittieren. Ich glaube, dass diese Probleme überwindbar werden, wenn wir unsere Praxis als eine Form des geistigen Dienstes betrachten.
„Der Zweck des Lernens soll die Förderung des Wohlergehens der Menschen sein, und dies kann durch Handwerke erreicht werden […] der wahre Wert von Künstlern und Handwerkern sollte geschätzt werden, denn sie fördern die Angelegenheiten der Menschheit.“ 4
Ein Geschenk
Ich glaube auch, dass das Schaffen nach bestem Vermögen seine eigene Belohnung ist. Es ist aber auch, wie ich angedeutet habe, eine geistig-mystische Reise der Selbsterkenntnis. Dieses Wissen ist Wissen der Seele. Die Seele ist wie ein Spiegel; sie wird das widerspiegeln, worauf sie gerichtet ist, und wird von dieser Realität informiert. Wenn die Seele auf die Quelle des geistigen Lichtes gerichtet ist, kann sie potenziell dieses Licht durch die Linse des Künstlers oder Handwerkers widerspiegeln und Dinge gemäß der Fertigkeit des Kunsthandwerkers manifestieren. Allerdings ist weltliche Anhänglichkeit wie Schlacke auf dem Spiegel, die das Licht verdeckt. Der Spiegel muss poliert werden, bevor er Schönheit in höchstem Maße manifestieren kann. Wenn meine Absichten altruistisch und mein Handwerk verfeinert sind, fühle ich mich, als würde ich ein Geschenk anbieten, eine Quelle der Besserung und Verschönerung in der Welt.
„An diesem Tage scheint die Sonne des Kunsthandwerks über dem Horizont des Okzidents, und der Fluss der Künste fließt aus dem Meer jener Region.“ 5
„Es wird eine neue Kunst, eine neue Architektur geben, verschmolzen aus aller Schönheit der Vergangenheit, aber neu.“ 6
Abdu’l-Baha, Ausgewählte Schriften des Abdu’l-Baha
Baha’u’llah, Epistel an den Sohn des Wolfes
Zusammenstellung Sozialer Aktivitäten, Aus einem Brief vom 17. Februar 1933, der im Namen von Shoghi Effendi an einen einzelnen Gläubigen geschrieben wurde
Baha’u’llah, Zusammenstellung Künste und Handwerke
Baha’u’llah, Tafeln des Baha’u’llah
Abdu’l-Baha, Star of the West
Wortlaut im Original
Over the last 50 years I have turned up almost every day to my workshop where I design and make furniture to commission . As I look back, I can see an unfolding path of creative discovery and spiritual insights that has sustained, guided and shaped my work.
Craftsmanship is love made visible.
I believe that craftsmanship is the soul expressing its innate desire to create; as such it can be a form of spiritual practice when the intention is motivated for the greater good.
When we think of spiritual practice we might think of prayer and meditation, attending a church, a temple or a mosque – where we leave behind our worldly preoccupations and enter a sanctified space dedicated to the Divine Creator, or what Buddhism refers to as the Uncreated.
“In accordance with the Divine Teachings, the acquisition of sciences and the perfection of arts is considered as acts of worship. If a person engages with all their power in the acquisition of a science or in the perfection of an art, it is as if they have been worshipping God in the churches and temples…” 1
A workshop, to me, has similar characteristics to a temple. It is where I cultivate and curate the conditions that are conducive to the pursuit of developing my craft and to the striving of excellence. I don’t just turn up. Each day is a rededication to my craft– even the journey to my workshop is a liminal experience when I mentally prepare for the day’s tasks. It’s a daily micro-pilgrimage .
The mundane routine of sweeping floors and tidying feels more like an act of purifying my intentions. The very necessary task of sharpening chisels can also seem to sharpen the mind. Yet despite a curated working space the reality of a workshop is that things go wrong and then I face my own limitations!
Learning to recognise my limitations is part of my creative journey and this requires me to learn about myself as well as my craft.
Transformation
The materials I use are an intrinsic part of my creative practice. There are both ethical and spiritual aspects in this regard. The Baha’i Teachings mention the responsibility of the artist and craftsperson to transform the material they use to its highest level of refinement. According to these teachings every natural thing created aspires to its paradise, its Nirvana, and this can be achieved through the artist and craftsperson endeavouring to apply their respective skills and creativity to the utmost of their ability. In our Western economy natural resources are exploited and commodified for profit. A sacred approach could transform our relationship with the environment; we could become stewards not exploiters of our planet. This could also transform ourselves. Baha’u’llah says:
“Every man of discernment, while walking upon the earth, feeleth indeed abashed, inasmuch as he is fully aware that the thing which is the source of his prosperity, his wealth, his might, his exaltation, his advancement and power is, as ordained by God, the very earth which is trodden beneath the feet of all men. There can be no doubt that whoever is cognizant of this truth, is cleansed and sanctified from all pride, arrogance, and vainglory.” 2
My creative and spiritual practice have evolved interdependently over many decades. Following the Earth Summit in 1992, I began to source non-commercial timber from local woodlands and convert and dry it at my workshop for my own use. This changed my understanding and relationship with the material I use and where it comes from. I discovered the rich diversity of the timbers, their character and qualities, and the individuality of each tree. Each log has a story and each plank has its own unique character. When I view them in my timber shed, I feel as though they are expectantly waiting for the opportunity to be made into a piece of furniture; I become part of an unfolding interconnected spiritual and physical cyclical process.
“Man is organic with the world. His inner life moulds the environment and is itself also deeply affected by it. The one acts upon the other and every abiding change in the life of man is the result of these mutual reactions.” 3
The Middle Way: Commissions
A big part of my creative journey has been learning how to balance being a craftsperson with making an ethical living. I think this is one version of the middle way, the path of moderation. My solution since the late 1970s has been to develop my own “signature” designs, which gradually became the basis for my commissions. Each commission is a variation of one of these designs. Through this approach I am able to follow my creative direction and still charge clients a fair price. I’ve been able to make a modest living since 1975 without compromising my spiritual values of fairness and transparency. I believe that if we view our practice as a form of spiritual service these problems become surmountable.
“The purpose of learning should be the promotion of the welfare of the people, and this can be achieved through crafts […] the true worth of artists and craftsmen should be appreciated, for they advance the affairs of mankind.” 4
A Gift
I also believe that the act of making to the best of my ability is its own reward. But it is also, as I’ve suggested, a spiritual-mystical journey of self-discovery. This knowledge is knowledge of the soul. The soul is like a mirror; it will reflect what it is directed at and be informed by that reality. When the soul is directed towards the source of spiritual light it can potentially reflect that light through the lens of the artist or craftsperson, manifesting things according to the skill of the artisan. However, worldly attachment is like dross on the mirror, obscuring the light. The mirror has to be polished before it can manifest beauty to the highest degree. When my intentions are altruistic and my craftsmanship is refined, I feel as though I am offering a gift, a source of betterment and beautification in the world.
“In this Day the sun of craftsmanship shineth above the horizon of the occident and the river of arts is flowing out of the sea of that region.” 5
“There will be a new art, a new architecture, fused of all the beauty of the past, but new.” 6
Abdu’l-Baha, Selections from the Writings of Abdu’l-Baha
Baha’u’llah, Epistle to the Son of the Wolf
Social Action compilation , From a letter dated 17 February 1933 written on behalf of Shoghi Effendi to an individual believer
Baha’u’llah, Arts and Crafts compilation
Baha’u’llah, Tablets of Baha’u’llah
Abdu’l-Baha, Star of the West