Sunnitisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen
„Jedes Leben zählt!“
DITIB Religionsamt ·
DITIB ·
2024-09-27
· Köln
· Quelle
Gemeinschaft · Hauptbotschaft
Barmherzigkeit · tragend
Gerechtigkeit · tragend
Jedes menschliche Leben ist unantastbar und von gleichem Wert, und die Überwindung von Vorurteilen und Ausgrenzung durch interreligiöse Begegnung ist eine gemeinsame Verantwortung aller Menschen.
Jedes Leben ist unantastbar, unabhängig von Religion, Sprache oder ethnischer Herkunft.
Der Text ist eine Freitagspredigt der DITIB-Predigtkommission zum „Tag der offenen Moschee“ am 3. Oktober 2024. Die zentrale Botschaft lautet, dass jedes menschliche Leben unantastbar ist, unabhängig von Religion, Sprache oder ethnischer Herkunft. Als theologische Grundlage werden Koranstellen herangezogen, die den Wert des Lebens und die Gleichwertigkeit eines einzelnen Lebens mit dem der gesamten Menschheit betonen. Der Mensch wird als mehrdimensionales Wesen beschrieben, dessen innere Welt durch Liebe, Gerechtigkeit und Güte gedeiht und durch Hass und Ungerechtigkeit verwüstet wird. Der Text kritisiert Ausgrenzung, Segregation und Hassreden als Bedrohung gemeinsamer menschlicher Werte. Er ruft dazu auf, am Tag der deutschen Einheit nichtmuslimische Bekannte, Nachbarn und Arbeitskollegen in die Moscheen einzuladen, um Mauern der Vorurteile abzureißen. Die Predigt verbindet den islamischen Glauben mit einem Plädoyer für interreligiöse Begegnung und gesellschaftliche Einheit.
- Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
-
Feindschaft, Hass, Zerfall der Gemeinschaft; Unwissenheit, Illusion, falsche Sicht der Wirklichkeit (erschlossen)
- Wo sitzt das Übel?
-
in der eigenen Gemeinde, Familie, Religion
- Was hilft dagegen?
-
persönliche Erfahrung, Zeugnis, Begegnung mit Gott oder Menschen; Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit
- Was ist der Mensch nach diesem Text?
-
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
- Wohin geht die Geschichte?
-
es wird besser, Entwicklung zum Guten
- Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
-
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf den Stifter oder Propheten der Tradition
- Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
-
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
- Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
-
ausdrücklich auf beide
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Der Text leitet aus der Eden-Erzählung menschliche Freiheit, moralische Unterscheidungskraft und gesellschaftliche Verantwortung ab.
Wozu der Text aufruft
- nichtmuslimische Bekannte, Nachbarn und Arbeitskollegen in die Moscheen einladen (gesellschaftlich)
- Mauern der Vorurteile zwischen dem Islam und den Menschen einreißen (zwischenmenschlich)
- den belebenden Aufruf des Islam den Menschen näherbringen (gesellschaftlich)
Genannte Stellen
Koran 3:2 · Koran 42:29 · Koran 45:3-6 · Koran 5:32 · Koran 8:24 · Ahmad b. Hanbal, Musnad II, 400
Gemessen
- Grundhaltung
- 1 von -2 bis 2
- Eindringlichkeit
- 2 von 3
- Reichweite
- 4 von 5
- Konkretheit
- 2 von 3
- Abgrenzung
- 0 von 3
- Zeitbezug
- früher 1, jetzt 2, künftig 2
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut anzeigen
„Jedes Leben zählt!“
(27.09.2024)
Meine Geschwister! Verehrte Gläubige!
Der wertvollste Schatz, den der erhabene Allah uns geschenkt hat, ist das Leben. Das Leben ist die schönste Wiederspiegelung der Macht und Barmherzigkeit des erhabenen Allahs, des „Lebendigen“ (el-Hayy).1 Jedes einzelne der Geschöpfe ist ein Vers,2 d.h. ein Zeichen, das auf die Existenz des erhabenen Allahs hinweist. Allem voran sollte der Mensch als die Krone des Universums und alle Geschöpfe als herabgesandtes Zeichen3 akzeptiert werden. Schließlich ist jeder Mensch ein besonderer Teil dieses Ganzen. Der ungerechte Verlust eines einzigen Lebens ist daher gleichbedeutend mit der Vernichtung der gesamten Menschheit. Unser erhabener Schöpfer betonte die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens. Tötete man einen Menschen, so tötete man alle. Erhält man einen Menschen am Leben, so hat man alle gerettet.4 Jedes Leben ist unantastbar, unabhängig von Religion, Sprache oder ethnischer Herkunft.
Der Mensch ist nicht nur ein biologisches Wesen, das aus Fleisch und Knochen besteht. Er hat auch Gefühle, Gedanken, Verstand, Wille, Würde und Gewissen. Der Mensch gleicht einem Eisberg; seine äußere Erscheinung ist sichtbar, doch darunter verbirgt sich eine innere Welt. Diese innere Welt des Menschen blüht durch Liebe, Fürsorge, Gerechtigkeit und Güte auf und wird so zum Leben erweckt. Durch Hass, Erbarmungslosigkeit, Ungerechtigkeit und Bosheit versiegt sie und wird zur Wüste. Inwieweit sind wir uns dieser Realität bewusst? Erkennen wir, dass die Ausgrenzungen, Segregationen und Hassreden, denen wir täglich ausgesetzt sind, die gemeinsamen Werte der Menschheit erschüttern? Sicherlich erkennen wir das. Obwohl uns vieles möglich ist, überlassen wir die Verantwortung anderen und scheuen davor zurück, Schritte zur Lösung einzuleiten. Wir reden davon, dass wir Einheit und Eintracht brauchen, unternehmen jedoch keine konkreten Schritte, um diese zu verwirklichen.
Meine Geschwister!
Es liegt an uns allen, den Garten der Menschheit gemeinsam zu verschönern. Um dies zu erreichen, müssen wir als große Familie der Menschheit kommunizieren. Ohne Vorurteile müssen wir uns gegenseitig verstehen. Wir müssen die Türen unserer Herzen weit öffnen und einander gastfreundlich begegnen.
In diesem Sinne ist der „Tag der offenen Moschee“, der jedes Jahr in unseren Moscheen organisiert wird, eine hervorragende Gelegenheit, Brücken von Herz zu Herz zu bauen. Das Motto des diesjährigen „Tages der offenen Moschee“ lautet „Jedes Leben zählt!“. Im Rahmen dieses Mottos werden verschiedene Veranstaltungen in den Moscheen organisiert. Lassen sie uns am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, unsere nicht muslimischen Bekannten, unsere Nachbarn und Arbeitskollegen zu diesen Veranstaltungen in unsere Moscheen einladen. An diesem Tag wird der Fall der Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland und die daraus entstandene Einheit gefeiert. Lassen sie uns an diesem Tag ebenfalls versuchen, die Mauern der Vorurteile zwischen dem Islam und den Menschen einzureißen. Lassen sie uns versuchen, soweit es uns möglich ist, soweit wir uns artikulieren können und so viel wie uns in unserer Macht steht, den belebenden Aufruf des Islam5 den Menschen näherbringen. Lassen sie uns die folgenden gesegneten Worte unseres Propheten (s) niemals vergessen: „Der Gläubige ist kontaktfreudig. Diejenige Person, die keine Nähe mit den Menschen eingeht und mit der keine Nähe eingegangen werden kann, taugt zu nichts.“6 Lassen sie uns – unabhängig davon, was auch immer unsere Glaubensüberzeugungen sein mögen – an die gemeinsamen Werte wie Liebe, Respekt, Toleranz, Frieden und Gerechtigkeit erinnern, die allem voran das „Menschsein“ erfordern und so einander die Hand reichen, damit eine noch schönere Welt errichtet werden kann.
Die DITIB-Predigtkommission
1 Koran, Al-i ʿImran, 3/2.
2 Koran, Schura, 42/29.
3 Koran, Dschathiye, 45/3-6.
4 Koran, Maide, 5/32.
5 Koran, Enfal, 8/24.
6 Ahmad b. Hanbel, Musned, II, 400.
2024-09-27
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