Sunnitisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen
Wenn wir vergessen, werden wir vergessen!
DITIB Religionsamt ·
DITIB ·
2025-09-26
· Köln
· Quelle
Fürsorge · Hauptbotschaft
Umkehr · Hauptbotschaft
Gemeinschaft · tragend
Der Mensch ist von Natur aus zum Vergessen geneigt, und die eigentliche Gefahr liegt nicht im natürlichen Vergessen, sondern im bewussten Vergessen Gottes, der eigenen Menschlichkeit und der leidenden Mitmenschen, insbesondere der Unterdrückten in Gaza und Palästina.
Wir vergessen Gaza, wir vergessen Palästina. Wir vergessen die Kinder, die aus Hunger Erde essen. Wir vergessen die herzzerreisenden Tränen der Mütter und die Väter in ihrer Hilflosigkeit.
Die Predigt geht vom islamischen Begriff „Nisyan“ aus, wonach der Mensch zum Vergessen geneigt ist, und leitet daraus die ständige göttliche Aufforderung zur Erinnerung ab. Sie unterscheidet zwischen natürlichem Vergessen durch Krankheit und bewusstem Vergessen durch einen gesunden Menschen. Als zentrale Gefahr wird das Vergessen der eigenen Menschlichkeit, des Schöpfers, der Vergänglichkeit dieser Welt und der künftigen Rechenschaft benannt. Der Text zählt konkrete Vergessensformen auf: Eltern, Lehrer, Verwandtschaft, Gastfreundschaft, Anteilnahme am Leid anderer. Ein besonderer Akzent liegt auf dem Vergessen der Unterdrückten, Waisen und Schutzlosen, ausdrücklich mit Bezug auf Gaza und Palästina sowie auf Kinder, die aus Hunger Erde essen. Der Text schließt mit einem ausgedehnten Bittgebet um Vergebung, Frieden und Geborgenheit. Die Predigt verbindet theologische Erinnerung mit einem aktuellen politischen und humanitären Appell.
- Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
-
Abkehr von Gott, Gleichgültigkeit, Götzendienst; Sünde, persönliches Versagen, Schuld vor Gott
- Wo sitzt das Übel?
-
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
- Was hilft dagegen?
-
innere Wandlung, Reue, Sinnesänderung; Gebet, Gottesdienst, Meditation, wiederholte Übung
- Was ist der Mensch nach diesem Text?
-
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
- Wohin geht die Geschichte?
-
es wird schlechter, eine Ordnung geht zu Ende
- Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
-
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis
- Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
-
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
- Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
-
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst
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Wozu der Text aufruft
- sich an Gott und seine Gaben erinnern (innerlich)
- Verwandte und Geliebte besuchen (zwischenmenschlich)
- um Vergebung und Frieden bitten (rituell)
Genannte Stellen
Koran 2:152 · Koran 3:103 · Koran 3:191 · Koran 5:7 · Koran 59:19 · Bukhari, Da'awat 60
Gemessen
- Grundhaltung
- -1 von -2 bis 2
- Eindringlichkeit
- 3 von 3
- Reichweite
- 4 von 5
- Konkretheit
- 3 von 3
- Abgrenzung
- 0 von 3
- Zeitbezug
- früher 1, jetzt 3, künftig 2
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut anzeigen
Wenn wir vergessen, werden wir vergessen!
(26.09.2025)
Der Mensch wird aufgrund seines Wesens mit „Nisyan“ in Verbindung gebracht; das bedeutet, er ist zum Vergessen geneigt. Das Vergessen ist die schwächste Seite des Menschen. Genau aus diesem Grund lädt Allah, unser erhabener Schöpfer, Seine Diener ständig zur Erinnerung ein. „Erinnert euch!“, sagt unser Herr, erinnert euch an die Gaben, die Ich euch zuteilwerden lasse! Erinnert euch an euer Versprechen, Mir zu dienen! Erinnert euch im Stehen, wenn ihr sitzt und auch, wenn ihr liegt! Wenn ihr euch erinnert, werdet ihr in Erinnerung bleiben.4 Wenn ihr vergesst, so werdet ihr zu den Vergessenen gehören!5
Brüder und Schwestern! Werte Gläubige!
Zu vergessen ist manchmal die Folge einer natürlichen Krankheit; manchmal aber eine bewusste Entscheidung. Das Vergessen eines Menschen, der an einer Krankheit wie Demenz oder Alzheimer leidet, ist ein unschuldiges Vergessen, es ist natürlich. Die wahre Gefahr entsteht hingegen, wenn ein gesunder Mensch vergisst: Wenn er vergisst, Mensch zu sein. Wenn er die Barmherzigkeit und sein Gewissen vergisst.
Es gibt so vieles, was wir im Laufe unseres Lebens vergessen… Manchmal vergessen wir unseren Schöpfer; unseren Herrn, Der uns versorgt und den Weg weist. Wir vergessen, dass wir Allah gehören und die Rückkehr zu Ihm ist. Wir vergessen, dass diese Welt vergänglich ist, das Jenseits aber ewig. Wir vergessen, dass wir sterben, wieder auferstehen und zur Rechenschaft gezogen werden. Wir vergessen, zu lobpreisen und zu danken. Und auch vergessen wir, dass jede Gabe, die wir besitzen, ein anvertrautes Gut ist, für das wir Rechenschaft ablegen werden.
Wir vergessen jene, die uns großgezogen haben. Wir vergessen diejenigen, die uns Wissen gelehrt und Mühe in uns investiert haben. Wir vergessen, dass der Mensch dem Menschen Heilung ist. Wir vergessen, Zeit mit unserer Verwandtschaft zu verbringen, unsere Geliebten zu besuchen und nach ihrem Befinden zu fragen. Wir vergessen, einander zu besuchen - Gast zu sein und Gäste zu empfangen. Die Anteilnahme am Leid anderer vergessen wir. Und insbesondere vergessen wir die Unterdrückten, die Waisen, die Schutzlosen. Wir sind so sehr mit unseren eigenen belanglosen Problemen beschäftigt, dass wir die großen Sorgen der Welt vergessen. Wir vergessen Gaza, wir vergessen Palästina. Wir vergessen die Kinder, die aus Hunger Erde essen. Wir vergessen die herzzerreisenden Tränen der Mütter und die Väter in ihrer Hilflosigkeit. Wir vergessen unsere Geschwister, die im Schatten von Krieg, Terror und Chaos um das Überleben kämpfen.
Oh Allah! Lass uns nicht zu jenen Vergessenden gehören! Oh Allah, lass uns unsere Geschwister nicht vergessen, die durch Hunger und Not geprüft werden! Lass uns nicht zu jenen gehören, die ihre Menschlichkeit vergessen! Wenn die Welt aufgrund unserer Fehler in diesem Zustand ist, so bitten wir Dich um Vergebung! Oh Allah, vergib unsere Verfehlungen! Oh Allah, vergib unsere Unwissenheit! Oh Allah, vergib unsere Maßlosigkeit! Vergib uns all unsere schlechten Zustände und Handlungen, die Du besser kennst als wir selbst!6 Oh Allah! Wir bitten um Frieden und Geborgenheit auf der ganzen Welt - gewähre es uns! (Amin)
Die DITIB-Predigtkommission
Quellen:
1) Âl-i Imran, 3/103.
2) Maide, 5/7.
3) Âl-i Imran, 3/191.
4) Bakara, 2/152.
5) Haschr, 59/19.
6) Buchârî, Daʿawât, 60.
2025-09-26
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