Sunnitisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen
Der wertvollste Schatz: Genügsamkeit
DITIB Religionsamt ·
DITIB ·
2026-04-24
· Köln
· Quelle
Dankbarkeit · Hauptbotschaft
Demut · tragend
Gemeinschaft
Wahre Zufriedenheit entsteht nicht durch den Besitz materieller Güter, sondern durch die innere Haltung der Genügsamkeit, die es dem Menschen ermöglicht, mit dem, was er hat, zufrieden zu sein und Gier zu überwinden.
Wahrer Reichtum liegt nicht im Überfluss an Gütern, sondern in der Genügsamkeit des Herzens.
Die Predigt thematisiert Genügsamkeit als zentralen Wert im islamischen Glauben und stellt sie dem modernen Konsumverhalten gegenüber. Der Text beschreibt eine Zeit, in der materielles Streben und ständiges Vergleichen mit anderen den inneren Frieden gefährden. Genügsamkeit wird dabei nicht als Trägheit, sondern als innere Haltung definiert, die ehrliches Streben mit Zufriedenheit über dem eigenen Anteil verbindet. Als Gegenmittel zur Gier wird Dankbarkeit genannt, die den Blick auf diejenigen lenkt, denen es schlechter geht. Der Text warnt davor, dass Gier zu unzulässigen Wegen wie Glücksspiel und Zins führen kann. Prophetische Zitate und eine Koranstelle stützen die Argumentation. Die Predigt schließt mit einem Bittgebet um reiche Herzen und segneten Lebensunterhalt.
- Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
-
Gier, Konsum, unstillbares Verlangen nach mehr; Festhalten, Begehren, Nicht-loslassen-Können
- Wo sitzt das Übel?
-
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
- Was hilft dagegen?
-
Genügsamkeit, Fasten, freiwilliges Opfer, Loslassen; innere Wandlung, Reue, Sinnesänderung
- Was ist der Mensch nach diesem Text?
-
in Täuschung oder Begehren verfangen, aber befreibar
- Wohin geht die Geschichte?
-
es wird schlechter, eine Ordnung geht zu Ende
- Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
-
auf den Stifter oder Propheten der Tradition; auf die heilige Schrift der eigenen Tradition
- Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
-
den eigenen Glaubensgeschwistern
- Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
-
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst
Verwandte Texte aus anderen Traditionen
nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition
Wozu der Text aufruft
- den Blick auf diejenigen richten, denen es schlechter geht (innerlich)
- die Welt als Mittel und nicht als Ziel betrachten (innerlich)
- Dankbarkeit üben (innerlich)
Genannte Stellen
Koran 11:6 · Buhari, Riqaq 15 · Muslim, Zuhd 9
Gemessen
- Grundhaltung
- 1 von -2 bis 2
- Eindringlichkeit
- 2 von 3
- Reichweite
- 1 von 5
- Konkretheit
- 2 von 3
- Abgrenzung
- 0 von 3
- Zeitbezug
- früher 1, jetzt 3, künftig 1
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut anzeigen
Der wertvollste Schatz: Genügsamkeit
(24.04.2026)
Liebe Geschwister, werte Gläubige!
Wir leben in einer Zeit, in der alles mit atemberaubender Geschwindigkeit verbraucht wird. Verpackungen glänzen, Schaufenster blenden das Auge. Bildschirme sind erfüllt von tausend künstlichen Lichtern, unsere Tische sind reich gedeckt, unsere Häuser werden größer und luxuriöser. Doch leider geht hinter all diesem Glanz oft das Wesentliche verloren; Aufrichtigkeit schwindet; der Segen nimmt ab. Während wir unsere äußere Welt gestalten, vernachlässigen wir unser Inneres. Wir suchen den Trost in materiellen Gegenständen und den Seelenfrieden im stetigen Mehrbesitz. Dabei liegt das wahre Glück nicht darin, dem nachzutrauern, was uns fehlt – sondern darin, den Wert dessen zu erkennen, was wir haben. Vielleicht sollten wir innehalten und uns ehrlich fragen: Suchen wir den Frieden am falschen Ort?
Verehrte Gläubige!
Der einzige Schatz, der uns in dieser Suche wirklich rettet, ist die Genügsamkeit. Genügsamkeit bedeutet, mit dem zufrieden zu sein, was Allah uns zugemessen hat. In dem Moment begegnen wir mit vollem Vertrauen unserem Herrn, der für unseren Lebensunterhalt sorgt,1 und zügeln die übermäßige Liebe zur Welt in unseren Herzen. Doch eines müssen wir klar verstehen: Genügsamkeit ist kein Vorwand für Trägheit. Im Gegenteil! Sie bedeutet, bis zum letzten Atemzug ehrlich und auf erlaubte Weise zu streben und sich dann, ganz gleich wie das Ergebnis ausfällt, würdevoll mit dem eigenen Anteil zufriedenzugeben. Denn wahre Genügsamkeit heißt nicht, nichts zu besitzen, sondern, dass der Besitz keinen Platz im Herzen einnimmt.
Was aber geschieht, wenn wir unser Herz nicht von dieser Gier reinigen? Meine Geschwister! Vergesst nie: Einen hungrigen Magen stillt ein Teller Essen – doch einen gierigen Menschen kann selbst die ganze Welt nicht sättigen. Wo die Genügsamkeit endet, beginnt die Gier; wo die Dankbarkeit endet, beginnt das Klagen auf hohem Niveau. Wenn ein Mensch trotz allem, was er hat, das Verlangen nach „mehr“ nicht zum Schweigen bringen kann, dann ist er in Wahrheit der ärmste Mensch. Denn wie unser Prophet (s) sagte: „Wahrer Reichtum liegt nicht im Überfluss an Gütern, sondern in der Genügsamkeit des Herzens.“2
Liebe Geschwister!
Das ständige Vergleichen ist die Krankheit unserer Zeit und das größte Hindernis auf dem Weg zur inneren Zufriedenheit. Der Mensch ist heute zu einem Gefangenen des Vergleichens geworden. Er schaut auf das Auto des Nachbarn, den Urlaub des Freundes, das Haus eines anderen und verliert dabei sein eigenes Leben aus dem Blick. Während man sich nach den oft nur scheinbar perfekten Leben sehnt, die in sozialen Medien inszeniert werden, übersieht man den echten Frieden im eigenen zu Hause. Wenn das „perfekte“ Leben anderer zum Maßstab wird, erscheinen die unzähligen Gaben Allahs plötzlich klein. Noch schlimmer: Wer sich in diesem Vergleich verliert, beginnt irgendwann, die Grenzen des Erlaubten zu überschreiten. Um schnell das zu erreichen, was andere haben, greift man zu Wegen, die Allah missfallen. Für ein luxuriöseres Leben, für Ansehen vor den Menschen, werden zerstörerische Wege eingeschlagen: Glücksspiel, das Existenzen vernichtet, Zins, der den Segen nimmt, und das Unrecht gegenüber anderen, dessen Last schwer wiegt. Wir dürfen jedoch nicht vergessen: Der trügerische Glanz des Verbotenen verdunkelt nicht nur das Diesseits, sondern auch das Jenseits.
Liebe Geschwister!
Der Weg aus diesen seelischen Krankheiten führt über eine Veränderung unserer Perspektive: weg von der Gier, hin zur Dankbarkeit. Unser Prophet (s) zeigt uns den Ausweg aus dieser Falle mit folgenden Worten: „Schaut auf diejenigen, denen es schlechter geht als euch, und nicht auf diejenigen, denen es besser geht.“3
Lasst uns also die Welt nicht in unserem Herzen gefangen halten und nicht ihre Sklaven werden. Halten wir sie vielmehr in unserer Hand als ein Mittel, nicht als Ziel. Seien wir nicht Sklaven der Gier, sondern Reiche der Genügsamkeit. Unser Bittgebet diesbezüglich ist: Möge Allah uns zu jenen glückseligen Dienern zählen, die mit Seiner Vorsehung zufrieden sind; deren Zunge stets von Dankbarkeit zeugt und deren Herz von Genügsamkeit erfüllt ist. Möge Er unsere Herzen bereichern, unsere Heime mit Frieden erfüllen und unseren Lebensunterhalt segnen. Amin.
Die DITIB-Predigtkommission
Quellen:
1 Koran, Hud, 11/6.
2 Buchari, Riqaq, 15.
3 Muslim, Zuhd, 9.
2026-04-24
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