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Katholisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Die jüdische Wurzel trägt uns als Christen

Gastautor*in · Predigtforum.com · 2026-08-16 · Quelle

Demut · Hauptbotschaft Dankbarkeit · tragend Gemeinschaft · tragend

Die christliche Identität und das Verständnis des eigenen Glaubens sind untrennbar von der jüdischen Wurzel abhängig, die das Christentum trägt und nicht als überholt abgetrennt werden darf.

Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.

Der Text argumentiert, dass das Christentum ohne das Judentum als seine historische und theologische Wurzel nicht verständlich ist. Er kritisiert, dass die kirchliche Leseordnung zentrale Kapitel des Römerbriefs überspringt, die diese Verbundenheit betonen. Der Autor nutzt Paulus' Bilder vom Sauerteig und dem Ölbaum, um zu zeigen, dass Christen nicht über dem Judentum stehen, sondern von ihm getragen werden. Es wird betont, dass die Heilszusagen Gottes an Israel unwiderruflich bleiben und das Judentum nicht als überholt oder fremd betrachtet werden darf. Papst Franziskus und Johannes Paul II. werden zitiert, um die moderne kirchliche Haltung des Dialogs und der Wertschätzung zu untermauern. Der Text ruft dazu auf, die jüdischen Wurzeln des eigenen Glaubens im Gottesdienst bewusst wahrzunehmen und zu feiern. Er stellt fest, dass alle biblischen Schriften und viele liturgische Elemente jüdischen Ursprungs sind. Die zentrale Botschaft ist, dass die Identität der Kirche untrennbar mit der des Judentums verbunden ist.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Unwissenheit, Illusion, falsche Sicht der Wirklichkeit
Wo sitzt das Übel?
in der eigenen Gemeinde, Familie, Religion
Was hilft dagegen?
Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis; Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit
Was ist der Mensch nach diesem Text?
vor allem Teil einer Gemeinschaft oder Schöpfung
Wohin geht die Geschichte?
eine Wende, ein Kommen, eine neue Ordnung steht bevor (erschlossen)
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf ein gegenwärtiges Oberhaupt, Lehrer, Amt
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
auch verwandten Traditionen, aber nicht allen
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

Röm 9-11 · Ps 67

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
3 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
1 von 3
Zeitbezug
früher 3, jetzt 2, künftig 1

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Dieser Predigtvorschlag baut auf auf eine alternative Versauswahl zur zweiten Lesung: Die vorgesehene Leseordnung für den 20. Sonntag setzt nach einigen Versen vom Beginn des 9. Kapitels des Römerbriefs mit dem Schluss des Kapitel 11 fort. Fast drei Kapitel dazwischen werden ausgelassen. Und das, obwohl gerade dort die unauflösliche Verbundenheit der Kirche mit dem Judentum zur Sprache kommt: Ohne das Judentum können wir unseren eigenen Glauben nicht leben und verstehen; ohne Judentum als Quelle und Lebenskraft gibt es keine christliche Identität. Diese Einsicht ist noch nicht alt; sie ist eine Frucht des Konzils. Dialog und die Freundschaft mit dem Judentum „Der Dialog und die Freundschaft mit den Kindern Israels gehören zum Leben der Jünger Jesu“ schrieb Papst Franziskus in seiner Enzyklika Evangelii gaudium. Dieses Thema knüpft an die Lesung aus dem Römerbrief an, die wir gehört haben. (Röm Der Abschnitt kommt vielen unbekannt vor, obwohl sie seit Jahrzehnten regelmäßig am Sonntag in die Kirche gehen. Ja es ist so: Den Text der heutigen Lesung habt ihr vermutlich heute zum ersten Mal im Gottesdienst gehört. Die kirchliche Leseordnung folgt derzeit dem Römerbrief des Apostels Paulus. Allerdings werden an diesem Sonntag fast drei Kapitel übersprungen, obwohl dieser Abschnitt ein zentraler Text über die Wertschätzung des Judentums enthält. Dass wir als Kirche erkannt haben, wie grundlegend das Judentum für unseren Glauben ist, ist vor allem eine Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils vor über 60 Jahren. Ich habe heute diesen Absatz als Lesung gewählt, der sonst immer ausgelassen wird. Das neue Volk Gottes? Die Anhänger des Messias Jesus in Rom, an die Paulus um das Jahr 55 seinen Brief schreibt, sind stolz auf den neuen Weg, den sie angenommen haben. Es sind keine Juden, sondern Gläubige aus den so genannten „Völkern“, aus den „Nationen“. Diese neubekehrten Christinnen und Christen blicken mit Geringschätzung auf das alte Judentum herab: Das Judentum habe nicht erkannt, dass mit Jesus schon die neue Zeit herangebrochen sei, die Endzeit, die Verheißung des Heils. Das Judentum sei überholt, meinen sie: Wir sind die Erleuchteten, wir sind etwas Besseres… Nein!, sagt Paulus da ganz deutlich. Paulus ist jüdischer Gelehrter. Er ist stolz darauf, ein Pharisäer zu sein und er weiß um die Heilszusagen Gottes an sein Volk: Diese sind nicht aufgehoben, nur weil Jesus gekommen ist. Wenn ihr dem, was Jesus gelebt und gelehrt hat, folgen wollt, könnt ihr den Weg nur gemeinsam mit dem Judentum gehen, ist er überzeugt. Paulus bringt dazu zwei Bilder: Sauerteig und Ölbaum Zuerst den Sauerteig. Gibt man vom Sauerteig das erste Stück beiseite, um Gott für seine Gabe zu danken, so macht das den ganzen Teig heilig. Auch wenn man dies am übrigen Teig nicht sieht, den man verarbeitet. „Ist die Erstlingsgabe vom Teig heilig, so ist es auch der ganze Teig.“ Ihr esst von der geistlichen Nahrung des Volkes Israel, meint Paulus. Auch wenn euch das vielleicht in eurer Umgebung nicht auffällt, Tatsache ist: Die ganze Offenbarung ist heilig, die Zusagen Gottes an das jüdische Volk bleiben unwiderruflich. Das zweite Bild ist der Ölbaum. Paulus sagt: Die ihr an Christus Jesus glaubt, ihr seid wie wilde Triebe, die in einen guten Ölbaum eingepfropft worden sind. Ihr fühlt euch jung und frisch. Aber vergesst nicht, wer euch trägt und woher ihr eure Kraft bekommt: Der alte Baum trägt euch, die Wurzel des Ölbaums Israel! „Wenn du als Zweig vom wilden Ölbaum in den edlen Ölbaum eingepfropft wurdest und damit Anteil erhieltest an der Kraft seiner Wurzel, so erhebe dich nicht über die anderen Zweige. Wenn du es aber tust, sollst du wissen: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.“ Schauen wir uns um im Bild des Paulus: Es gibt viele gute Zweige um uns, in den wir als Kirche eingepfropft wurden. Das Judentum ist nicht nur Wurzel. Es ist lebendig und trägt Früchte. Es gibt auch noch andere Bilder, die von der Beziehung von Christen und Juden sprechen: Geschwister zum Beispiel, ja Zwillinge sogar. Oder nach einer anderen biblischen Vorlage: Kundschafter, die gemeinsam den Weg in Gelobte Land gehen. Unser Gott ist kein anderer als der Gott des Judentums Jeden Sonntag lesen wir einen Psalm - ein jüdisches Lied: So ist es in der Gottesdienstordnung vorgesehen. Der Psalm 67 spricht heute auch von dieser Unterscheidung zwischen dem Volk – dem jüdischen Volk – und allen anderen Völkern, den Nationen. Wir haben für die Erfüllung der alten jüdischen Verheißung gebetet: Alle Völker mögen das Heil Gottes erkennen, alle Welt mögen den Gott Israels fürchten und ehren. Ja, unser Gott, der Vater Jesu, die Quelle der Heiligen Geistkraft, ist kein anderer als der Gott des Judentums! Wir bekennen, dass Jesus uns zur Quelle des Judentums führt. Papst Franziskus schreibt: „Als Christen können wir das Judentum nicht als eine fremde Religion ansehen.“ Ähnlich klar sagte schon zuvor in den 1980er Jahren Johannes Paul II bei seinem epochalen Besuch in der Synagoge von Rom. Alle unsere biblischen Schriften sind jüdische Schriften, die Lesungen und der Psalm verbinden uns bei jedem Gottesdienst mit dem Judentum. "Amen" und "Halleluja" sind hebräische Worte, das Vaterunser ist ein durch und durch jüdisches Gebet. Das Ewige Licht in unserer Kirche brannte schon im Tempel von Jerusalem. Wir finden es heute auch in jeder Synagoge. Wir feiern den Gott Israels – wen sonst! Auf dass uns die Freude über dessen Nähe und Liebe erfülle: jetzt und in jedem Gottesdienst und alle Tage unseres Lebens. © Dr. Markus Himmelbauer ist Seelsorger der Pfarre Attersee in der Diözese Linz. Von 1996 bis 2015 war er Geschäftsführer des österreichischen Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Ruhe im Dom!? <div