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Evangelisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

- 16n Trinitatis Groettrup

ohne Namen · Unser Lieben Frauen Bremen – Predigten (Audio) · 2026-09-20 · Bremen · Quelle

Hoffnung · Hauptbotschaft Gemeinschaft · tragend Verantwortung · tragend

Angst ist eine menschliche Grundbefindlichkeit, die durch die innewohnenden Gaben des Heiligen Geistes – Kraft, Liebe und Besonnenheit – überwunden werden kann, um mutig und besonnen in der aktuellen gesellschaftlichen Krise zu handeln.

Gott hat uns nicht gegeben, den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Der Predigttext verortet die biblische Zusage 'Fürchte dich nicht' als roten Faden durch die gesamte Bibel und stellt sie als Gegenmittel zur menschlichen Angst dar. Am Beispiel des 2. Timotheusbriefs wird Paulus als Widerstandskämpfer gegen die römische Ordnung dargestellt, der Timotheus Mut macht. Die Predigt verbindet diesen biblischen Text mit aktuellen Ängsten vor Klimawandel, Krieg, Armut und politischem Populismus (insb. AfD). Als theologische Antwort auf die Angst werden die Gaben des Heiligen Geistes – Kraft, Liebe und Besonnenheit – als innewohnende Ressourcen vorgestellt. Diese sollen den Gläubigen helfen, trotz Ohnmacht handlungsfähig zu bleiben und sich nicht von populistischen Lösungen verunsichern zu lassen. Der Text ruft dazu auf, diese inneren Stärken zu wecken, um mutig und besonnen in der Gesellschaft zu handeln.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Feindschaft, Hass, Zerfall der Gemeinschaft; Unwissenheit, Illusion, falsche Sicht der Wirklichkeit
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
Zuwendung Gottes, Erlösung, die nicht verdient wird; praktisches Handeln am Nächsten, Werke
Was ist der Mensch nach diesem Text?
vor allem als Angenommener und Beschenkter beschrieben
Wohin geht die Geschichte?
die Botschaft steht außerhalb der Geschichte
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
den eigenen Glaubensgeschwistern
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf andere, die Gesellschaft, andere Gruppen

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

2 Tim 1,6-10

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
3 von 5
Konkretheit
3 von 3
Abgrenzung
1 von 3, benannt: Populisten und AfD-Anhänger
Zeitbezug
früher 2, jetzt 3, künftig 1

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Liebe Gemeinde, Statistiker haben nachgezählt und finden den Zuspruch fürchte dich nicht genau 365 Mal in der Bibel. Für jeden Tag des Jahres. Wie ein roter Faden zieht er sich durch die ganze Bibel. Abraham hört ihn, als er in hohem Alter aufbricht in die Fremde. Der Engel sagt ihn Maria bei der Ankündigung von Jesu Geburt, den Hirten auf dem Feld und den Frauen am Grab erklingt er. Und ganz am Ende der Bibel heißt es, fürchte dich nicht, ich bin der Erste und der Letzte. Offenbar weiß die Bibel, dass wir diesen Zuspruch immer wieder nötig haben. Denn Angst gehört zur Grundbefindlichkeit der Menschen. Jede und jeder von uns weiß, wie es ist, Angst zu haben. Der für den heutigen Sonntag vorgeschlagende Predigtext ist eine Rede gegen die Angst. Wie ein lautes Fürchte dich nicht, kann man ihn hören. Ein aktivistischer, ja, widerständiger Text. Der religiöse Aktivist Paulus reist durchs Land und leistet mit der Verkündigung der Christusbotschaft aktiven Widerstand gegen die vorherrschende Ordnung. Und dieser Widerstand bringt ihn ins römische Gefängnis, wo er seinen Todesurteil erwartet. Und darum überträgt er seinem Schüler Timothius die Verantwortung für die Fortsetzung der Evangeliumsverkündigung. Auch wenn die Gemeinde bedroht ist durch falsche Lehren von innen und Anfeindungen von außen, soll Timothius mutig seinen Dienst tun. Er, der Angst hat vor der schweren Aufgabe, bekommt den mutmachenden Brief des Paulus und ließ darin, wie es aufgeschrieben ist, im zweiten Timothiusbrief im ersten Kapitel die Verse 6 bis 10. Ich, Paulus, erinnere dich, Timothius, an die Gabe, die Gott dir in seiner Gnade geschenkt hat, als ich dir die Hände auflegte. Lass sie zur vollen Entfaltung kommen. Denn Gott hat uns nicht gegeben, den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserem Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin. Sei vielmehr auch du bereit für das Evangelium zu leiden. Gott wird dir die nötige Kraft geben. Er ist es ja auch, der uns gerettet und dazu berufen hat, zu seinem heiligen Volk zu gehören. Und das hat er nicht etwa deshalb getan, weil wir es durch entsprechende Leistungen verdient hätten, sondern aufgrund seiner eigenen freien Entscheidung. Schon vor aller Zeit war es sein Plan gewesen, uns durch Jesus Christus seine Gnade zu schenken. Und das ist jetzt, wo Jesus Christus in dieser Welt erschienen ist, Wirklichkeit geworden. Er, unser Retter, hat den Tod entmachtet und hat uns das Leben gebracht, das unvergänglich ist. So sagt es das Evangelium, wovor fürchten sie sich? Wovor habt ihr Angst, liebe Gemeinde? Und damit meine ich nicht Ängste, mit denen wir in der Regel gut klarkommen, etwa die Angst vor Hunden oder die Höhenangst. Ich meine Angst, die uns stark bestimmt und beeinflusst und die uns hilflos macht vor dem ungebremsten Klimawandel. Angst vor Krieg bei uns in Europa. Angst an die Armutsgrenze abzurutschen, vor allem im Alter. Angst vor dem weiteren Erstärken der AfD. In deutschen und europäischen Wahlen gewinnen diejenigen immer mehr Stimmen, die ein Ängste vor Überfremdung und Gewalt durch Migranten appellieren. So viel ist klar, es gibt keine einfachen Lösungen, die die Angst aus lösenden Probleme beseitigen. Und die angebliche Lösung zurück in die Vergangenheit, fremde abschieben, sich abschotten, das ist reiner Populismus. Das Essen Seelen auf heißt ein bekannter Film. Ich gestehe Sorgen, Zorn, Erschöpfung, Ohnmachtsgefühle dringen in meine Seele vor allem nachts und sie lassen sich nicht so einfach vertreiben. Was hilft? Was kann der Angst ihre Grenze aufzeigen, denn darum geht es, dass sie nicht überhand nimmt und immer größer wird. Ob keine Angst reicht nicht. Das weiß auch Paulus im Gefängnis. Und darum setzt er der Furcht eine ganze Theologie entgegen und erinnert an die Grundlagen des Glaubens. Wenn ich unterzugehen drohe, vor lauter Angst, dann kann das helfen. Erinnert an das zu werden, an das was trägt und hält, was da ist und nicht verloren geht. Denn es hat seinen Ursprung in Gott. Gott hat uns gegen den Geist der Furcht seinen Heiligen Geist gegeben. Etwas, das ich nicht selber machen kann, sondern das in mir ist. Ich muss es nur immer wieder aufwecken. Die Gabe Gottes ist quasi wie im Standby-Modus in mir. Sie ist da, kann nicht verloren gehen oder zurückgenommen werden. Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Was für eine Zusage, was für ein Zutrauen. Wir haben den Geist Gottes in uns, über uns, um uns herum. Er ist uns gegeben, ohne dass ich dafür etwas leisten kann. Und obwohl ich manchmal furchtsam und kleinmütig bin. Dieser Mutmachgeist ist einfach da. Gottes Geist ist wie ein wundersammer Dreiklang. Kraft, Liebe, Besonnenheit. Gott gibt mir Kraft im griechischen Steter Dynamis. Das hat mit Bewegung und Dynamik zu tun. Wo alles erstarrt ist, wo alles festgefahren scheint. Da kommt Bewegung und Schwung in rein. Da sind wieder Schritte möglich, da tun sich neue Wege auf. Ich ahne unwendige Kraft, wo jemand sich ohne Rücksicht auf eigene Vor- oder Nachteile für andere und für die Umwelt einsetzt. Nur von den Wenigsten wird ja in der Zeitung und im Fernsehen gerichtet. Gott gibt mir Liebe. Agape steht im griechischen. Da klingt Gemeinschaft, Verbundenheit, Beziehung an. Ich muss mich nicht zurückziehen, ich soll mich nicht herausnehmen, sondern ich kann auf andere zugehen. Meine Ängste mitteilen, trösten und getröstet werden. Ich ahne Liebe, wo eine Erzieherin sich mit großer Geduld dem aggressiven Kind zuwendet, weil sie weiß, wie schwierig die Umstände in der Familie des Kindes sind. Gott gibt mir Besonnenheit. Ihr Konfermannin wird es sagen Besonnenheit, das klingt aber sehr altmodisch. Auch ein bisschen geheimnisvoll vielleicht, Vornehmen oder Edel. Es stammt vom althochdeutschen Sinnern, Streben, Denken. Besonnenheit heißt überlegt. Und ruhig sein. Klar denken und abwägen, vernünftig und nachhaltig handeln und sich ein bisschen beherrschen, damit es nicht mit einem durchgeht. Ich erlebe Besonnenheit, wo eine Freundin, obwohl ich den Ärger in ihren Augen sehe, in unserer Auseinandersetzung sachlich bleibt, damit er wieder zu einem guten, miteinander finden. Die jüdische Schriftstellerin Rose Ausländer, die den Nazi-Greuel ausgesetzt war, Angst und Schrecken erlebt hat, hat gesagt, wirft deine Angst in die Luft. Da trotzt eine der Furcht mit einer fast schon spielerischen Leichtigkeit. Wirft deine Angst in die Luft. Ich finde, das passt gut zum Trotz des Predigtextes. Der behauptet ja ganz selbstbewusst gegen den Geist der Furcht. Ihr seid darin ganz und gar nicht gefangen. Ihr seid euren Ängsten doch gar nicht ausgeliefert. Ihr seid frei. Denn Gott hat euch Ressourcen gegeben. Kraft, Liebe, Besonnenheit. Liebe Gemeinde, lasst sie uns entdecken und wachhalten, um nicht der Angst zu erlegen. Lasst uns genau dann daran klammern mit Herzen und Händen, wenn Ohnmacht und Sorgen groß sind. Und dann merken, ich kann wieder frei atmen. Ich kann mutig, lebensfeindlich im Reden und Handeln widersprechen. Ich kann zupacken, die Dinge angehen, Probleme lösen. Ich bin stark, stärker, als ich meine. Probier es aus. Mit Gottes Hilfe.