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Judentum · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Talmudisches: Sitzen

Detlef David Kauschke · Juedische Allgemeine, Wochenabschnitt · 2026-09-04 · Quelle

Wissen · Hauptbotschaft Verantwortung · tragend

Talmudische Weisheiten bieten durch die Empfehlung einer ausgewogenen Körperhaltung und die rituelle Praxis des Stehens und Sitzens einen zeitlosen Rahmen für gesunde Lebensführung und spirituelle Disziplin.

Rabbi Jochanan gab den Rat, ein Drittel der Zeit sitzend zu verbringen, ein Drittel zu stehen und ein weiteres Drittel zu gehen.

Der Text verknüpft moderne medizinische Warnungen vor den gesundheitlichen Folgen des Sitzens mit talmudischen Weisheiten. Er zitiert Rabbi Jochanan, der vor übermäßigem Sitzen und Stehen warnt und eine ausgewogene Verteilung der Körperhaltung empfiehlt. Die Frage nach der richtigen Haltung wird im Kontext des jüdischen Gottesdienstes und des Torastudiums behandelt, wobei historische Entwicklungen vom Stehen zum Sitzen geschildert werden. Talmudische Debatten über die Haltung beim Rezitieren des Schma-Gebets und beim Vorlesen der Tora werden dargestellt, um die rituelle Praxis zu erklären. Ein Video des 94-jährigen Michael Kaufman, der fast ausschließlich steht, dient als Beispiel für die Umsetzung dieser Ratschläge im Alltag. Der Text zeigt, wie traditionelle religiöse Texte praktische Lebensführung und Gesundheit beeinflussen können.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Unwissenheit, Illusion, falsche Sicht der Wirklichkeit (erschlossen)
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
Gebote befolgen, Ordnung einhalten, Pflichten erfüllen; Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis
Was ist der Mensch nach diesem Text?
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
Wohin geht die Geschichte?
die Botschaft steht außerhalb der Geschichte
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis; auf die heilige Schrift der eigenen Tradition
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
den eigenen Glaubensgeschwistern
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst (erschlossen)

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

Ketubot 111a · Megilla 21a · Sota 49b · 5. Buch Mose 9,9 · 5. Buch Mose 10,10 · 5. Buch Mose 5,28 · Brachot 10b · Brachot 11a

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
1 von 3
Reichweite
1 von 5
Konkretheit
3 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 3, jetzt 2, künftig 0

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Sitzen ist das neue Rauchen. In »Zeit Campus« war unlängst zu lesen, dass Sitzen eine ähnlich verheerende Wirkung hat wie Tabakkonsum. Das Magazin beruft sich dabei auf Studien amerikanischer Forscher, denen zufolge Menschen, die länger als sechs Stunden täglich sitzen, eine um 20 Prozent reduzierte Lebenserwartung haben. »Wir sitzen uns krank.« Das Verharren auf Stuhl, Sessel und Sofa sei wider die menschliche Natur, heißt es dort. Dass zu langes Sitzen schädlich ist, wussten auch schon die talmudischen Weisen. So wird Rabbi Jochanan (Ketubot 111a) mit den Worten zitiert: »Sitze nicht zu viel, denn Sitzen verursacht Unterleibsschmerzen.« Sitzen oder stehen? Diese Frage stellt sich auch in der Synagoge und dem Lehrhaus. Der Talmud (Megilla 21a) verweist darauf, dass von den Tagen Mosches bis zur Zeit des Rabban Gamliel das Torastudium ausschließlich im Stehen stattfand. Als Rabban Gamliel starb, sei »Schwäche über die Welt« gekommen, die Ehrerbietung gegenüber der Tora (Sota 49b) habe aufgehört, und fortan wurde im Sitzen studiert. Übrigens weist der Talmud auch darauf hin, dass es unterschiedliche Angaben dazu gibt, ob Mosche gesessen oder gestanden hat, als er 40 Tage und Nächte auf dem Berg war, um die »Tafeln des Bundes« zu erhalten. An einer Stelle (5. Buch Mose 9,9) heißt es, er saß, während wenige Verse später (10,10) zu lesen ist: »Und ich stand auf dem Berg.« Die Weisen des Talmuds (Megilla 21a) geben verschiedene Begründungen für den vermeintlichen Widerspruch. Rav sagt, dass Mosche stand, als er die Tora von Gott hörte, und sich hinsetzte, als er sie für sich selbst wiederholte. Rava meint, Mosche studierte einfache Inhalte im Stehen und schwierige Inhalte im Sitzen. Sitzen oder stehen? Diese Frage stellt sich auch in der Synagoge und dem Lehrhaus. Bei den heutigen Gottesdiensten stehen die Beter auf, wenn die Tora in der Synagoge aus dem Schrank geholt oder zurückgebracht wird. Während der Lesung sitzen einige Gemeinden, andere stehen. Der Baal Kore, der Vorleser, trägt den wöchentlichen Toraabschnitt grundsätzlich stehend vor. In der bereits erwähnten Gemara (Megilla 21a) wird Rabbi Abahu zitiert, der mit dem Vers »Steh da mit mir« (5. Buch Mose 5,28) erläutert, dass die Tora nicht im Sitzen vorgelesen werden darf. Und Rabbi Abahu fügt hinzu, dass der Ausdruck »mit mir« darauf hindeutet, dass sogar der Ewige bei der Übergabe der Tora stand. Aus dem zitierten Vers lasse sich auch ableiten, so Rabbi Abahu, dass der Lehrer nicht auf einer Liege sitzen und seinen Schüler unterrichten soll, während dieser auf dem Boden sitzt. Ebenfalls beim Gebet stellt sich die Frage: stehen oder sitzen? Beim Schmone Esre ist die Antwort klar. Der Beter steht, und das wichtigste Gebet des Gottesdienstes wird auch »Amida« (hebräisch: Stehen) genannt. Beim Schma-Gebet ist die Antwort nicht so eindeutig. Denn die Schule Schammais und die Schule Hillels stritten über die richtige Art und Weise, das Schma zu rezitieren. Die Schule Schammais (Brachot 10b) vertrat die Auffassung, dass das Schma-Gebet am Abend angelehnt und am Morgen stehend gesprochen werden sollte. Die Schule Hillels sagt: »Man lese stehend, man lese sitzend, man lese angelehnt, man lese auf dem Wege gehend, und man lese Arbeit verrichtend« (Brachot 11a). Heute kann das Schma-Gebet stehend gesprochen werden, viele bevorzugen es allerdings, dabei zu sitzen, da sie sich in dieser Position besser auf die Bedeutung der Worte konzentrieren können. Noch einmal zurück zum eingangs erwähnten Rabbi Jochanan. Er wird in Ketubot (111a) auch mit folgendem Hinweis zitiert: »Stehe nicht zu viel, denn das Stehen ist dem Herzen schädlich.« Rabbi Jochanan gab den Rat, ein Drittel der Zeit sitzend zu verbringen, ein Drittel zu stehen und ein weiteres Drittel zu gehen. Im Netz kursieren Videos mit dem orthodoxen Jerusalemer Buchautor Michael Kaufman (Am I My Bodyʼs Keeper?) . Er erklärt, dass er den ganzen Tag steht und sich bewegt. Die Gemara lernt er auf dem Crosstrainer. Seine Texte schreibt er am Stehpult. Und eigentlich setze er sich nur zum Essen. Der Mann ist 94 Jahre alt! Simanim Äpfel, Erbsen, schwingende Hühner Die Feiertage sind voller symbolischer Speisen und Rituale. Ist das Aberglaube? Nicht unbedingt, sagen die Weisen von Rebbetzin Chana Baumel 10.09.2026 Hohe Feiertage »Die Sterne neu berechnen« Aster Taylor über Astrophysik, die Berechnung des Himmels und den Ausgang der Festtage von Mascha Malburg 10.09.2026 9/11 Suche nach Gewissheit Auch 25 Jahre nach dem Terror sind noch nicht alle Opfer eindeutig identifiziert. Das stellte jüdische Gelehrte vor halachische Fragen – neben dem großen Ringen um eine religiöse Erklärung für die Katastrophe von Rabbiner Dovid Gernetz 08.09.2026 Nizawim–Wajelech Geheimnis des Neubeginns Die Rückkehr zum Ewigen ist ein tiefgreifender Prozess – für den Einzelnen und das ganze Volk von Rabbiner Salomon Almekias-Siegl 03.09.2026 Interview »Meine Musik soll Herzen öffnen« Motty Steinmetz ist in der orthodoxen Welt ein Superstar. Sein Großvater überlebte Auschwitz, nun tritt er zum ersten Mal in Deutschland auf. 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