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Katholisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

"Was glaubst du?" mit Astronaut Gerhard Tiele

Bistum Würzburg · Was glaubst du? (Radio Bistum Würzburg) · 2026-08-21 · Würzburg · Quelle

Wissen · Hauptbotschaft Hoffnung · tragend Dankbarkeit

Die Erforschung der Natur und die spirituelle Erfahrung des Alls sind für den gläubigen Menschen keine Gegensätze, sondern komplementäre Wege zur Erkenntnis des Schöpfers und zur Überwindung der Angst vor dem Tod.

Natürlich schließen sich Naturwissenschaften und die Spiritualität oder das Glauben überhaupt nicht aus. Es sind für mich zwei Seiten ein und derselben Wirklichkeit.

Der Text dokumentiert das persönliche Glaubenszeugnis des Astronauten Gerhard Thiele, der seine Erfahrungen im Weltall als spirituelle Begegnung beschreibt. Er verbindet die faszinierende Schwärze des Alls mit dem Bild des schaffenden Gottes und sieht in der Naturwissenschaft eine von Gott gegebene Gabe zur Erkenntnis. Thiele betont, dass Wissenschaft und Spiritualität keine Gegensätze sind, sondern zwei Seiten derselben Wirklichkeit. Sein Glaube, der in der evangelischen Kindheit begründet wurde, ist für ihn ein unverrückbarer Halt im Alltag und in schwierigen Situationen. Er beschreibt das Gebet als Hilfe, um Sorgen abzugeben, und akzeptiert, dass Gottes Wege unerforschlich sind. Die Angst vor dem Tod fehlt ihm; das All erscheint ihm als Heimat und Ursprung. Der Text schließt mit der Überzeugung, dass der Mensch dort herkommt und dorthin zurückkehrt, wo er seine Wurzeln hat.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Leere, Orientierungslosigkeit, Verzweiflung (erschlossen)
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
persönliche Erfahrung, Zeugnis, Begegnung mit Gott oder Menschen; Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis
Was ist der Mensch nach diesem Text?
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
Wohin geht die Geschichte?
die Botschaft steht außerhalb der Geschichte (erschlossen)
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf eigenes Erleben, Zeugnis, Begegnung; auf die heilige Schrift der eigenen Tradition
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens (erschlossen)
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
der Text kritisiert nicht

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

1 Mose 1,2

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
1 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 2, jetzt 2, künftig 2

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Sie sitzen im Raumschiff im Schattel, löschen die Lichter im Cockpit, dimmen das Display des Computers und schauen hinaus hinein ins All. Das für mich faszinierendste und in gewisser Weise tatsächlich wunderbarste war der Blick genau weg von der Erde, da wo es absolut dunkel ist. Und das war eine Schwärze, so wie ich noch nie die Farbe schwarz erlebt habe. Und ich habe schon schwarze Situationen tatsächlich erlebt. Es ist dieses Schwarz, das Gerhard Thiele fasziniert, überwältigt. Wenn er darüber spricht, strömen, fließen die Worte aus ihm heraus, obwohl er sie sonst bewusst auswählt, sich präzise ausdrückt, eindeutig, sich kurz hält, keine Worte verschwendet. Das war für mich völlig überraschend, einfach deswegen, weil niemand davon vorher erzählt hat, vielleicht rein hat vor, der hatte diese Schwärze, die glitzende Schwärze des Weltalls genannt. Und da habe ich, glaube ich, geahnt, was er damit gemeint hat. Gerhard Thiele überlegt, stockt, sucht nach Worten. Besonders unmittelbar verbunden gefühlt mit Gott, hat er sich nicht, als er im Himmel, im All war. Mehr war es dieses glitzende Schwarz, das er damit in Verbindung bringen könnte. Dabei scheint es oft, als würden die Menschen umso weniger an die Religion, an Gott glauben, je mehr sie wissen, über die Naturwissenschaften, die Physik, die Erde, die Planeten, das All. Natürlich schließen sich Naturwissenschaften und die Spiritualität oder das Glauben überhaupt nicht aus. Es sind für mich zwei Seiten ein und derselben Wirklichkeit. Gerhard Thiele glaubt an einen Gott, der den Menschen erschaffen hat mit einem Geist, der danach fragen soll, wie diese Welt funktioniert, der sich bemühen soll, diese Welt zu verstehen. Einen Gott, der den Menschen verschiedene zufällige Gaben geschenkt hat, ihm die Gabe für Physik zu studieren. In der Bibel gibt es ja viele Attribute, die Gott hat, aber für mich steht eindeutig das Schöpferische im Vordergrund. Schwarz ist er, der feine, dünne Rollkragenpullova, den Gerhard Thiele trägt. Dunkelblau, das schlichte Sacko darüber. Er erinnert sich an die Worte, mit denen die Bibel beginnt. Die Schöpfungsgeschichte, die vom Geist Gottes erzählt, der über dem Wasser schwebte. Das ist der für mich aller entscheidende Satz. Das heißt für mich, da hinter ist eine Bedeutung. Das bedeutet aber nicht nur, dass Gott etwas mit dieser Erde vor hat, sondern auch mit den Menschen vor hat und damit auch mit mir vor hat. Gerhard Thiele erinnert sich, dass es seine Familie war, die den Grundstein, das Fundament seines Glaubens gelegt hat. Die ihn in evangelische Kindergottesdienste geschickt hat, in denen es Bilder gab vom lieben Gott mit dem weißen Bad, die er ausmalen durfte. Dieses Bild von Gott hat sich verändert. Sein persönliches Verhältnis ist geblieben. Ich war sicherlich nie immer gleich nah mit der Kirche verbunden, aber der Faden ist nie wirklich abgerissen. Dünn, dratig ist Gerhard Thiele. Überlegt, ob es irgendetwas gäbe, dass diesen Faden durchtrennen könnte. Das wäre vermessen zu sagen, das kann nicht passieren. Wer weiß, was auf mich noch wartet. Deswegen würde ich mir wünschen, dass das nie passiert. Aber ich kann das nicht komplett ausschließen. Ich bin bekennender Christ. Und daran wird sich hoffentlich nichts ändern. Für mich erscheint es im Moment unverrückbar. Heute geht er regelmäßig in die Kirche, betet im Alltag seine zwei Lieblingsgebete. Manchmal plötzlich spontan, manchmal in besonderen bestimmten Situationen. Wenn er weiß, dass er alles getan hat, was er tun konnte, seine Sorgen anliegen abgibt an Gott. In gewisser Weise ist es vielleicht ein Halt. Es ist eine Hilfe, sonst würde ich es nicht sagen. Auch wenn er weiß, dass er nicht immer erhört wird. Oft genug nicht passiert. Da haben wir noch einen Strauß auszubechten, wenn wir uns mal gegenüberstehen sollten. Doch Zweifel an seinem Glauben hat er deswegen nicht. Er schüttelt den Kopf mit den dünnen, schneeweißen Haaren, die sich wie ein feiner Kranz um seinen Kopf liegen. Die Wege des Herrn sind unerforschlich. Wenn das nicht so läuft, wie ich das will, dann läuft es halt nicht so, wie ich das will. Aber ich kann ja nicht die Schuld dafür dem lieben Gott in die Schuhe schieben. Er schaut durch seine Brille. Rahmenlos ist sie schlicht dezent, trägt eckige, kantige Gläser, dünne, krazile Bügel aus feinem Draht, die sich hinter den Ohren festzuhalten scheinen. Das ist ein mechanistisches Bild, das der liebe Gott eingreift wie ein Handwerker, wie ein Urmacher, der alles fein austariert. Aber das entspricht nicht dem Bild, was ich von Gott habe. Doch manchmal in unschönen, unangenehm Situationen, da er tabt erwischt er sich, dass er Gott gerne fragen würde. Nachdem warum? Irgendwann werde ich mit ihm am Strand spazieren gehen. Und dann werden am führmoment die verschiedenen Stationen des Lebens aufleuchten. Wenn man dann zurückguckt, dann stellt man fest, dass man zwei Fußspuren im Sand zieht. Und manchmal halt nur eine, sie kennen die Geschichte. Und die ist diejenige, die mich eigentlich immer trägt. Gerhard Thiele hat keine Angst vor dem Tod. Dieses unendliche, endliche Schwarz aus dem All, es fühlt sich für ihn nicht gefährlich, bedrohlich an. Das war Heimat. Ich hatte schon das Gefühl, das ist, wo ich hergekommen bin. Und da ist auch der Ort, wo es wieder mit mir hingeht.