omnist.world

English

Judentum · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Zwischen Rap, Identität und Widerstand - Ein Gespräch mit Ben Salomo

Un(d)orthodox – Jüdische Gemeinde Düsseldorf · Un(d)orthodox – Jüdische Gemeinde Düsseldorf · 2026-08-11 · Düsseldorf · Quelle

Wahrhaftigkeit · Hauptbotschaft Gemeinschaft · tragend Gerechtigkeit · tragend

Die deutsche Rapszene hat nach 2001 ein strukturelles antisemitisches Problem entwickelt, das sich in Texten und Backstage-Gesprächen zeigt und in dem extreme Linke und extreme Rechte zusammenfinden.

die extreme Rechte und die extreme Linke kommen beim Antisemitismus wunderbar zusammen

Ben Salomo beschreibt seinen Weg in die deutsche Rapszene ab etwa 1998 und erklärt, warum Rap für ihn eine niedrigschwellige, textlastige und emotional ausdrucksstarke Form war. In den Anfangsjahren erlebte er die Szene als offen und als Safe Space für jüdische und israelische Identität. Nach dem 11. September 2001 tauchten zunehmend antisemitische Narrative auf, zunächst in Backstage-Gesprächen, später in Raptexten. Er erinnert sich an ein Tape um 2002, das Zionisten als ideologische Gegner benannte und antisemitische Formulierungen enthielt. Der Sprecher des Podcasts ordnet dies als Bestätigung der Hufeisentheorie ein: extreme Linke und extreme Rechte würden sich beim Antisemitismus treffen. Salomos jüdische Herkunft und sein Outing als Zionist machten ihn in der Szene zu einer Projektionsfläche. Der Text verknüpft persönliche Erfahrung mit der Beobachtung struktureller Verschiebungen in der Rapszene und der breiteren Gesellschaft.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Feindschaft, Hass, Zerfall der Gemeinschaft; Unwissenheit, Illusion, falsche Sicht der Wirklichkeit
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis; Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit (erschlossen)
Was ist der Mensch nach diesem Text?
selbstbestimmt, Urheber seines Handelns (erschlossen)
Wohin geht die Geschichte?
es wird schlechter, eine Ordnung geht zu Ende
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf eigenes Erleben, Zeugnis, Begegnung; auf Argument, Logik, Wissenschaft
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens (erschlossen)
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf andere, die Gesellschaft, andere Gruppen

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Gemessen

Grundhaltung
-1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
4 von 5
Konkretheit
3 von 3
Abgrenzung
2 von 3, benannt: Antisemitische Akteure in der Rapszene und in der Gesellschaft
Zeitbezug
früher 2, jetzt 3, künftig 0

Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Auf einem Tape, das mir gegeben wurde von einem Typen, den Label besitzt, der sich eher als Links versteht. Also daran sieht man schon, wie 2002 ... ... doch dieses Hufeisen, worüber immer wieder Leute diskutieren, ob es das als Theorie gibt. Ich würde sagen, doch, es bestätigt. Die extreme Rechte und die extreme Linke kommen beim Antisemitismus wunderbar zusammen. Hallo zu einer neuen Folge von und-Autologs, der jütsche Podcast für Unschlüsstige mit mir. In dieser Folge freue ich mich auf einen Gesprächspartner. Ich habe den Rapper Ben Salomo zu Gast, der mit bürgerlichem Namen Jonathan Kalman Nobbel scheißt. In diesem Gespräch wird er mir verraten, wann und warum er der Rapszene den Rücken zugekehrt hat und wie er die aktuellen Strukturen bewertet. Ich freu mich, dass du dir die Zeit nimmst für diesen Podcast. Freut mich wirklich. Freut mich auch, dass wir uns hier wiedersehen, auch in Berlin, nachdem wir uns in Düsseldorf getroffen haben. Ich würde mich auch an deinem Podcast teilnehmen dürfen. Dann starten wir direkt, wir gehen direkt tief ins Thema rein. Du warst lange Teil der Rapszene. Was hatte ich erst mal zu Musik gebracht? Schon in meiner Jugendzeit oder überhaupt in meiner ganzen Familie spielt Musik immer schon eine große Rolle. Meine Eltern haben gerne Musik zu Hause gehört. Wir waren auch ziemlich musikalisch. Meine Mutter konnte Klavier spielen. Mein Vater war ein Auto-Didakt, ein bisschen Gitarre, war schon immer etwas Präsentes bei uns in der Familie. Ich musste obligatorisch Musikinstrumenten lernen, Klavier spielen, war es bei mir. Ich habe nicht allzu lange durchgehalten, aber Musik war immer etwas Präsentes. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mir das Singen großen Spaß macht. Sowieso ein jüdischer Familie wird gesungen und an Feiertagen die üblichen Lieder. Das war eigentlich immer schon sehr präsent. Irgendwann habe ich gemerkt, dass es mir Spaß macht, Lieder umzudichten auf Deutsch, aus dem Text, der was anderes war, was Neues zu machen. Und dann irgendwann wurden daraus Gedichte, auch ohne Musik. Ich hatte dann schon sehr früh das Talent bemerkt, dass ich mit Sprache auch gut umgehen kann. Und als dann irgendwann diese Raps, diese Rapmusik bekannter wurde, habe ich mich das allererste Mal daran versucht. Erst mal natürlich auch so umgedichtet. So andere Raptexte, die auf Deutsch waren, beispielsweise habe ich dann so flowmäßig umgedichtet, Dinge, die ich irgendwie sagen wollte. Und dann irgendwann fing ich an, dachte ich mir, okay, ich glaube, das ist etwas, was mir großen Spaß macht. Und irgendwie mit meinem Freundeskreis gab es dann auch schon viele, die irgendwie mit diesem Rap und Hip-Hop irgendwie zu tun hatten, der eine war irgendwie so DJ, ein anderer baute sich da so ein bisschen so ein Studio auf und ging so in eine Produzierenrichtung und ein anderer, der fing auch an zu rappen. Und für mich war das halt auch sehr spannend, weil es eine Ausdrucksform war, die mir ermöglichte, so meine Gedanken und Gefühle, dem ein Ventil zu geben. Und vor allen Dingen, weil ich gemerkt habe, zumindest damals in der Anfangszeit, war dieses Hip-Hop auch noch sehr open-minded. Und das spielte nicht so eine Rolle irgendwie, woher du kommst. Also du konntest darüber halt reden, woher du kommst, deine Kultur, Religion und so weiter, ohne dass man dich da direkt irgendeine Schublade gesteckt hat oder vielleicht dich ausgegrenzt hat, sondern es war ziemlich open-minded. Und für mich war das dann für die ersten Jahre auch ein Safe Space, so Dinge zu artikulieren, wo ich so das Gefühl hatte, die kann ich nirgendwo anders loslassen. Und es fing an, machte direkt sehr großen Spaß und interessant war halt auch. Da waren wir dann irgendwo auf einer Party eingeladen. Das ist wirklich eine ganz wilde Zeit gewesen. Und plötzlich sagt einer, wir haben hier ein Mikrofon, will irgendwann Remand rappen. Und dann ging einer ran, fing an zu rappen oder zu freestyle. Und dann kommt noch einer und auf einmal entsteht auf dieser Party so eine kleine Cypher und das Publikum, also eigentlich die Partygäste sitzen dann drum herum oder stehen und fangen an zu klatschen. Und auf einmal lernt man neue Leute kennen. Oh, das war ein cooler Text. War das Gefreestyle? Also plötzlich gibt es so Support und Interesse. Und ja, es war auf jeden Fall eine sehr, sehr coole Anfangszeit. Und so rutscht ich da rein und fing an, dass irgendwann auch richtig ernst zu nehmen, sprich regelmäßig zu üben, regelmäßig Konzerte zu besuchen, wo es halt auch Cypher gab und wo man auf die Bühne geht, Bühnerfahrung sammelt, vielleicht dann sich die ersten Auftritte selbst organisiert und so weiter. Und dann ging das los. Ja, so war das. 20 Jahre lang war ich in dieser Szene im Infekt. Ja, krass. Wenn du das beschreiben kannst in aller Kürze, was ist der Unterschied außer jetzt, wenn du die Musik hörst, aber was ist der Unterschied an der Rapmusik zu allen anderen Genres, wie Pop wie Rock? Ja. Also erst mal, ich würde sagen, in der Rapmusik, da brauchst du wirklich zunächst einmal nur das Talent, in der Lage zu sein, zu sprechen und in der Lage zu sein, zu schreiben dir irgendwelche Texte so vielleicht aufzuschreiben, deine Gedanken. Also es ist wirklich etwas sehr, sehr niedrigschwelliges. Wenn man zum Beispiel andere Musikgenres nimmt, wie zum Beispiel Rock, da musst du schon singen können. Ist ja noch mal ein Level höher als einfach Rapmus. Irgendwo zumindest der Einstieg ist einfacher. Zwar gibt es andere Techniken, die dann vielleicht auch wieder umschwieriger sind, aber für den Anfang. Und du musst jetzt nicht unbedingt ein Musikinstrument beherrschen. Ja, sowieso, wenn einfach nur ein Beat läuft, da kannst du halt einfach auch improvisieren. Das ist, finde ich, in anderen Musikgenren, der Einstieg nicht so einfach. Und das ist erst mal etwas, wo ich einen Unterschied sehe. Und dann ein Unterschied liegt auch darin. Es ist natürlich Rapmusik sehr, sehr textlastig. Das bedeutet, du hast viel mehr Raum für textbezogene Inhalte. Und du kannst damit so halt auch so ein bisschen vielleicht noch komplex, also Themen noch komplexer behandeln. Noch ein bisschen tiefer, noch mehr in die Tiefe gehen. Als vielleicht in anderen Musikgenres, wobei es nicht heißt, dass andere Musikgenres, obwohl sie weniger Text haben, emotional nicht mindestens, vielleicht sogar noch tiefer, die Seele erreichen können. Das will ich damit nicht sagen. Es hat einfach noch mal ein anderes Handwerk auch. Und hat auch zum Beispiel das Potenzial, gewisse Emotionen auszudrücken, die vielleicht in anderen Genres weniger auftauchen. Zum Beispiel Wut. Natürlich kann man auch Wut in Rock und so weiter ausdrücken. Aber schon auch auf eine andere Art und Weise im Rap. Und das gab für mich halt auch sehr, sehr viele Gefühle, die ich so als Jugendlicher zu verarbeiten hatte. Und Rap bot mir dafür einfach die perfekte künstlerische Plattform. Du hast dich dann später über Antisemitismus in der Rap-Szene geäußert. Wann wurde dir klar oder wann wurde dir auch bewusst, dass die Rap-Szene offensichtlich ein strukturelles Problem hat? Also zunächst einmal, weil die ersten Jahre für mich ja eigentlich in dieser Szene sehr entspannt liefen und ich keine Ausgrenzungsgefühle hatte, sondern eher Interesse, habe ich eigentlich in den ersten Jahren mich ziemlich wohl gefühlt. So ungefähr ab dem Jahr 2001, also da habe ich dann schon drei Jahre mich in dieser Szene bewegt. Ich fing ja so den Einstieg 1998 ungefähr ab dem Jahr 2001 nach den Anschlägen des 11. Septembers, also späten Verlauf des Jahres. Kurz danach tauchten so die ersten antisemitischen Narrative auf, die ich auch in so Backstage-Bereichen mitbekommen habe oder wenn Leute plötzlich mit denen ich vorher nie über meine jüdische oder israelische Herkunft irgendwie so ein kritisches Gespräch hatte führen müssen, kam plötzlich auf mich zu und sagten, ey, du bist doch in Israel geboren oder du bist doch Jude. Und ich sag so, ja, stimmt es eigentlich so, dass der Moss hat Bescheid wusste, dass das den 11. September, also dass das diese Anschläge geben würde und so was. Also so eine Narrative tauchten plötzlich auf die wir heute bekannt als diese Trusa-Bewegung kennen oder auch andere Verschwörungs-Ligenden oder plötzlich war dann, weil ich Jude war, wurde ich dann plötzlich gefragt, ob es denn stimmt, dass die Rothschilds die Banken kontrollieren. Und das sind alles so Dinge, die vorher nicht so wirklich in dieser Szene zumindest in den Anfangsjahren besprochen wurden. Ich kannte einige dieser Legenden und Lügengeschichten schon, auch aus der Geschichte des Antisemitismus, ich meine die Sache mit den Rothschilds, wenn nichts Neues, dass Juden angeblich irgendwie was kontrollieren, die Medien und so weiter, das haben ja auch schon die Nazis verbreitet. Und ich meine, das sind so, wenn man sich mit dem Thema Antisemitismus beschäftigt, was bei mir in meiner Familie zwangsläufig durch die Familiengeschichte der Fall war, weil beide Großeltern, also auf beiden Seiten der Familie, Schuarüberlebende waren und sich auch man sich mal fragte, wie konnte es zu der Schuar kommen? Und wenn man sich damit ein bisschen auseinandersetzt, dann taucht man schnell, geht man schnell rein in die Propagandanarrative, die die Nazis oder auch in der Jahrhunderte alten Antisemitismus-Kulturgeschichte in Europa verbreitet wurden. Die Blutlegende angeblich Juden würden irgendwelche Kinder umbringen und aus ihrem Blut irgendwelche Matzebrote herstellen. Also all das war mir dann schon bekannt. Und irgendwo tauchten dann plötzlich ähnliche oder abgewandelte oder transformierte Narrative in dieser Rapszene auf. Und ich als einziger für die meisten hier in der Berliner Rapszene, als einziger irgendwie bekannter Rapper oder jemand in dieser Szene, der sich jüdisch auch mit seinem Künstlernamen irgendwann geoutet hat oder hier oder da auch Textpassagen. Ich wurde zu so einer Projektionsfläche oder zumindest so eine Anlaufstelle, wo man mal fragen könnte, ob das ein oder andere stimmt. Da fingst du langsam an, ab dem Jahr 2001, 2002. Und dann plötzlich tauchten dann Abseits von irgendwelchen Backstage-Bereichen und solchen Geräune in solchen Gesprächen, Hintergrundgesprächen, tauchten dann so diese ersten Narrative in Raptexten von manchen Rappern auf, auf Tapes, die ich zu zugesteckt bekam, von irgendjemandem, ja, hörte das doch mal an, das ist ein Tape. Ich hörte mir das so an. Und auf einmal werden da so antisemitische Aushangen getätigt. Beispielsweise erinnere ich mich, es war so ungefähr 2002, da gab es so ein Tape und da hieß dann schon direkt am Anfang, das Intro des gesamten Tapes. Ja, unser Name ist so und so und unsere ideologischen Gegner sind. Zionisten, da, da, da, da, da, ich so, ja, Zionisten, jetzt hier ideologische Gegner. Und dann, ich denke mir so, hey, ich bin Jude, ich bin Israeli, ich bin auch Zionist, so, ich halte das Existenz richtig Israel absolut legitim. Das ist gar keine Debatte, ja. Und ich weiß, dass Zionismus ist, ja. Dann brauchen wir jetzt hier auch nicht das weiter ausführen. Wir wissen das. Und ich dachte, warum bin ich jetzt hier der ideologische Gegner? Und dann höre ich halt so weiter in dieses Tape rein und bin schon immer mehr geschockt. Manche Aussagen wie zum Beispiel, ey, du bist genauso sinnlos wie das Juden-Mahnmal am Brandenburger Tor. Also so eine Sprache, Juden-Mahnmal, ja. Das ist wirklich, könnte man sagen, eigentlich ein rechtsextremistisches Sprechweise. Und das auch noch im Rap auf einem Tape, das mir gegeben wurde von einem Typen, der ein Label besitzt, der sich eher als links versteht. Also daran sieht man schon, wie 2002 doch dieses Hufeisen, worüber immer wieder Leute diskutieren, ob es das so als Theorie gibt. Ich würde sagen, doch, ja, es bestätigt, die extreme Rechte und die extreme Linke kommen beim Antisemitismus wunderbar zusammen. Und das sehen wir auch heute in unserer Gesellschaft. Und ich hab das dann schon da auf so einem Tape, das erst mal so mitbekommen und es waren noch keine bekannten Rapper. Dann kamen bekannter Rapper wie zum Beispiel Bushido, der dann auch Textpassagen hatte oder mit dieser ausgelöschten Israel-Silhouette auf seinem Twitter-Kanal, wo dann plötzlich die Flagge Palästinas in Anführungsstrichen, ja, darüber gemalt war und damit eigentlich das Existenzrecht Israel delegitimiert wurde. Und ich immer mehr merkte, okay, das sind jetzt hier keine Einzelfälle mehr. Und das ist hier auch nicht mehr nur noch irgendwelche Hintergrundgespräche, wo man mal eine Frage hat und Aufklärung wünscht, sondern es wird immer mehr zu Überzeugung und Ideologie. Und dann gab es immer mehr Rapper und dann gab es auch irgendwann irgendwelche Manager, die hier oder da mir es zu verstehen gegeben haben, dass ich mit meinem Hintergrund da irgendwie anecke, ja. Und für mich war das eigentlich sehr traurig, das mitzuerleben. Vor allen Dingen, weil ich kannte Antisemitismus und Diskriminierung bereits aus meiner Schulzeit. Und gerade RAP hab ich eigentlich als Ventil gewählt, um mich resilient zu machen, um meine Identität zu stärken und um auch ein bisschen ein Sprachrohr zu sein für Menschen, die vielleicht Ähnliches erleben. Nur um dann mit den Jahren festzustellen, dass das, was einmal eine Szene war, die open-minded war für wirklich jeden, plötzlich weiterhin mehr open-minded ist für jeden außer für Juden. Und außer für Juden mit noch zusätzlich israelischem Hintergrund und natürlich auch mit mir als jemand, der auch hinter das Existenzrecht Israels bedingungslos steht. Da gibt es keine Frage, wenn Deutschland nach der Shoah ein Existenzrecht hat, dann hat jedes Land ein Existenzrecht, wenn es ein Volk hat, das eben auch ein Selbstbestimmungsrecht haben möchte, so wie wir Juden. Und das war schon traurig mit anzusehen. Du hast jetzt gerade über das strukturelle Problem der RAP-Szene gesprochen. Wie lässt sich denn deiner Meinung nach, oder wenn es überhaupt diese Option auch gibt, wie lässt sich das überhaupt noch eindämmen? Wie kann man das noch irgendwie wieder auf eine richtige Bahn bringen? Ich glaube, es muss anders laufen. Ich glaube, Juden müssen sich ihre eigenen Strukturen aufbauen. Und es ist auch wiederum nichts Neues. Juden wurden beispielsweise in den USA oder auch in Europa beispielsweise wurde der Zugang erschwert, in Krankenhäusern behandelt zu werden. Also haben Juden eigene Krankenhäuser gebaut. Sowas in den USA auch. Juden müssen sich wahrscheinlich, leider so ist das wieder, ihre eigenen Strukturen aufbauen, sprich eigene Labels, sprich eigene Marketingwege. Weil ich glaube, in dieser Szene, und ich würde nicht nur sagen, eine RAP-Szene, also der gesamte Kulturbetrieb, wie wir ja sehen, schon vor dem 7. Oktober, aber auch nach dem 7. Oktober deutlich sichtbar, der ganze Kulturbetrieb, weite Teile davon, sind von Menschen besetzt, die verschiedene, gerade an antisemitischen Überzeugungen haben. Manche bewusst da, manche weniger bewusst, ganz, ganz, ganz oft im israel bezogenen Antisemitismus ausgedrückt. Und da entsteht zwangsläufig dann halt eine Ausgrenzung von jüdischen Künstlern oder jüdischen Akteuren. Es gibt vielleicht eine Art Schein, den man machen kann, um Einzug zu erhalten, um Plattformen zu bekommen. Da muss man halt israel kritisch gegenüberstehen, also komplett. Dann hört man die zu, dann wirst du sogar sehr geplattformt. Aber das ist nichts Neues. Also wirklich, weil sich mit dem Thema Antisemitismus befasst, wird auch auf verschiedene große Dichter der deutschen Kulturgeschichte stoßen, die jüdischen Hintergrund hatten und erst dann erfolgreich wurden, als sie getauft wurden. Sie tauchten sich zum Christentum oder versuchten jüdisch sein, irgendwie abzulehnen oder kritisierten das Judentum. Und das brachte ihnen dann in der Mehrheitsgesellschaft plötzlich die Legitimität. Sie lösten das Billett ein, um erfolgreich zu sein mit ihrer Kunst, mit ihrer Musik. Und so wird es heute halt dann auch von Juden erwartet, sich jetzt eben nicht vielleicht von der jüdischen Religion sozusagen zu distanzieren, sondern vom jüdischen Staat. Also ist es halt einfach nur die Transformation von ein und demselben Antisemitismus. Und das ist natürlich etwas, was ich nie machen würde, nie machen wollte, nie machen werde. Es gibt Jüdinnen und Juden, die das vielleicht tun. Und das bringt ihnen dann halt ihr Game und ihr Business. Und dadurch sind sie halt geplattformt und relevant. Aber sie sprechen definitiv nicht für die Mehrheit der Jüdinnen und Juden in Deutschland und weltweit. Für mich kam das halt niemals in Frage. Deswegen glaube ich, Jüdinnen und Juden, wir Juden, wir müssen uns unsere eigenen Strukturen aufbauen und diese eigenen Strukturen dann so erfolgreich machen und die Musik oder was auch immer die Kunst, die da entsteht, oder die Filme so erfolgreich machen, wie es nur geht. Und ich meine, man sieht es auch in den USA. Da wurden Juden auch in den Anfangsjahren des letzten Jahrhunderts Schwierigkeiten hier oder da, oder so nicht eingestellt. Wann haben die Juden gemacht? Ja, sie haben dann die Filmbranche erfunden. Ja, und Hollywood wurde im Prinzip auch eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für jüdische Schauspieler oder jüdische Kameraläute oder Regisseure, weil sie technisch und kreativ sehr eigentlich besser waren, aber trotzdem, weil man Jude war. Und das ist halt der strukturelle Antisemitismus. Ja, und heute ist traurig das mit anzusehen, dass wir das heute in Deutschland nach der Shoah ein Land, das sich schwor nie wieder, aber das eigentlich nicht mehr weiß, was mit nie wieder gemeint ist, dass es hier schon wieder so ist, dass Juden in verschiedenen künstlerischen und auch anderen Bereichen ausgegrenzt werden und sie wieder darauf angewiesen sind, eventuell ihre eigenen Strukturen zu schaffen. Deswegen, ich glaube, nicht das insbesondere, die Rapszene. Ich sehe nicht, dass dort kurz und mittelfristig ein Wandel stattfinden kann. Es ist ja nur nicht mal so weit, dass man dort ein ausreichendes Problembewusstsein hat. Deswegen, glaube ich, wir müssen eher eigene Strukturen aufbauen. Wenn wir jetzt auf dich persönlich schauen, die Musik ist ja deine Leidenschaft. Aber du praktizierst aktuell nicht als Rapper, als zumindest nicht für die Öffentlichkeit. Ja. Bekomme ich es nicht mit? Ja. Aber was müsste denn dann noch passieren, auch für dich persönlich, wo du sagst, also klar, die Rapszene, das ist eine Szene für sich, aber es gibt ja auch die Möglichkeit, Musik zu machen, Rapmusik zu machen, wahrscheinlich auch ohne diese Szene anzuspielen zu müssen. Ja, also es ist natürlich auch immer sehr eine Frage von Lebensabschnitt. Wäre ich jetzt Mitte 20 und noch ohne Kinder und kann auch ganz anders, sag ich mal, und einfacher mein Lebensunterhalt bestreiten und hab automatisch auch viel mehr Zeit, dann in diesen Jahren kann man durchaus, auch wenn die Strukturen so schwierig oder eben kaum gegeben sind, kann man trotzdem Musik machen und vielleicht auch mit den Methoden und Technologien unserer Zeit auch durchaus veröffentlichen. Bei mir ist halt automatisch durch mein Lebensabschied mit drei Kindern und so weiter und ich muss es versorgen und so weiter, bleibt nicht unbedingt allzu sehr viel Zeit, um sich wirklich mit dem Anspruch, den ich an Musik habe, das ist auch noch eine Frage von Anspruch. Klar, kann man irgendwie so irgendwas veröffentlichen, aber wenn es um professionellen Anspruch geht, da ist es bei mir aktuell gerade nicht so einfach. Dennoch veröffentliche ich ja Musik, zwar nicht so wie früher, so sehr regelmäßig, aber immer wieder zu relevanten Themen oder in relevanten Zeiten, wo es irgendwie gefragt ist. Dann bringe ich Musik auf den Markt beziehungsweise über meine Instagram-Seite oder auch das eine oder andere Tag, taucht auch Spotify auf. Was ich jetzt auch mache, seit es KI gibt, ich nutze meine Songwriting-Skills, um halt politische Musik zu machen. Beispielsweise habe ich mich sehr engagiert für die Freiheitsbewegung im Iran und ich habe da mit KI generierte Musik v