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Liberal · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Allgemeine Rabbinerkonferenz

ohne Namen · Allgemeine Rabbinerkonferenz – Paraschat HaSchawua · 2026-09-10 · Berlin · Quelle

Gemeinschaft · Hauptbotschaft Hoffnung · tragend Demut

Der Aaronitische Priestersegen ist auch ohne theologisches Wissen und ohne strenge Religiosität ein zugängliches, tröstendes und gemeinschaftsstiftendes Ritual, das Frieden und göttlichen Schutz in den Alltag bringt.

Auch die Melodie des Priestersegens, des Kiddusch oder des Kol Nidre sind Gottesdienst, selbst wenn man die Worte nicht versteht oder gar nicht kennt

Der Text erklärt den Aaronitischen Priestersegen (Birkat Kohanim) aus dem 4. Buch Mose als ältesten überlieferten biblischen Segensspruch und seine liturgische Praxis im jüdischen Gottesdienst. Anhand einer Anekdote eines Rabbiners wird gezeigt, wie der Segen einem depressiven, arbeitsüberlasteten Geschäftsmann als schlichtes, alltagstaugliches religiöses Erlebnis zugänglich wird. Die drei Segenszeilen werden mit Kommentaren von Raschi, Ibn Esra und Sforno ausgelegt: Wachstum positiver Eigenschaften, göttliche Erleuchtung und Frieden. Der Frieden wird als umfassend beschrieben und ausdrücklich auch auf Nichtjuden ausgeweitet. Der Text betont, dass bereits das Summen der Melodie ohne Worte als Gottesdienst und Verbindung zur Tradition der Söhne Aarons gilt. Der Gegenwartsbezug liegt in der Entlastung von religiöser Überforderung und der Einladung zu einem minimalen, aber verbindenden Ritual im Familienalltag.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Leere, Orientierungslosigkeit, Verzweiflung
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
Gebet, Gottesdienst, Meditation, wiederholte Übung; Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit
Was ist der Mensch nach diesem Text?
vor allem als Angenommener und Beschenkter beschrieben
Wohin geht die Geschichte?
die Botschaft steht außerhalb der Geschichte
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
der Text kritisiert nicht

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

4. Mose 6,24-26 · Jesaja 57,19

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
2 von 5
Konkretheit
3 von 3
Abgrenzung
1 von 3
Zeitbezug
früher 2, jetzt 3, künftig 1

Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
NASSO Schutzformel Was uns der Priestersegen heute bedeutet Auslegung von Rabbiner Andreas Nachama Der Aaronitische Segen ist der älteste überlieferte Segensspruch der Bibel, der bis heute im jüdischen wie auch im christlichen Gottesdienst seinen Platz hat. Er wird Mosche im 4. Buch Bemidbar in der Wüste offenbart und Aaron und seinen Söhnen als Segen für das ganze Volk Israel aufgetragen. Nach der Zerstörung des Tempels wurde er von den Kohanim, den Priestern, im Morgengottesdienst der drei Wallfahrtsfeste vor dem Aron Hakodesch unter Tallit verhülltem Angesicht im Wechselgesang mit dem Vorbeter vorgetragen. Was bedeutet dieser wohl älteste Segensspruch für uns heute? Ich erinnere mich an die Erzählung eines meiner rabbinischen Lehrer: Ein erfolgreicher Geschäftsmann kommt, nachdem mehrere Psychotherapeuten seine Depression behandelt haben, zu ihm, dem Rabbiner. „Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich weiß, dass ich kein guter Jude bin. Ich lerne nicht, ich halte keine Kaschrut. Wenn ich Zeit hätte, wäre ich fromm, aber ich muss arbeiten, arbeiten, arbeiten. Rebbe, ich habe eine Frage: Was tun unsere großen Rabbiner Freitagabend? Was machen Sie am Erew Schabbes?“ „Einige machen etwas heute ganz Trendiges: Sie lesen in der Kabbala!“, sagt der Rabbiner. „O, das ist nichts für mich, das ist zu mystisch“, antwortet der Geschäftsmann. Darauf der Rabbiner: „Andere rezitieren den Talmud aus dem, was sie die Woche über gelernt haben.“ „Talmud – nein, unmöglich. Da muss man jeden Tag ran. Ich aber muss jeden Tag arbeiten“, so der Geschäftsmann. „Wieder andere lesen den Wochenabschnitt, weil der am nächsten Morgen in der Synagoge vorgelesen wird.“ „Unmöglich, Rebbe. Schabbes früh habe ich keine Zeit, da muss ich arbeiten, dann habe ich auch freitagabends ein schlechtes Gewissen. Und das ist das Letzte, was ich Freitagabend haben will.“ Mein Rebbe war einigermaßen verzweifelt. Was kann, was soll man einem solchen Menschen noch anbieten? Er lehnt sich zurück und beginnt ganz leise die Melodie des Priestersegens. „Es segne und behüte dich der Ewige ...“ Was für eine Melodie! Was für ein Text! Nachdem mein Rebbe ihn ohne Text oder allenfalls mit Textbrocken vielleicht fünf Minuten gesummt, gesungen, in Ansätzen rezitiert hat, springt der Geschäftsmann auf und geht zur Tür. „Rebbe, jetzt weiß ich, was ich tun muss.“ Der Priestersegen umfasst drei Zeilen. Die erste sagt: „Es segne und behüte dich der Ewige. Nach Raschi bedeutet das: „Mögen deine posititven Eigenschaften wachsen.“ Ibn Esra versteht es eher so, dass die Tage deines Lebens zunehmen mögen. Wenn die Kohanim diesen Segen rezitiert haben, im Tempel oder jetzt in den orthodoxen Synagogen zu den drei Wallfahrtsfesten, dann verhüllen sie ihr Gesicht, und der Kantor singt das erste Wort: „Es segne dich“. Die Gemeinde antwortet: „Es segne dich der Ewige von Zion her, Er, der Himmel und Erde macht.“ Die Kohanim fahren fort: „Der Ewige.“ Und die Gemeinde antwortet: „Ewiger, unser Herr, wie mächtig ist Dein ganzer Name auf der Erde.“ Das dritte Wort der ersten Zeile heißt: „… und behüte dich“. Die Gemeinde antwortet: „Behüte mich, denn ich habe dir vertraut.“ Der zweite Segensspruch lautet: „Es lasse sein Antlitz leuchten dir der Ewige und beschütze dich.“ Sforno sagt: Göttliche Erleuchtung, die zu wahrem Verständnis der Welt führt, ist Gunst. Will heißen, dass die Hörer das, was man aus dem Erkennen schließt, auch verstehen – mit anderen Worten, den Erkennenden nicht für meschugge halten. Das ist ein wahrer Segen, denn wir alle haben schon erlebt, wie hochintelligente Menschen 1 + 1 zusammenzählen und als Ergebnis 11 reklamieren. Der dritte Segensspruch: „ER wende sein Antlitz dir zu und gebe dir Frieden.“ Dann kommen die Kohanim beim Schalom, beim Frieden, an. Die Gemeinde respondiert: „Frieden, Frieden, dem Fernen wie dem Nahen, spricht der Ewige. Ich heile ihn.“ Wir alle wissen, dass es ohne göttlichen Schutz kein Leben gibt. Dieser göttliche Schutz ist Frieden sowohl im Haus als auch am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft und schließlich auch in der Welt. Dieser Frieden ist etwas Vollkommenes und schließt alle ein – auch die Nichtjuden. Denn wenn der Nachbar keine Ruhe gibt, kann man selbst keinen Frieden finden. Jahre später trifft mein Rebbe den Mann wieder. Er fragt ihn: „Nu, Reb Geschäftsmann, was treibt ihr jetzt Schabbesabend?“ „Rebbe, Ihr fragt? Ihr habt es mir doch beigebracht! Jeden Schabbesabend bin ich zu Hause bei meinen Kindern und meiner Frau – und vor dem Kiddusch lehne ich mich zurück in meinem Stuhl, schließe die Augen und summe Birkass Hakohanim. Es gibt kein größeres religiöses Erlebnis für mich und meine Familie.“ Auch die Melodie des Priestersegens, des Kiddusch oder des Kol Nidre sind Gottesdienst, selbst wenn man die Worte nicht versteht oder gar nicht kennt: Wenn wir sie vor den Schabbeskerzen, dem Kidduschbecher und den Challot auch ohne Worte rezitieren, um unsere Hand über unsere Kinder zu legen, stehen wir in der Tradition der Söhne Aarons. Wiederverwendung mit freundlicher Genehmigung der Jüdischen Allgemeinen. Der Artikel ist dort am 05.06.2008 erschienen. 05.06.2026 Artikelarchiv >> Rabbiner & Rabbinerinnen Strömungen Positionen Bet Din Publikationen Links Impressum Home © Allgemeine Rabbinerkonferenz