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Liberal · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

ACHAREI MOT - KEDOSCHIM

ohne Namen · Allgemeine Rabbinerkonferenz – Paraschat HaSchawua · 2026-09-10 · Berlin · Quelle

Umkehr · Hauptbotschaft Gemeinschaft · tragend Verantwortung · tragend

Heiligkeit ist kein automatischer Status durch Geburt oder Konversion, sondern wird erst durch aufrichtiges Handeln im Sinne der Tora und reuige Umkehr erreicht; Gott erkennt den wahren Wert des Menschen trotz seiner Sünden und ermöglicht dessen Reinigung.

Sowenig es eine Erbsünde gibt – die Seele, die Gott uns eingehaucht hat, ist rein –, sowenig gibt es eine automatische Heiligkeit. Man kann sich ihr nur durch wirkliche Guttaten (Mizwot) und reuige Umkehr annähern.

Der Text verbindet die Wochenabschnitte Acharej Mot und Kedoschim und fragt, wie Heiligkeit und Reinigung zusammenhängen. Anhand einer Anekdote des Rabbiners Zalman Schachter-Schalomi wird gezeigt, dass der wahre Wert eines Menschen nicht durch äußere Beschädigung verloren geht, weil Gott ihn wie eine Zentralbank den von ihr ausgegebenen Schein erkennt und bei Reue reinigt. Die Erwählung Israels wird nicht als privilegierter Status verstanden, sondern als Auftrag, Gebote von ganzem Herzen zu erfüllen und für Übertretungen reuig zu sein. Wer koscher lebt, aber andere verletzt, erfüllt die Mizwot nicht wirklich. Heiligkeit ist keine Erbschaft, sondern ein Weg, den man durch Guttaten und reuige Umkehr beschreitet. Der Text richtet sich an die jüdische Gemeinde und betont, dass erst das Handeln im Sinne der Tora den Weg zur Heiligkeit eröffnet.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Sünde, persönliches Versagen, Schuld vor Gott
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
innere Wandlung, Reue, Sinnesänderung; Zuwendung Gottes, Erlösung, die nicht verdient wird
Was ist der Mensch nach diesem Text?
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
Wohin geht die Geschichte?
die Botschaft steht außerhalb der Geschichte
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
den eigenen Glaubensgeschwistern
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

3. Buch Moses 16,6 · 3. Buch Moses 19,2

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
3 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
1 von 3
Zeitbezug
früher 2, jetzt 2, künftig 1

Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
ACHAREI MOT - KEDOSCHIM Heiligkeit und Reinigung Auslegung von Rabbiner Andreas Nachama Aus kalendarischen Gründen werden in diesem Jahr zwei Wochenabschnitte an einem Schabbat zusammen gelesen. In anderen Jahren können sie zuweilen auch jeder für sich allein stehen. Nicht nur, weil beide Abschnitte hintereinander stehen, sondern auch inhaltlich gibt es Bezüge. Wir lesen in Acharej Mot (3. Buch Moses 16,6), der Priester versöhne das Heiligtum wegen der Übertretungen des Volkes in allen ihren Sünden. Raschi, der mittelalterliche Kommentator, schreibt, dies bedeute, dass die Schechina, die Erscheinung Gottes, unter ihnen weile, obwohl sie sich versündigt hatten und folglich unrein waren. Rabbiner Zalman Schachter-Schalomi (1924-2014) erzählt zu diesem Satz von einen Schiur, den er für Manager gegeben hat. Wir stellen uns einen Workshop mit 100 Personen in Designeranzügen in einem Schulungszentrum vor. Aus einer Tasche zieht der Rebbe einen 50-Dollar-Schein und sagt, wer ihn haben wolle, stehe auf. Von den 100 Teilnehmern bleibt keiner sitzen. Nachdem sich alle wieder gesetzt haben, zerknüllt er den Schein und stellt dieselbe Frage. Das Ergebnis ist wieder gleich: Alle stehen auf. Der Rebbe verlässt den Raum und kommt mit einer Schubkarre Bauschutt hereingefahren, nimmt eine kleine Schaufel und vergräbt den Schein im Schutt. Er stellt die gleiche Frage und erhält die gleiche Antwort. Dann nimmt er einen Käsekuchen, schneidet sorgfältig ein Stück heraus, legt es auf den Teller und fragt, wer das Stück Käsekuchen haben will. Nicht mehr alle, aber doch eine große Mehrheit steht auf. Der Rebbe nimmt eine Gabel und zermanscht das Kuchenstück. Wieder stellt er seine Frage, immerhin einige wollen es noch haben. Schließlich nimmt er das Stück und kippt es auf den Bauschutt. Der Rebbe schaut in den Saal und fragt, wer es noch haben will. Keiner meldet sich. Was ist geschehen? Würde man eine naturwissenschaftliche Beschreibung des Experiments vornehmen, hätte die Geldnote das gleiche Schicksal erlitten wie der Kuchen. Trotzdem hat der Kuchen seinen Wert im Bauschutt verloren, die Geldnote aber nicht. Die Manager werden um Erklärung gebeten. Einer steht auf und sagt, dass die amerikanische Zentralbank den zerknüllten und mit Schutt beschmutzen Schein jederzeit in einen neuen umtauscht, der Kuchen hingegen sei nicht mehr zu retten. Wie mit dem Geldschein, so mit dem Menschen. Hinter dem Menschen steht derjenige, der die Seele des Menschen erschaffen, sie in seinen Körper eingehaucht hat, der, wenn wir reuig sind, sie immer wieder reinigt. Früher gehörten zu diesem Reinigungsprozess der Opferdienst im Tempel und die Priester. Heute sind es unser reuiges Verhalten und unsere Gebete. Gott sieht den wirklichen Wert des Menschen – auch wenn wir „schmutzig“ sind. Er erkennt ihn, wie die Bank den von ihr ausgegebenen Geldschein und lässt die Reinigung zu. Wie ist das möglich? Warum lässt Gott bei Reue die Reinigung der Seelen von ihren Sünden zu? Hier kommt die Verbindung zum Abschnitt Kedoschim. Vor jeder Toralesung, aber auch an anderen Stellen unserer jüdischen Gebetsliteratur, beziehen wir uns darauf, dass Gott uns unter allen Völkern ausgewählt hat, und es wird damit begründet, wir sollten heilig sein, wie der Ewige, unser Gott heilig ist (3. Buch Moses 19,2 und andere). Haben wir also ein Abonnement in der ersten Reihe der Völker? Wie viele kennen wir, die koscher leben, aber doch Häretiker sind, weil sie sich nicht um ihre Kinder oder Eltern kümmern, weil sie übel nachreden oder betrügen. Nachmanides (1194-1270) sagt, man kann Guttaten (Mizwot) erfüllen, ohne wirklich eine Mizwa zu tun. Die Erwählung Israels liegt darin, Mizwot von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit allen Möglichkeiten, die man hat, zu tun und zugleich für Übertretungen, die andere Menschen betreffen, reuig zu sein. Wie es am Ende der Auszugsgeschichte heißt: Wenn die Benej Israel alle Gebote und Verordnungen einhalten, wird Gott die Plagen, die er Ägypten auferlegt hat, uns nicht auferlegen und im Übertretungsfall unser Arzt sein. Den Versuch zu unternehmen, heilig zu werden, den Funken göttlicher Inspiration, der in jedem Menschen steckt, wirksam werden zu lassen, das ist die Botschaft von „Kedoschim tiheju“. Dass Gott uns zuvor in Acharej Mot lehrt, wie er uns wiederherstellt, zeigt, wie der Weg verläuft: Über reuige Umkehr gelangt man zu Kedoschim, zur Heiligkeit. Nicht genug, dass man jüdisch geboren ist oder zu einem Zeitpunkt von einem Beth Din für würdig befunden wurde, ins Judentum aufgenommen zu werden, sondern erst wenn man im Sinn der Tora und der jüdischen Tradition jüdisch handelt, ist man auf dem Weg zur vorgeschriebenen „Heiligkeit“. Sowenig es eine Erbsünde gibt – die Seele, die Gott uns eingehaucht hat, ist rein –, sowenig gibt es eine automatische Heiligkeit. Man kann sich ihr nur durch wirkliche Guttaten (Mizwot) und reuige Umkehr annähern. Dann erreicht man die Vorgabe für die Erwählung „Kodaschim tiheju – Heilig sollt ihr sein!“ Wiederverwendung mit freundlicher Genehmigung der Jüdischen Allgemeinen. Der Artikel ist dort am 30.04.2009 erschienen. 01.05.2026 Artikelarchiv >> Rabbiner & Rabbinerinnen Strömungen Positionen Bet Din Publikationen Links Impressum Home © Allgemeine Rabbinerkonferenz