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Liberal · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Allgemeine Rabbinerkonferenz

ohne Namen · Allgemeine Rabbinerkonferenz – Paraschat HaSchawua · 2026-09-10 · Berlin · Quelle

Wahrhaftigkeit · Hauptbotschaft Demut · tragend Wissen · tragend

Die Verabsolutierung menschlicher Autoritäten – sei es durch Ideologien, Führerkult oder totalitäre Systeme – stellt eine Form des Götzendienstes dar, die das relational gegebene Gottesbild und die Freiheit des Menschen untergräbt.

Es ist verboten, alle Hoffnung und Zuversicht in einen Menschen zu setzen

Der Text behandelt den Wochenabschnitt Jitro und die Zehn Gebote aus rabbinischer Perspektive. Er zeigt, dass die Zehn Gebote im hebräischen Original keine absoluten, sondern relationalen Aussagen sind: Gott beschreibt sich als der Gott, der aus der Sklaverei befreit hat, und das Verbot anderer Götter bezieht sich auf die konkrete Beziehung zu Israel. Der Text verweist auf die polytheistische Umwelt des antiken Nahen Ostens und deutet die Zehn Plagen als theologischen Konflikt mit anderen Mächten. Im zweiten Teil wird das nationalsozialistische Projekt des 'Volkstestaments' und der zwölf Ersatzgebote als Beispiel dafür angeführt, wie religiöse Texte instrumentalisiert und umgeschrieben wurden. Die zentrale Warnung lautet, dass es gefährlich ist, andere 'Götter' aufzustellen – sei es in Form von Ideologien, Führerkult oder totalitären Systemen. Der Text verbindet exegetische Analyse mit historischer Kritik und mündet in eine Mahnung vor der Verabsolutierung menschlicher Autoritäten.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Abkehr von Gott, Gleichgültigkeit, Götzendienst; Unwissenheit, Illusion, falsche Sicht der Wirklichkeit
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis; Gebote befolgen, Ordnung einhalten, Pflichten erfüllen
Was ist der Mensch nach diesem Text?
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
Wohin geht die Geschichte?
die Botschaft steht außerhalb der Geschichte
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf andere, die Gesellschaft, andere Gruppen

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

2. Mose 20,1-2 · 2. Mose 15,11

Gemessen

Grundhaltung
-1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
4 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
2 von 3, benannt: Nationalsozialisten und ihre Ideologen
Zeitbezug
früher 3, jetzt 2, künftig 0

Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
JITRO Falscher Führer Es ist verboten, alle Hoffnung und Zuversicht in einen Menschen zu setzen Auslegung von Rabbiner Walther Rothschild Die »Zehn Gebote« kennt jeder. Doch die Rabbinen hatten etliche Probleme mit diesem Begriff, der auf Hebräisch »Asseret HaDibrot« heißt, »die zehn Wörter«. In vielen Gemeinden wurde entschieden, nicht aufzustehen, wenn sie gelesen werden. Man wollte nicht den falschen Eindruck erwecken, diese zehn seien die einzigen wichtigen Gebote. Schließlich gibt es, so die Rabbanim, noch 603 weitere. Auch wie man die zehn Gebote zählt, und wo man zwischen den Versen unterscheidet, war und bleibt eine Frage. Aber es gibt andere, womöglich wichtigere Fragen. Zum Beispiel sagt Gott im 2. Buch Moses 20, 1-2 nicht: »Ich bin Gott«, sondern »Ich bin der Gott, der euch aus der Sklaverei befreit hat«. Gott relativiert sich, indem er sich selbst beschreibt, als einen Gott, der in die Geschichte eingegriffen hat. Und Gott sagt auch nicht: »Ich bin der einzige Gott«, sondern: »Ich bin der einzige, der für euch ist. Ihr sollt keinen anderen Göttern dienen!« Heißt das, es gibt mehr als einen Gott? Das würde jedoch gegen alle Prinzipien des Monotheismus verstoßen. Im Wochenabschnitt Beschalach für den vergangenen Schabbat haben die Israeliten gesungen: »Mi Kamocha Be’Elim, Adonai?« – »Wer ist wie Du unter den Göttern, o Herr« (2. Buch Moses 15, 11). Natürlich ist das eine rhetorische Frage, aber auch eine theologische. Die Israeliten haben etliche Jahrhunderte in einem Land gelebt, wo mehreren Göttern gedient wurde. Die zehn Plagen sind ein Krieg gegen die anderen Götter: die Sonne, den Fluss, die Fruchtbarkeitsgötter, die heiligen Tiere und, und, und. WAHN Es bleibt eine verführerische und gefährliche Sache, andere Götter aufzustellen. Doch ist es bis in die moderne Zeit passiert. In den 40er-Jahren brachte das »Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben« in Eisenach eine überarbeitete Ausgabe des »Neuen Testaments« heraus, ein »Volkstestament«. Es hieß Die Botschaft Gottes. Die Lektoren hatten all jene Passagen und Fakten aus den überlieferten Texten getilgt, die ihnen als »jüdisch« galten. Es ging so weit, dass nach dieser Lesart selbst Jesus kein Jude mehr war. Die Bekennende Kirche kämpfte zwar gegen diesen Wahn und sah darin einen Verstoß gegen das erste Gebot. Doch die Nazis brachten ihre eigenen zwölf Gebote heraus, die die »jüdischen« Zehn Gebote ersetzen sollten. Es ist wissenschaftlich und theologisch interessant zu sehen, wie intelligente und gebildete Menschen versuchten, die Zehn Gebote umzuschreiben und welche Wörter sie benutzen, um jeden Anklang an das jüdische Original zu vermeiden. Trotz großen Widerwillens soll dieser bizarre Text, aus rein wissenschaftlichen Gründen, hier zitiert werden: »1. Gibt Gott die Ehre, und vertraue ihm von ganzem Herzen! 2. Suche die Stille vor Gott! 3. Meide alle Heuchelei! 4. Heilig sei dir Leib und Leben! 5. Heilig sei dir Gut und Ehre! 6. Heilig sei die Wahrheit und die Treue! 7. Ehre Vater und Mutter, deinen Kindern sei Helfer und Vorbild! 8. Halte das Blut rein und die Ehe heilig! 9. Wahre und mehre das Erbe der Ahnen! 10. Sei immer bereit zu helfen und zu vergeben! 11. Ehre Führer und Meister! 12. Diene freudig dem Volk mit Arbeit und Opfer! So will es Gott von uns.« Eine Chuzpe natürlich – obwohl man gegen die meisten Gebote nichts einwenden kann. Doch Nr. 8 redet plötzlich von Blut, Nr. 11 und 12 stellen Führer und Volk über alle anderen Werte, und ein Verbot des Mordens fehlt gänzlich – vielleicht um Heuchelei (Nr. 3) zu vermeiden? Wiederverwendung mit freundlicher Genehmigung der Jüdischen Allgemeinen. Der Artikel ist dort 4.2.2010 erschienen. 13.02.2026 Artikelarchiv >> Rabbiner & Rabbinerinnen Strömungen Positionen Bet Din Publikationen Links Impressum Home © Allgemeine Rabbinerkonferenz