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Orthodox · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Jalil Schwarz, dem Friedenskoch, zum Geburtstag

ohne Namen · Analogion – orthodoxes Lesepult · 2023-08-18 · Quelle

Gemeinschaft · Hauptbotschaft Fürsorge · tragend Hoffnung · tragend

Konstruktives Handeln und Anpassung an widrige Umstände ermöglichen es, trotz Vertreibung und Verlust zur Völkerverständigung beizutragen.

Denn neu einstellen musste sich der in Ramla bei Jaffa geborene palästinensische Christ ständig. Das hat er gewiß mit vielen seiner Landesleute gemeinsam, die wie er ihre Heimat nach der israelischen Besetzung verlassen haben oder eher aufgrund von Vertreibung verlassen mussten.

Der Text würdigt Jalil Schwarz, einen palästinensischstämmigen Christen, der seit 1964 in Deutschland lebt und sich für interreligiöse und interkulturelle Projekte engagiert. Er beschreibt, wie Schwarz nach der Vertreibung aus seiner Heimat in Ramla bei Jaffa sich der neuen Realität anpasste, ohne sie als endgültig zu akzeptieren. Durch das Kochen für große Gruppen finanzierte er den Bau einer Schule für christliche und muslimische Kinder in Palästina. Er gründete den Verein Abrahamszelt zur Völkerverständigung und förderte die rum-orthodoxe Gemeinde St. Dimitrios in Köln. Für sein Engagement erhielt er 2001 das Bundesverdienstkreuz. Der Text schließt mit einem Geburtstagsgruß und dem Wunsch nach Gottes Segen. Die Kernbotschaft ist, dass konstruktives Handeln und Anpassung an widrige Umstände möglich und wertvoll sind.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Bedrängnis der eigenen Gemeinschaft von außen
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
praktisches Handeln am Nächsten, Werke; Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit
Was ist der Mensch nach diesem Text?
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
Wohin geht die Geschichte?
es wird besser, Entwicklung zum Guten
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf eigenes Erleben, Zeugnis, Begegnung
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
der Text kritisiert nicht

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Gemessen

Grundhaltung
2 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
4 von 5
Konkretheit
3 von 3
Abgrenzung
1 von 3
Zeitbezug
früher 2, jetzt 2, künftig 1

Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Zum Inhalt springen Kürzlich kam ich nach der Göttlichen Liturgie mit einem elegant gekleideten älteren Herrn in ein anregendes Gespräch. Er stellte sich mir als Jalil Schwarz vor. Eigentlich heißt er anders. Auf meinen überraschten Blick hin erklärte er, dass er den Nachnamen Schwarz angenommen habe, da hier kaum jemand seinen arabischen Familiennamen mit einem für deutsche Zungen schwer formbaren Anfangslaut richtig aussprechen könne. Nun, wo ich darüber schreibe, kommt mir dies vor wie eine den Menschen seiner Wahlheimat seit 1964 überaus zugewandte Geste dieses ungewöhnlichen Mannes. Es sollte sich im Verlauf des Gesprächs herausstellen, dass dies nur die erste von vielen Besonderheiten eines geradezu abenteuerlichen Lebens ist ( hier in Auszügen nachzulesen), aber möglicherweise eine für einen Charakter bezeichnende, der immer wieder mit dem unweigerlich Gegebenen konstruktiv umgehen musste. Denn neu einstellen musste sich der in Ramla bei Jaffa geborene palästinensische Christ ständig. Das hat er gewiß mit vielen seiner Landesleute gemeinsam, die wie er ihre Heimat nach der israelischen Besetzung verlassen haben oder eher aufgrund von Vertreibung verlassen mussten. Die Palästinenser nennen diese Katastrophe auf Arabisch Nakba . Sie hat Familien auseinander gerissen und Menschenleben im realen wie im bürgerlichen Sinn zerstört. Darüber spricht er ungeschönt, aber ohne Groll. Stattdessen hat er sich auch dieser neuen Realität angepasst, ohne sie als endgültig zu akzeptieren. Als in seiner Heimat der Wunsch zum Bau einer Schule laut wurde, reagierte er und ging ganz in dem Projekt auf. Tatsächlich konnte aus einer Bauruine eine Schule für 600 Jungen und Mädchen christlichen und muslimischen Glaubens entstehen und 1994 eröffnet werden. Finanziert wurde sie im Wesentlichen durch Spenden, die Jalil Schwarz zusammentrug, indem er zu verschiedenen Anlässen für 50 bis sogar 1000 Personen kochte. So wurde er zum Friedenskoch: http://www.friedenskoch.de . Der sich diesem Erfolg anschließende Plan zum Bau eines Kindergartens für jüdische und arabische Kinder beiderlei Glaubens „köchelte“ dagegen lange vor sich hin und musst aufgrund widriger Umstände nach drei Anläufe leider „ungar“ bleiben. Stattdessen konnte er sich viele andere Projekte erfolgreich auf seine Weise „erkochen“ und somit zum Wohl vieler Menschen umsetzen (siehe Überblick ). Ebenso den gemeinnützigen Verein Abrahamszelt zur Völkerverständigung sowie zur Förderung der interreligiösen Erziehung von Kindern in Israel kann Herr Schwarz „auftischen“ . Sein großes Engagement zur Völkerverständigung zeichnete Bundespräsident Joahnnes Rau im Jahr 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz am Band aus. Auch für die arabischsprachigen Christen in Köln hat sich der emsige Tausendsassa als Gründungsmitglied der rum-orthodoxen Gemeinde St. Dimitrios eingesetzt. Laut seinen Angaben half er beim Erlangen einer Kirche in Köln-Bickendorf mit und bei ihrer Einrichtung mit Ikonostase, Kirchengestühl, Schränken und einem großen Taufbecken. Für all das und vieles mehr gebührt Jalil Schwarz immer wieder ein herzliches „Vergelt’s Gott“ und Schukran (Danke)! Gegen Ende der Unterhaltung mit dem lebhaften Mann wagte ich mich schließlich vor: „Darf ich fragen, wie alt Sie sind?“ „Am 18. August werde ich, so Gott will, 87 Jahre alt!“ Daher ist ihm zum heutigen Geburtstag von Herzen zu wünschen: Gottes Segen auf allen Wegen und auf viele, viele Jahre weiterhin Freude am Kochen mit guten Appetit!