Maria ist Gottes heile Schöpfung in Person, und der Mensch ist als Krone der Schöpfung von Gott gewollt und mit der Berufung beschenkt, die Schöpfung zu heilen und zu bewahren.
Der Text ist eine Predigt zum Fest Mariä Geburt in Altötting anlässlich der Krönung einer Marienbild-Kopie. Er erklärt, dass das Fest in der Ostkirche das Kirchenjahr eröffnet und dort eine marianische Ausrichtung des Kirchenjahres sichtbar wird, während der Westen christologisch strukturiert. Der 1. September als ökumenischer Schöpfungstag wird als Oktavtag zu Mariä Geburt gedeutet, wodurch Schöpfung und Maria in Beziehung gesetzt werden. Maria wird als neue Eva und als heile Schöpfung in Person vorgestellt, die den Weg zur Heilung der Schöpfung vorbereitet. Der Text bezieht sich auf Papst Franziskus' Enzyklika 'Laudato si' und die Einführung des Schöpfungstages in der römisch-katholischen Kirche. Er kritisiert Stimmen, die den Menschen als Unglück für die Schöpfung bezeichnen, und betont stattdessen die Würde des Menschen als Krone der Schöpfung. Die Predigt schließt mit einer Bitte, die Größe des Menschseins neu zu entdecken und der Berufung als Krone der Schöpfung würdig zu sein.
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
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09.09.2026 260908_Altoetting-Predigt-Kroenung-Madonna.docx 1 Mariä Geburt – Die heile Schöpfung in Person Predigt in der Gnadenkapelle in Altötting anlässlich der Krönung der neu eingekleideten Kopie der Madonna von Altötting 8. September 2026, Mariä Geburt Lesung: Röm 8,28–30 Evangelium: Mt 1,1–16.18–23
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn hier in der Gnadenkapelle und wo immer Sie uns zugeschaltet sind über K-TV!
Geburtstage im Kirchenjahr Dass wir in der Kirche liturgisch einen Geburtstag feiern, ist nicht selbstverständlich. Eigentlich feiern wir nur ein Geburtsfest im Kirchenjahr: Weihnachten als Geburtsfest unseres Herrn Jesus Christus; die beiden anderen Geburtsfeste sind ihm zugeordnet; das Fest des Vorläufers und Täufers Johannes ein halbes Jahr zuvor, am 24. Juni; und heute, am 8. September – genau neun Monate nach dem 8. Dezember, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis (Immaculata Conceptio) – das Fest der Geburt der Gottesmutter.
Weil Maria im Blick auf die Erlösungstat ihres Sohnes vom ersten Augenblick ihres Daseins von der Erbschuld befreit war, ist auch der Tag ihrer Geburt ohne jeden Schatten und Makel. Wir danken Gott für ihre Erwählung. Und der Gottesmutter danken wir für ihr Ja-Wort und für ihre mütterliche Sorge für die Kirche.
Marianische Prägung des ostkirchlichen Kirchenjahres Die Feier von Mariä Geburt verbindet uns besonders auch mit der Ostkirche. Und ich möchte diesen Festtag zum Anlass nehmen, um auf
09.09.2026 260908_Altoetting-Predigt-Kroenung-Madonna.docx 2 eine neuere Entwicklung in der Ökumene mit der Ostkirche hinzuweisen, bei der unser heutiger Festtag eine zentrale Rolle spielt.
Dazu muss man wissen: In der Westkirche strukturieren wir das Kirchenjahr sozusagen christologisch. Wir feiern das „Herrenjahr“.
Beginnend am 1. Adventssonntag mit der Erwartung der Ankunft des Messias, führt über Weihnachten, Ostern und Pfingsten bis hin zur Wiederkunft Christi und schließt mit dem Christkönigsfest.
Unsere Schwestern und Brüder in der Orthodoxie denken, beten und feiern von Maria her. Das Kirchenjahr ist dort marianisch ausgerichtet.
Es beginnt mit dem Fest der Geburt der Gottesmutter Maria am 8.
September, und endet mit dem Fest der Entschlafung Mariens – also der Vollendung der Gottesmutter in der himmlischen Herrlichkeit – gefeiert im Osten wie im Westen am 15. August.
Die beiden Kirchenjahresordnungen stehen nicht im Gegensatz oder Widerspruch zueinander, sondern sie ergänzen sich, wie ich finde. Die lateinische Kirche des Westens strukturiert vom göttlichen Erlöser her, die Ostkirche von der erlösten und Gott lobpreisenden Schöpfung, für die Maria das Urbild ist.
Der Schöpfungstag und Mariä Geburt als Oktav Hinzu kommt, dass in der Ostkirche der 1. September schon vor geraumer Zeit vom ökumenischen Patriarchen Bartholomäus zum Schöpfungstag erhoben worden ist. Der Heilsgeschichte geht ja die Schöpfung als deren Bühne voraus.
Auch deswegen ist es nicht zufällig, dass wir als Evangelium heute den Beginn des Matthäus-Evangeliums vorgetragen bekommen, und das ist der Beginn des Neuen Testaments überhaupt. Die tiefe Verwurzelung Jesu in der alttestamentlichen Heilsgeschichte soll gezeigt werden. In der Genealogie des Lukas (3,23–38) wird Jesus dann bis Adam zurückgeführt.
09.09.2026 260908_Altoetting-Predigt-Kroenung-Madonna.docx 3 Dieser Schöpfungstag, begangen am 1. September, macht gewissermaßen das Fest Mariä Geburt zum Oktavtag des Schöpfungstages und setzt damit Schöpfung und Maria ausdrücklich in Beziehung zueinander. Gemeinsam glauben wir: Maria ist Gottes heilige und heile Schöpfung in Person. In Maria, die er vor der Erbschuld bewahrt hat, hat Gott den Weg zur Heilung und Heiligung der ganzen Schöpfung vorbereitet.
Maria – neue Eva und heile Schöpfung Maria ist die neue Eva. Während die alte Eva unbefleckt geschaffen war – Adam und Eva in Heiligkeit und Gerechtigkeit, also Harmonie mit Gott geschaffen waren –, hat sie durch den Missbrauch ihrer Freiheit, selbst wie Gott sein zu wollen, selbst zu bestimmen, was gut und böse ist, sich – gemeinsam mit Adam – und die ganze Menschheit unter das Verhängnis der Erbsünde gestellt. Maria, die neue Eva, die im Hinblick auf die Erlösungstat ihres Sohnes „ohne den Makel der Erbschuld empfangen“ ist, wird Jesus, den „neuen Adam“ zur Welt bringen. Er besteht in der Einheit von Gottheit und Menschheit die Versuchung des alten Adam, sühnt die Schuld, überwindet sie und versöhnt uns mit Gott. Mit Jesus und Maria setzt Gott einen neuen Anfang, um die in Adam und Eva verwundete Schöpfung zu heilen.
Vor diesem Hintergrund hat Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato si“ in ökumenischer Verbundenheit mit der Ostkirche den 1.
September auch bei uns in der römisch-katholischen Kirche als „Schöpfungstag“ eingeführt, und die Tage vom 1. September bis zum 4.
Oktober, dem Gedenktag des heiligen Franz von Assisi, stehen unter dem besonderen Vorzeichen der Sorge um die Bewahrung der Schöpfung.
Der 1. September ist als Termin für den Schöpfungstag gut gewählt. Er macht deutlich, dass es der Kirche mit der Einführung des Schöpfungstages nicht um eine politische Maßnahme geht oder vielleicht gar um die Taufe eines Parteiprogramms. Vielmehr fügt sich dieser
09.09.2026 260908_Altoetting-Predigt-Kroenung-Madonna.docx 4 liturgische Ausdruck der Sorge um das „Gemeinsame Haus der Schöpfung“ ein in das Gesamtverständnis von Schöpfung und Erlösung.
Unter dem Patronat Mariens, der heilen und geheilten Schöpfung in Person, schärfen wir unser Bewusstsein für einen verantwortlichen Umgang mit der uns von Gott anvertrauten Schöpfung, die wir den kommenden Generationen möglichst unversehrt übergeben sollen. Zur Schöpfungsverantwortung gehört nicht nur ein sparsamer Umgang mit den Energieträgern, der Schwester Wasser und der Mutter Erde, sondern auch die Ökologie des Menschen: eine Kultur des Lebens, die Sorge um den Schutz des Lebens in seinen besonders gefährdeten Phasen – vor der Geburt sowie in Krankheit, Hinfälligkeit und Altersschwäche.
Die Krönung und die Würde des Menschen als Krone der Schöpfung Wir sind heute in Altötting beisammen, um ein Bild der Gottesmutter zu krönen, zu krönen, weil sie unsere himmlische Königin ist.
Die Krone darf uns freilich alle daran erinnern, dass wir als Menschen von Gott her als die Krone der Schöpfung gedacht sind. Im menschlichen Geist kommt die Schöpfung zu sich, erkennt die Schöpfung ihren Schöpfer. Durch unseren Mund preist die gesamte Schöpfung ihren Herrn! In Maria schauen wir das vollendete Menschsein als Krone der Schöpfung.
Der Mensch, die Krone der Schöpfung! Ich weiß, dass dies in manchen Ohren wie Hohn klingt. Weit verbreitet ist ein Überdruss des Menschen an sich selbst. Es gibt Stimmen, die den Menschen als das große Unglück für die Schöpfung bezeichnen und sogar meinen, durch den Verzicht auf Nachkommenschaft der Schöpfung einen Gefallen zu tun.
Aber das ist in meinen Augen Undank, ja reine Verzweiflung. Der Blick auf die Gottesmutter, der Blick auf die gekrönte Gottesmutter, darf uns Mut machen: Es ist etwas großartiges, Mensch zu sein. Magnifica humanitas – die großartige Menschheit –, mit diesen Worten eröffnet Papst Leo seine erste Enzyklika. Der Mensch ist keine seelenlose
09.09.2026 260908_Altoetting-Predigt-Kroenung-Madonna.docx 5 Rechenmaschine, sondern ein Geschöpf Gottes, beschenkt mit einem liebesfähigen Herzen. Wir sind geschaffen, um Gott zu erkennen, ihn zu loben; durch uns preist die Schöpfung ihren Schöpfer, wir dürfen mitwirken an seiner Schöpfung und die empfangene Liebe weiterschenken und, wie Maria, Jesus zur Welt hin-bringen.
Heilige Gottesmutter, bitte für uns, dass wir nicht an uns selbst verzweifeln, sondern die Größe und Schönheit des Menschseins neu entdecken, und uns der Berufung würdig erweisen, die Krone der Schöpfung zu sein, Amen.