Die Kirche ist apostolisch, weil sie auf dem persönlichen, namentlich gezeichneten Zeugnis der Apostel und ihrer Nachfolger ruht, und jeder Einzelne wird durch seinen Namen in diese Zeugengemeinschaft im Heiligen Geist eingeordnet.
Die Predigt nimmt die Apostelgeschichte 1,12–14 auf und betont, dass in der Namensliste der Apostel und Maria der Einzelne als wichtiges Glied der Kirche hervorgehoben wird. Der Text stellt die biblische Namensliste der Genealogie im Lukasevangelium gegenüber und deutet die Kirche als Zeugengemeinschaft im Heiligen Geist, nicht als bloßes Kollektiv. Die Apostolizität wird an den Apostelleuchtern, der Nennung von Papst und Bischof im Hochgebet und der apostolischen Sukzession festgemacht. Im Regensburger Kontext wird das 750-jährige Jubiläum des gotischen Doms und die Bestattung von Bischof Manfred Müller in der neu geschaffenen Bischofsgrablege als Einordnung in das Fundament der Ortskirche gedeutet. Der Name wird als Zeichen der Würde, Berufung und Zugehörigkeit zu Gott vorgestellt, von der Taufe bis zum Grabstein. Die Predigt schließt mit einem pfingstlichen Gebet um die erneute Herabkunft des Heiligen Geistes, um Reinigung, Freude und Zeugnis.
Apg 1,12–14 · Lk 6,14–16 · Apg 1,15–26 · Lk 3,23–38 · 1 Petr 4,12 · Joh 17,1–11a
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut anzeigen
18.05.2026 20260517_P_7.So_Ostzt_A_MMüller.docx 1 Predigt zum 7. Sonntag in der Osterzeit, A, mit Jahresgedenken für Bischof Manfred Müller zum 11. Todestag (20. Mai 2015)
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!
Die Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 1, 12–14) die wir vorhin vorgetragen bekommen haben, führt uns heute, am Sonntag zwischen Christi Himmelfahrt und dem Pfingstfest, an den Ursprung der Kirche, an einen Ursprung, der freilich immer mitgeht und der uns als Vorbild und Anspruch vor Augen steht.
Die Apostel sind mit Maria im Obergemach – von der Kirche seit alters her mit dem Abendmahlssaal identifiziert – versammelt in der Erwartung des verheißenen Heiligen Geistes, im Gebet um die Sendung des Geistes der Wahrheit, der sie an alles erinnern wird, der sie tiefer hineinführen wird in das Geheimnis Christi.
Wenn man sich die Lesung genauer ansieht, dann stellt man fest und Sie werden es ja auch bemerkt haben, dass sie zu einem großen Teil einfach aus Namen besteht.
Ja, der Lukas-Evangelist, dem wir ja auch die Apostelgeschichte verdanken, er greift zu Beginn der Apostelgeschichte die Liste der Namen der Apostel, die er schon einmal überliefert hatte im Zusammenhang mit der Berufung der Apostel durch Jesus Christus (Lk 6,14–16), er greift diese Liste auf und nennt noch einmal jeden einzelnen Namen, nur der Name des Judas Iskariot, des Verräters, ist verständlicher Weise weggelassen. Dazu wird auch Maria namentlich erwählt.
Das ist nicht unwichtig, sondern zeigt einen ganz wesentlichen Zug der biblischen Verkündigung. Jeder Einzelne ist wichtig. Gott handelt, ja, es ist seine Heilsgeschichte, aber er tut es in „Cooperatio“ mit Menschen, die durch seinen Geist gestärkt sind, und in seiner Gnade mitwirken dürfen.
18.05.2026 20260517_P_7.So_Ostzt_A_MMüller.docx 2 Allen voran Maria, die durch ihr Ja-Wort die Menschwerdung Gottes ermöglicht, die Apostel und letztlich jeder und jede von uns.
Bei den Aposteln kommt es natürlich auf das Kollektiv der Zwölf an. Die Apostel sind die Stammväter des neuen Volkes Gottes. Das Volk des Alten Bundes war auf die 12 Söhne des Jakob (Israel) gebaut. Auch das neue Gottesvolk ruht auf Stammvätern in dieser symbolischen Zahl.
Deswegen wird gleich im Anschluss an diese Perikope von der Nachwahl des Matthias berichtet (vgl. Apg 1, 15–26). Denn im Ursprung muss die Zwölf-Zahl intakt sein. Aber von diesen Zwölfen ist jeder einzelne wichtig. Und so wird auch jeder Name genannt.
Auch zu Beginn des Lukas-Evangeliums wird eine Namensliste aufgeführt (Lk 3,23–38)). Dort, im dritten Kapitel, vor dem Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu, ist es aber eine Genealogie. Eine Geschlechterfolge, die Jesus einordnet in den Menschheitszusammenhang und bis zum Stammvater des Menschengeschlechtes Adam zurückführt.
Am Beginn der Kirchengeschichte steht keine Genealogie mehr, kein Abstammungsverhältnis, sondern eine Zeugengemeinschaft. Nicht die Blutsverwandtschaft ist fortan maßgeblich, sondern die Gemeinschaft im Heiligen Geist, die zum Zeugnis für Christus befähigt.
Dieses Zeugnis ist ein persönliches, das sich nicht hinter einem anonymen – also Namen-losen Kollektiv wie etwa einer Synode – verstecken kann. Das persönliche Zeugnis, das im Fall der meisten Apostel – Ausnahme ist nur der heilige Johannes – ein Blutzeugnis wurde, hat wesentlich zur Ausbreitung des Glaubens beigetragen. Die Verfolgung um des „Namens Christi“ willen, von der der Apostel Petrus in der 2. Lesung spricht (1 Petr 4,12), führte letztlich zum gegenteiligen Ziel, nämlich zur Verbreitung der Frohen Botschaft, die authentifiziert war durch das Zeugnis der Apostel und vieler Christinnen und Christen.
18.05.2026 20260517_P_7.So_Ostzt_A_MMüller.docx 3 Die Kirche ist in diesem Sinne apostolisch, wesenhaft, wir werden es nachher im Credo singen: ... et unam, sanctam, catholicam et apostolicam ecclesiam.
Deswegen sind mir auch die Apostelleuchter in den Pfarrkirchen wichtig, an denen der Bischof bei der Kirchweihe durch die Salbung der dazugehörigen Apostelsteine die Apostolizität der Kirche zum Ausdruck bringt. Das geistige Haus der Kirche ruht auf dem Zeugnis der 12 Apostel.
Der Anfang geht mit. Und deshalb werden auch bei jeder Messfeier im Hochgebet die Namen des Papstes und des Bischofs genannt als Ausdruck der Einheit der Kirche mit ihrem Ursprung und in der weltweiten Verbundenheit der bischöflich verfassten Ortskirchen mit ihrem sichtbaren Oberhaupt, dem Papst in Rom. Das ist kein kirchlicher Personenkult, sondern Ausdruck der Glaubensüberzeugung von der in Christus geeinten Kirche, die das personale Zeugnis voraussetzt.
Liebe Schwestern und Brüder!
Wir feiern heuer in Regensburg 750 Jahre gotischer Dom. In die Amtszeit von Bischof Manfred fiel die letzte große Renovierung des Domes in den 1980er Jahren, initiiert und getragen natürlich vom Domkapitel, aber es ist doch die Bischofskirche, die Kathedrale des Bischofs von Regensburg.
Zu den Elementen der Renovierung gehörte nicht zuletzt die Anlage der Gruft als Bischofsgrablege.
Nach seinem Vorgänger Rudolf Graber wurde Manfred Müller als zweiter in der damit neu geschaffenen Bischofsgrablege im Regensburger Dom bestattet und somit eingefügt in das Fundament der Kirche von Regensburg. Wir werden nachher an seinem Grab beten, für sein Wirken danken und darum beten, dass Gott, der Schöpfer und Erlöser, seinen Dienst und sein Zeugnis annimmt und ihn in seiner Herrlichkeit vollendet. Und wir werden dort in der Krypta auch die Liste der Bischöfe der Kirche von Regensburg in Stein gemeißelt sehen, nicht
18.05.2026 20260517_P_7.So_Ostzt_A_MMüller.docx 4 eine Abstammungsgenealogie, sondern eine geistige Genealogie, die apostolische Sukzession in der Nachfolge der Apostel mit dem Auftrag, das Evangelium zu bezeugen.
Der Name Manfred Müllers, er war schon zu seinen Lebzeiten präsent als Name einer Schule, der Bischof-Manfred-Müller-Schule, ein Markenzeichen für ein zukunftsweisendes pädagogisches Konzept, das den Glauben organisch integriert in alle Schulfächer und auf diese Weise im Leben der Kinder und Jugendlichen verwurzelt.
Liebe Schwestern und Brüder, ja, unser christlicher Glaube schaut auf den einzelnen, seine Würde, seine Berufung, seinen Namen. Bei der Taufe wird der Namen gerufen, bei der Firmung wird der Name gerufen, bei den heiligen Weihen. Und auch auf dem Grabstein steht der Name. Eine anonyme Bestattung ist von unseren christlichen Voraussetzungen her nicht denkbar, denn wenn Gott uns beim Namen kennt, dann verdient unser Name auch irdisch Beachtung.
Auf den Namen des dreifaltigen Gottes sind wir getauft. Und er hat unsere Namen in seine Hand, in sein Herz geschrieben. Wir gehören ihm.
Entscheidend freilich für das Wirken des Bischofs ist, was Jesus im Abendmahlssaal von sich selber sagt (vgl. Joh 17, 1–11a).
Er hat die Worte seines Vaters an uns weitergegeben. Nicht aus sich selber hat er gesprochen, sondern er hat alles vom Vater empfangen.
Auch der Bischof und die Verkünder des Evangeliums sind nicht die Urheber des Glaubens, der Glaube ist nicht ihre Erfindung, sie verkünden nicht sich selbst, sondern sie sind die Zeugen des gekreuzigtauferstandenen Herrn, der sie beim Namen gerufen hat und in dessen Dienst sie sich gestellt haben, und denen in der Weihe Gottes Geist verliehen wurde zur vollmächtigen Bezeugung.
18.05.2026 20260517_P_7.So_Ostzt_A_MMüller.docx 5 Und so wollen wir in diesen Tagen vor Pfingsten mit der ganzen Kirche darum beten, dass der Heilige Geist auch heute wieder herabkommt, dass er die Kirche von Neuem berührt; dass er in ihr das Licht Gottes wieder lebendig aufstrahlen lässt, dass er sie aus den Ermüdungen und Nöten erlöst und ihr wieder seine ganze Leuchtkraft schenkt.
Beten wir für uns alle, dass er in unser Herz komme, das in der Taufe und in der Firmung von ihm berührt wurde, dass er auch in uns Kraft der Reinigung und der Erneuerung wird, dass in uns wieder die Flamme der Freude hereinkommt, durch die wir alle Zeugen der Frohen Botschaft der Erlösung werden.
Amen.