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Judentum · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Elul: Jeden Tag neu

Rabbinerin Ulrike Offenberg · Juedische Allgemeine, Wochenabschnitt · 2026-08-25 · Quelle

Umkehr · Hauptbotschaft Hoffnung · tragend Verantwortung · tragend

Jeder Mensch hat täglich die Chance, durch sein Handeln die Welt zum Guten zu beeinflussen und sich selbst zu verändern, was eine Quelle der Hoffnung ist.

Das Hoffnungsvolle liegt darin, dass wir jeden Tag neu die Chance haben, unsere Schriftrolle zu beschreiben. Das, was gestern war, ist nicht vergessen, aber es muss uns auch nicht für alle Zukunft festlegen.

Der Text beschreibt den Monat Elul als den wichtigsten Monat des jüdischen Jahres, der zu den Hohen Feiertagen führt. Er zitiert den jüdischen Philosophen Bachja ibn Pakudah, der Tage mit Schriftrollen vergleicht, die der Mensch selbst beschreibt. Der Text betont den freien Willen und die Urteilsfähigkeit des Menschen sowie die Verantwortung für das eigene Handeln. Die Metapher der Waage wird verwendet, um auszudrücken, dass gute Taten die Welt zum Guten beeinflussen. Der Text hebt hervor, dass das Böse nicht metaphysisch ist, sondern das Ergebnis menschlichen Tuns und Unterlassens. Er betont die Hoffnung, dass man jeden Tag neu die Chance hat, sich zu ändern und die Welt zu verbessern. Der Text verweist auf die Gebete der Hohen Feiertage, in denen man darum bittet, im Buch des Lebens eingeschrieben zu werden. Abschließend wird betont, dass der Mensch daran selbst mitwirkt, jeden Tag aufs Neue.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Sünde, persönliches Versagen, Schuld vor Gott
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
innere Wandlung, Reue, Sinnesänderung; praktisches Handeln am Nächsten, Werke
Was ist der Mensch nach diesem Text?
selbstbestimmt, Urheber seines Handelns
Wohin geht die Geschichte?
es wird besser, Entwicklung zum Guten
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
1 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 1, jetzt 2, künftig 2

Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Jetzt ist der wohl wichtigste Monat des jüdischen Jahres da, der uns direkt zu den Hohen Feiertagen führt. Im Elul bedenken wir, was war und wie es weitergeht. Der jüdische Philosoph Bachja ibn Pakudah sagte: »Tage sind wie Schriftrollen – schreibe auf sie das, von dem du möchtest, dass es erinnert wird.« Er betont den freien Willen und die Urteilsfähigkeit des Menschen. Unsere Taten und unser Verhalten beschreiben die Schriftrollen – Tag für Tag, ein Leben lang. Der Gedanke, dass wir unsere Schriftrollen selbst beschreiben, kommt ohne das bedrohliche Bild einer Gerichtssituation aus, wie es die Hohen Feiertage prägt. Aber das entlässt uns nicht aus unserer Verantwortung. Bachja erinnert uns daran, dass alles, was wir tun, Auswirkungen hat – nicht nur auf uns, sondern auch auf unsere Welt. Das drückt sich auch im Symbol der Waage für die Hohen Feiertage aus. Wenn wir gute Taten üben, füllt sich die Waagschale und beeinflusst die Welt zum Guten. Wenn wir gute Taten üben, füllt sich die Waagschale und beeinflusst die Welt zum Guten. Auch umgekehrt trifft es zu: Die Herrschaft des Bösen ist nicht etwas Metaphysisches, sondern das Ergebnis des Tuns und des Unterlassens vieler Individuen. Das meint die jüdische Tradition, wenn es dramatisch heißt, dass wir die Wahl haben zwischen Leben und Tod. Und doch ist das eine Vorstellung voller Hoffnung und Kraft. Das Hoffnungsvolle liegt darin, dass wir jeden Tag neu die Chance haben, unsere Schriftrolle zu beschreiben. Das, was gestern war, ist nicht vergessen, aber es muss uns auch nicht für alle Zukunft festlegen. Wir können uns ändern, wir können die Welt verbessern – und wir können jederzeit anfangen. Erst am Abend ist das Kapitel des Tages abgeschlossen. Am nächsten Morgen können wir anpacken, was unerledigt blieb. So gestalten wir unsere Einträge und hoffen, dass sie in das Buch des Lebens aufgenommen werden. In den Gebeten der Hohen Feiertage sagen wir täglich mehrmals: »Im Buch des Lebens, des Segens, des Friedens und des ausreichenden Einkommens mögen wir bedacht und eingeschrieben werden, wir und ganz Israel, zu einem guten Leben und zum Frieden.« Bachja erinnert uns daran, dass wir daran selbst mitwirken – jeden Tag aufs Neue. Die Autorin ist Rabbinerin und Historikerin. Simanim Äpfel, Erbsen, schwingende Hühner Die Feiertage sind voller symbolischer Speisen und Rituale. Ist das Aberglaube? Nicht unbedingt, sagen die Weisen von Rebbetzin Chana Baumel 10.09.2026 Hohe Feiertage »Die Sterne neu berechnen« Aster Taylor über Astrophysik, die Berechnung des Himmels und den Ausgang der Festtage von Mascha Malburg 10.09.2026 9/11 Suche nach Gewissheit Auch 25 Jahre nach dem Terror sind noch nicht alle Opfer eindeutig identifiziert. Das stellte jüdische Gelehrte vor halachische Fragen – neben dem großen Ringen um eine religiöse Erklärung für die Katastrophe von Rabbiner Dovid Gernetz 08.09.2026 Talmudisches Sitzen Was unsere Weisen über das Verharren auf Stuhl, Sessel und Sofa lehrten von Detlef David Kauschke 04.09.2026 Nizawim–Wajelech Geheimnis des Neubeginns Die Rückkehr zum Ewigen ist ein tiefgreifender Prozess – für den Einzelnen und das ganze Volk von Rabbiner Salomon Almekias-Siegl 03.09.2026 Interview »Meine Musik soll Herzen öffnen« Motty Steinmetz ist in der orthodoxen Welt ein Superstar. Sein Großvater überlebte Auschwitz, nun tritt er zum ersten Mal in Deutschland auf. Wir haben mit dem chassidischen Sänger gesprochen von Jan Feldmann, Mascha Malburg 02.09.2026 Ki Tawo Demut ist größer als Erfolg Was die Tora über Dankbarkeit, Besitz und den respektvollen Umgang mit anderen lehrt von Rabbiner Elie Dues 28.08.2026 Rezension »Eine ziemlich dramatische Zeit« Rabbiner Walter Rothschild wäre beinahe an einer Infektion gestorben – nun hat er über den Kampf um sein Leben geschrieben von Detlef David Kauschke 28.08.2026 Talmudisches Die Folgen des Hasses Was unsere Weisen über die Konsequenzen aus Feindschaft und Groll lehrten von Chajm Guski 27.08.2026 zurück