Obwohl die Torah im Fall des widerspenstigen Sohnes eine extreme Strafe für potenzielle Vergehen vorsieht, stellt die rabbinische Tradition klar, dass diese nie vollstreckt wurde, um die ewige Möglichkeit der persönlichen Umkehr und Vergebung zu wahren.
Der Text analysiert den Wochenabschnitt Ki Tezé, der das Gesetz des 'widerspenstigen Sohnes' enthält, bei dem eine Person für geplante, aber noch nicht begangene Taten mit der Todesstrafe bedroht wird. Der Rabbiner erklärt, dass der Talmud diese Strafe als praktisch nie vollstreckbar betrachtet, da die strengen Bedingungen nie eintreten. Im Zentrum steht die theologische Verbindung zwischen der Ehre der Eltern und der Ehre Gottes, da beide als Partner der Schöpfung gelten. Der Text nutzt die aktuelle Zeit des Monats Elul, der Vorbereitung auf die Neujahrs- und Versöhnungstage, um die Möglichkeit der Umkehr (Tschuwa) zu betonen. Es wird argumentiert, dass es nie zu spät ist, von schlechten Taten umzukehren, solange die Reue ehrlich ist. Als Beispiel für eine solche radikale Wandlung wird der Schauspieler Uri Sina genannt, der zum Rabbiner wurde. Der Text schließt mit dem Appell, die Torah immer zusammen mit den rabbinischen Kommentaren zu lesen, um die wörtliche Härte durch die hermeneutische Weisheit der Tradition zu relativieren.
5. Mose 21,10-25,19 · Talmud · Rashi · 10 Gebote
Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
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Es ist Freitag 18 Uhr und ich begrüße ganz in der Nähe von mir, räumlich gesehen, aber jetzt über das Video doch distanziert, aber begrüße sehr nah und warm und herzlich unseren Landesrabiner von Thüringen, Alexander Nachhamma. Herzlich willkommen und auch den Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich wieder eingeschaltet haben und ich freue mich, dass auch unsere treue Zuschauerin aus Italien wieder mit dabei ist. Sie sagt, sie lernt darüber auch noch mal ein bisschen Deutsch und das Judentum. Also schön, dass sie da sind und auch die Reiseteilnehmer, die auch schon mit mir dabei waren, sind wieder einige. Herzlich willkommen, danke fürs auch live einschalten und dabei sein. Heute sind wir im Wochenabschnitt Ki T C. Wenn du in den Krieg ziehst und das beginnt im 5. Buch Mosel Kapitel 21 vers 10 und reicht dann bis Kapitel 25 vers 19 und wir haben den Wochenabschnitt mit den meisten Geboten überhaupt. Die Tradition sagt, ja es gibt 613 G und Verboote in den 5 Büchernmose, also 2. bis 5. Buchmose in der Thora und heute haben wir in unserem Wochenabschnitt von diesen 613 gleich 74 und es fällt auf, es ist sehr viel kasuistisches Recht. Was bedeutet das? Wir haben absolute Gebote, Du sollst Vater und Mutter Ehren zum Beispiel im Decalog in den 10 geboten und dann haben wir aber auch Gebote, die einen ganz konkreten Fall beschreiben. Zum Beispiel, wenn du unterwegs ein Vogelnest findest auf einem Baum oder auf der Erde mit Jungen und mit Eiern und die Mutter sitzt auf den Jungen oder auf den Eiern, so sollst du nicht die Mutter mit den Jungen nehmen. Warum vergleiche ich auch diese beiden Gebote? Es gibt auch die Auslegung, dass sei das Schwerste und das Leichteste, das Schwerste ist die Elternährung das Leichteste vielleicht auch die Mutter fliegen zu lassen und wenn man die Eier nimmt oder die Jungen nimmt aus dem Vogelnest, aber beide Gebote und das verbindet sie haben einen Lohn und das macht sie besonders, nämlich auch, dass du lange lebst oder wie Buba übersetzt, dass deine Tage länger werden. Aus der Fülle dieser Gebote lieber Herr Rabbiner, haben Sie vielleicht etwas ausgewählt oder etwas vielleicht ganz anderes, aber wir hören Sie zunächst mal ja dann auch mit dem Stück Tora in der Sprache Israel. Ja genau, also es war gar nicht so weit weg von dem, was ich gleich auch thematisieren werde, aber jetzt nisst einmal die ersten Verse aus dem Wochenabschnitt. Ja liebe Freunde, Menschen die uns das Leben schwer machen, mit denen wir vielleicht nur schwer umgehen können, denen begegnen wir wahrscheinlich immer wieder. Das kann beispielsweise ein Kollege bei der Arbeit sein, der eigentlich nur bei einer Sache wirklich zuverlässig ist, nämlich darin immer genau das Gegenteil dessen zu tun, was man abgesprochen hat. Aber das kann auch schon in der eigenen Familie vorkommen, nämlich wie wir im Abschnitt dieser Woche in Abschnitt Kitetser lesen. Wenn jemand einen ungehorsamen, widerspenstigen Sohn hat, der der Stimme seines Vaters und seiner Mutter nicht gehorcht. Ja, es geht noch weiter, aber erst mal bis hierhin. Die Ausgangslage scheint zunächst einmal klar, es gibt einen Sohn oder manche interpretieren das auch allgemeiner, also ein Kind, das den Eltern nicht gehorcht. Aber was heißt das? Also was ist damit gemeint, den Eltern nicht gehorchen? Also weigert sich das Kind beispielsweise, wenn es denn gefragt wird, im Haushalt mitzuhelfen oder mag es nicht schlafen gehen, wenn es ins Bett gehen soll? Rabbina Josef Hermann Herz erschreibt in seinem Kommentar, dass es sich um ein Kind handelt, dass sowohl die Autorität der Eltern als auch Gottes missachtet. Ja, worin besteht aber der Zusammenhang zwischen dem Missachten der Autorität der Eltern und dem Missachten der Autorität Gottes? Schauen wir dafür kurz auf die zehn Gebote. Dort heißt es im Nach der jüdischen Zählung fünften Gebot. Ehret einen Vater und deine Mutter. Dieses Gebot wird nicht zu jenen Geboten gezählt, die gegenüber den Mitmenschen gelten, sondern zu jenen, die gegenüber Gott einzuhalten sind. Also auf Hebräisch. Ben Adam Lemakom. Und dazu heißt es in Talmud. Es gibt drei Partner bei der Erschaffung des Menschen, nämlich Gott, die Mutter und den Vater. Wenn das Kind sich weigert, seinen Vater und seine Mutter zu ehren, dann spricht Gott. Ich erachte es als würde ich unter ihnen leben und als hätte das Kind mich nicht geerrt. Also das Ehren von Vater und Mutter ist eine göttliche Pflicht und hängt deshalb eben direkt mit Gott zusammen. Ja, den Fall, das möchte ich kurz in Klammern sagen, dass ein Kind die Eltern beispielsweise aufgrund von Gewalt oder Missbrauch nicht mehr ehren kann. Will ich an dieser Stelle nicht ansprechen, denn hier im Abschnitt dieser Woche geht es um den Fall, dass das Kind die Eltern nicht errt, weil es sich eben schlecht benimmt. Also zurück zum Wochenabschnitt. Wo ist dann heißt sie, also die Eltern haben ihn, also das Kind oder den Sohn auch gezüchtigt und dennoch will er nicht hören. Ja, was ist mit züchtigen gemeint? Also sind das etwa Schläge? Rashi interpretiert in seinem Kommentar ist als eine Warnung, also er schreibt, dass die Eltern ihr Kind ausdrücklich gewarnt hätten, dass dieses Verhalten Konsequenzen haben wird. Und dann heißt es weiter in Naturau. Dann sollen ihn Vater und Mutter ergreifen und vor die Ältesten der Stadt in das Tor seines Wortes bringen und zu ihnen sprechen. Dieser unser Sohn ist ungehorsam und widerspenstig, will uns nicht folgen, ist ein leichtsinniger, schlimmer und trunken Volt. Ja, schlimmer und trunken Volt. Wie können wir das verstehen? Gucken wir wieder in den Kommentar von Rashi. Der interpretiert es folgendermaßen. Er schreibt, dass es sich um einen Kind handelt, dass irgendwann seine Eltern ausrauben wird und dass danach auch andere Menschen ausrauben wird, wenn es bei seinen Eltern nichts mehr findet. Also es handelt sich um einen Dieb. Aber dennoch ist das hypothetisch, denn diese Handlungen haben alle noch nicht stattgefunden. Es besteht aber die Sorge, sie könnten stattfinden. Und die Torah setzt fort. Dann sollen ihn alle Leute der Stadt mit Steinen zu Tode werfen. Ja, diese Person soll also getötet werden, mit der Todesstrafe bestraft werden, bevor sie überhaupt diese Taten begangen hat. Das ist eine Aussage der Torah, mit der die Rabbiner doch so einige Probleme haben. Das ist, denke ich, verständlich. Schließlich scheint es doch ziemlich hart und auch ungerecht, eine Person für etwas zu verurteilen, was sie eigentlich auch gar nicht getan hat. Also ein präventives Urteil. Der Talmud schreibt dazu, die Bedingungen, die einen Gerichtshof dazu bringen, diese Todesstrafe zu verhängen. Diese Bedingungen sind nie eingetreten und werden nie eintreten. Das ist doch, wie ich finde, eine sehr wichtige Klarstellung. Aber nicht nur aufgrund der Todesstrafe, finde ich diesen Vers problematisch. Also hat nicht jemand, der in seiner Jugend vielleicht viel Unsinn gemacht hat, die Möglichkeit zur Umkehr und Buse oder allgemeiner hat nicht jeder, der gesündigt hat, die Möglichkeit von schlechten Taten umzukehren. Diese Fragen hängen nicht nur mit diesem Wochenabschnitt zusammen, sondern allgemein mit der Zeit, in der wir uns gerade befinden. Denn wir befinden uns gerade im Monat Elul, dem Monat vor Rocha Shana und vor Yom Kippur und damit eben auch vor den zehn Wustagen. Als Vorbereitung auf diese Tage können wir uns natürlich jetzt schon damit auseinandersetzen, wie das vergangenen Jahr gelaufen ist, also was gut gelaufen ist, aber natürlich auch was weniger gut gelaufen ist, womit wir zufrieden waren und womit wir vielleicht weniger zufrieden waren. Allgemein gilt hierbei, es ist nie zu spät umzukehren. Es ist nie zu spät, Buse zu tun und sich von schlechten Taten abzuwenden. Selbstverständlich räumen die Rabbiner auch einer Person, die über Jahre hinweg die Gebote der Torah missachtet hat, diese Möglichkeit zur Umkehr und Buse ein. Die einzige und auch sehr, sehr wichtige Bedingung ist dann, die Umkehr sollte ehrlich gemeint sein. Denn, ich glaube, das ist immer wichtig, Theater können wir uns sparen, da gehen wir, glaube ich, lieber eine richtige Aufführung, sofern das momentan überhaupt möglich ist, aber ich denke, sie verstehen, was ich meine. Also wenn wir Umkehr und Buse begehen, dann sollte diese auch ehrlich gemeint sein. Menschen, die nach einer langen Zeit zum Glauben zurückkehren, werden auf Hebräisch als Baal-Chuwa bezeichnet. Also Herr der Umkehr könnte man übersetzen oder man könnte auch sagen Meister der Umkehr, denn sie haben eben genau diese Umkehr geschafft. Nehmen wir vielleicht ein großes Beispiel, Ihnen vielleicht auch bekannt, Uri Soha, ein israelischer Schauspieler, der bis in die späten 70er Jahre in vielen Filmen mitspielte, ja auch nicht immer ganz jugendfrei, der auch beispielsweise vor Gericht stand, wegen des Besitzes von Drogen. Ja und was ist dann aus ihm geworden? Er ist Trabiner geworden. Liebe Freunde, wir können daher festhalten, diese Möglichkeit, um Umkehr und Buse zu tun, sie bleibt ein Leben lang, allerdings, das ist auch wichtig, wir sollten sie nicht mutwillig vor uns her schieben, sondern in dem Moment, in dem wir fehlerbar uns feststellen, sie natürlich versuchen, so schnell wie möglich zu korrigieren. Auch wenn die Torah in diesen Fersen, die wir gerade gelernt haben, den Anschein erweckt, dass dies nicht immer möglich ist, so spiegelt doch diese Möglichkeit der Umkehr, eine der ältesten jüdischen Prinzipien wieder. Deshalb, vielleicht auch an dieser Stelle kurz angemerkt, ist es immer wichtig, die Torah auch mit den rabbinischen Kommentaren zu lernen, also nicht nur die Torah alleine, sondern auch immer die rabbinischen Kommentare dazu zu lesen, denn manche Dinge werden eben in den Kommentaren anders ausgelegt, als sie vielleicht wörtlich verstanden werden können. Falls wir, um nochmal auf das Beispiel vom Anfang zurückzukommen, also ein Problem mit den Mitmenschen haben, sei das in der eigenen Familie oder im Freundeskreis oder auch im Kollegenkreis, wenn wir das Gefühl haben, dass wir diese Person mit unseren Worten nicht erreichen, dann braucht das uns eigentlich auch nicht zu beunruhigen. Ja, manchmal mag es dann helfen, dieser Person nochmal etwas Raum zu geben und dann nochmal mit ihr zu sprechen, ja, so wie wir auf unsere Mitmenschen auch zugehen sollten, wenn wir Verzeihung von ihnen erlangen wollen. Ja, so treten wir hoffentlich dann in einem konstruktiven Dialog, an dessen Ende ein besseres Verhältnis und auch Verständnis für beide Seiten steht. Ja, in diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Shabbat, dass Sie alle gesund bleiben mögen. Shabbat, Salam. Vielen Dank, lieber Herr Rabiner. Und mit Vergnügen weise ich natürlich auch unsere nicht jüdischen Zuschauerinnen und Zuschauer darauf hin, dass es vielleicht keine größere Nähe zwischen Juden und Christen, Judentum und Christentum gibt, als im Gedanken der Umkehr. Der zentrale Gedanke in der Botschaft Jesu ist, etwa das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Wenn das jemand kennt, also im Religionsunterricht, so Gleichnisse kennt, dann ist es meistens dieses und das ist der Ruf zur Umkehr zum Vater. Also man kann sich entfernen, man kann alles von sich weisen in die Ferne gehen, aber es gilt, der Ruf auch zurückzukehren. Und ja, in dem Gleichnis findet der, in die Ferne und verloren gegangene Sohn dann eben offene Arme. Und in genau dieser Zeit, die Umkehr zu bedenken und dann auch zu leben, ist jetzt auch die jüdische Gemeinde. Und insofern wünsche ich Ihnen, Herr Rabiner, mit Ihrer Gemeinde heute und morgen guten Gottesdienst und einen guten Shabbat. Ich danke sehr für diese Worte, die uns, denke ich, allen helfen, auf den Weg zu kommen und auf den Weg zu bleiben. Shabbat, Shalom. Shabbat, Shalom.