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Judentum · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Schabbat Re'eh || Der Name, den man nicht wegwerfen darf

Ricklef Münnich · Das Wort zum Schabbat · 2026-08-07 · Quelle

Wissen · Hauptbotschaft Verantwortung · tragend

Die sorgfältige Behandlung und korrekte Entsorgung von Schriftstücken mit dem Gottesnamen ist eine religiöse Pflicht, die auf dem Verständnis der biblischen Verbotens des Namensvertilgens beruht.

Wichtig ist das Wissen darum, weshalb Sie dies tun oder eben auch nicht tun. Wichtig ist es, dass Sie mit hebräischen Städten sorgsam umgehen und stets kontrollieren, ob der Gottesname ausgeschrieben oder abgekürzt ist, wenn Sie diese entsorgen möchten und dann entsprechend verfahren.

Der Text behandelt den jüdischen Wochenabschnitt Re'eh und den Umgang mit dem Gottesnamen. Der Landesrabbiner erklärt, dass das Vertilgen des Namens der Götzen im Gelobten Land verboten ist, während der Name des einen Gottes nicht ausgelöscht werden darf. Dies führt zur Praxis, Schriftstücke mit dem Gottesnamen nicht zu wegwürfen, sondern in einer Genisa zu lagern oder zu beerdigen. Es wird diskutiert, ob der deutsche Name 'Gott' abgekürzt oder ausgeschrieben werden muss, wobei Maimonides und spätere Rabbiner unterschiedliche Ansätze vertreten. Der Text betont die Wichtigkeit, die Gründe hinter den Geboten zu verstehen, um sie nicht blind zu befolgen. Er verweist auf die Heiligkeit des Lagers und die Vermeidung von Unanständigkeit im Gottesbezug. Abschließend wird zur bewussten Trennung von Müll und zur sorgsamen Entsorgung religiöser Texte aufgerufen.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Unwissenheit, Illusion, falsche Sicht der Wirklichkeit
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis; Gebote befolgen, Ordnung einhalten, Pflichten erfüllen
Was ist der Mensch nach diesem Text?
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
den eigenen Glaubensgeschwistern
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

5. Mose 11,26 · 5. Mose 16,17 · 5. Mose 23,15

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
1 von 5
Konkretheit
3 von 3
Abgrenzung
1 von 3
Zeitbezug
früher 2, jetzt 3, künftig 1

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Es ist Freitag 18 Uhr. Ich begrüße den Landesrabiner von Thüringen, Alexander Nachhammer. Herzlich willkommen und ein Gruß an die Zuschauerinnen und Zuschauer an den Bildschirm, die auch live wieder mit dabei sind oder später auch in einer Aufzeichnung. Heute sind wir, nachdem wir ja öfter über den Monat Aarf gesprochen haben, das letzte Mal im Monat Aarf zusammen. Morgen wird im Gottesdienst dann schon der neue Monat Elul angesprochen und geheiligt, oder kann man so sagen, Herr Rabiner? Ja, also das ist sozusagen wir wünschen uns alles Gute für den neuen Monat und wünschen uns, dass das ein gesegneter, neuer Monat wird. Und damit auch Vorbereitung dann im Elul auf die hohen Feiertage, die dann kommen. Ein bisschen ist da auch der heutige Wochenabschnitt schon eine Hinführung, wenn man so will. Er beginnt mit dem Wort Sier und sie finden das oder er findet das im fünften Buchbose, Kapitel 11, Vers 26 und der Wochenabschnitt reicht dann bis Kapitel 16, Vers 17. Und dieses Sier bezieht sich darauf, Mosel sprich, ich lege euch vor, das ist doch Mosel, ne? Den Segen und den Fluch. Den Segen, wenn er die Gebote haltet, den Fluch, wenn er abweicht von den geboten Gottes. Und das ist ganz viel dann in diesem Wochenabschnitt auch drin. Da könnte man jeden Tag drüber sprechen, was alles an Stoff dort ist. Es geht um das Verzehnten, um die falschen Propheten, um das Verbot übrigens auch der Tätowierung im Judentum. Wissen Sie, ob das gehalten wird und der religiösen Juden beseutet? Denn sonst ist in Israel auch das Tätowier-Mode wie bei uns, ne? Ja, das kann man natürlich nicht verhindern. Am Ende auch die Entscheidung eines jeden Einzelnen, aber nach der Torre ist es verboten. Und ich kann das auch gar nicht anders empfehlen, als das auch einzuhalten. Genau. Und man muss immer gucken und da geht es dann auch zum Kern vielleicht dessen, was wir heute besprechen. Verboten sind die Dinge nicht einfach, weil man nicht irgendwelchen Moden folgen will, sondern weil Dinge auch von den Völkern, von Nicht-Israel-Völkern benutzt worden sind für den Dienst an anderen Göttern. Und ich denke, das ist auch bei den Tätowierungen so der Fall gewesen, dass man sich eben Haut eingeritzt hat, vielleicht mit Götterbildern oder mit irgendwelchen religiösen Zeichen, die nicht dem Herrn, dem Gott, entsprechen. Ja, aber um es noch zu vervollständigen, es geht auch nochmal um das Kosher, um das Shabbat-Jahr und am Schluss dann auch über die Feiertage in diesen fünf Kapitel. Aber wie immer bei unserem Wort zum Shabbat greift der Rabbiner heute der Landesrabiner hier nur ein klein Beispiel heraus und liest uns auch ein Stück aus der Torra, darauf freu ich mich und gebe Alexander Nachama das Wort. Ja, danke schön. Wir beginnen mit den ersten Fersen vom Abschnitt Rhe. Rhe, Anochin, Noten liefne ichem, haiom, brachah, u Klala, et ha brachah, asher, tishmeu, el mitzvot Adonai, elohechem, asher, Anochin, metzave etchem haiom. Ve ha klala, imelot, tishmeu, el mitzvot Adonai, elohechem, vesatem, imel, aderach, asher, Anochin, metzave etchem haiom, lalechet, achare, elohim acherim, asher, loyedatem. Ja, lieber Freunde, es wird, glaube ich, in der fünften oder sechsten Klasse gewesen sein, als ich im Fachdeutsch mal wieder ein Diktat schreiben musste, was ich zugegeben nie gerne tat, da ich lieber schreibe, was ich will und ich denke und nicht was andere mir diktieren. An den genauen Inhalt des Diktats kann ich mich auch gar nicht mehr erinnern, nur noch daran, dass es in einem Satz um Gott und die Welt ging. Und mich erschlich ein doch etwas unsicheres Gefühl, darf ich Gott ausschreiben oder muss ich Gott mit einem Apostroph schreiben. Zugegeben, als elf oder zwölfjähriger hatte ich mir darüber noch nicht ganz so viele Gedanken gemacht und zudem wusste ich auch nicht, ob meine Lehrerin die Abkürzung verstehen würde. Und also schrieb ich Gott aus. Aber war das nun richtig oder falsch? Meine Deutschlehrerin befand es für richtig und strich es nicht mit Rot an, aber das kann natürlich heute hier nicht der Maßstab sein. Schlagen wir jüdische Zeitungen und Zeitschriften auf, so werden wir feststellen, dass je nach Autor Gott mit oder auch manchmal ohne Apostroph also ausgeschrieben wird. Wie kommt es dazu? Im Abschnitt dieser Woche, wo wir gerade den Beginn gehört haben, in Reh, da heißt es etwas später im Zusammenhang mit der Eroberung des versprochenen Landes in Bezug auf andere Götter, reist ihre Attiere ein, zerbrecht ihre Standsoilen, verbrennt ihre Heine, haut die geschnitzten Bilder ihrer Götter um und vertilgt ihren Namen von demselben Ort. Ja, also die Aussage scheint doch recht eindeutig, um Götzendienst im versprochenen Land zu bekämpfen, darf sogar der Name des jeweiligen Gottes vertilgt werden. Ja, so sollte verhindert werden, dass Israel selbst eines Tages um Götzendienst übergeht, ja, ein, wie wir wissen, im weiteren Verlauf immer wieder auftretendes Problem. So wie es bei Götzen erlaubt ist, den jeweiligen Namen zu vertilgen, so ist es uns beim einzigen und wahren Gott verboten, wie es dann gleich im Anschluss in der Torah heißt, dem ewigen eurem Gott sollt ihr auf diese Weise nicht dienen. Das bildet den Hintergrund dafür, dass eben der Name des ewigen nicht vertilgt werden darf. Das bedeutet, dass Bücher und Schriftstücke, die den Gottesnamen beinhalten, nicht radiert oder weggeworfen oder anders zerstört werden dürfen, sondern entweder in einer Genisa aufbewahrt werden sollen. Die Genisa, um das vielleicht kurz zu erklären, ist ein Abstellraum, in dem alte Gebetbücher oder andere religiöse Dokumente aufbewahrt werden, die nicht mehr in Gebrauch sind. Also das wäre die eine Möglichkeit in der Genisa oder die andere Möglichkeit. Diese Schriftstücke werden auf einem jüdischen Friedhof beerdigt. Auf manchen Friedhöfen gibt es Gräber für alte Torarollen, Talmut, Bände und Gebetbücher. Das bedeutet, wenn man es nochmal zusammenfassen möchte, einfach wegwerfen dürfen wir diese nicht. Ansonsten vertilgen wir Gottesnamen und das ist eindeutig verboten. Vor einiger Zeit las ich in einem Artikel der jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung, dass die vor der Shoah verbreitete Wochenzeitung der Israelit, ein Zentralorgan für das orthodoxe Judentum, Gott tatsächlich ausgeschrieben hat. Ebenso beispielsweise die Zeitschrift Jeshu-Run des hildesheimischen Rabbinasiminars und die Zeitschrift Magazin für die Wissenschaft des Judentums von Rabbiner David Hoffmann, der ebenfalls von diesem Rabbinasiminar Karmdorffektor war. Ist das ein Fehler? Im 12. Jahrhundert zählte der berühmte Maimonides insgesamt sechs Gottesnamen auf, die nicht ausgelöscht oder radiert werden dürfen. Dazu, um sie kurz zu nennen, zählt das unaus sprechliche Tetragramm, der vierbuchstabige Name Gottes, zum zweiten Adonai, also den Gottesnamen, den wir als Ersatz für das Tetragramm verwenden, El, Eloha und Elohim, das wird meist alles mit Gott übersetzt, Shaddai, das ist in der Übersetzung der Allmächtige und Zevaot, bedeutet Herrscharen. Also diese darf man nicht löschen. Gleichzeitig nimmt Maimonides jedoch die nichthebräischen Namen und Umschreibungen von Gott diesem Verbot aus. Und daher stellt beispielsweise Rabbiner Josef Solowajic, das ist ein orthodoxer Talmud-Gelerter aus dem 20. Jahrhundert fest, Gott sei nicht der heilige Name Gottes, sondern eine deutsche Umschreibung dafür und daher dürfe Gott ausgeschrieben werden. Warum aber machen es einige, wie wir doch zu Beginn festgestellt haben, trotzdem nicht. Für diese spielt hier der Umgang nach dem Lesen eine wichtige Rolle. Also landet beispielsweise die Zeitung nach dem Lesen im Papiermüll, so mag das vielleicht weniger tragisch sein. Landet sie aber im allgemeinen Müll, beispielsweise mit altem Essen und anderen Dingen, ja so ist es verboten. Das kann mit Devarim Kapitel 23, Vers 15 verbunden werden, wo es heißt. Darum muss dein Lager heilig gehalten werden, damit er, also Gott, ist gemeint, nicht etwas Unanständiges bei dir gewahr werde und sich von dir abkehre. Ja, das Unanständige, das hier angesprochen wird, das wird im Schulchan Aruch als Schmutz ausgelegt. Weniger gemeint ist damit beispielsweise Staub, wobei wir natürlich trotzdem dafür Sorge tragen sollten, dass wir uns in einer sauberen Umgebung befinden. Gemeint sind hier aber vor allem Fähigkeiten, deshalb ist es verboten, in Räumen zu beten, in denen sich eine Toilette befindet. Und das gilt tatsächlich in allen Sprachen. Also das bedeutet, in solchen Räumen dürfte man auch nicht in der deutschen Sprache beten. Und somit wäre es auch verboten, ganz allgemein Gott in solchen Räumen zu sagen, ob jetzt in Deutsch, Hebräisch oder in einer anderen Sprache. Ja, worum erzähle ich Ihnen das? Diese Logik, dass Gott nicht mit unwürdigen Dingen verbunden werden darf, wenn den manche auch auf Zeitungen oder andere Texte an, in denen Gott, und dann ist es egal in welcher Sprache, ausgeschrieben ist. Und deshalb dürfen solche Schriften, wenn man so will, nicht in der schwarzen Tonne mit allem möglichen Müll landen. Folgt man dieser Logik, so würde man Gott, egal dann in welcher Sprache, stets mit einem Abusstruf oder abgekürzt schreien, besonders eben dann, wenn man nicht weiß, wo die Texte zum Schluss landen. Und das kann dann immer weiter angewendet werden, ja sogar bei E-Mails, nicht weil sie mit anderen vielleicht unanständigen Spam-Mails im Papierkorb auf dem PC entsorgt werden könnten, sondern weil der Empfänger sie vielleicht ausdrücken könnte und dann wieder unsicher ist, ob er auch wirklich seinen Müll anständig trennt. Also Sie sehen, das korrekte Trennen des Mülls ist auch eine religiöse Pflicht. Ja, liebe Freunde, letztendlich, darauf will ich doch noch hinaus, das will ich feststellen, sei es natürlich Ihnen überlassen, ob Sie Gott im Deutschen mit oder ohne Abusstruf schreiben. Wichtig ist das Wissen darum, weshalb Sie dies tun oder eben auch nicht tun. Wichtig ist es, dass Sie mit hebräischen Städten sorgsam umgehen und stets kontrollieren, ob der Gottesname ausgeschrieben oder abgekürzt ist, wenn Sie diese entsorgen möchten und dann entsprechend verfahren. Also alte unbrauchbare Gebetbücher können beispielsweise meist auch in die Gemeinde gebracht werden, die sich dann um die korrekte Verfahrensweise kümmert. Es ist hier wie mit so vielen Dingen mindestens genauso wichtig wie etwas zu tun, ist es, das Tun auch zu verstehen. So werden aus Geboten nicht Behandlungen, die einfach so oder aus der Tradition heraus ausgeführt werden. Denn wie wir gesehen haben, manchmal ist auch die Tradition keineswegs so eindeutig, wie man denken mag. Also wollen wir versuchen, uns dies stets bewusst zu halten, nicht nur, aber auch, wenn wir einen Text über Gott und die Welt schreiben. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Shabbat, dass die alle gesund bleiben mögen. Shabbat Shalom. Vielen Dank, lieber Herr Rabiner. Sie haben die Genisat angesprochen, also diese Kammern, in denen man, oder Lagerräume, in denen man unbrauchbar gewordenen Schriften sammelt, um sie dann vielleicht, wenn ein größerer Vorrat zusammen ist, gemeinsam zu beerdigen. Nur noch mal als Erinnerung, viele werden das wissen, weil es diesen Brauch und diesen guten Brauch gibt, haben wir durch die Genisadi in Cairo entdeckt worden, ist ja ein unglaublichen Schatz von ältesten Handschriften, bis hin in das frühe Mittelalter, glaube ich, geht es zurück. Insofern ist dieser Brauch auch nicht nur für die Wissenschaft, sondern überhaupt auch für das ganze Studium des Judentums ein unglaubliches Geschenk geworden. Es gibt aus anderem Grund, in unseren evangelischen oder christlichen Bibeln, in der Lutherbibel, den Brauch doch zumindest den Gottes Namen anders zu schreiben, um sich an diesen Namen zu erinnern. Also etwa aus unserem Wochenabschnitt, wenn dich der Herr dein Gott in das Land bringt, in das du kommen sollst, du Segen sprechen auf dem Berg Arisim und den Fluch auf dem Berg Ebay, wenn dich nun der Herr dein Gott, da ist in den Bibeln das Wort Herr mit Kapitälchen, also mit Großbuchstaben, die aber etwas kleiner gesetzt sind, gedruckt. Und deswegen kann man sofort auch erkennen, hier ist der Gottesname Adonai auch gedruckt. Also nicht der Grund, den Sie genannt haben, aber doch auch ein anderer, also sich zu erinnern, um wen es geht, nicht um den allgemeinen Gott, sondern um den Herrn, den Gott Israels und dann über Jesus Christus, auch den Gott der Christinnen und Christen. Vielen Dank für diese Erinnerung und Ihnen einen guten Gottesdienst und allen einen Schabbat, ein schönes Wochenende, schönen Sonntag. Schabbat, Schalom.