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Judentum · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Eine deutsche Mutter, Israel und der 7. Oktober - Ein Gespräch mit Sonja Bohl-Dencker

Un(d)orthodox – Jüdische Gemeinde Düsseldorf · Un(d)orthodox – Jüdische Gemeinde Düsseldorf · 2026-06-03 · Düsseldorf · Quelle

Gemeinschaft · Hauptbotschaft Wahrhaftigkeit · tragend

Die deutsche Medienlandschaft hat die Opfer des 7. Oktobers, insbesondere deutsche, systematisch ausgeblendet, während die persönliche Erinnerung und das Miteinander der Gemeinschaft die zentrale Kraft im Umgang mit dem Verlust darstellen.

Meine einzige Erklärung eigentlich ist das, dass es nicht gewollt war, dass eine deutsche Betroffenheit zu sehr in den Fokus kommt, jedenfalls von den Medien, bei denen ich dann im Nachhinein erfahren musste, dass sie nicht sehr israelfreundlich sind

Der Text ist ein Interview mit Sonja Bohl-Dencker, die am 7. Oktober 2023 ihre Tochter Caroline im Kibbuz Nir Oz verlor. Die Mutter beschreibt Caroline als empathische, fröhliche Person, die Menschen unabhängig von Herkunft oder Religion anlächelte. Sie schildert den schmerzhaften Verlauf des Tages, an dem sie zunächst beruhigende Nachrichten erhielt, bevor der Kontakt abbrach. Bohl-Dencker kritisiert die deutsche Medienlandschaft, insbesondere öffentlich-rechtliche Sender, für die einseitige Berichterstattung und das Ausblenden der deutschen Opfer. Als Zeichen der Erinnerung und Gemeinschaft wurde im Heimatdorf eine Bank aus einem Baumstamm errichtet, die zu einem Ort der Trauer und des Gedenkens wurde. Die Mutter betont die Bedeutung der Erinnerung und des Miteinanders in der Trauer.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Feindschaft, Hass, Zerfall der Gemeinschaft; Unwissenheit, Illusion, falsche Sicht der Wirklichkeit
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit; persönliche Erfahrung, Zeugnis, Begegnung mit Gott oder Menschen
Was ist der Mensch nach diesem Text?
vor allem Teil einer Gemeinschaft oder Schöpfung
Wohin geht die Geschichte?
es wird schlechter, eine Ordnung geht zu Ende (erschlossen)
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf eigenes Erleben, Zeugnis, Begegnung
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf andere, die Gesellschaft, andere Gruppen

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nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Gemessen

Grundhaltung
-1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
3 von 3
Reichweite
4 von 5
Konkretheit
3 von 3
Abgrenzung
2 von 3, benannt: Deutsche Medien (insb. öffentlich-rechtliche)
Zeitbezug
früher 2, jetzt 3, künftig 1

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Meine Tochter ist eine vorteilsfreie, fröhliche, empathische junge Frau gewesen, die, und ich möchte vielmehr von diesem, guckt euch damals was ab von dieser Frau, seid empathisch miteinander, guckt mal auf die Menschen. Hallo zu einer neuen Folge von und orthodoxy podcast für unschlüssige mit mir, sehr elf. Heute habe ich ein sehr emotionales Gespräch vor mir und zwar werde ich mit Sonja Bulldenka sprechen, die am 7. Oktober 2023 ihre Tochter Caroline verloren hat, die im Kibbutzniere-Ost von Hermas-Thorsten ermordet wurde. Ja, liebe Sonja, ich danke dir erstmal, dass du bereit bist, hier mit mir zu sprechen. Ich kann mir vorstellen, dass jedes einzelne Interview dir schwer fällt und deswegen danke dir umso mehr, dass du hier in die Gemeinde gekommen bist, um mit mir zu sprechen. Sehr vielen Dank. Du hast deine Tochter Caroline verloren, die am 7. Oktober von Terroristen der Hermas im Kibbutzniere-Ost ermordet wurde. Worüber würdest du am liebsten sprechen, wenn du an deinem Tochter denkst? Ja, sie war halt ein kleiner Sonnenschein, hat immer gelacht und natürlich zu Hause hört man auch mal schlechte Laune und die Pubertätzeit ist klassischerweise sicherlich auch kennen die Eltern, die schon pubertierende Kinder haben oder hatten, wo man dann auch nicht immer lacht, aber sie war halt vom Grundprinzip ein sehr positiver eingestellter Mensch. Es hat sie nicht interessiert, ob jemand schwarz-weiß, irgendwie welche Religion er hatte, welche Hautfarbe, wie gesagt, wie entscheidend war das Herz von den Menschen und ob sie mit ihm sich konnecken konnte. Sie hat es geliebt, diese zu lachen, auch wildtrammende Menschen anzulächeln und hat es immer wieder berichtet, dass die Leute dann zurück lächeln. Und ja, und er hat es geliebt, den Menschen, frei wildtrammen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Und so war sie auch. Und das habe ich dann auch nochmal so richtig gemerkt, als sich die ganzen Kondolenzkarten geliesen habe, wo das alle anderen auch bestätigt haben, dass sie ein einfacher Sonnenschein ist. Andere haben geschrieben, die Sonne ist aufgegangen, wenn sie einen Raum betreten hat. Und so war es auch. Es hat immer gelächelt gelacht. Und diese blonden Haare, diese hübsche junge Frau, es war einfach. Ja, und wir hatten ein sehr engiges Verhältnis. Das ist für mich dann persönlich das Schwierigste und das, was ich am meisten vermisse, dass wir regelmäßig ein Fast jeden Tag, irgendwie auch wenn sie jetzt in Berlin nachher gelebt hat zum Studium Kontakt hatten und sie regelmäßig nach Hause gekommen ist und gerne zu Hause war und es genossen hat, die Ruhe nach dem Großstadtleben. Bei uns zu genießen auf dem Land. Ja, vermisse sie einfach unheimlich. Ich krieg mal Eichgänsehaut, wenn du über den Tochter sprichst. Das also das ich spüre, wo ich sie nicht kenne, was für ein besonderer Mensch sie sie war. Deswegen danke dir, dass du das mit mir teilst oder mit uns teilst. Deine Tochter, Caroline war, wie bereits erwähnt, am 7. Oktober 2023 im Kibuls näher aus. Woran erinnerst du dich noch genau an diesem Tag? Der Tag hatte für mich sehr früh angefangen. Ich war im Urlaub und habe wir wollten früh los. Ich war in Dänemark und dann kam dann natürlich, da kam dann nicht natürlich, sondern es kam dann die Nachricht von Caroline. Sie hat mich immer angeschrieben, immer irgendwie kontaktiert, wenn es ein Problem gab. So auch an dem Morgen und hat das hat dann geschrieben. Es ist jetzt doch was passiert. Das doch kann man erklären, weil als ich gehört habe, gesehen habe, dass das Kibuls, wo sie waren, so nah am Gasa-Streifen war, habe ich schon irgendwie mir Sorgen gemacht, obwohl ich keine Nichts von Israel wusste. Aber irgendwie Gasa-Streifen hörte sich so für mich als völlig außen stehen. Da muss man ganz klar sagen damals jedenfalls irgendwie merkwürdig an. Und dann hatte sie mich sogar mal angerufen und hat dann geschrieben, hat mir dann gesagt, auch ich glaube, ich muss meinen Mami kennen. So hat sie mich immer genannt. Mal beruhigen. Hier ist alles gut und alles safe. Und ja, und dann kam eben diese Nachricht am Morgen. Jetzt ist doch was passiert. Ich wusste gar nicht, dass sie noch im Kibuls war, weil sie eigentlich vorhatten, am 6. Nacht heller Wief zu fahren, schon, oder am 7. der Flug ging und es hatten sie kurzfristig umgeändert, so dass sie dann an dem Morgen eben noch im Kibuls waren. Und dann haben wir halt per WhatsApp hin und her geschrieben. Die haben natürlich auch nichts gewusst wie kaum einer, mindestens von der Zivilbevölkerung, die diesen Horror dann mit erleben mussten, wussten, was Sache ist und waren dann in dem Sicherheitsraum und wir haben nebenher irgendwie versucht zu packen, weil wir ja auch los mussten und waren dann im Auto und dann kam auf einmal diese Nachricht von ihr, dass sie mich überall liebt und mir für alles dankt und dann war das für mich schon so um Gottes Willen. Das war jetzt aber doch wohl kein Abschieds Nachricht. Und aber man gibt die Hoffnung gerne nicht auf. Sie hat geschrieben, sie ist im Bunker. Sie hat das als Bunker bezeichnet. Und dann habe ich gedacht, na ja, vielleicht kein Netz, kein Strom, kein wie auch immer. Und aber ich hatte keinen Kontakt mehr zu ihr dann und dann sind wir in der Zeit halt zurückgefahren aus Dänemark. Es dauert auch so vier Stunden. Und ja, und danach habe ich halt ständig am Telefon gesessen, versucht, das Auswärtige Amt zu erreichen. Die Botschaft in Tel Aviv, ja, ich habe zwar wie in erreicht, aber irgendwelche keine Ahnung, Telefonen, Leute, die keine Ahnung hatten. Es ist auch niemand organisiert worden, der jetzt vielleicht doch mehr Auskunft geben könnte. Es wurde nur Rückruf angeboten bzw. versprochen. Aber es ist nichts passiert. Und dann hat man halt die Familie versucht, zu kontaktieren. Und ja, das war der 7. Oktober. Und ich habe aber trotzdem irgendwie versucht, die Hoffnung nicht aufzugeben an dem Tag noch. Und am nächsten Tag kam dann die Kontakte zustande, die meine Tochter, zwei Halbschwestern aus erster Ehe ihres Vaters. Die Große hat dann mit ihrem Mann zusammen die Familie von Danny, mit dem sie dort war, ausfindig gemacht. Und die hatten die Kontakte nach Israel. Ja, und dann haben die Kontakt auch nach Nia Ostereck gehabt, weil die Danny ist hier israelisch britischer Staatsangehöriger hat, also ein Teil der Familie Israel und ein Teil in England. Und und die wissen auch, die wissen auch, wie man Kontakte nach Nia Ostern herstellt. Die hatten auch Kontakt zu dem guten Freund von Danny dann und die Armee ist ja erst in der Nacht, dann überhaupt nach Nia Ostereck gekommen. Und dann war dann sind die halt noch mal durch durch den Ort gegangen und haben dann die Leichen von Danny und Karolin gefunden und haben das am Sonntagabend dann auch schon mitgeteilt, also nicht offiziell, sondern halt über unsere privaten Kontakte. Da muss ich auch erst mal kurz schlucken. Was hast du insbesondere in Deutschland nach dem 7. Oktober vermisst? Wie erklärst du dir vor allem, dass auch über das Schicksal deiner Tochter in Deutschland, ich sag mal, kaum bis gar nicht gesprochen wurde, obwohl sie ja die einzige deutsche Touristin war, die an dem Tag ermordet wurde? Ja. Also ich habe da häufig drüber nachgedacht, meine einzige Erklärung eigentlich ist das, dass es nicht gewollt war, dass eine deutsche Betroffenheit zu sehr in den Fokus kommt, jedenfalls von den Medien, bei denen ich dann im Nachhinein erfahren musste, dass sie nicht sehr israelfreundlich sind, auch die Medien, bei denen ich das nicht erwartet hatte, wie die öffentlich rechtlichen, also gerade so Tagesschau und die aus meiner Sicht es uns sowieso den Auftrag haben, einfach nur objektiv zu berichten und zwar von beiden Seiten und nicht nur einseitig und und auch nicht ihre eigenen Meinungen darzustellen, ohne es ausdrücklich als Kommentierung zu bezeichnen. Ja. Es gibt natürlich auch noch Medien, die das Gott sei Dank, die das anders sehen, dadurch, dass eben aber wenig davon, dass man wenigstens davon gehört hat von Karolin, ist das vielleicht auch nicht zu deren Ohren gekommen, das weiß ich nicht, das habe ich nie näher recherchiert, aber die großen Medien, die halt vor Ort sind und das eigentlich hätten wissen müssen aus meiner Sicht und bestimmt auch wussten, die wollten das nicht. Vermute ich mal. Also es ist nur eine Vermutung, aber ich habe sonst auch keine andere Erklärung, weil ja, sonst auch immer über die bei großen Dingen, die passieren oder Schrecklindlinge passieren, die deutsche Betroffenheit schon irgendwie immer mit erwähnt wird. Also sind da deutsche gestorben oder nicht? Jetzt will ich trotzdem nochmal, bevor wir so auf die allgemeine Reaktion in Deutschland zu sprechen kommen, nochmal auf deine Tochter zu sprechen kommen. In eurem Heimatdorf wurde eine Bank als Denkmal errichtet. Erst mal, wie kam es dazu und was hat diese Bank für eine Bedeutung? Also es kam dazu, dass Kaulä hatte in ihrer Generation direkt in ihrem Klase, ihrem Jahrgang überwiegend Jungs bei uns im Dorf und und die hatten aber ein sehr gutes Verhältnis. Die waren also seit Kindergarten, haben die waren die unterwegs, haben gespielt am Anfang und dann haben die auch waren eben gut befreundet. Das waren vor allen Dingen drei Jungs, die schon länger in Utasen waren und ein junger Mann, der noch dazu kam, deren Opa in in dem Dorf wohnte und der dann auch nachher dort war. Und ja, und die die vier, die waren schon sehr betroffen. Von das ist ja auch so, dass es nicht nur wir Betroffen sind, auch die gerade die engen Freund, also betroffen sind ganz viele. Aber bei uns in der Gegend hat das natürlich auch jeder oder ganz viele erfahren. Aber die engen Freunde sind natürlich nochmal stärker betroffen, also mit wirklich auch erheblichen Problemen teilweise das überhaupt zu verarbeiten, weil das ist. Wer muss das als junger Mensch ertragen, dass einen guten Freund auf so eine oder Freundin auf so eine Art verliert? Das sind doch nur sehr wenige und bei jeden Fällen bei uns in Deutschland ist es eher ungewöhnlich. Und ja, und die die vier haben sich überlegt, dass sie eine Bank bauen wollen. Sie wollten irgendwas machen und dann haben sich für diese Bank entschieden. Irgendwas Handwerkliches und die wussten auch, dass Kaun das schön gefunden hätte. Es ist auch eine sehr, so eine sehr urige, natürliche Bank. Sie haben einfach nur einen Holzstamm genommen und den durchgeschnitten, also quer durchgeschnitten und auch ganz bewusst ein sehr urigen Stamm ausgewählt, weil sie gewusst hätten, dass Karolin das eben geliebt hätte. Sie hat zwar Berlin als großer Geliebler, sie war im Endeffekt dann doch irgendwie ein Landei und. Ja, und das war eben so ihre. Ihre Art auch das zu verarbeiten, den Tag zusammen zu verbringen in Karolins Gedenken, weil das dauerte ja so auf jeden Fall ein Tag und dann haben sie in Baum gepflanzt, einen Apfelbaum daneben und ja und ich fand das total rührig und total rührend. Und wir haben die auch dann zusammen eingeweiht, als sie dann alle da waren. Die sind ja sonst teilweise zum Studium woanders und ja, also mich hat das sehr, sehr beruhigert und ich fand das sehr schön und am Anfang. Habe ich dann mal überlegt, da, da lauf ich da einmal vorbei, weil es ist so der Gang mit unserem Hund, wo ich dann viel vorbeigehe, aber inzwischen ist es so für mich auch so ein schöner Erinnerungsort. Und die Jungs, die sitzen da auch häufiger mal drauf zu Weihnachten, denn treffen sie sich dort und obwohl es kalt ist mit einem na ja so ein Feuerkorb und erinnern sich dann an sie und sprechen über sie. Also das ist schon jetzt ein spezieller Ort geworden. Was bedeutet Erinnerung dir persönlich? Was bedeutet das für dich? Ja, das ist gute, gute Frage. Zumal ich jetzt zwei Arten von Erinnerung erlebe. Die Israeles oder jüdischen Menschen, ich weiß es nicht, ja doch jüdischen Menschen in Deutschland genauso haben ja eine ganz andere Erinnerungskultur als die Deutschen. Wir haben jetzt vor nicht allzu langer Zeit so ein kleines Lesungskonzert veranstaltet. Eine Erinnerung an Caroline, der stand in der Zeitung zweieinhalb Jahre nach ihrem Tod, erinnert die Familie immer noch ihrer Tochter. Ja, also vielleicht hat sich die Journalistin das geschrieben hat nicht so viel dabei gedacht, aber in Deutschland herrscht halt auch so ein bisschen diese diese Meinung. Na ja, also bei einem Kind ist es vielleicht noch mal was anderes, aber was weiß ich? Spätestens bei einem Ehemann, Ehefrau, dem hat er verliert. Ja, nach einem Jahr muss er auch irgendwann auch mal gut sein. Und das höre ich sogar allerdings auch von von Eltern, die ihr Kind verloren haben, vielleicht nicht nach einem Jahr, aber nach ein paar Jahren muss er mal gut sein. Ich glaube nicht jedenfalls nach meiner Erfahrung auch mit anderen Menschen, dass es irgendwann mal gut ist, wenn man sein Kind verliert. Und bei den jüdischen Mitbürgern und bei den und in Israel erleb ich es eben anders. Da wird auch nach 40 Jahren noch seiner Schwester gedacht. Und das und es gibt eben ein ein Gedenktag extra, der auch wirklich begangen wird und nicht so nach dem Motto nach zehn Jahren ist jetzt auch gut mit dem jetzt. Also das und das finde ich sehr, finde ich sehr schön und da fühle ich mich vielmehr zu Hause, weil ich nicht glaube, dass ich in zehn Jahren meiner Tochter nicht mehr gedenken will. Das ist einfach, es gehört sich so und ich finde diese Kultur, diese Erinnerungskultur sehr schön, wie ich sie jetzt erlebe von Gnüde Schmidt Bürgern. Du hast es gerade erwähnt. Du hattest und das muss man ja sagen, das ist wirklich interessant. Du hattest vor dem 7. Oktober nichts mit jüdischem Leben und damit Israel zu tun und wurde es dann plötzlich durch diese durch diese durch diesen schrecklichen 7. Oktober da so reingeworfen, sag ich mal. Was erschreckt dich im Umgang mit jüdischem Leben mit Israel seit dem 7. Oktober am meisten gerade hier in Deutschland? Ja, schlimmsten ist die Art, wie viele Deutsche mit 1.7. Oktober umgehen und dadurch auch einen Hass projizieren als ob so eine Art Kollektivschuld aller Juden über das, was in Israel im Nahen Osten passiert, abgesehen davon, dass ich auch das, was dort passiert, an das bewerte. Aber selbst wenn man es so bewerten würde und selbst wenn es so wäre, dass Israel da genuzit begeht und was auch immer denen da alles so vorgeworfen wird, gibt es keine Kollektivschuld und ich ich könnte außer Haut fahren, dass das hier so betrieben wird, dass der Antisemitismus hier so steigt, ansteigt und ich es macht mein Leben im Grunde genommen noch schwerer, weil ich es nicht verstehen kann. Ich habe ja aus meiner Trauer herausgesagt, ich möchte jetzt erst mal wissen, warum das so passiert ist und wollte die Hintergründe wissen, das war ja eigentlich der Grund, warum der ich mich dann näher mit beschäftigt habe und was ich erfahren habe und erfahren musste, macht mich sprachlos eben nicht. Vielleicht eine Zeit lang, aber jetzt will ich irgendwas tun. Ich fühle mich da auch verpflichtet, das ist Blödsinn. Ich finde, es ist ein Muss für jeden deutschen Bürger und ich schäme mich für jeden deutschen Bürger, der das anders sieht. Hat sich dadurch, also durch das, was du alles gerade nach dem September hier in Deutschland erlebt hast, deinen Blick auf die Welt verändert insgesamt? Das kann ich jetzt gar nicht so spontan sagen. Es ist ja so, dass mein Fokus sich sehr verändert hat. Ich, was sich schon verändert hat, ist, dass ich Kleinigkeiten, die die Menschen so, über die die Menschen so meckern, so gar nicht mehr nachvollziehen kann, wo ich sage, euer Kind lebt vielleicht, ihr seid vielleicht gesund, habt ihr vielleicht auch nochmal andere Sorgen? Also das bin ich dann so ein bisschen sarkastisch auch manchmal. Zum Beispiel die Spritpreise. Zum Beispiel die Spritpreise, am schönsten die Butterpreise. Und vor allen Dingen noch bei Leuten. Ich kann es verstehen bei Leuten, bei denen es damit an die Existenz geht. Also keine Ahnung, wird man ja gesagt, die, die wirklich viel Sprit verbrauchen, nicht viel verdienen. Vielleicht bei manchen Landwirten oder Speditionen oder wie auch immer bei kleinen Speditionen, die wirklich an einen Markt sein, an den Rand des Ruins kommen. Das kann ich nicht beurteilen. Wenn es so wäre, ist es natürlich verständlich. Aber ich weiß, dass viele meckern die dreimal im Urlaub fahren und trotzdem mit ihrem Wohnmobil trotz der Spritpreise in den Urlaub fahren. Und da habe ich null Verständnis. Das ist einfach nur da kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln und sagen, wie gesagt, habt ihr noch andere Sorgen? Und wir ist eins, muss ich noch noch eben klarstellen, das fällt mir so ein, dass natürlich auch ich immer in diese Dinge zurück komme. Ich schäme mich für die Deutschen. Das ist eben immer so. Es ging ja um die jüdischen Mitbürger, die natürlich auch Deutsche sind. Also für die deutschen nicht jüdischen Mitbürger schäme ich mich dann in diesen Bereich, den ich vorhin erwähnt hatte. Ich sag mal, es gibt ja seit oder es gab seit dem 7. Oktober 23 so viele verschiedene Reaktionen. Du bist aber eine, du bist die Mutter einer ermordeten jungen Dame. Du bist dadurch also mittendrin. Nicht. Es gibt so viele Reaktionen von Leuten, die meinen, die hätten die Welt verstanden, die hätten in der Osternflug verstanden, die hätten Israel verstanden. Die wissen aber gar nichts. Sie wissen einfach auf den Punkt gesagt gar nichts. Deswegen, du als jemand, der wirklich mittendrin stehst, standest immer noch, stehst, wie erlebst du die allgemeine Reaktion auf diesen Tag, auf alles, was danach passiert ist? Ja, das ist ich fahre immer wieder aus der Haut. Also gerade eben diese sogenannten, die ich besonders auf dem also die besonders wenig verstehen kann, die sogenannten liegensintellektuellen bio-deutschen in Anführungszeichen, die nun meinen, sie müssten irgendwie sich zu allem und jedem und dazu auch äußern und mit ihrem halbwissen oder null Wissen irgendwie sich irgendwie äußern und nach außen hin vor allem auch äußern. Ich würde jedem seine Meinung zugestehen. Aber wenn man sich nach in der Öffentlichkeit äußert, sei es ob es über Social Media oder in irgendwelchen Interviews im Fernsehen in Medien, dann muss man schon also ein sowas so ein Satz wie das Israel genuzid begeht. Damit muss man sich beschäftigt haben. Und das muss man auch ein bisschen vertiefter haben. Und nicht nur ein, es gibt ja mal die sogenannten Vorzeige, Juden Vorzeige, Israelis, wie auch immer. Natürlich findet man auch in Israel jemanden, der behauptet, gibt es jetzt auch in einem schönen Film des United Nations, wo sie diesen Vorzeige israelischen Professor interviewt haben, den nun mein Israel würde genozid begehen. Das gibt es, aber das reicht eben nicht, sondern man muss sich dann auch mal über den Tellerant hinaus damit beschäftigen und erst dann kann man dicke Backen machen. Und das ist das, was ich am meisten an den Schreihälsen vor allen Dingen kritisiere. Ich spring hier so bei meinen Fragen ein bisschen hin und her, aber ich finde, das hat alles so gehört alles zusammen. Deswegen meine nächste Frage. Was hilft dir im Umgang mit Trauer? Weil die Frage stelle ich jetzt an diesem Zeitpunkt, weil ich finde, gerade die Reaktion nach dem 7. Oktober, die erschweren dir im Prinzip deine Trauer, die absolut verständlich ist. Aber wenn dann so viel Hass auch auf einen prasselt, nach dem Motto, deine Tochter ist selber schuld, dass sie in Israel ist, so was gibt es ja sicherlich auch. Deswegen kann ich mir nur vorstellen und ich kann es wirklich nur erahnen. Das muss ich auch ganz klar, ganz klar so sagen, dass dadurch die Trauer viel schwerer wird, als sie eh schon ist. Ja, das ist aussohnt. Also ich wollte ja, ich wollte ja. Ich hätte natürlich auch sagen können, ich vergriech mich jetzt bei mir zu Hause und setz mich auf Sofa und beinahe jeden Tag vor mich hin. Das bin ich halt nicht. Und ich weine sowieso wenig. Meine Trauer, es fühlt sich ganz anders an und ist halt in mir drin und man sieht sie mir nicht an. Aber sie ist da. Und wenn