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Katholisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Sonntag, 30. August 2026 (22. Sonntag im Jahreskreis A) Kath. Kirchengemeinde Freiburg i. Br. – Pfarrer Siegfried Huber

ohne Namen · Kath. Kirchengemeinde Freiburg Suedwest – Sonntagspredigt · 2026-09-11 · Freiburg · Quelle

Verantwortung · Hauptbotschaft Gerechtigkeit · tragend Wahrhaftigkeit · tragend

Christlicher Glaube besteht nicht nur im Empfang von Trost, sondern erfordert die aktive, oft anstrengende Übernahme von Verantwortung für das Gute und die Gerechtigkeit im Alltag.

Christlicher Glaube ist längst nicht nur Lifestyle – etwas, das gut aussieht, was Spaß macht, was das persönliche Wohlbefinden steigert. Das hoffentlich auch immer wieder.

Die Predigt nimmt einen Radiomoderator, der nur nach positiven Erlebnissen fragt, als Ausgangspunkt, um die Tendenz zur Ausblendung des Leidens im Leben und im Glauben zu thematisieren. Der Sprecher argumentiert, dass der christliche Glaube oft auf Trost und Segen reduziert wurde, während die anstrengende Seite der Nachfolge Jesu als überholt abgetan wird. Unter Berufung auf den Römerbrief wird Paulus' Aufforderung, sich nicht der Welt anzupassen, als Mahnung zu Wachheit und kritischem Denken neu interpretiert. Es geht nicht um Weltflucht, sondern um die Fähigkeit, das Gute und Vollkommene in einer unvollkommenen Welt zu erkennen. Der Glaube wird als Weg beschrieben, der sowohl Trost als auch klare Haltung und Einsatz für eine gute Welt umfasst. Konkret werden alltägliche Handlungen wie Hilfe für Nachbarn oder politische Stellungnahme für Menschenwürde als Ausprägung dieses Glaubens genannt. Die Predigt schließt damit, dass christlicher Glaube kein Lifestyle ist, sondern die Bereitschaft erfordert, das eigene Kreuz zu tragen und Jesus nachzufolgen.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Unwissenheit, Illusion, falsche Sicht der Wirklichkeit
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
praktisches Handeln am Nächsten, Werke; Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis
Was ist der Mensch nach diesem Text?
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf den Stifter oder Propheten der Tradition
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

Röm 12,1-2 · Mt 16,21-27

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
4 von 5
Konkretheit
3 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 1, jetzt 3, künftig 1

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
1 Sonntag, 30. August 2026 (22. Sonntag im Jahreskreis A) Kath. Kirchengemeinde Freiburg i. Br. – Pfarrer Siegfried Huber Predigt Der Radiomoderator zu Beginn der Nachtsendung: „Schreiben Sie mir per WhatsApp Ihre positiven Erlebnisse dieser Woche.“ Eine nette Einladung, um mit den Hörerinnen und Hörern in Kontakt zu kommen, um persönliche Geschichten aus dem ganzen Land zu hören. Stutzig macht mich aber die Begrenzung auf die positiven Erlebnisse. Klar, mit negativen Geschichten ist im Radio schlecht umzugehen – aber es ist ja nicht so, dass das Leben nur positiv verläuft. Ganz egal, welche heile Welt wir nach außen zeigen: Jeder einzelne Mensch muss früher oder später mit schwierigen Angelegenheiten klarkommen. Der konsequente Blick auf die angenehme Seite des Lebens ist eine Möglichkeit, diese Welt anzugehen. Ob es auf Dauer reicht, wenn man Teile der eigenen Lebensgeschichte ausblendet, sei dahingestellt. Ähnlich scheint es mit dem Glauben zu sein. Da kann ich auch das eine sehen und das andere ignorieren. Der christliche Glaube ist für viele Menschen wirklich eine Hilfe zur Lebensbewältigung. Segen und Trost sind ganz wichtige Elemente unseres Glaubens. Entsprechende Angebote in der Seelsorge stoßen auf Resonanz. Die schwere Komponente unseres Glaubens haben viele Menschen abgeschüttelt. Sie wirkt wie eine düstere Last vergangener Jahrhunderte, als die Religion oft zur Entscheidung aufforderte: Lebst du für Gott oder für die Welt? Lebst du im Diesseits oder konzentrierst du dich auf das Jenseits? Religiös zu leben, bedeutete oft, sich von dieser Welt abzuwenden und alles Erdenkliche dranzusetzen, das Glück im Jenseits zu erlangen. Diese Schwerpunktsetzung hängt uns bis heute nach. Wenn wir die Texte traditioneller christlicher Lieder anschauen, finden wir oft diese Schwere darin. Besuchen wir eine barocke Kirche, finden wir an vielen Stellen die Hinweise auf Vergänglichkeit, auf Buße und Umkehr. Themen, die für viele Christinnen und Christen unserer Zeit keine Bedeutung mehr haben. „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene.“ (Römerbrief 12,1-2). So schreibt Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Rom. In den ersten Kapiteln erläutert er die große Theologie, und ab dem 12. Kapitel gibt er Ratschläge fürs alltägliche Leben – mit dieser Mahnung beginnt er. Was Paulus da wünscht, klingt nach Weltfremdheit. Wir können doch diese Welt mögen mit ihren vielen Vorzügen, mit technischem Fortschritt, mit Sicherheiten, mit Vergnügungen. Vieles davon fördert schließlich menschliche Gemeinschaft oder hilft jenen, die es schwerer haben. Ich glaube allerdings nicht, dass es Paulus um eine solche Zuspitzung geht. Auch die Leute seiner Zeit hatten solche Dinge in ihrem Leben, wenn auch der Alltag damals erheblich anders aussah als unserer im 21. Jahrhundert. Es geht Paulus darum, sich nicht einlullen zu lassen, sondern einen wachen Blick zu haben, für das, was vor sich geht. Er fordert eine verwandelte Einstellung, damit wir denkerisch prüfen und erkennen können, was der Wille Gottes ist. Der Wille Gottes liege, so schreibt er, im „Guten, Wohlgefälligen und Vollkommenen.“ 2 Da, wo unsere Welt nicht gut ist, sondern vieles im Argen liegt; wo es manchen Menschen nicht wohl ergeht; wo viele Dinge weit von einer Vollkommenheit entfernt sind – da gilt es, aufmerksam zu sein. Prüfen und erkennen, was der Wille Gottes ist. Und dann natürlich den nächsten Schritt gehen: sich entscheiden, konsequent handeln – auch, wenn es mal wehtut. Es ist kein Selbstzweck, dass der Glaube an manchen Stellen anstrengend werden kann. Wir müssen Gott nichts beweisen, indem wir uns quälen. Und wir können uns vermutlich dadurch auch nichts verdienen. Anstrengend darf der Glaube aber auch mal sein, wenn es eben um dieses Gute geht, um den Willen Gottes. Da wäre es zu wenig, vom Glauben nur den Segen und den Trost mitzunehmen, den Rest aber anderen oder dem lieben Gott zu überlassen. Christlicher Glaube ist längst nicht nur Lifestyle – etwas, das gut aussieht, was Spaß macht, was das persönliche Wohlbefinden steigert. Das hoffentlich auch immer wieder. Christlicher Glaube bedeutet – in alten Formulierungen gesprochen – Jesus nachzufolgen, in seiner Spur zu gehen. Er selber ist diesem Willen Gottes nachgegangen, und das hat ihn schließlich das Leben gekostet. Auch hier wieder: Der Preis, den er bezahlt hat, war kein Selbstzweck, sondern dieser Preis bildet die Höhe seines Gottvertrauens ab. Wenn wir diese anstrengende Seite unseres Glaubens leben, dann geht es nicht darum, Schmerzpunkte zu sammeln. Sondern es geht um unseren Einsatz für eine gute Welt – darauf zielt der Wille Gottes. Das beginnt aber nicht mit den großen Dingen, die man später in unseren Heiligenlegenden erzählen könnte, sondern in den kleinen anstrengenden Dingen des Alltags. Beispiele gibt es genug: Wenn andere unsere Hilfe brauchen, angefangen in der Familie oder Nachbarschaft; wenn politische Haltung gefragt ist, wo Menschenwürde zur Diskussion gestellt wird; wenn ich Möglichkeiten zur Verfügung stellen kann, die bestimmte Probleme lindern oder lösen können. Jesus selber formuliert das im Blick auf seinen eigenen Lebensweg ungefähr so: „Wer in meinem Sinne leben will, nehme sich selber nicht zu wichtig, sondern nehme sein persönliches Kreuz an und folge mir. Wer dabei nur die eigene Haut retten will, wird nichts gewinnen; wer dafür alles zu geben bereit ist, wird nicht untergehen.“ (nach Matthäus 16,21-27). Zum christlichen Glauben gehört beides: Segen und Trost auf der einen Seite, klare Haltung auf der anderen Seite. Nicht jeden Tag beides, mal das eine und mal das andere. Wir werden jeweils spüren, was dran ist. Amen.