omnist.world

English

Katholisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

röm.-kath., Pfarreiseelsorgerin Jacqueline Meier, Zug Walchwil

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) · SRF Radiopredigt · 2026-09-06 · Zuerich · Quelle

Dankbarkeit · Hauptbotschaft Gemeinschaft · tragend Verantwortung · tragend

Wahrer Lebensreichtum entsteht nicht durch den Besitz materieller Güter, sondern durch Dankbarkeit, das Teilen von Ressourcen und eine verantwortungsvolle, schöpfungsbezogene Haltung, die den Menschen von der Sklaverei des Konsums befreit.

Dann sind nicht wir die Herrinnen und Herren über unseren Besitz, sondern die Dinge besitzen uns.

Der Text thematisiert die diesjährige Kampagne 'Schöpfungszeit' des Vereins ÖKU mit dem Motto 'Wertvoll Leben, der Mehrwert der Dinge'. Die Sprecherin reflektiert über den durchschnittlichen Besitz der Europäer und die Schwierigkeit, sich von Dingen zu trennen, die oft zum Ballast werden. Sie argumentiert, dass Dinge uns besitzen können, wenn wir sie nicht mehr beherrschen, und verweist auf das Gleichnis vom reichen Bauern im Lukasevangelium. Jesus wird zitiert, um zu zeigen, dass wahre Fülle nicht im materiellen Überfluss liegt, sondern in der Beziehung zu Gott und den Mitmenschen. Der Text rät dazu, den Blick von reinem Konsum hin zu einer verantwortungsvollen Haltung gegenüber der Schöpfung zu verschieben. Es wird betont, dass der menschliche Wert nicht durch Besitz bewiesen werden muss, sondern in der Dankbarkeit und im Teilen liegt. Abschließend werden drei Leitfragen für ein bewussteres Leben formuliert, die zu mehr Freiheit und innerer Reichtum führen sollen.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Festhalten, Begehren, Nicht-loslassen-Können; Gier, Konsum, unstillbares Verlangen nach mehr
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
Genügsamkeit, Fasten, freiwilliges Opfer, Loslassen; praktisches Handeln am Nächsten, Werke
Was ist der Mensch nach diesem Text?
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
Wohin geht die Geschichte?
die Botschaft steht außerhalb der Geschichte
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf den Stifter oder Propheten der Tradition
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

Lk 12,13-21 · Mt 6,25-34

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
1 von 5
Konkretheit
3 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 1, jetzt 3, künftig 1

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
S.A.F. Audio Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, rund 10.000 Dinge besitzen wir Europäerinnen und Europäer im Durchschnitt. Ob diese Zahl ganz genau stimmt, sei dahingestellt. Aber ja, würde ich in meinem Haushalt Inventur machen, es kämen wohl tatsächlich tausende Gegenstände zusammen. Möbel, Kleider, Bücher, Küchenutensilien, elektronische Geräte bis hin zur Stecknadel. Brauche ich das alles? Nein, ich besitze viel mehr, als ich wirklich brauche. Auf die Dinge unseres Lebens lenkt die diesjährige Kampagne des Schweizer Vereins ÖKU, Kirche und Umwelt unseren Blick während der Schöpfungszeit. Dieses Jahr lautet das Motto Wertvoll Leben, der Mehrwert der Dinge. Die Schöpfungszeit beginnt jeweils am 1. September und endet am 4. Oktober. Seit einigen Jahren hat sie ihren festen Platz im Kalender der christlichen Kirchen und schenkt der Schöpfung Gottes und unserer Verantwortung in der Welt besondere Aufmerksamkeit. Als ich die Unterlagen der Kampagne durchblättere, flattert mir eine Postkarte entgegen. Auf der Vorderseite sind verschiedene Dinge des Alltags kiziert. Auf der Rückseite eine Frage. Was ist dein Ding? Ja, was ist denn mein Ding? Ist das ein Gegenstand? Ein besonderes Objekt? Oder ist mein Ding etwas ganz anderes? Etwas, das man nicht mit Geld kaufen kann? Etwas, für das ich Leidenschaft oder ein besonderes Talent habe? Was ist mein Ding? Unverzichtbar sind Dinge, die meine Grundbedürfnisse decken. Nahrungsmittel, Kleidung, eine Wohnung, in der ich geschützt und geborgen bin. Dinge für Hygiene und Gesundheit, sowie alles, was ich für meine Arbeit benötige. Darüber hinaus besitze ich einiges, das ich nicht wirklich brauche, das mir aber trotzdem wichtig ist, weil es mich an einen lieben Menschen oder an ein schönes Erlebnis oder an ein besonderes Ereignis erinnert. Dazu gehört der Glasstern, den mir mein Patenkind zu Weihnachten geschenkt hat, ein Schlüsselring mit einem gravierten Segen und eine Sammlung an bunten Socken. Alles keine Wertgegenstände. Doch auch wenn sie nicht viel gekostet haben, so haben all unsere Dinge ihren Preis. Sie nehmen Raum ein und verlangen unsere Aufmerksamkeit. Sie müssen gepflegt, gereinigt, repariert werden und wollen typisch Schweizerisch auch versichert sein. Nach einer Versöhnungsfeier in der Fastenzeit hat ein Gemeindemitglied einmal scherzhaft gemeint, früher hätten sich die Menschen im Beichtsstuhl von ihrem Ballast befreit. Heute tun sie es beim Besuch der Entsorgungsstelle oder im Brockenhaus. Ja, eigentlich ist es ganz leicht, unser ganzes Zeug wieder loszuwerden. Und trotzdem erzählen mir immer wieder Menschen, wie schwer es ihnen fällt, etwas wegzugeben, vor einem Umzug auszumisten oder beim Eintritt ins Altersheim den Haushalt aufzulösen. Nicht nur die Arbeit ist belastend, es sind vor allem die Fragen und die Entscheidungen. Was soll bleiben, was darf gehen? Und wenn das liebgewordene, jahrelang gehegte und gesammelte einfach entsorgt werden soll, wie man es haben will und es für andere keinen Wert hat, dann tut das weh. Dann merken wir, wir geben unseren Dingen ihren Wert. Und so halten wir an manchem Fest, was eigentlich längst zum Ballast geworden ist. Dann sind nicht wir die Herrinnen und Herren über unseren Besitz, sondern die Dinge besitzen uns. Im Lukas Evangelium sagt Jesus, das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt. Und er erzählt das Gleichnis von einem reichen Bauern, der so viel ernten konnte, dass seine Scheunen nicht ausreichen, um den Vorrat zu lagern. Er beschließt neue Scheunen zu bauen. Und danach will er sich zurücklehnen, ausruhen und den Rest seines Lebens genießen. Das Problem dabei ist, er denkt nur an sich selber. Meine Ernte, meine Scheunen, meine Vorräte, meine Sicherheit, mein Leben. Er fragt nicht, brauche ich wirklich so viel? Was kann ich teilen? Wem könnte ich helfen? Wofür hat Gott mir diese Gaben anvertraut? Jesus nennt ihn deshalb Arm. Arm an Beziehung zu Gott und Arm an Beziehung zu seinen Mitmenschen. Jesus misst Reichtum mit anderen Maßstäben. Der heilige Franz von Assisi hat die Schöpfung als Geschenk Gottes betrachtet. Er konnte Schwestern Sonne und Bruder Mond, Schwestern Wasser und Mutter Erde besingen. Damit erinnert er uns daran, die Welt ist nicht einfach Material, das uns zur Verfügung steht. Sie ist Gottes Schöpfung und wir sind Teil von ihr. Wenn wir Dinge nur als wahre Betrachten fragen wir, was bringt mir das? Wenn wir sie als Teil der Schöpfung betrachten, fragen wir zusätzlich, woher kommt es? Wer hat es hergestellt? Was geschieht nach seiner Verwendung? Und wem dient es vielleicht noch? So verändert sich unser Blick. Wir werden nicht nur Konsumentinnen und Konsumenten, sondern Menschen, die verantwortlich handeln. Ein reiches Leben zu haben, wertvoll zu leben, bedeutet nicht, dass wir keinen Besitz haben oder Freude an schönen Dingen haben dürfen. Wir dürfen uns an schönen Sachen freuen. Wir dürfen Geschenke schätzen und Erinnerungsstücke bewahren. Aber wir müssen unseren Wert nicht durch Besitz beweisen. Eine neue Anschaffung kann keine Einsamkeit heilen. Ein größeres Haus schenkt nicht automatisch mehr Geborgenheit und eine tolle Garderobe sagt uns nicht, wer wir wirklich sind. Jesus sagt in der Bergpredigt, ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung. Das Leben ist mehr als das, was in unseren Schränken, Kellen und Wohnungen steht. Jesus erinnert uns daran, dass wir wertvoll sind, weil Gott uns geschaffen hat und weil er uns liebt. Das ist unser tiefster Wert. Er muss nicht gekauft, verdient oder durch Besitz bewiesen werden. Die entscheidende Frage im Blick auf unsere Dinge lautet also, welchen Platz haben Sie in meinem Leben? Ein Gegenstand kann wertvoll sein, weil er gebraucht wird, weil er Freude macht, weil er eine Geschichte erzählt oder weitergegeben wird und einem anderen Menschen dient. Die Bibel plädiert darum für das Teilen und manchmal ist das Wertvollste, was wir weitergeben können, gar kein Gegenstand, sondern unsere Zeit, unsere Aufmerksamkeit, unsere Zuhörerung und unsere Hilfe. Wirklich wertvoll wird unser Leben dort, wo wir dankbar sind, wo wir teilen, wo wir Sorge tragen für die Schöpfung und wo wir Zeit haben für die Menschen, wo wir offen sind, für Gott. Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, vielleicht können wir in dieser Schöpfungszeit mit drei Fragen unterwegs sein. Was brauche ich wirklich? Was hat für mich einen echten Mehrwert? Was kann ich teilen, loslassen oder bewusster nutzen? Und vielleicht entdecken wir dabei, weniger Dinge können mehr Freiheit und Raum schenken und ein einfaches Leben, in dem ich genug habe, dass es mir nicht so gut und gut geht. Es kann reich sein. Reich an Beziehungen, reich an Dankbarkeit und reich bei Gott. Auf die Frage, was ist mein Ding, habe ich übrigens noch keine abschließende Antwort gefunden. Darüber werde ich nachdenken, während ich endlich einmal meinen Dachboden aufräume. Das war ein Podcast von SRF, produziert im Auftrag der SRG.