Orthodox · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen
Rosh Hashanah: The Faith of Survivors
ohne Namen ·
Ohr Torah Stone (Efrat/Jerusalem) - Parascha-Kommentare ·
2026-09-07
· Efrat
· Quelle
Hoffnung · Hauptbotschaft
Umkehr · tragend
Gemeinschaft
Religiöse Hingabe und Glaube sind keine Privilegien unversehrter Menschen, sondern bestehen in der bewussten Entscheidung, trotz erlittenem Trauma und Leid weiterhin Sinn, Beziehung zu Gott und moralische Verpflichtungen zu leben.
Glaube ist nicht Menschen vorbehalten, deren Leben sich nach Plan entfaltet hat. Religiöse Hingabe verlangt nicht von uns, so zu tun, als wäre Schmerz nicht schmerzhaft, oder als hinterließe Trauma keine Narben.
Der Text analysiert die biblischen Figuren, die im jüdischen Neujahrsfest Rosh Hashanah vorkommen, und stellt fest, dass sie alle tiefes Leid und Trauma erfahren haben. Er argumentiert, dass der Glaube nicht die Abwesenheit von Schmerz voraussetzt, sondern die Fähigkeit, trotz Verwundung weiterzuleben und sich Gott zuzuwenden. Die Figuren wie Sarah, Hagar und Jizchak dienen als Vorbilder für Überlebenskraft und moralische Beständigkeit. Der Text bezieht dies auf die aktuelle Generation, die mit kollektiver Verletzlichkeit und dem Zerbrechen von Sicherheitsannahmen konfrontiert ist. Er bestreitet, dass Leiden religiös wertlos sei, und fordert stattdessen auf, aus der Erfahrung der Dunkelheit heraus Licht und Zweck zu schaffen. Die zentrale Botschaft ist, dass Menschen nicht durch ihr Erduldetes, sondern durch ihre Reaktion darauf definiert werden. Der Text schließt mit dem Wunsch nach einem frohen Fest und der Betonung der menschlichen Fähigkeit zum Neuaufbau.
- Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
-
Krankheit, Tod, Vergänglichkeit als Grundproblem
- Wo sitzt das Übel?
-
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
- Was hilft dagegen?
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persönliche Erfahrung, Zeugnis, Begegnung mit Gott oder Menschen; innere Wandlung, Reue, Sinnesänderung
- Was ist der Mensch nach diesem Text?
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von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
- Wohin geht die Geschichte?
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die Botschaft steht außerhalb der Geschichte (erschlossen)
- Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
-
auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis
- Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
-
den eigenen Glaubensgeschwistern
- Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
-
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst
Verwandte Texte aus anderen Traditionen
nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition
Wozu der Text aufruft
- Mit einem Zweck zu leben (innerlich)
- Licht zu bringen (innerlich)
- Beten (rituell)
Genannte Stellen
Psalm 47
Gemessen
- Grundhaltung
- 1 von -2 bis 2
- Eindringlichkeit
- 2 von 3
- Reichweite
- 1 von 5
- Konkretheit
- 2 von 3
- Abgrenzung
- 0 von 3
- Zeitbezug
- früher 3, jetzt 2, künftig 2
Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut auf Deutsch
Rosch haSchana: Der Glaube der Überlebenden
Rabbiner Dr. Kenneth Brander ist Präsident und Rosh haJeschiva der Ohr Torah Stone
Es gibt etwas Bemerkenswertes an den Persönlichkeiten, die unsere Tradition uns an Rosch haSchana vor Augen führt.
In den Tora-Lesungen, den Haftaren und sogar in den Gebeten, die das Blasen des Schofars umgeben, begegnen wir Menschen, die außergewöhnliche Härten erlitten haben. Dies sind keine Menschen, die durch das Leben gegangen sind, ohne vom Leid berührt zu sein. Ganz im Gegenteil. Immer wieder treffen wir auf Menschen, die ihr eigenes Gehinnom erlebt haben – ihre eigenen Momente der Dunkelheit und tiefgreifenden Unsicherheit.
Sarah kennt die Qual der Kinderlosigkeit. Jahr für Jahr lebt sie mit Sehnsucht, Enttäuschung und der schmerzhaften Frage, ob die Zukunft, die sie so verzweifelt herbeisehnt, je Wirklichkeit werden wird.
Hagar wird aus ihrem Haus verbannt und in die Wüste geschickt, wo sie den entsetzlichen Moment erreicht, in dem sie glaubt, ihrem Sohn beim Sterben zusehen zu müssen, vor ihren Augen. Unfähig, den Anblick zu ertragen, entfernt sie sich und weint.
Jizchak erlebt etwas, das beinahe unvorstellbar ist. Der geliebte Sohn, auf den Awraham und Sarah so lange gewartet hatten, wird auf einem Altar gebunden, mit dem Messer, das über ihm erhoben ist. Die Tora erzählt uns sehr wenig über die psychologischen Folgen der Akedah. Und doch ist es schwer vorzustellen, dass ein Mensch durch eine solche Erfahrung unverändert hindurchgehen könnte. Jizchak tritt, in einem sehr realen Sinne, als Überlebender einer beinahe vollzogenen Opferung hervor.
Wie Sarah kennt auch Hanna den Schmerz der Kinderlosigkeit, Jahr für Jahr der Sehnsucht und des unbeantworteten Gebets. Sie trägt diesen Schmerz in das Heiligtum, auf der Suche nach Trost und Verbindung mit Gott, nur um von Eli, dem geistigen Führer der Generation, missverstanden zu werden, der ihr stilles Gebet zunächst für Rausch hält.
Dann gibt es auch die Bnei haGolah, die Exilierten, die in der Diaspora leben und das Trauma des zerbrochenen nationalen Lebens tragen, nachdem sie die Verwüstung ihrer Familien, die Zerstörung ihrer Gemeinden und die Misshandlung ihrer Ehefrauen und Kinder miterlebt haben.
Und dann, unmittelbar vor dem Blasen des Schofars, rezitieren wir Psalm 47, ein Psalm, der den Söhnen Korachs zugeschrieben wird. Sie traten aus einer Familiengeschichte des Aufruhrs und der Katastrophe hervor. Ihr bloßes Vorhandensein in unserer Liturgie erinnert uns daran, dass eine zerbrochene Vergangenheit die Zukunft nicht bestimmen muss.
Was haben all diese Persönlichkeiten gemeinsam?
Sie alle haben gelitten. Sie haben Angst, Einsamkeit, Enttäuschung und Verlust gekannt. Ihre Welten wurden erschüttert.
Und doch lässt keiner von ihnen das Leiden zum letzten Kapitel der Geschichte werden.
Trotz der Dunkelheit suchen sie weiterhin eine Beziehung zu Gott. Trotz ihrer Fragen glauben sie weiterhin, dass das Leben Sinn und Zweck besitzt. Trotz dessen, was sie erlebt haben, verweigern sie es, die moralischen und spirituellen Verpflichtungen aufzugeben, die ihrem Leben Richtung verleihen.
Dies ist eine der tiefsten Botschaften von Rosch haSchana.
Glaube ist nicht Menschen vorbehalten, deren Leben sich nach Plan entfaltet hat. Religiöse Hingabe verlangt nicht von uns, so zu tun, als wäre Schmerz nicht schmerzhaft, oder als hinterließe Trauma keine Narben. Die Helden von Rosch haSchana sind keine unversehrten Menschen. Sie sind verwundete Menschen, die weiterhin voranschreiten.
Sie lehren uns, dass die Frage nicht einfach lautet, was uns widerfährt. Die Frage lautet, was wir uns dazu entscheiden, mit dem zu tun, was uns widerfahren ist.
Diese Botschaft spricht mit besonderer Kraft zu unserer Generation.
Im gesamten jüdischen Welt, sowohl kollektiv als auch persönlich, sind so viele von uns mit Verletzlichkeit und Sterblichkeit konfrontiert worden. Wir haben gesehen, wie Leben in einem Augenblick auf den Kopf gestellt wurden. Wir haben Familien erlebt, die unvorstellbaren Verlust erlitten. Wir haben erneut entdeckt, wie zerbrechlich die Annahmen sein können, auf denen das gewöhnliche Leben aufgebaut ist.
Es hat keinen religiösen Wert, irgendeinen dieser Schmerzen zu leugnen.
Rosch haSchana verlangt etwas anderes von uns.
Es fragt, ob wir, nachdem wir der Fragilität des Lebens gegenübergetreten sind, noch immer wählen können, mit einem Zweck zu leben. Ob wir, nachdem wir Zeugen der Dunkelheit waren, noch immer wählen können, Licht zu bringen. Ob wir, nachdem wir Enttäuschung erlebt haben, noch immer beten können. Ob wir, nachdem wir entdeckt haben, wie unsicher die Zukunft sein kann, noch immer uns verpflichten können, sie aufzubauen.
Sarah tut es.
Hagar tut es.
Jizchak tut es.
Hannah tut es.
Die Verbannten tun es.
Die Söhne Korachs tun es.
Ihr Leben wird nicht nur dadurch definiert, was sie erduldet haben. Sie werden dadurch definiert, was sie nach dem Erdulden davon wurden.
Vielleicht ist es deshalb, dass diese die Menschen sind, die die jüdische Tradition an Rosch haSchana mit uns in die Synagoge bringt. Während wir vor Gott stehen und die Ungewissheit des kommenden Jahres bedenken, werden wir daran erinnert, dass der Mensch eine außergewöhnliche Fähigkeit besitzt, neu aufzubauen, zu glauben, zu erschaffen und sich neu zu verpflichten.
Chag Sameach
Wortlaut im Original
Rosh Hashanah: The Faith of Survivors
Rabbi Dr. Kenneth Brander is President and Rosh HaYeshiva of Ohr Torah Stone
There is something striking about the personalities whom our tradition places before us on Rosh Hashanah.
In the Torah readings, the Haftarot, and even in the prayers surrounding the sounding of the shofar, we encounter individuals who have endured extraordinary hardship. These are not people who have traveled through life untouched by suffering. Quite the opposite. Again and again, we meet people who have experienced their own Gehinnom — their own moments of darkness and profound uncertainty.
Sarah knows the anguish of childlessness. Year after year, she lives with longing, disappointment, and the painful question of whether the future she desperately desires will ever come to be.
Hagar is banished from her home and sent into the wilderness, where she reaches the horrifying moment in which she believes that she is about to watch her son die before her eyes. Unable to bear the sight, she moves away and cries.
Yitzchak experiences something almost unimaginable. The beloved son for whom Avraham and Sarah had waited so long is bound upon an altar, with the knife raised above him. The Torah tells us very little about the psychological aftermath of the Akeidah . Yet it is difficult to imagine that a person could pass through such an experience unchanged. Yitzchak emerges, in a very real sense, as a survivor of a near-sacrifice.
Like Sarah, Hannah too knows the pain of childlessness, year after year of longing and unanswered prayer. She, carries that pain into the sanctuary, seeking comfort and connection with God, only to be misunderstood by Eli, the spiritual leader of the generation, who initially mistakes her silent prayer for drunkenness.
There are also the Bnei haGolah , the exiles living in the diaspora who carry the trauma of shattered national life, having witnessed the devastation of their families, destruction of their communities, and the abuse of their wives and children.
And then, immediately before the sounding of the shofar, we recite Psalm 47, a psalm attributed to the sons of Korach. They emerged from a family story of rebellion and catastrophe. Their very presence within our liturgy reminds us that a shattered past need not determine the future.
What do all of these personalities have in common?
They have all suffered. They have known fear, loneliness, disappointment, and loss. Their worlds have been shaken.
And yet none of them allows suffering to become the final chapter of the story.
Despite the darkness, they continue to seek a relationship with God. Despite their questions, they continue to believe that life possesses meaning and purpose. Despite what they have experienced, they refuse to surrender the moral and spiritual commitments that give their lives direction.
This is one of the deepest messages of Rosh Hashanah.
Faith is not reserved for people whose lives have unfolded according to plan. Religious commitment does not require us to pretend that pain is not painful, or that trauma leaves no scars. The heroes of Rosh Hashanah are not untouched people. They are wounded people who continue to walk forward.
They teach us that the question is not simply what happens to us. The question is what we choose to do with what has happened to us.
That message speaks with particular power to our generation.
Across the Jewish world, both collectively and personally, so many of us have been confronted with vulnerability and mortality. We have seen lives overturned in a moment. We have watched families experience unimaginable loss. We have discovered, once again, how fragile the assumptions upon which ordinary life is built can be.
There is no religious value in denying any of that pain.
Rosh Hashanah asks something different of us.
It asks whether, after confronting the fragility of life, we can still choose to live with purpose. Whether, after witnessing darkness, we can still choose to bring light. Whether, after experiencing disappointment, we can still pray. Whether, after discovering how uncertain the future can be, we can still commit ourselves to building it.
Sarah does.
Hagar does.
Yitzchak does.
Hannah does.
The Exiles do.
The sons of Korach do.
Their lives are not defined only by what they endured. They are defined by what they became after enduring it.
Perhaps that is why these are the people whom Jewish tradition brings into the synagogue with us on Rosh Hashanah. As we stand before God and contemplate the uncertainty of the year ahead, we are reminded that human beings possess an extraordinary capacity to rebuild, to believe, to create, and to recommit.
Chag Sameach