Orthodox · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen
Assembly of the Archdiocese of Canada: Banquet Remarks
Metropolitan Tikhon ·
Orthodox Church in America - Reflections in Christ (Homilien Metropolit Tikhon) ·
2026-07-17
· Syosset
· Quelle
Gemeinschaft · Hauptbotschaft
Dankbarkeit · tragend
Wissen
Tradition besteht nicht im bloßen Weitergeben von Informationen, sondern im gemeinsamen Speisen und Erzählen, das die Gemeinschaft über Generationen hinweg verbindet und die göttliche Gabe des Manna fortsetzt.
Gott speist sein Volk zuerst und bittet sie erst danach, die Geschichte des Gespeistseins zu erzählen.
Der Text reflektiert über die etymologische und theologische Bedeutung des Wortes 'Bankett' als gemeinsames Essen auf einer Bank, das Trennungen überwindet. Er verknüpft dies mit dem biblischen Bild des Manna und der paulinischen Überlieferung der Eucharistie, um Tradition als das Weitergeben eines gemeinsamen Tisches zu definieren. Die zentrale These lautet, dass die Kirche nicht primär Informationen, sondern die Erfahrung des gemeinsamen Speisens und Erzählens weitergibt. Der Sprecher betont die Pflicht, das Erlebte an nachfolgende Generationen weiterzuerzählen, um die Hoffnung auf Gott lebendig zu halten. Am Ende richtet er sich an die Anwesenden der Versammlung der Erzbischöfe von Kanada und ruft sie auf, das gemeinsame Mahl als Akt der Dankbarkeit und des Zeugnisses zu begreifen. Der Text feiert die Gemeinschaft und die Kontinuität des Glaubens über Generationen hinweg.
- Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
-
Feindschaft, Hass, Zerfall der Gemeinschaft
- Wo sitzt das Übel?
-
in der eigenen Gemeinde, Familie, Religion
- Was hilft dagegen?
-
Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit; Gebet, Gottesdienst, Meditation, wiederholte Übung
- Was ist der Mensch nach diesem Text?
-
vor allem Teil einer Gemeinschaft oder Schöpfung
- Wohin geht die Geschichte?
-
Wiederkehr, kein Ziel, immer dasselbe Muster
- Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
-
auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis; auf die heilige Schrift der eigenen Tradition
- Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
-
den eigenen Glaubensgeschwistern
- Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
-
der Text kritisiert nicht
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nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition
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Wozu der Text aufruft
- Das Erlebte der Versammlung an andere weiterzuerzählen (zwischenmenschlich)
- Für das gemeinsame Mahl und die Gesellschaft danken (innerlich)
Genannte Stellen
Ps 78,24-25 · 1 Kor 11,23
Gemessen
- Grundhaltung
- 2 von -2 bis 2
- Eindringlichkeit
- 2 von 3
- Reichweite
- 3 von 5
- Konkretheit
- 2 von 3
- Abgrenzung
- 0 von 3
- Zeitbezug
- früher 3, jetzt 2, künftig 1
Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut auf Deutsch
Calgary, Alberta
Donnerstag, 16. Juli 2026
Christus ist unter uns!
Es ist eine gute Sache, am Ende eines langen Tages zusammenzusitzen – und dies war ein langer und voller Tag, beginnend mit der Feier der Göttlichen Liturgie, Geschäftssitzungen, lehrreiche Vorträge, ein Mittagessen mit Ihren Geistlichen Ehefrauen, ein offenes Forum mit Ihnen am Nachmittag und nun, endlich, die Gelegenheit, einfach nur zu essen. Ich bin Erzbischof Irénée und allen, die diesen Abend organisiert haben, dankbar, und freue mich, dass unsere Geschäfte, zumindest für ein paar Stunden, ruhen können.
Dieser Abend wurde als Bankett bezeichnet, und es lohnt sich, bei diesem Wort einen Moment innezuhalten. Verfolgt man es weit genug zurück – durch das französische *banquet*, das italienische *banchetto*, das althochdeutsche *bank* – so gelangt man in jedem Fall zu derselben bescheidenen Herkunft: einer Bank, einem *banc*. Ein Bankett war, streng genommen, kein Essen an getrennten Tischen, sondern ein gemeinsames Essen auf einer einzigen langen Bank. Wie auch unsere tatsächliche Sitzordnung heute Abend sein mag, das ist der ältere und bessere Sinn des Wortes, und es ist derjenige, den wir im Bewahren halten möchten: Ein Bankett ist das, was geschieht, wenn Menschen nicht getrennt voneinander essen.
Darin liegt etwas Passendes für eine Woche, die um das Thema „von Generation zu Generation“ herumgebaut ist – denn eine Bank erlaubt es, anders als ein Stuhl, nicht wirklich, nach Alter oder Anciennität getrennt zu sitzen. Die Alten und die Jungen enden Schulter an Schulter darauf, ob sie es geplant haben oder nicht. Ich denke, es ist kein Zufall, dass in den meisten traditionellen Ikonen des Mysteriösen Mahls die Apostel um den Herrn versammelt gezeigt werden, nicht auf individuellen Stühlen, sondern auf einer Bank – ein durchgehender Sitz, eine Gemeinschaft, ungeteilt.
Was mich zu einem zweiten Tisch bringt, weiter hinten als jener – die Wüste, in der der Psalm unseres Themas viel Zeit damit verbringt, über Nahrung zu sprechen. Der Psalmbeter erinnert daran, dass Israel erstaunlicherweise von Gott selbst gespeist wurde: „Er hatte die Wolken von oben befohlen und die Türen des Himmels geöffnet und hatte Manna auf sie regnen lassen, um zu essen… der Mensch aß die Speise der Engel.“ Und doch lässt der Psalm dieses Geschenk nicht ungefragt – er erinnert auch daran, wie schnell das Volk murrte und vergaß, was für sie getan worden war. Genau deshalb besteht der Psalm, vor und nach dieser Geschichte, darauf, dass dies nicht wieder geschehen darf: dass das, was Gott getan hat, absichtlich der Generation erzählt werden muss, die es nicht gesehen hat, „damit sie ihre Hoffnung auf Gott setzen und seine Werke nicht vergessen.“ Das Manna war ein Geschenk. Das Erzählen davon war eine Aufgabe.
Ich glaube nicht, dass es ein Zufall ist, dass die Kirche, als sie ein Wort dafür suchte, wie sie ihre zentraleste Handlung der Anbetung weitergibt, genau auf diese Logik zurückgriff. Der Heilige Paulus, der von dem Mahl schreibt, das Christus uns in der Nacht vor seinem Leiden gab, sagt nicht, dass er es erfunden oder verbessert habe. Er sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch auch überliefert habe.“ Empfangen und überliefert – das ist die Gesamtheit der Tradition in zwei Wörtern, und Paulus verwendet es für ein Mahl, das an jener gleichen langen Bank gegeben wurde, an die die Ikonen erinnern.
Auf einer grundlegenden Ebene hat die Kirche nie wirklich bloße Informationen weitergegeben. Sie hat einen Tisch weitergegeben – vom Manna in der Wüste, über das Brot und den Kelch, die Christus seinen Jüngern gab, bis hin zur Göttlichen Liturgie, die wir gemeinsam zelebrieren werden, bevor diese Versammlung endet. Gott speist sein Volk zuerst und bittet sie erst danach, die Geschichte des Gespeistseins zu erzählen.
Was mich schließlich zurück zu heute Abend bringt. Dies ist eine kleinere und gewöhnlichere Bank als beide jenen – aber, denke ich, nicht mit ihnen in Zusammenhang stehend. Wir haben zusammen gesessen, wir haben gegessen, und einige von uns werden nach Hause gehen und anderen erzählen, was bei dieser Versammlung geschah: was wir hörten, was uns beunruhigte, was uns Hoffnung gab. Auch das ist ein kleines Beispiel für genau das, was unser Thema von uns verlangt. Es erfordert kein Pult und kein Programm. Es verlangt nur, dass wir den Abend nicht vergessen lassen.
So lasst uns danken – für dieses Mahl, für diese Gesellschaft, für die Erzbischöfliche Kurie, die uns hier versammelt hat, und für Gott, der in jeder Generation darauf besteht, Sein Volk zu speisen, bevor Er von ihm irgendetwas anderes verlangt. Und lasst uns von dieser Bank aufstehen, wie von jeder Bank, die die Kirche je innehatte, mit etwas, das es wert ist, jenen mitzuteilen, die nicht hier waren, um es selbst zu kosten.
Danke, und guten Appetit uns allen.
Wortlaut im Original
Calgary, Alberta
Thursday, July 16, 2026
Christ is in our midst!
It is a good thing to sit down together at the end of a long day — and this has been a long and full day, beginning with the celebration of the Divine Liturgy, business meetings, instructional talks, lunch with your clergy wives, an open floor with you this afternoon, and now, finally, a chance simply to eat. I am grateful to Archbishop Irénée and to everyone who has organized this evening, and glad that our business, for a few hours at least, can rest.
This evening has been styled a banquet, and it is worth pausing on that word for a moment. Trace it back far enough — through the French banquet , the Italian banchetto , the Old High German bank — and in every case you arrive at the same humble origin: a bench, un banc . A banquet, properly speaking, was not a meal at separate tables, but a meal taken together on a single long bench. Whatever our actual seating arrangement tonight, that is the older and better sense of the word, and it is the one I would like us to keep in mind: a banquet is what happens when people do not eat apart from one another.
There is something fitting in that, for a week built around the theme of generation to generation — because a bench, unlike a chair, does not really allow you to sit apart by age or seniority. The old and the young end up shoulder to shoulder on it, whether they planned to or not. It is, I think, no accident that in most traditional icons of the Mystical Supper, the Apostles are shown gathered around the Lord not in individual chairs, but on a bench — one continuous seat, one company, undivided.
Which brings me to a second table, further back than that one — the wilderness, where our theme’s own psalm spends a good deal of time talking about food. The psalmist recalls Israel fed, astonishingly, by God himself: “He had commanded the clouds from above, and opened the doors of heaven, and had rained down manna upon them to eat… man did eat angels’ food.” And yet the psalm does not let that gift go unquestioned — it also recalls how quickly the people grumbled and forgot what had been done for them. Which is exactly why the psalm insists, before and after that story, that this must not happen again: that what God has done must be told, deliberately, to the generation that did not see it, “that they might set their hope in God, and not forget his works.” The manna was a gift. The telling of it was a task.
I do not think it is a coincidence that when the Church wanted a word for how she hands down her most central act of worship, she reached for exactly that logic. Saint Paul, writing of the meal Christ gave us the night before He suffered, does not say he invented or improved upon it. He says: “I have received of the Lord that which also I delivered unto you.” Received and delivered — that is the whole of tradition in two words, and Paul uses it about a meal, given at that same long bench the icons remember.
On a fundamental level, the Church has never really handed down bare information. She has handed down a table — from the manna in the wilderness, to the bread and cup Christ gave His disciples, to the Divine Liturgy we will serve together before this Assembly ends. God feeds His people first, and only afterward asks them to tell the story of having been fed.
Which brings me, at last, back to tonight. This is a smaller and more ordinary bench than either of those — but not, I think, unrelated to them. We have sat together, we have eaten, and some of us will go home and tell others what happened at this gathering: what we heard, what troubled us, what gave us hope. That, too, is a small instance of the very thing our theme asks of us. It requires no pulpit and no program. It only requires that we not let the evening be forgotten.
So let us give thanks — for this meal, for this company, for the Archdiocese that has gathered us here, and for the God who, in every generation, insists on feeding His people before He asks anything else of them. And let us rise from this bench, as from every bench the Church has ever kept, with something worth telling to those who were not here to taste it themselves.
Thank you, and bon appétit to us all.