Arbeit, insbesondere in der Gemeinschaft und unter Verantwortung, schafft Identität und Sinn, während die Begleitung von Menschen in Krisen- und Sterbesituationen eine zentrale Form menschlicher Zuwendung darstellt.
Der Text ist ein Interview mit Wolfgang Traud, einem ehemaligen Bergwerksdirektor und heutigen ehrenamtlichen Trauerbegleiter, im Rahmen des Podcasts 'kannste glauben' des Bistums Münster. Traud beschreibt seine Anfänge im Bergbau, die durch eine Grubenfahrt während der Berufsorientierung ausgelöst wurden, und die harte, aber gemeinschaftsstiftende Arbeit unter Tage. Er betont, dass Arbeit unter Tage durch das gemeinsame Tragen von Risiken und die Abwesenheit von nationalen Grenzen eine starke Teamidentität schuf. Der Übergang zur Führungskraft brachte die Verantwortung für die Menschen und die Notwendigkeit, in Gefahrensituationen zu entscheiden, mit sich. Traud definiert gute Arbeit als eine, die innerlich befriedigt und für das Gemeinwesen unverzichtbar ist, unabhängig vom sozialen Status. Er verweist auf seine aktuelle ehrenamtliche Tätigkeit, in der er Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet, als Ausdruck von Verantwortung und Sinnstiftung. Der Text verbindet die Erinnerung an die industrielle Vergangenheit mit der aktuellen Frage nach dem Sinn von Arbeit und menschlicher Zuwendung.
Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
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Wenn man dann nach der Schicht erfüllt von der Arbeit vielleicht auch wieder ans Tageslicht kommt, ist das auch ein besonderer Moment. Wenn man aus dem Dunkel an der Haus fährt, ins Helle, ob Führungskraft oder Arbeiter an irgendeiner Stelle, jeder guckt auf den anderen. Das ist vielleicht was Besonderes in der Situation unter Tage. Arbeit bedeutet auch so was wie Freiheit und Sicherheit, Lohn- und Gehaltspielen, eine Rolle. Und das ist glaube ich ganz wichtig, da dann auch nochmal innezuhalten und an die Dinge zu denken und zu erinnern. Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Kannste Glauben, dem Podcast des Bistums Münster. Ich bin Ankristin Lardermann, schön, dass ihr dabei seid. Der 1. Mai ist bekannt als Tag der Arbeit. Ein Tag, an dem es um Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern geht, um gerechte Arbeitsbedingungen, aber auch um die Frage, was bedeutet Arbeit eigentlich für unser Leben? Für viele ist Arbeit einfach ein Job, für andere ist sie viel mehr. Verantwortung, Gemeinschaft, manchmal sogar Berufung. Wir haben heute jemanden zu Gast, der Arbeit wirklich kennt, körperlich, harte Arbeit unter Tage im Bergbau. Jemand, der sich hoch gearbeitet hat bis zum Bergwerksdirektor und der heute ehrenamtlich Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. Als Leiter von Beerdigungen. Wolfgang Traut engagiert sich in der Verei Sankt Dionysius in Duisburg-Weilsum als Wort Gottesdienstleiter und eben als Trauer- und Beerdigungsleiter. Und ich spreche jetzt mit Wolfgang Traut über die Arbeit unter Tage, über große Verantwortung über Tage und über die Suche nach Sinn im Tun. Herzlich willkommen, Herr Traut. Schön, dass ich heute hier bei Ihnen in Duisburg-Weilsum sein darf. Ja, herzlichen Dank für die Einladung. Herr Traut, wenn Sie an Ihre ersten Schritte ins Berufsleben denken, wie sind Sie eigentlich in den Bergbau gekommen? Wie war das damals? Das war eine kurios Geschichte. Ich bin hier in Weilsum zum Gymnasium gegangen und da gab es irgendwann mal Berufsorientierungstage. Da waren verschiedene Angebote, die mich aber alle nicht so sonderlich interessierten. Und bei der Durchsicht stieß ich dann darauf, dass man auch eine Grubenfahrt machen könnte auf dem hiesigen Bergwerk. Und da habe ich gesagt, ja, da war es ja noch nicht. Geht einmal gucken, nimm da mal Teil. Und ich hatte das Glück, dass ich von jemandem begleitet wurde, der in der Fahrgemein, in der ich auch groß geworden bin, tätig war. Eine Aufsichtskraft, die ich gut kannte. Er war in der KB, in der hiesigen KB tätig. Und wir kannten uns privat gut. Ja, und dann Wolfgang, komm mal mit. Wir gucken uns mal alles genau an unter Tage. Ja, und da ist irgendwie so ein Klick gekommen, dass das eine Tätigkeit wäre, die mich interessierte. Ja, klar, der eine oder andere sagt, du bist ja dreckig dabei der Arbeit. Und du hast keine Sonne. Ja, okay. Aber ich habe gelernt, da waren viele Menschen, da war viel Technik, da war viel Natur. Und irgendwie hat mich das dann so geprägt, dass ich mich nachher für den Weg im Bergbau entschieden habe. Wenn ich jetzt so an Bergbau denke, dann fällt mir, also verbinde ich das mit harter Arbeit, mit Dreckstaub, was Sie gerade schon sagten. Mit Engel auch, aber schon auch so mit Teamarbeit. Vielleicht können Sie das nochmal so ein bisschen näher darstellen. Wie kann man sich die Arbeit unter Tage vorstellen? Also was war das für ein Alltag? Ich habe für unser Gespräch eine Strophe aus einem Bergmannslied ausgesucht. Wenn die Nacht sich senkt und Sterne blinzen, stehen wir hier die Herzen voller Lieder in der Dunkelheit, wo die Gruben uns rufen, finden wir Trost in der Himmelspracht, die uns umgibt. Also man taucht im Prinzip in eine ganz andere Welt ein. Draußen bin ich beim Tageslicht, ich habe eventuell Sonnenschein, wie auch immer, und dann fahre ich in die Grube hinein. Dann ist es dunkel. Das alleine kann einem schon ein sehr beängstigendes Gefühl geben. Aber es sind ja Menschen um eine herum, man ist nicht alleine da unten. Und das ist dann schon ein ganz besonderes Gefühl. Das muss man erlebt haben. Wenn ich Ihnen das vermitteln wollte, wie kann ich Ihnen das vermitteln? Ich müsste von meinem Gefühl ein Stück abschneiden und Ihnen rüber geben. Vielleicht ist das so gut ausgedruckt. Wer es selber nicht erlebt hat, für den ist es sicherlich schwer vorstellbar. Aber es stimmt natürlich. Es ist dunkel und die Schichtzeit ist lang und man ist im Dunkel, man ist im künstlichen Licht. Aber wenn man danach der Schicht erfüllt von der Arbeit, vielleicht auch wieder ans Tageslicht kommt, ist das auch ein besonderer Moment. Wenn man aus dem Dunkel an der Haus fährt, in die Helle, das hat schon etwas mit Himmelspracht, mit Sternen, mit Sonne, mit Licht zu tun. Und Untertage, die Tätigkeit war für mich immer ein Gefühl, mit der Natur verbunden zu sein. Kohle ist ja vor rund 240 Millionen Jahren entstanden. Wenn ich dann ein Stück Kohle in der Hand hatte, Untertage, da wo sie lag und man sich dann deutlich gemacht, das Alter gegen mein eigenes Alter, ja, ist schon was Besonderes. Da kommt man sich wahrscheinlich ganz klein vor. Klein und schmächtig und unscheinbar. Aber gab es auch Momente, in denen Sie so gespürt haben, dass das wirklich richtig harte Arbeit ist? Der Beginn meines Berufslebens fing an, dass ich auf einer Nachtschicht gearbeitet habe als Reparatursteiger. Und da fing die Schicht dann entweder um 23 Uhr an oder um 24 Uhr. Oder die Frühschicht, dann war man um 4 Uhr morgens auf der Schachtanlage. Und wenn man dann zu Hause wieder war nach der Schicht, war man müde. Also insofern körperlich, sicherlich anstrengend. Harte Arbeit je nachdem ist, das ist relativ. Die Anstrengung, die Umstände, hart, die Hitze, die Wärme, hart. Dürfen sich vorstellen, wenn man 1000 Meter tief ist, hat man eine Gebirgstemperatur von ca. 60, 65 Grad. Also es ist warm, aber man arbeitet ja nicht alles mit der Hand wieder. Die Vorstellung vielleicht von früher war, sondern war ja eher Maschinen-Einsatzgepräch. Ja, dieser Aspekt mit der Teamarbeiter stimmt auch. Also Sie haben immer gesagt, umgeben von Menschen, das war eine Teamarbeit. Das ist Teamarbeit. Bergmanns Arbeit ist Teamarbeit. Keiner arbeitet alleine irgendwo. Selbst wenn man in einsamere Grumecken geht und muss etwas überprüfen gehen, mindestens immer zwei Leute zusammen aus Sicherheitsgründen. Und es ist ein richtiges Team, was der Untertage arbeitet. Ein Team, das auch keine Grenzen hat. Also es gab ja verschiedene Nationen, die auch Untertage gearbeitet haben. Wenn man immer über Integration redet, im Steinkohlenberg bei Untertage war das nie ein Thema. Man arbeitet zusammen. Alle haben die gleichen Voraussetzungen. Alle haben das gleiche Risiko zu tragen und das vernetzt schon. Sie sind dann im Bereich Bergbau ja nicht auf derselben Ebene geblieben, sondern haben sich Schritt für Schritt weiterentwickelt und auch, wenn man so will, hoch gearbeitet und waren dann Bergwerksdirektor. Wenn Sie zurückblicken, was hat Sie zu diesen einzelnen Schritten angetrieben? Ich habe als junge Student dann angefangen, auf einem Bergwag war im Nachhinein betrachtet eine sehr, sehr schöne Zeit und eine sehr schöne Entwicklung, die ich damit machen konnte. Was hat mich angetrieben? Mein Berufswunsch nach einer Zeit war, zweiter Mann auf einem Bergwerk zu sein, hinter einem Bergwerksdirektor, der ein breites Kreuz hat. Hört sich jetzt sehr komisch an, hört sich nach Verstecken an, hat auch ein bisschen was damit zu tun. Ich bin auch von der Ausbildung Herr Ingenieur und die Aufgaben eines Bergwerksdirektors, also als das Gesicht des Bergwerks sind doch eher andere, als sich mit den technischen Dingen, den täglichen technischen Dingen zu beschäftigen. Ich habe meine Arbeit gemacht, an der Stelle, an der ich eingesetzt wurde. Ich habe mich nie beworben oder aktiv betrieben, dass ich befördert werden möchte, sondern ich habe die Arbeit gemacht. Ich glaube im Nachhinein, dass ich sie an den Stellen auch gut gemacht habe und irgendwie fällt man dann auf. Und dann muss man ja auch, wenn man eine Karriereleiter aufsteigt, muss ja auch Platz sein auf der Leiter, muss also auch ein bisschen Glück dazugehören. Ja und der letzte Schritt Bergwerkdirektor ist natürlich nicht so einfach, sondern da gibt es Auswahlverfahren. Das heißt, Sie haben dann auch studiert, also Ingenieur aus Weg und Studierenden? Ich habe gleich vorstudiert an der Technischen Hochschule in Aachen. Heute würde man sagen Rohstoffwirtschaft oder technische Rohstoffgewinnung oder Schlagwort nachhaltige Rohstoffgewinnung. Sie waren dann am Anfang Arbeiter im Bergbau und waren dann irgendwann ja auch Führungskraft. Was hat sich dafür verändert, als Sie diesen Schritt gegangen sind und plötzlich Führungskraft war, also auch Verantwortung für Menschen hatten? Verantwortung hat man ja im Team, hat jeder für sich. Ob Führungskraft oder Arbeiter an irgendeiner Stelle, jeder guckt auf den anderen. Das ist vielleicht was Besonderes in der Situation unter Tage. Was hat sich verändert als Führungskraft? Man ist dann vorgesetzter einer größeren Gruppe, trächt Verantwortung für die Menschen und hat mit allen ja dann auch Gespräche, Themen mit die die Menschen bewegen, die dann zu der Führungskraft kommen. Ich brauche Urlaub meiner Familie, da ist ein Kind krank oder sonst was. Ja, das sind banale Probleme, aber das sind natürlich Themen, die dann auf eine Führungskraft automatisch zukommen. Und dann natürlich gibt es Planungen, die unter Tage umgesetzt werden müssen. Ja, da trächt man dann als Führungskraft Verantwortung. Also sowohl für die Menschen als auch, dass die Planungen so laufen, vorgedacht. Entscheidung treffen. Ja, Entscheidung treffen. Und manchmal in Gefahrensituationen, die man sieht, muss man sofort entscheiden. Aber man wächst auch in diese Aufgabe hinein und man fällt dann nicht in ein bodenloses Loch, sondern man wird da langsam ran geführt. Wer Verantwortung für viele Menschen trägt, wie das bei ihnen dann ja auch war, der merkt schnell, dass Arbeit vielleicht nicht nur Technik ist, sondern eben auch Menschlichkeit, weil man viel mit Menschen zu tun hat und sie begleitet. Was würden Sie sagen? Was macht für Sie gute Arbeit aus? Was macht gute Arbeit aus? Also wenn man Arbeit bewertet, spricht man sicherlich auf der einen Seite über die Arbeitsausführung, über die Qualität der Arbeit. Das ist sicherlich auch ein Element. Aber gute Arbeit hat ja irgendwie zwei Aspekte. Einmal Aspekte für mich selber. Bin ich damit einverstanden, was ich tue? Kann ich mich damit identifizieren? War für mich jetzt da zu der damaligen Zeit ein etwas leichteres Thema? Steinkohle wurde gebraucht für die Energieerzeugung, für die Stromversorgung. Also es war schon irgendwo unter den damaligen Umständen ein erfüllender Job, also gute Arbeit. Und andererseits bin ich selber damit zufrieden, was ich da gerade ausführe. Das ist, glaube ich, die entscheidende Frage da. Ich frage mich jedes Mal, wenn die Müllapfer bei mir zu Hause vorbei fährt und den Müllton lehrt. Wie denken die Menschen? Ist das eine erfüllende Arbeit? Für das Gemeinwesen eine unheimlich wichtige Arbeit, unverzichtbar. Und dann denke ich immer, wenn die Arbeit keiner mehr machen würde. Oder andererseits gegen Ende meines Berufslebens. Wenn man dann, weil sich Wertvorstellungen verschoben haben, angegriffen wird für seinen Job in der Öffentlichkeit, ist das dann noch gute Arbeit. Aber ich glaube so der innere Aspekt. Ich muss zufrieden sein. Ich muss ein gutes Gefühl haben dabei. Ich glaube, das ist so der erste Aspekt, der für mich erzählt. Gab es Werte, die Ihnen gerade auch als Führungskraft besonders wichtig waren? Arbeiten im Team hat gewisse Voraussetzungen. Da kann ich nicht auftreten wie ein Gutsherr, sondern unter Tage haben wir uns alle gleich gefühlt. Das hatte ich ja vorhin schon mal gesagt. Und es gibt so ein paar Tugenden im Bergbau. Hier wo man die deutlich machen kann. Die kann man deutlich machen an dem Kennenseh-Ein-Schwebbogen, die man zur Adventzeit, draußen, Herz-Hübe-Berge. Und da sind ja Kerzen drauf, stehen in der Regel Lichter drauf. Und diese Lichter stehen ja für gewisse Tugenden, die wir im Bergbau gelernt haben. Und dazu gehören eben auch Standhaftigkeit, Ehrlichkeit, Zugehörigkeit, Mut, Zuverlässigkeit, Glaube, alles in dem Kreis. Das sind so Dinge, die waren mir wichtig, die waren im Miteinander wichtig, sich aufeinander verlassen können. Das ist, glaube ich, eine ganz, ganz wichtige Eigenschaft. Und sich auch auf Augenhöhe begegnen, als ich Bergwerk-Sirektor war. Und wenn ich die Ebenen, einfach die Führungsebenen vergleiche mit einer Arbeitsebene, dann sind da sicherlich Welten zwischen. Aber im Nachhinein treffe ich immer noch mal Bergleute. Und die sagen, ach, der Herr Traut, Bergwerk-Sirektor von damals, ja, das ist so eine Resonanz, die ich heute bekomme. Das schaue ich dann auf der Ebene, ganz gut geschwommen zu sein. Da scheint dieses Verhalten, dieses Verhältnismäßigkeit, dieses Begegnen auf Augenhöhe, vielleicht ist das der richtige Ausdruck. Das scheint doch hängen geblieben zu sein. Das glaube ich ganz wichtig. Aber nochmal, die Umstände unter Tage schweißen schon per se zusammen. Ja, das ist, glaube ich, ein ganz besonderes Arbeitsumfeld, was man sich einfach nicht vorstellen kann, wenn man es nicht erlebt hat. Genau. Jetzt arbeiten Sie natürlich heute nicht mehr im Bergbau, aber Sie begleiten Menschen auf ganz andere Weise. Also, das ist geblieben und zwar leiten Sie Beerdigungen. Wie kam es dazu, dass Sie das machen jetzt im Ehrenamt? Ich war lange hier in der Gemeinde tätig für die Heimstadt St. Barbara. Das ist aus der Fahrgemeinde hervorgegangen ein Alten- und Pflegeheim. War früher ein Berglehrlingsheim vom Bergwerk. Da gibt es schon so eine kleine Spur der Verbundenheit. Und in dem Ehrenamtlichen Gremium haben mehrere Personen zusammengearbeitet, unter anderem auch der Pastor, der Pfarrer der Gemeinde hier. Der hat mich eines Tages gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, Ehrenamtlich Beerdigungen zu begleiten. Das war kurz vor der Corona-Zeit. Da habe ich mir Bedenkzeit ausgebeten. Durch die Corona-Zeit ist das ein bisschen nach hinten gerutscht, aber er war hartnäckig und hat nachgefragt. Nach langen Überlegen habe ich gedacht, du kannst dir das vorstellen. Du kennst Menschen, du kannst mit Menschen umgehen. Das ist, glaube ich, ganz wichtig. Der Gedanke, der mich dann getrieben hat am Ende war, stell dir mal vor, da ist eine christliche Beerdigung und da ist keiner mehr, der diese Beerdigung auf christlichem Wege begleiten kann. Das war für mich so der Kick, das ich dann ja gesagt habe. Was war Ihre erste Beerdigung? Können Sie sich noch daran erinnern? Ja, ich kann mich noch an diese Beerdigung erinnern. Das war eine ältere Dame, die verstorben war aus einer polnischen Familie. Da berührte mich ganz besonders, deshalb habe ich es auch noch in Erinnerung, dass bei einem Festessen, bei einem Zufall der Todesfall, um Weihnachten, an Weihnachten der Tisch gedeckt wurde und ein zusätzliches Gedeck noch am Tisch aufgestellt wurde. Dieses Gedeck war für in dem Falle die verstorbene Dame. Aber im Brauchtum ist es wohl auch so, dass man dann ein Teller mehr deckt für jemand, der eventuell zum Essen vorbeikommt. Das hat sofort natürlich einen dicken, tiefen christlichen Aspekt. Ja, absolut. Was bedeutet Ihnen, dass Menschen gerade in dieser Situation begleiten zu dürfen? Das bedeutet mir viel. Da wird mir ja Vertrauen entgegen gebracht. Die Menschen vertrauen darauf, dass ich eine Aufgabe übernehme, eine Begleitung übernehme, die ihnen Trost spendet, die ihnen eventuell auch Hoffnung gibt. Dieses Spannungsfeld auf der einen Seite zuhören, Geduld zu haben für die Trauer. Da werden Geschichten erzählt von früher, da wird geweint. Aber es wird auch manchmal gelacht. Und auf der anderen Seite, wie kann ich den Menschen einen Funken Hoffnung geben, das mit dem Tod nicht alles zu Ende ist? Das ist ein sehr, sehr spannendes Feld. Das ist ja auch eine Art von Begleitung der Menschen, der Angehörigen. Etwas, was sich dann ja auch so ein bisschen durch ihr Leben zieht. Also auch im Bergbau haben sie über viele jahrzehnte Menschen begleitet. Am Anfang im Team und später dann sicherlich auch als Führungskraft und jetzt eben im Ehrenamt Angehörige, die um einen Menschen trauern. Ja, stimmt. Ich habe verschiedene Führungssimitare natürlich auch Besuch in meinem Berufsleben. Und bei einem musste man dann auch so Zettel ausfüllen. Was stellt man sich im Berufsleben mal vor? Was möchte man mal erreicht haben? Der Zettel ist mir vor einem Jahr wieder in die Hand gefallen. Und da stand als drin, was möchtest du mal werden als Berufswunsch? Und da hatte ich damals tatsächlich mal geschrieben, Priester. Ach, ehrlich? Ja, also insofern ist das fast wie so ein Kreislauf, der sich gerade schließt. Priester kam natürlich nicht in Frage, wenn man eine Freundin hat und heiratet. Aber Seelsorgebegleitung, das zieht sich dann eben schon durch. Das geht natürlich auch so. Was würden Sie denn sagen, welche Rolle hat Ihr Glaube gespielt über all diese jahrzehnte im Berufsleben, bei der Arbeit aber auch jetzt im Ehrenamt? Die Person, die mich damals begleitet hat im Bergbau, war Führungskraft im Bergbau. Auf der anderen Seite Leihendiakon in der Fahrgemeinde. Und natürlich habe ich die immer beobachtet, dann natürlich ganz klar. Ja, und das war schon schön, diese zu sehen, wie man Menschen begleiten kann, wie man Menschen aber andererseits im Berufsleben auch führen kann. Das ist ja auch eine Art Begleitung. Im Ehrenamt ist klar, ich kann mir nicht vorstellen, dass wir ohne irgendeine Art von Glaube, von Hoffnung auskommen in unserem Leben. Jeder Mensch hat glaube ich irgendwie den Gedanken daran, da ist mehr. Da ist noch irgendwo was, da steckt noch irgendwo was. Diese esoterischen Dinge, die im Moment ja deutlich zunehmen, bestärken mich eigentlich darin, dass das es. Ich bin katholisch sozialisiert aufgewachsen, für mich ist Christus so eine Figur, die ich versuche umzusetzen durch. Ja, wie hat Christus das gemacht? Der ist zu den Menschen hingegangen und hat mit ihnen gesprochen. Er hat zugehört. Das mache ich auch, ich höre auch zu. Was gehört dazu an Eigenschaft, Geduld? Geduld ist schwer zu lernen. Ist jetzt auch nicht immer unbedingt mein nachwachsender Rohstoff, aber gehört dazu. Und ich glaube in unserem Leben, heute ist das ganz wichtig, dieses Innerhalten, dieses Mal stillehalten, dieses mit einem hörenden Herz, vielleicht kann man so im Schreiben mal zuzuhören, den Menschen einfach nur zuhören. Ja, das ist ja auch schon Glaube. Ist das auch so ein Zusammenhang zwischen Ihrer Arbeit früher im Bergbau und Ihrer Tätigkeit jetzt? Der Bergbau ist ja schon immer geprägt vom Glauben. Allein durch das Risikounter Tage, wenn man die Heilige Barbara denkt, die überall präsent ist, es gibt ja sogar Grubendiennahme, Hilfe Gottes tragen oder es gibt Kapellenunter Tage. Insofern muss da nicht trennen, ich bin da drin eigentlich. Ich bin da so geprägt, durch Vorbildfunktionen, aber auch durch eigenes Erleben. Dieses Jahr ist für mich, das ist eins. Ich würde es gar nicht als zweierlei betrachten, sondern es schlüssig, das ist wie eine Linie, wie ein roter Faden, der einfach durchläuft. Schön, wenn man das so sagen kann, finde ich toll. Wir feiern am 1. Mai jedes Jahr den Tag der Arbeit. Gibt es irgendwas, was Sie mit dem Tag besonders verbinden, also was Ihnen dieser Tag vielleicht bedeutet? Der Arbeit heißt ja, es hat ja auch etwas mit Inhalten zu tun nochmal. Nachzudenken darüber, welche Eigenschaften zählen wir eigentlich zur Arbeit, zur Würde von Arbeit, was der Anlass gewesen für den Tag der Arbeit, dass man darüber nachdenkt. Und da geht ja im Moment vieles verloren, dass viele darunter einen Zusatz im Feiertag sehen, wegfahren, Freizeit machen. Okay, ist dann so. Aber ich glaube, es ist auch immer ganz wichtig, da nochmal dran zu erinnern. Welche Eigenschaften haben denn daz