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Katholisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

kannste glauben Nr. 80 - Zwischen Frauenrechten und Lebensschutz - Ein Blick hinter die Kulissen der katholischen Schwangerschaftsberatung mit Dr. Birgit Große Stetzkamp vom Caritasverband für das Bistum Münster

Rundfunkarbeit Bistum Münster · kannste glauben – Bistum Münster · 2026-03-31 · Münster · Quelle

Fürsorge · Hauptbotschaft Gerechtigkeit · tragend Demut

Der Schutz des ungeborenen Lebens wird wirksam, wenn die katholische Beratung durch die Beseitigung sozialer und finanzieller Notlagen die Entscheidungsfähigkeit der Eltern stärkt, anstatt moralischen Druck auszuüben.

Schutz des ungeborenen Lebens muss auf jeden Fall erst mal ohne moralischen Druck passieren. Ich kann Frauen, werdenden möglicherweise Eltern, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger begegnen.

Der Text beschreibt die Arbeit der katholischen Schwangerschaftsberatung im Bistum Münster, die sich durch einen ressourcenorientierten Ansatz und die Vermeidung moralischen Drucks auszeichnet. Dr. Birgit Große-Stetzkamp erklärt, dass es in der Beratung primär um die Klärung komplexer sozialer, finanzieller und familiärer Notlagen geht, um Frauen zu einer informierten Entscheidung zu befähigen. Die Beratung ist offen für Menschen aller Religionen, sexueller Orientierungen und Aufenthaltsstatusse. Als zentrales Element wird die Prüfung sozialrechtlicher Ansprüche genannt, um finanzielle Hürden abzubauen, die oft als Grund für einen Schwangerschaftsabbruch angeführt werden. Die Spannung zwischen Frauenrechten und Lebensschutz wird als ein 'Und' statt eines 'Oder' verstanden, wobei der Schutz des ungeborenen Lebens durch die Stärkung der Eltern und die Beseitigung von Notlagen geschieht. Es wird betont, dass professionelle Hilfe notwendig ist, da die bürokratischen und rechtlichen Zusammenhänge für Betroffene oft unüberschaubar sind. Der Text positioniert die katholische Beratung als eine Institution, die christliche Werte mit praktischer sozialer Unterstützung verbindet.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Ausbeutung, Unterdrückung, ungleiche Verhältnisse; Unwissenheit, Illusion, falsche Sicht der Wirklichkeit (erschlossen)
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
praktisches Handeln am Nächsten, Werke; Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis
Was ist der Mensch nach diesem Text?
selbstbestimmt, Urheber seines Handelns
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf eigenes Erleben, Zeugnis, Begegnung; auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf andere, die Gesellschaft, andere Gruppen

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nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
4 von 5
Konkretheit
3 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 0, jetzt 3, künftig 1

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Schutz des ungeborenen Lebens muss auf jeden Fall erst mal ohne moralischen Druck passieren. Ich kann Frauen, werdenden möglicherweise Eltern, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger begegnen. Ganz viele haben finanzielle Not, kommen mit dem Thema Kostenexplosion, kommen mit Wohnungssuche, findet fast in jeder Beratungs- in irgendeiner Form statt. Viele sprechen ja über den Schein für den Schwangerschaftsabbruch und wir gucken uns auch das darüber hinaus an. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Kannste Glauben, dem Podcast des Bistums Münster. Ich bin Angristin Ladermann, schön, dass ihr dabei seid. Heute sprechen wir über ein Thema, das emotional, politisch und gesellschaftlich ziemlich intensiv diskutiert wird. Die Schwangerschaftsberatung, auch die katholische Schwangerschaftsberatung. Da geht es um Fragen von Lebensschutz, um Frauenrechte, Verantwortung und um ganz konkrete Hilfe in existenziellen Situationen. Zu Gast bei mir ist heute Dr. Birgit Große-Stehtskamp. Sie ist Sozialjuristin beim Karitas-Verband für das Bistum Münster und berät die katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen in sozialrechtlichen Fragen. Welche das genau sind, das wird sie uns gleich erklären. Außerdem ist sie auch Vorsitzende der bischöflichen Kommission zum Schutz des ungeborenen Lebens im Bistum Münster. Ich spreche jetzt mit ihr über diese Spannung zwischen Frauenrechten und dem Schutz des ungeborenen Lebens und darüber, welche Verantwortung Kirche und Gesellschaft in der Schwangerschaftsberatung tragen. Herzlich willkommen, Frau Große-Stehtskamp. Schön, dass Sie heute hier sind. Ja, danke für die Einladung. Frau Große-Stehtskamp, wenn man Schwangerschaftskonfliktberatung hört, dann denken viele sofort an irgendwelche politischen Diskussionen rund um den Paragrafen 218. Aber was passiert denn eigentlich mal ganz konkret, wenn Frauen in eine katholische Beratungsstelle kommen? Ja, Konfliktberatung in der katholischen Schwangerschaftsberatung ist zunächst einmal ein Ankommen lassen der Frau, ihr einen Raum geben und ihr die Möglichkeit geben, mal zur Ruhe zu kommen, über das nachzudenken, was gerade bei ihr los ist, was sie besorgt und was ihr vielleicht auch die Luft zum Atmen nimmt, eine Entscheidung zu treffen. Weil darum geht es bei einer Konfliktberatung. Sie muss eine Entscheidung treffen. Und ganz konkret wird sie hoffentlich wertschätzend und aber vor allem Ergebnis offen in Empfang genommen. Sie darf ihre persönliche Lebenslage sortieren. Das macht sie mit Unterstützung unserer Beraterinnen. Das heißt, wir gucken auf die soziale Situation, auf die familiäre Situation. Finanzen spielen eine Rolle natürlich. Migrationsthemen, berufliche familiäre Belastungen. Und dann hilft die Beraterinnen oder der Berater, Gedanken, Gefühle zu sortieren und eine Entscheidung treffen zu können, wenn sie die Lage, wenn sie ihre Situation klarer sieht. Dabei werden rechtliche und soziale Ansprüche geprüft. Und es wird geklärt, welche ganz konkreten Hilfen jetzt notwendig sind, um dann eine Entscheidung treffen zu können auf der Basis. Also das klingt eher nach einer Begleitung einer sehr komplexen Lebenslage und nicht unbedingt nach diesem, ich sag mal, moralischen Zeigefinger, den man vielleicht erwartet, wenn man das Wort hört oder auch den Paragrafen. Vielleicht mal zu einer Ordnung kurz zu den Datenfaktenzahlen. Wie viele Beratungsstellen gibt es eigentlich bei uns in Bistum Münster? Wie viele Frauen neben dem Schnitt im Jahr vielleicht eine Beratung in Anspruch? Und über wie viel Beschäftigte sprechen wir auch? Wie viele Beraterinnen gibt es? Wir haben 14 katholische Schwangerschaftsberatungsstellen hier in der DEZ- Münster. Es gibt dann auch noch den Bereich des Offizialats. Dann kommen ungefähr 8000 Ratssuchende pro Jahr in unsere Beratungsstellen. Und es gibt etwa 55 Berater und Beraterinnen. Also das ist schon eine Menge. Das hat man vielleicht gar nicht so auf dem Schirm, wenn man sich jetzt trotzdem noch bis zum Münster auskennt. Wer kommt denn in die Beratungsstellen? Also welche Anliegen haben die Frauen und was können die auch dann erwarten, wenn sie da sind? Wir sprechen ja von Schwangerschaftsberatungsstellen und nicht nur von Schwangerinnenberatungsstellen. Das heißt, zu uns kommen Frauen, Männer, Personen, unabhängig von Nationalität, auch der Religion. Wir sind zwar katholisch, aber auch für andere Religionen bzw. natürlich auch atheistinnen. Wir sprechen mit Menschen unabhängig von dem Aufenthaltsstatus oder auch von den unterschiedlichen sexuellen und geschlechtlichen Lebensweisen. Das heißt, auch das sind Themen, die inzwischen verstärkt bei uns auftreten, dass zwei Frauen zu uns kommen, Männer zu uns kommen und fragen, wie das gehen kann. Ganz viele haben finanzielle Not, kommen mit dem Thema Kostenexplosion. Kommen mit Wohnungssuche findet fast in jeder Beratungs- in irgendeiner Form statt und vor allem mit den Behörden wegen, die sehr kompliziert sind. Wenn es um das Austerieren der sozialrechtlichen Ansprüche geht, die Frage, wie kann man eigentlich eine Elternzeit finanzieren? Gibt es das Elterngeld oder ergänzen Bürgergeld? Das sind Fragen, die dazu führen, dass man erst mal genauso tieren muss und sich mit Fragen beschäftigen muss, mit denen man sich wahrscheinlich vorher noch nie beschäftigt hat. Und gedacht hat, ich war doch bisher immer kranker von sich, warum klappt das jetzt eigentlich nicht mehr? Solche Fragen können das sein? Und mit vielleicht viele schon mal Erfahrung gemacht haben mit der Deutschen Bürokratie, man sich wirklich miteinander setzen muss, um da durchzublicken. Jetzt gibt es ja noch viele verschiedene andere Träger von Schwangerschaftsberatungsstellen. Wie unterscheidet sich denn eine katholische Schwangerschaftsberatungsstelle von anderen Einrichtungen? Wir arbeiten mit einem christlichen Menschenbild. Wir setzen uns sehr dezidiert mit unserer Beratungskonzeption auseinander mit den Grundlagen unseres christlichen Glaubens. Wir haben einen doppelten Fokus. Wir schauen auf die Situation der Frauen und das Ungeworne. Und versuchen ganzheitlich, unsere Ressourcen orientiert zu arbeiten. Das heißt unsere BeraterInnen haben eine intensive Ausbildung genossen als katholische SchwangerschaftsberaterInnen. Die sind häufig systemische BeraterInnen und dann aber eben auch nochmal für die katholische Schwangerschaftsberatung mit diesem ressourcenorientierten Ansatz. Und haben einen klaren Beratungsauftrag jenseits der Scheinausstellung. Viele sprechen ja über den Schein für den Schwangerschaftsabbruch. Und wir gucken uns auch das darüber hinaus an. Okay, ja. Er hat sich selbst mal sinngemäß im Vorgespräch, was wir miteinander geführt haben, gesagt, das Lebensschutz nicht nur bedeutet mit Kerzen vor Praxen zu stehen und Frauen von einem Abbruch abzuhalten. Aber wie versteht dann die katholische Beratung ganz konkret den Schutz des ungeborenen Lebens? Schutz des ungeborenen Lebens muss auf jeden Fall erst mal ohne moralischen Druck passieren. Ich kann Frauen werden möglicherweise Eltern nicht mit dem erhobenen Zeigefinger begegnen. Das funktioniert nicht. Ich kann versuchen, eine Entscheidungsfindung zu ermöglichen. Und das bedeutet der Frau erst mal Beistand zu geben in ihrer Notsituation. Sie kommt mit irgendeiner Frage, die sie nicht das Kind werden lassen möchte. Und es geht darum, diese Notlagen zu beseitigen. Es geht darum, wirklich konkret zu schauen, was funktioniert hier in meiner Situation gerade nicht, um eine Entscheidung für das Kind treffen zu können. Warum kann die Frau selbst oder warum meint die Frau selbst es nicht tragen zu können? Und um dieses Zutrauen in die eigene Kraft zu stärken, geht es darum, Alternativen auch vielleicht sichtbar zu machen? Also geht es ein bisschen auch darum, Bedingungen zu schaffen, in denen die Frau sich vielleicht schon für das Kind entscheiden kann. Richtig. Also weniger Druck ausüben, sondern eher Stärken Unterstützung und gleichzeitig wahrscheinlich so eine klare Haltung dahinter zu haben. Warum ist es denn allgemein wichtig, schwangere Frauen wirklich eine professionelle Hilfe anzubieten? Also nicht nur das Gespräch mit Freunden oder Familie, sondern professionelle Hilfe anzubieten. Und auch eine Hilfe, die nicht nur auf die Ausstellung eines solchen Beratungsscheins, wie Sie gerade angesprochen haben, abzielt. Es geht darum, Entlastung zu schaffen in einer komplexen Lebenssituation. Es geht, was ich ja schon angesprochen habe, häufig um finanzielle Not, die vielleicht gar nicht sein müsste, wenn die Klientin wüsste, welche sozialrechtlichen Ansprüche, unterhaltsrechtlichen Arbeitsrechtlichen Ansprüche sie hat. Und da sind viele überfordert. Wenn Sie selber über Ihre Situation nachdenken, dann wissen vielleicht manche, warum sie krankenversichert sind und auf welchen Rechtsgrundlagen und so weiter. Wenn Sie aber in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, das befristet ist, wissen Sie wahrscheinlich nicht, dass es sinnvoll ist, dann sich bei der Agentur für Arbeit sofort zu melden, um den Krankenversicherungsschutz zu sichern, um dann vielleicht Mutterschaftsgeld zu bekommen und damit wieder gesetzlich krankenversichert zu sein und so weiter. Und das sind komplexe Zusammenhänge, die mag eine gute Freundin können, wenn sie Sozialrechtlerin ist, aber es ist eher unwahrscheinlich, dass sie da gut unterstützt werden kann. Und dazu kommen dann eben weitere Themen, sei es wie es der Offenthaltstatus gerade, wie ist die familiäre Situation, welche psychologischen Punkte spielen vielleicht eine Rolle, Traumatisierungen sind zunehmend ein Thema. Was ist die Lebensrealität dieser Frau in ihrer ganze Zeit? Also sehr komplex auf jeden Fall. Jetzt wird im öffentlichen Diskurs ja oft so dieser Gegensatz aufgemacht, den Sie auch gerade schon mal zu Sprache gebracht haben, einmal die Frauenrechte auf der einen Seite, aber auch der Schutz des ungeborenen Lebens auf der anderen Seite. Wie erleben Sie diese Spannung, also auch im Alltag der BeraterInnen, mit denen Sie oft im Kontakt stehen? Wir haben oft das Gefühl, in einem Dilemma zu stehen. Und Dilemmata sind geprägt von gegensätzlichen Interessen. Und die Frage ist aber, ob es nicht oft möglich ist, diese Beinen anliegen, die da sind, nebeneinander zu stellen. Und darum geht es meines Erachtens auch in der ganzen Diskussion, dass man nicht sagt entweder oder, sondern und. Und was auch das Bundesverfassungsgericht vor etlichen Jahren gesagt hat, der Staat, die Gesellschaft, hat eine Verpflichtung dafür zu sorgen, dass Frauen nicht aus finanziellen Gründen eine Schwangerschaft unterbrechen müssen. Das finde ich immer noch einen ganz wichtigen Satz, der auch in den Diskussionen oft nicht genannt wird, um die Situation zu verstehen. Und ich denke, es wäre gut, diese Polarisierungen nicht zu führen, die im öffentlichen Diskurs häufig eine Rolle spielen, die aber in der konkreten Situation der Klientinnen oft keine Rolle spielt, sondern es geht darum, die Situation in Knoten zu lösen. Und schauen, was da zusammengeknotet ist und wo es darum geht, aus dieser Gegensatzdenke zu kommen in ein und. Auf der einen Seite die Rechte der Frauen und auf der anderen Seite die Rechte des Ungewohnen. Weniger diese ideologischen Fronten, die damit verbunden sind, sondern wirklich so ganz konkrete Lebensqualität auch dann irgendwie dafür zu sagen. Lebensrealitäten. Jetzt sind Sie Sozialjuristin. Welche Rolle spielt überhaupt das Sozialrecht in der Schwangerschaftsberatung? Können Sie da Beispiele geben? Ich bin das damals gefragt worden, als ich mit diesem Job angefangen habe. Und zwar eine Frau wird schwanger und warum ist jetzt ein Problem da? Und das Problem kann sein, dass ich meine Arbeit nicht fortführen kann, weil mein Arbeitgeber meint, ich sei ja Schwanger und deswegen nicht mehr so gebrauchen. Das kriegen wir sehr oft mit, dass Arbeitswelten es enden, dass Frauen Aufhebungsverträge unterschreiben, um aus der prekären Situation rauszukommen, was halt verheerend sein kann. Und Sozialrecht spielt in der Schwangerschaftsberatung eine große Rolle. Und als die katholische Kirche 2001 aus der Konfliktberatung ausgestiegen ist, hat damals der Diözésan Caritasverband zusammen mit der Kommissionsumschutz ist ungeborene Leben sich dafür eingesetzt, dass eine sozialrechtliche Beratung eingeführt wird, weil mein damaliger Chef, der hat damals das Sozialrecht im DCV gemacht, festgestellt hat, dass unfassbar viele Fragen aus der Schwangerschaftsberatung kommen. Und das kann man sich gut vorstellen, wenn es auch jetzt nicht diese ganz schwierige Situation ist, die ich vorhin beschrieben habe. Aber eine Frau möchte Elternzeit nehmen, fragt sich, wie sie diese Elternzeit finanzieren kann, fragt sich, wie das mit dem Elterngeld geht, Paare kommen und möchten zum Elterngeld beraten werden, um zu gucken, wie sie das irgendwie finanzieren können. Und dann geht es darum, zu klären, welche Ansprüche vielleicht beim Jobcenter bestehen oder Auszubildende, welche Möglichkeiten es neben dem SGB II gibt, weil das für sie nicht einschlägig ist. Es gibt so etwas wie Kinderzuschlag und ich vergleiche das gerne mit einem Mobilee, dass ineinander, wenn sie an der Einstelle des Mobilees etwas in Bewegung setzen, bewegt sich das ganze Mobilee mit. Und das ist für Betroffene unendlich komplex und schwierig, zu einzuschätzen. Das heißt, wenn man sich das nochmal ganz konkret überlegt, sind Sie dann ansprechbar für die Beraterinnen vor Ort? Sie sind ja nicht in einer Beratungsstelle, sondern Sie sind das Backup für die Beraterinnen. Genau, ich stehe sozusagen in zweiter Reihe, ich bin eigentlich überhaupt nicht sichtbar, das sieht man auch, man findet mich eigentlich auch nicht auf den Seiten. Und ich stehe einfach in der zweiten Reihe und die Beraterinnen. Und das ist das, was mir an dieser Arbeit auch so viel Spaß macht. Sie gehen sehr professionell mit den Klientinnen um, aber sie sind keine Juristinnen. Keine juristische Ausbildung, wie man die hat, wenn man zwar Staatsexaminer hat, Sie haben das im Studium mal gemacht, oder weniger gerne. Und werden jetzt hier mit sozialrechtlichen Fragen konfrontiert, die sie zum Teil schon richtig, ich sage immer, hochregmäßig bearbeiten können. Aber es gibt einfach juristische Fragen, für die sie jemanden brauchen, der die lösen kann. Und dann können die bei mir anrufen. Das vergisst man manchmal, dass die Berater eben nicht Juristinnen sind und da Auskunft geben können, dass das für die natürlich auch eine tolle Adresse eine Sicherheit gibt, wenn sie wissen, da gibt es eine Adresse, wo man nochmal nachfragen kann. Wir haben jetzt viel darüber gesprochen, was Schwangerschaftsberatung leisten kann. Aber wie fühlt sich das eigentlich für die Menschen an, die eine solche Beratung in Anspruch nehmen? Und zwar ist wichtig, auch diese Perspektive hörbar zu machen. Deshalb hören wir jetzt eine Frau, die sich in einer sehr schwierigen Lebenssituation an eine katholische Beratungsstelle gewandt hat. Sie möchte anonym bleiben, aber sie hat uns erzählt, was diese Unterstützung für sie bedeutet hat. Wie ist Ihre Situation aktuell? Ich bin schwanger mit Zwilling, habe eine kleine Tochter von 1,5 Jahren, wohne bei meinen Eltern, weil ich aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen bin und bin auf Wohnungssuche, bin in einer Privatinsolvenz. Und ja, das ist alles nicht so einfach. Sie haben die Beratung hier jetzt zum zweiten Mal in Anspruch genommen. Was hat Sie dazu bewogen? Das erste Mal aus finanziellen Gründen, weil wir finanziell nicht so gut dastanden und uns empfohlen, wurde hier mal hinzukommen, dass man hier Hilfe erhalten kann. Ja, beim zweiten Mal aufgrund der Trennung von meinem Mann. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Man begegnet einem hier nicht so voreingenommen, man fühlt sich hier besser aufgehoben. Hier ist alles etwas offener. Ich habe hier finanzielle Hilfe bekommen, 2-mal. Unter anderem für neue Möbel, für die Baby-Ausstattung. Ich habe hier persönliche Hilfe bekommen, also ich wurde hier gestärkt. Ich wurde beraten, unterstützt, mentale Hilfe, wenn man so will. Und wie sehen jetzt Ihre Pläne für die Zukunft aus? Genau, also ich habe vor, jetzt nochmal zu studieren, wahrscheinlich Wirtschaftsrecht. Da werde ich noch schauen, wo die Reise dahin geht und möchte später gerne Deutsch als Fremdsprache unterrichten an einer VHS. Jetzt habe ich mal einen Blick reingeworfen in den aktuellen Jahresbericht der katholischen Schwangerschaftsberatung und da werden sehr viele gesellschaftliche Herausforderungen genannt. Vielleicht können Sie mal benennen, welche davon die Beratungsstellen aktuell als besonders intensiv empfinden. Wohnungsnot ist eines der ganz großen Themen. Tritt in fast jeder Beratung auf. Wohnungssuche, zu teure Mieten, Wohnkosten, Wohnkostenlücke für Menschen, die im SGB II Bezug sind, die aus ihrer Regelleistung die Miete zahlen, weil sie nichts anderes finden. Die Kostenexplosion ist ein Thema. Und es ist das, was ja auch in der Sozialstaatskommission derzeit diskutiert wird, dieses Laufen von A nach B und bei den Behörden nicht unbedingt die Beratung zu finden, die sie brauchen, um das einschätzen zu können, wie es z.B. nachher mit der Elternzeit weitergeht bzw. mit der Finanzierung. Und dieses Zusammenspiel, dieses hochkomplexes Zusammenspiel. Und jetzt ganz akut gerade ist es die SGB II Reform, die Bürgergeldreform, die sich unmittelbar auf junge Familien auswirken wird und wo wir z.B. Abgeordnete angesprochen haben und aus der Praxis der Schwangerschaftsberatung berichtet haben, was Konsequenz aufgrund dieser gesetzlichen Änderungen sein wird. Und ein bisschen haben wir da auch erreicht. Ob wir das erreicht haben oder wir im Verbund der Freien Wohnfahrtspflege oder wer auch immer ist, egal, auf jeden Fall ein bisschen, was ist erreicht worden. Aber das, was im sozialen Recht passiert, hat unmittelbare Auswirkungen auf die jungen Familien. Ja, das hat man manchmal auch nicht vor Augen. Oder auch gerade die, die diese Gesetze beschließen, sind manchmal einfach, aber das Gefühl zu weit weg. Und das ist sehr hilfreich, wenn jemand mal sagt, welche Konsequenzen hat das in anderer Basis. Immer öfter, das haben Sie jetzt auch gerade schon mal erwähnt, kommen ja auch Frauen mit Migrationshintergrund in die Beratungsstellen, insbesondere auch Flüchtlinge, die dabei sind. Inwieweit hat das Einfluss auf die Beratungsarbeit ganz konkret? Also gibt es da vielleicht irgendwelche Ansätze für, was zu beachten ist, wenn schwangere Frauen aus einem ganz anderen Kulturkreis oder auch die anderen Religionen angehören, in die Beratungsstelle kommen? Wir haben einen sehr großen Anteil von Menschen, mit welcher Form auch immer Migrationshintergrund, über 50%. Und ich hatte ja vorhin auch schon mal gesagt, wir gucken nicht auf die Konfession oder Religion. Das heißt, wir haben auch viele Frauen islamischen, glauben es bei uns in der Beratung. Und uns geht es darum, kultursensible zu beraten. Und wir bilden uns fort, wir haben gerade noch einen Fachtag dazu gehabt, um zu schauen, was es bedeutet, wenn ich aus einer anderen Kultur hier nach Deutschland komme und ich glaube, wir vergessen manchmal, dass Deutschland nicht der Nabel der Welt ist und nicht alle so funktionieren wie wir. Und auch das gehört in die Beratung da zu schauen, was braucht eine Frau, die hier das erste Mal in Deutschland ist und da kann ich nicht mit irgendwelchen Frauenbildern arbeiten, die für sie nach einer anderen Sprache klingen? Ein anderes, besonders finde ich sensibles Feld ist dieses Thema Prenataldiagnostik, was man vielleicht auch mit dem Thema Schwangerschaftsberatung verbindet. Wie gehen Beratungsstellen mit solchen Situationen um? Also ich sage mal, wenn gesundheitliche Auffälligkeiten festgestellt wurden und Familien in ein Konflikt geraten, was eine Entscheidung angeht. Wie gehen die Beratungsstellen damit um? Und es ist wichtig, erst mal das Angebot auszusprechen, man könnte auch vorherkommen, man könnte vor der Untersuchung kommen, dami