Die Wirksamkeit des kirchlichen Wirkens gründet nicht in menschlicher Leistung, sondern in der Gemeinschaft, dem Gebet und dem mutigen Hinausgehen in die sozialen Realitäten, gestützt auf die Schwäche und die Gegenwart Christi.
Der Text ist eine Dankesansprache des Bischofs von Chur an die Mitarbeitenden des Bistums zum Abschluss des Bistumsjahres. Er würdigt die vielfältigen Dienste und betont die gemeinsame Identität als Kinder Gottes und Miterben Christi. Am Beispiel der Berufung der Jünger am See Gennesaret wird die Treue in unfruchtbaren Zeiten als Vorbild für die kirchliche Arbeit dargestellt. Der Text mahnt, nicht nur Manager oder Organisatoren zu sein, sondern Menschen des Gebetes und der Innerlichkeit. Es wird ein Aufruf zum Hinausgehen in die Tiefe der gesellschaftlichen Realitäten und zu den Leidenden erhoben. Die Gemeinschaft wird als entscheidender Faktor für den Erfolg des kirchlichen Auftrags genannt. Abschließend wird auf die Schwäche und Demut als Grundlage der Stärke in Christus verwiesen.
Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
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Abschluss des Bistumsjahres - Dankesanlass
Liebe Mittragende und Mitgestaltende des kirchlichen Lebens in unserem Bistum
Sie wirken – ihr wirkt – in sehr unterschiedlichen Ämtern, Aufgaben, Diensten, Bereichen, an verschiedenen Orten und Stellen. Wir sind heute hier zusammen, um uns gegenseitig dafür zu danken. Ich bin der Erste, der im Namen unseres Gottes und unserer Kirche Ihnen allen/euch allen ganz herzlich danken will. Wir bilden eine sehr bunte, vielseitige Realität und zugleich schliesslich eine einträchtige Familie: über alle Unterschiede hinweg sind wir alle Kinder desselben göttlichen Vaters, Kinder Gottes. Wir dürfen die Vergangenheit und die Gegenwart betrachten sowie die Zukunft ins Auge fassen und mit Paulus sagen: «Ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, sodass ihr immer noch Furcht haben müsstet, sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!» Wir sind Kinder und Erben Gottes, Miterben Christi. Wir arbeiten nicht für … und setzen uns nicht für ein rein irdisches Unterfangen ein, allein für menschliche Projekte oder zu Gunsten bloss zeitlicher Institutionen. Grundlage und Garantie unseres Wirkens ist Gott selber. Wir bilden zusammen die Kirche unsers Herrn Jesus Christus, für die er heute und bis zum Ende der Zeiten Sorge trägt. Wir können keine bessere Versicherung haben.
Wir haben gehört, was sich am Ufer des Sees Gennesaret ereignete. Das Volk drängte sich um Jesus und wollte das Wort Gottes hören. Das Wort Gottes begegnet uns in vielen Bereichen. Es gibt viele Möglichkeiten, das Wort Gottes zu erfahren: Die Bibel, eine Predigt, ein Vortrag, Kurse, das Theologiestudium, Bücher, der Katechismus, Bildungskreise, Exerzitien usw. Das Wort Gottes bewegt uns, ernährt und prägt uns erst aber dann, wenn wir es – wie damals die Menschen – direkt vom Gottessohn vermittelt bekommen. Anders gesagt: Das Wort Gottes fruchtet in uns vor allem, wenn wir es betend, es im Dialog mit unserem Herrn betrachten. Das heisst: Entweder werden wir Betende oder bleiben wir unwirksame Theoretiker des Christentums. Gerade gegenwärtig haben wir es in der Kirche dringend nötig, dass alle Gläubigen und auch alle in ihr Tätigen Menschen des Gebetes werden, sonst bleiben wir Manager, Organisatoren, Veranstalter, Dozierende, aber nicht Getaufte und Gefirmte, die von der Heilssendung überzeugt sind und durch Anziehung die Frohbotschaft weitergeben.
Nicht zufälligerweise hat der Herr Simon und seine Gefährten ausgewählt, um von ihrem Boot aus zu predigen. Sie hatten eine erfolgslose und entmutigende Nacht erlebt – ohne Fischfang, ohne Ergebnisse – sie hatten «nichts gefangen». Der Herr begegnete ihnen dennoch beim Waschen der Netze. Das heisst: Sie bereiteten sich vor und richteten sich für den nächsten Fischgang ein. Sie wollten also nicht aufgeben, nicht aussteigen; sie kamen nicht auf den Gedanken, es würde sich nicht lohnen. Sie blieben konsequent und treu, auch wenn die Lage ernüchternd war. Manche Tage, Perioden unseres Wirkens können uns auch unfruchtbar vorkommen, ohne sichtbare Ergebnisse. Nicht immer haben wir es mit vollen Kirchen zu tun. Manchmal vermissen wir – obwohl wir uns grossherzig engagieren – Anerkennung und Wertschätzung. Es kann auch sein, dass wir den bitteren Geschmack von Missverständnissen und Spannungen erfahren. Ihr seid/Sie sind dennoch bereit, weiter für die Kirche unseres Herrn und seinen «Menschenfang» zu wirken. Dies ist eine Bereitschaft, die nochmals einen grossen Dank verdient, gerade dann, wenn trotz Müdigkeit ein gekonnter, professioneller Dienst geleistet wird. Der heutige Dankesanlass ist mehr als berechtigt.
Liebe Schwestern und Brüder, der wirkliche Fischer, der Menschenfischer schlechthin, der Retter und Erlöser der Menschen ist Jesus Christus selbst. Wir stellen ihm das Boot, unsere gebrauchten/verbrauchten Netze, das eigene Können, die eigene Müdigkeit zur Verfügung in der Überzeugung, dass er all das einsetzen und in einen erfolgreichen Fang verwandeln kann. Ein Element sticht aus dem heutigen Evangelium heraus: Die Jünger wirkten zusammen. Nur beide Boote zusammen brachten den reichen Fischfang an Land. Wir sind durch und durch Gemeinschaft und nur als Gemeinschaft, in Eintracht, geschwisterlich werden wir dem Auftrag Jesu treu sein können. Die Versuchung auszusteigen, als Einzelgänger oder Einzelgängerin Kirche zu sein, eine private Kirche nach unserem Gusto zu organisieren, zusammenzubasteln, sollten wir stets überwinden, wenn wir für Kirche und Gesellschaft Gutes wirken möchten.
Im Mittelpunkt des heutigen Evangeliums steht der Aufruf des Herrn: «Fahr hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus ! » Dieser Ruf ist heute aktueller denn je. Wir dürfen nicht bei den Schwierigkeiten stecken bleiben, auch nicht bei dem, was wir schon immer gemacht haben. Wir dürfen es wagen, kreativ und innovativ zu sein. Wir sind berufen, hinauszugehen, wo andere Menschen wirken und uns intern und extern vernetzen.
Wir sind eingeladen, in die Tiefe zu gehen – wie ich schon gesagt habe – Menschen der Innerlichkeit zu sein. Jesus ruft uns auf, mutig in die letzten Winkel und Ecken der Pfarreien hinauszugehen, ohne Dinge zu organisieren und gemütlich zu warten, dass die Menschen zu uns kommen. Es ist das Gebot der Stunde, überall hinzugehen, zu den Familien, Vereinen, Gruppen, Institutionen, Anlässe, Veranstaltungen, Initiativen aller Art, mittendrin zu sein, wo die Menschen wirken. Mit Christus wollen wir hinausgehen und ganz tief in den jeweiligen gesellschaftlichen und sozialen Realitäten engagiert sein.
Christinnen und Christen der heutigen Welt und Kirche sind dazu berufen, in der Tiefe der harten Schicksale von Armut, Einsamkeit, erlittener Ungerechtigkeit, von Diskriminierung und Ausbeutung gegenwärtig zu sein. Dorthin gehen wir mit Christus und dort finden wir Christus, der auf uns wartet. Wir wagen die Tiefe der Geschwisterlichkeit und wir begnügen uns nicht mit der Oberfläche von Konflikten. Die Einheit ist wichtiger als der Konflikt.
Wir gehen auf die Hohe See, wir initiieren Prozesse der Erneuerung ohne genau zu wissen, wohin diese führen. Er, der wirkliche Fischer, ist mit uns. Und die solideste Sicherheit, um das zu tun, ist das Bewusstsein der eigenen Schwäche. Es geht um Bescheidenheit und Demut, um Ehrlichkeit und Transparenz. Petrus wusste, dass er auf sich allein gestellt, nicht bestehen konnte. Petrus ist gestützt auf Christus der Fels der Kirche geworden. Wie Paulus sagte: « Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark .» Es gibt zwei Momente in der Eucharistiefeier, die mich jedes Mal tief ergreifen. Zu Beginn mit dem Bittruf: Herr, erbarme dich unser! Und vor dem Schlusssegen: Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn. Amen
Pfäffikon, 26. Juni 2026
Joseph Maria Bonnemain
Bischof von Chur
Fotos: Nicole Büchel