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Katholisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Abschlussgottesdienst THChur

ohne Namen · Bistum Chur – Predigten von Bischof Bonnemain · 2026-06-22 · Chur · Quelle

Barmherzigkeit · Hauptbotschaft Dankbarkeit · Hauptbotschaft Gemeinschaft · tragend

Das ultimative Geheimnis Gottes ist seine Vaterschaft, die als grenzenlose Barmherzigkeit und Zuverlässigkeit die Grundlage für menschliche Ruhe, Dankbarkeit und Identität bildet.

Die tiefste und endgültigste Botschaft des Herrn für die Welt und die Geschichte besteht darin, uns zu offenbaren, dass das Geheimnis Gottes, das Geheimnis der Vaterschaft ist.

Der Text ist eine Predigt zum Abschluss eines theologischen Studienjahres, die sich an die Absolventen richtet. Der zentrale Gedanke ist, dass das ultimative Geheimnis Gottes seine Vaterschaft ist, die als grenzenlose Liebe und Zuwendung verstanden wird. Der Sprecher interpretiert die Bibelstelle aus dem Matthäus-Evangelium als Offenbarung dieser väterlichen Nähe, die auch den Weisen verborgen bleibt. Es wird eine Unterscheidung zwischen menschlicher Enttäuschung und der verlässlichen göttlichen Barmherzigkeit gezogen, wobei ein persönlicher Erziehungserzählung als Kontrast dient. Die Predigt ruft dazu auf, im Vertrauen auf diese Gotteskindschaft Ruhe zu finden und das Leben als ununterbrochene Eucharistie, also als Dank, zu begreifen. Die theologische Botschaft wird mit der aktuellen Situation der Studierenden verbunden, die sich in einer Phase des Übergangs befinden.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Leere, Orientierungslosigkeit, Verzweiflung
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
Zuwendung Gottes, Erlösung, die nicht verdient wird; persönliche Erfahrung, Zeugnis, Begegnung mit Gott oder Menschen
Was ist der Mensch nach diesem Text?
vor allem als Angenommener und Beschenkter beschrieben
Wohin geht die Geschichte?
die Botschaft steht außerhalb der Geschichte
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf den Stifter oder Propheten der Tradition; auf die heilige Schrift der eigenen Tradition
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
den eigenen Glaubensgeschwistern
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
der Text kritisiert nicht

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

Mt 11,25 · Joh 16,32 · Lk 23,46 · Sir 51,13

Gemessen

Grundhaltung
2 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
3 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 2, jetzt 2, künftig 1

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Abschluss des Studienjahres Liebe Mitbrüder Liebe Schwestern und Brüder Wir haben nun die Worte Jesu gehört: «Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.» Jedes Mal, wenn ich diese Worte betrachte, frage ich mich: Was will unser Herr und Heiland mit dem Wort das sagen, was ist dieses Das? Ich habe eine Erklärung. Ich weiss nicht, ob diese vor Professoren einer theologischen Hochschule bestehen kann und dennoch wage ich, diese zu präsentieren. Die tiefste und endgültigste Botschaft des Herrn für die Welt und die Geschichte besteht darin, uns zu offenbaren, dass das Geheimnis Gottes, das Geheimnis der Vaterschaft ist. Am Anfang des Universums und am Ende der Zeiten steht und finden wir einen Vater. Nochmals: «Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde…» . Der Herr des Himmels und der Erde ist keine höhere Macht, kein abstraktes Wesen, keine unerreichbare Grösse, keine waltende Allmacht, sondern eine grenzenlose, unendliche, ewige Vaterschaft. Die Erklärung des Seins und Wirkens unseres Herrn Jesus Christus finden wir in seinem unverbrüchlichen und unzerstörbaren Vertrauen auf diese Vaterschaft. Am Schluss eines Studienjahres sind wir hier in einer Stimmung der Dankbarkeit. Die Dankbarkeit im Glauben geht viel weiter als der Dank für erfolgreiche Prüfungen oder für ein gut bestandenes Studienjahr. Im Glauben geht unser Dank viel weiter. Es ist ein Dank für alles, was wir sind und haben, für alles, was wir suchen und empfangen, für alles, was wir verstehen und nicht verstehen. So betrachtet, kann man sagen, dass unser Leben Eucharistie ist, dass das Leben Christi eine ununterbrochene Eucharistie blieb und bleibt. Der Auferstandene hört niemals auf, dem himmlischen Vater zu sagen: «Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde.» Mit ihm und in ihm und durch ihn dürfen wir uns diesem Dank und Lobpreis anschliessen. Ich würde meinen, dass das Wachsen im Glauben dahinführe, bei der Vollendung des Lebens nur noch zu danken. Von Leo Tolstoi ist die Aussage bekannt: « Liebe deine Geschichte, sie ist der Weg, den Gott mit dir gegangen ist. » Niemand sonst hat seine eigene Geschichte so sehr geliebt, wie Jesus, dies in der Überzeugung, dass er in jedem Augenblick seines Lebens diese Geschichte innig verbunden mit seinem göttlichen Vater erleben durfte. Wie erläuternd wird für mich die Aussage Jesu: «Niemand kennt den Vater, nur der Sohn…» Niemand kennt den göttlichen Vater so gut wie Jesus, so tief wie Jesus, so innig wie Jesus. Die erlösende Menschwerdung des Sohnes schlechthin bezweckt – will – nichts anderes, als uns den Vater zu offenbaren. Die weiteren Gedanken des Herrn sind eine Entfaltung dieser Kernaussage. Wir können im Herzen des göttlichen Vaters, in der erahnenden Betrachtung seiner Vaterschaft Ruhe finden mitten im Stress, trotz Überforderung. Das Lebensjoch der Leistungserwartungen, der Enttäuschungen, die Last der Misserfolge und der Verletzungen, die im zwischenmenschlichen Miteinander entstehen, können sanft und leicht sein. Wie? Indem wir im Vertrauen auf das Wort des Herrn zu ihm gehen und im Sohn uns als Söhne und Töchter Gottes, des Vaters, erkennen: «Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich werde euch erquicken». Bereits im Buch Jesus Sirach kommt dies zum Ausdruck: «Und nun lobpreist den Gott des Alls, der überall grosse Dinge tut, der unsere Tage erhöht vom Mutterleib an und an uns handelt nach seinem Erbarmen!» Jesus hat in keinem Augenblick seiner irdischen Existenz die Liebe seines Vaters in Frage gestellt. Als er voraussah, dass alle ihn verlassen würden, erklärte er: «Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir» (Joh 16,32). Selbst in jenem Augenblick – hängend am Kreuz – wo er das Gefühl hatte, vom Vater verlassen zu sein, überliess er sich nochmals ganz dem Vater und vertraute sich restlos ihm an: «Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist!» (Lk 23,46). Die Gotteskindschaft stellt die solideste Grundlage für unseren Glauben und für die Entfaltung unserer Innerlichkeit dar. Die Gotteskindschaft ist die letzte Erklärung für die Kirche als Weltfamilie und die Basis für die universelle Geschwisterlichkeit. Mein Vater hatte eine sehr nüchterne Art, mich zu erziehen. Er hatte wahrscheinlich den Eindruck, dass ich ein Idealist, ein Träumer war und versuchte, mich auf den Boden der Realität zu bringen. So brachte er mir manchmal eine Szene aus einem berühmten klassischen Film vor Augen. Der Darsteller liess sein kleines Kind auf einen Tisch steigen, breitete die Arme aus und sagte dem Kind: Werfe dich in meine Arme! Ich fange dich auf! Im letzten Augenblick zog der Vater aber die Arme zurück und das Kind prallte auf den Boden. Ja, ich sollte lernen, niemandem zu trauen. Ich muss gestehen, dass mein Vater hier mit seinen Erziehungsmethoden Misserfolg gehabt hat. Ich habe von Jesus ein anders Bild von der Vaterschaft bekommen. Ja, um die gute Absicht meines Vaters doch zu retten, könnte ich hinzufügen, dass solche Enttäuschungen zwischen Menschen möglich sind. Das ist aber absolut nicht der Fall zwischen Gott und uns. Anders gesagt: der andere Name des göttlichen Vaters ist Barmherzigkeit. Gott ist in seiner Vaterschaft ein unendlicher, ohne Ende liebender, mütterlicher Schoss. Amen St. Luzi, 19. Juni 2026 Joseph Maria Bonnemain Bischof von Chur