Individuelle Charismen entfalten ihren wahren Wert nicht in der Selbstverwirklichung, sondern in der generativen Fürsorge für andere, die der Entmenschlichung durch Technik und Durchschnittsdenken entgegenwirkt.
Die Predigt warnt vor einer Entmenschlichung durch Technik und Maschinen, die lebendige Beziehungen und Gefühle in technische Fertigkeiten verwandelt. Sie kritisiert die gesellschaftliche Fixierung auf den Durchschnitt, die individuelle Talente und Charismen unterdrückt. Am Beispiel von Paulus wird das Charisma als individuelle Gabe definiert, die nicht dem Vergleich mit anderen dienen soll, sondern dem Nutzen der Gemeinschaft. Der Text betont, dass wahre Charismatik generativ ist und auf die Fürsorge für andere und den Aufbau des Reiches Gottes ausgerichtet sein muss. Es wird ein Aufruf zur konstruktiven Kommunikation und zum Durchbrechen von Angst und Resignation erhoben. Die Predigt fordert dazu auf, physische Nähe und persönliche Beziehungen in einer digitalen Kultur zu pflegen. Abschließend wird die Würde des menschlichen Leibes als Tempel des Heiligen Geistes als Maßstab gegen die Verdinglichung der Moderne gesetzt.
Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
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Das eigene Charisma entfalten, damit es anderen nützt Predigt beim Sommergottesdienst zum Abschluss des diözesanen Arbeitsjahres 30. Juni 2026, Mariendom Linz
„Er wendet sein Interesse ab vom Leben, von den Menschen, von der Natur und den Ideen – kurz, von allem, was lebendig ist; er verwandelt alles Leben in Dinge, einschließlich seiner selbst und der Manifestationen seiner menschlichen Fähigkeiten der Vernunft , des Sehens, des Hörens, des Fühlens und Liebens. Die Sexualität wird zu einer technischen Fertigkeit („Liebesmaschine VII, 318); die Gefühle werden verflacht und manchmal durch Sentimentalität ersetzt; die Freude, Ausdruck intensiver Lebendigkeit, wird durch „Vergnügen“ oder Erregung ersetzt; und viel von der Liebe und Zärtlichkeit, die ein Mensch besitzt, wendet er seinen Maschinen und Apparaten zu. … von der synthetischen Nahrung bis zu den synthetischen Organen wird der ganze Mensch zum Bestandteil der totalen Maschinerie, welche er kontrolliert und die gleichzeitig ihn kontrolliert. … Die Welt ist zu einer Welt des „Nichtlebendigen“ geworden; Menschen sind zu „Nichtmenschen“ geworden – eine Welt des Toten.“ 1 Ohne menschliche Nähe und Freundschaft, ohne Berührung verkommen die Menschen emotional.
Unsere ungebremsten Maschinen, d. h. die Computerprogramme zerstören den noch spärlich, aber doch vorhandenen Humanismus und die Authentizität geht verloren, so Erich Fromm. Und weiter: Menschen delegieren ihre Lebendigkeit, ihre Kreativität, ihre Liebesfähigkeit an Maschinen. Der ganze Mensch zum Bestandteil der totalen Maschinerie, welche er kontrolliert und die gleichzeitig ihn kontrolliert.
Man hat es oder hat es nicht Vom Genetiker Markus Hengstschläger stammt das Buch Die Durchschnittsfalle. Gene – Talente – Chancen: Die Mittelmäßigkeit ist der Liebling der Österreicher. Das führt unser Land in eine evolutionäre Sackgasse. „Der Durchschnitt hat noch nie etwas Innovatives geleistet.
Da schwärmt ein Vater: ‚Mein Sohn ist so problemlos, ist noch nie negativ aufgefallen.‘ Aber auch positives Auffallen ist nicht erwünscht. Das wäre nämlich Stress. Die Gesellschaft arbeitet immer auf den Durchschnitt hin. Wie soll etwa eine D urchschnittsnote entscheiden, ob jemand ein guter Arzt wird? Der statistische Durchschnitt bringt nicht weiter und ist nicht zukunftstauglich.“ In der Sache geht es um das Talent oder auch Charisma, also um das individuelle, besondere Wissen, Können und Handeln-Wollen jedes Einzelnen. Da fallen einem Plácido Domingo ein, was die Stimme betrifft, oder Lionel Messi bei den Fußballern. „So ein Talent“, sagen die einen, „hat man oder hat man nicht.“ „Aber nein“, sagen die anderen, „alles kommt nur vom Üben, Üben und wieder Üben.“ Oder: Talente können nicht gewertet werden, weil wir nicht wissen, welches Talent in der Zukunft von Bedeutung sein wird. Wer würde von uns sagen: Diese Frau ist ein Genie in der Pflege, oder: der hat ein Talent zum Dienen?
1 Erich Fromm, Anatomie der menschlichen Destruktivität, in: GesamtausgabeVII-318, hg. von Rainer Funk 2016.
Paulus spricht von „unterschiedlichen Gaben und Diensten“. Gabe prophetischer Rede; Gabe des Dienens und des Lehrens, Gabe des Tröstens, des Heils, der Zungenrede. (1 Kor 12) In dieser Perspektive braucht der Einzelne seinen Weg nicht mit einem ständigen (überheblichen oder neidischen) Vergleich mit anderen oder aus der Negation der anderen herauszugehen. „Das Vergleichen ist eine unheilvolle Neigung, es macht zum Gefangenen der eigenen Zwangsgedanken, die immer neue Nahrung suchen und jede Gelegenheit wahrnehmen, sich in seiner Meinung zu bestätigen.“ (Teresa von Avila) Wer das eigene Charisma annimmt, braucht auch nicht ständig Projektionen, Sündenböcke, die er beurteilen und verurteilen muss.
Ungleichheiten müssen freilich so beschaffen sein, dass sie nicht zum Vorteil der Starken ausschlagen, sondern den Schwachen und dem Aufbau des Reiches Gottes dienen.
Unsere real existierenden Familien und Gemeinschaften sind kein idealistisches Paradies. In der konkreten Wirklichkeit gibt es gestörte, zerstörende und zerstörte Beziehungen, Behinderungen, Belastungen, Kränkungen, Machtverhältnisse im Miteinander. Die neurotischen Verzerrungen und Behinderungen sind bei Paulus Material der Beziehung und der Gemeinschaft.
Er rühmt sich seiner Schwächen (2 Kor 12,9; 1 Kor 1,18 -31). Es wäre gerade die Herausforderung, mit den Licht- und mit den Schattenseiten, mit Stärken und Defiziten, mit Begabungen und Behinderungen, mit den Rosen und Neurosen beziehungsreich umzugehen.
Damit sie anderen nützt Bei der Verwirklichung eines Charismas geht es nicht (nur) um die eigene Autonomie bzw.
Selbstverwirklichung. „Charismatische“ Menschen sind „generative Menschen“, also Menschen, die selbst auf festem Grund stehen, Vertrauen vermitteln und Freude am Werden, Wachsen und Blühen anderer haben. Generativen Menschen geht es nicht nur um die eigene Selbstbehauptung. Ihre Energien, ihre Zeit sind nicht durch die eigenen Interessen besetzt.
Ohne generative, schöpferische Fürsorge und Verantwortung für andere, verarmt das Leben, es stagniert. Grundlegend für das Verständnis von Gnadengaben ist es, dass die Gabe, die einer von Gott empfangen hat, dem anderen nützt. (1 Kor 12,7) Alle Ämter und Gnadengaben sind auf die Ehre Gottes und den Nutzen, das Heil und die Auferbauung der anderen bzw. der Kirche hin geordnet.
Papst Franziskus hat einmal als Ziel die „Suche nach einem offenen und kreativen Kommunikationsstil“ ausgerufen, der „versucht, die möglichen Lösungen aufzuzeigen und so die Menschen, zu einer konstruktiven und verantwortungsvollen Herangehensweise anzuregen, er spricht von „konstruktiver Kommunikation“2: „Ich glaube, dass es nötig ist, den Teufelskreis der Angst zu durchbrechen und die Spirale der Furcht aufzuhalten, die ein Ergebnis der Angewohnheit ist, sein Augenmerk ganz auf die „schlechten Nachrichten“ (Kriege, Terror, Skandale und jegliche Art menschlichen Scheiterns) zu richten.
Ich wünsche mir, dass wir alle versuchen, das Gefühl des Unmuts und der Resignation zu überwinden, das uns oft befällt, uns in Apathie versetzt und Ängste erzeugt oder den Eindruck erweckt, dass dem Übel keine Grenzen geset zt werden können. In einem Kommunikationssystem, wo die Logik gilt, dass eine gute Nachricht keinen Eindruck macht und deswegen auch gar keine Nachricht ist, und wo es leicht geschieht, dass die Tragödie des Leides und das Geheimnis des Bösen in spektakulärer Weise dargestellt werden, kann man zudem versucht sein, das Gewissen zu betäuben und in die Hoffnungslosigkeit abzugleiten.“
2 https://www.vatican.va/content/francesco/de/messages/communications/documents/papafrancesco_20170124_messaggio-comunicazioni-sociali.html
Was bleibt übrig?
Was bleibt übrig? So wurde bei der Familienhilfe gefragt. Job, Geld, Status? Das Gefühl, das andere Menschen für uns empfunden haben. Pflegen wir Beziehungen! – „In einer Zeit, die zu Beschleunigung und Fragmentierung neigt, verlangt der menschliche Körper weiterhin nach Fürsorge und Anerkennung durch Hände, die zu Zärtlichkeit fähig sind, durch aufmerksame Menschen und durch freundliche Worte. Die digitale Kultur vervielfacht Verbindungen und bietet neue Möglichkeiten der Begegnung; dennoch bewahrt das menschliche Herz ein unverzichtbares Bedürfnis nach Nähe. Ich lade dazu ein, an Orten und Zeiten festzuhalten, wo die physische Anwesenheit zählt: am gemeinsamen Tisch, an der christlichen Gemeinschaft, die sich versammelt, am Besuch bei einsamen Menschen und am Dienst an den Armen. Dies sind Zeichen einer Menschlichkeit, die weiter daran glaubt, dass jeder Leib Tempel des Heiligen Geistes und Wohnung Gottes ist, und gerade diese Verbindung von Herrlichkeit und Schwäche wird zum Maßstab für die Bewertung der anthropologischen Modelle, die die heutige Kultur vorschlägt.“ (MH 239) „Die Menschen glaubten, heilig und wichtig sei nicht dieser Frühlingsmorgen, nicht diese Schönheit der Welt Gottes, zum Wohle aller Lebewesen gegeben, eine Schönheit, die für Frieden, Harmonie und Liebe einstimmt, nein, heilig und wichtig sei das, was sie sich selbst ausgedacht hatten, um Macht übereinander auszuüben.“3 + Manfred Scheuer Bischof von Linz
3 Lew Tolstoi, Auferstehung 1899, Frankfurt a.M. 1984, 1.