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Katholisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Sie erkannten ihn am Brotbrechen Predigt beim Dankgottesdienst für Priesterjubilare am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus 29. Juni 2026, Mariendom Linz

ohne Namen · Dioezese Linz – Predigten und Ansprachen von Bischof Scheuer · 2026-06-29 · Linz · Quelle

Dankbarkeit · Hauptbotschaft Gemeinschaft · Hauptbotschaft Verantwortung · tragend

Die priesterliche Berufung verliert ihren Sinn, wenn sie sich auf administrative Fakten und Selbsterhaltung beschränkt, und findet ihre wahre Bestimmung im aktiven, dankbaren und gemeinschaftsstiftenden Handeln in der konkreten Gegenwart.

Unser Beruf ist das Brotbrechen, unsere Existenz ist in das Zerbrechen Jesu hineingenommen. Eucharistie ist auch Brotbrechen: Es ist die Geste des Brotbrechens, an der die Jünger von Emmaus den auferstandenen Herrn erkannten, des Brechens im Sinne des Teilens und des Zerbrechens.

Die Predigt nutzt das Bild des Brotbrechens, um die priesterliche Berufung jenseits von administrativen Fakten und Zahlen neu zu definieren. Sie kritisiert eine kirchliche Praxis, die in Bürokratie und Selbsterhaltungskampf verfangen ist, und fordert stattdessen eine Rückkehr zu Empathie, Dankbarkeit und gelebter Gemeinschaft. Am Beispiel von Dietrich Bonhoeffer und Karl Jaspers wird die Notwendigkeit der Eigenverantwortung und des Handelns in der konkreten Gegenwart betont. Das Zerbrechen und Brechen des Brotes wird als zentrales Zeichen der Eucharistie und der menschlichen Existenz gedeutet, das Gemeinschaft stiftet. Die Predigt ruft dazu auf, die eigene Zeit aktiv zu gestalten und nicht in Nostalgie oder Utopien zu flüchten. Sie versteht das Priestersein als Dienst am Nächsten, der Trost, Gastfreundschaft und Wertschätzung vermittelt. Der Text verbindet theologische Auslegung mit einer psychologischen und gesellschaftlichen Analyse der aktuellen Krise der Kirche.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Leere, Orientierungslosigkeit, Verzweiflung; Feindschaft, Hass, Zerfall der Gemeinschaft (erschlossen)
Wo sitzt das Übel?
in der eigenen Gemeinde, Familie, Religion
Was hilft dagegen?
Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit; praktisches Handeln am Nächsten, Werke
Was ist der Mensch nach diesem Text?
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
Wohin geht die Geschichte?
die Botschaft steht außerhalb der Geschichte (erschlossen)
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf den Stifter oder Propheten der Tradition; auf eigenes Erleben, Zeugnis, Begegnung
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
den eigenen Glaubensgeschwistern
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

Mk 14,22-24 · 1 Kor 11,23-25 · Lk 4,21

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
3 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
1 von 3
Zeitbezug
früher 1, jetzt 3, künftig 1

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Sie erkannten ihn am Brotbrechen Predigt beim Dankgottesdienst für Priesterjubilare am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus 29. Juni 2026, Mariendom Linz Fakten und Poesie So war ein Beitrag zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann überschrieben. Zu den Fakten zählen die Daten, die Orte, an denen sie gelebt hat, die Publikationen, die Preise, die Zahlen, der Status. Zur Poesie gehören kostbare Wort e über die gestundete Zeit oder: Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar. Auch zu Priesterjubiläen können Fakten und Zahlen genannt werden: 25, 40, 50, 55 60, 65 Jahre … Wie viele Taufen, Hochzeiten, Begräbnisse, Eucharistiefeiern, wie viele Arbeitsstunden, Gottesdienstbesucher :innen, Bautätigkeit, Budget und Verwaltung. Zahlen vermitteln Personalprobleme und Finanzprobleme. Zahlen vermitteln nur scheinbar Bedeutung, sicher nicht Sinn, Treue, Wirksamkeit, Freude oder Schmerz. Wie schmeckt das? So hat ein Kind bei der Firmung in Lichtenberg während der Kommunion seinen Vater gefragt. Wie schmeckt eine Hostie? Wie schmeckt Jesus? Wie schmeckt die priesterliche Tätigkeit ? Eine der fatalen Nebenwirkungen von Corona war vor fünf bis sechs Jahren, dass manche den Geschmacks- und Geruchssinn verloren haben. D as heißt, keine Unterscheidung zwischen heißt und kalt, zwischen scharf, mild oder süß. Wo verbrenne ich mir die Finger? Nichts mehr spüren, das heißt auch kalt oder gleichgültig werden. Da geht viel an Freude verloren. Wie schmeckt der Glaube? Schmeckt er nach Angst und Furcht, hat er einen Modergeruch ? Schmeckt das Priestersein nach Fadheit, Müdigkeit, Kraftlosigkeit? Oder schmeckt e s nach Freude, nach Wertschätzung, nach Gemeinschaft und Freundschaft. Haben die Pfarren den Wohlgeruch der liebenden Aufmerksamkeit oder der Geschäftigkeit, der B ürokratie? Meine Großnichte hat nach der Erstkommunion gemeint: Schmeckt ganz lecker, etwas nach Papier? Spürt man die Seele, ein Herz, ein starkes Innenleben? Gibt es ein Gespür, Einfühlung, und Empathie füreinander? Manchmal gibt es einen aggressiven, gereizten Ton. Manche empfinden Kränkung, weil sie nicht wahrgenommen oder wertgeschätzt werden. Die jeweils anderen wollen sich nur inszenieren. Oder spürt man die Mystik in den Augen, spricht das Herz zum Herzen (cor ad cor loquitur). Erreicht und Wort und Tun das Herz der anderen? „ Unsere Kirche, die in diesen Jahren nur um ihre Selbsterhaltung gekämpft hat, als wäre sie ein Selbstzweck, ist unfähig, Träger des versöhnenden und erlösenden Wortes für die Menschen und für die Welt zu sein. Darum müssen die früheren Worte kraftlos werden und verstummen, und unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen.“ Der evangelische Christ Dietrich Bonhoeffer fragte sich und andere in finsterster Nazi - und Kriegszeit, Ende 1942: „Sind wir noch brauchbar?“1 Wertschätzung und Dankbarkeit Thomas Müller: Friede erwächst aus einem Klima des guten Umgangs miteinander. Die moralische Wertigkeit, wie man mit anderen Menschen umgeht, ist in unserer Gesellschaft über mehrere Generationen immer mehr verwässert worden. Vielleicht auch deshalb, weil wir immer weniger Zeit mit unseren Kindern verbringen. Wer spricht zu Hause das Abendgebet mit den Kindern? Wer zieht das Resümee über die Geschehnisse des Tages? Wer dankt mit ihnen für die guten Stunden, und wer arbeitet mit ihnen die schlechten auf. Wo sonst soll ich all das als in der Familie? Dankbarkeit und Lob sind hörbare innere Gesundheit. Jeder hat das schon selbst erfahren: In einem Gespräch, einer Sitzung, einer Besprechung – da gibt es Leute, die zunächst einmal das Gute und Positive am anderen, an einem Sachverhalt, an einer Herausforderung sehen. Natürlich: Man muss auch manchmal den Finger auf Wunden legen, Kritik üben und Widerstand anmelden. Was heute freilich oft fehlt, ist die Hochschätzung des anderen, ein grundsätzliches Wohlwollen für ihn und seine Anliegen und die Achtung seiner Person. Dankbarkeit und Lob wirken Wunder. – Ein Priesterjubiläum feiern: das ist die Suche nach der Kostbarkeit einer Berufung und nach der Wertschätzung für einen Menschen. Danksagung Ich möchte an dieser Stelle ein großes Wort des Dankes sagen. Danken können, das ist ja so etwas wie hörbare innere Gesundheit. Es wäre fatal, wenn wir das Gute vergessen würden. Wer das Gute vergisst, der wird depressiv, der wird ganz traurig. Und das Schöne, das Positive, das Kostbare nicht wahrzunehmen, das ist ein Ausdruck der Lieblosigkeit. Das Gute vergessen ist eine Sünde, sagt sogar Paulus. Es ist ganz wichtig, dass wir das annehmen und realisieren: Wir sind Mitarbeiter im Reich Gottes, Mitliebende Gottes in dieser Welt. Wer erzählt von Jesus? Wer tröstet? Wer baut auf? Wer gewährt Gastfreundschaft? Wer lässt nicht im Stich? Wer vermittelt den Jungen: Du kannst etwas! Wir brauchen dich! Du gehörst dazu! Jesus nahm das Brot, brach es … Das Leben mutet uns dunkle Phasen zu, nicht jedes Leiden ist zu vermeiden, es nagt der Wurm der Einsamkeit, Depressionen und Burn-out sind verbreitet, Lebensentwürfe und Pläne zerbrechen, da ist das Gefühl, nicht gebraucht und überflüssig zu sein. Jede Mühe und aller Einsatz scheinen umsonst. Und liebe Menschen sterben; damit wird das eigene Leben ärmer und einsamer. Das Brotbrechen und auch das Zerbrechen eines Lebens ist für Jesus zentral. Jesus war kein Selbstoptimierer oder Selbstverwirklicher. Er ist eine gebrochene Existenz. Unser Beruf ist das Brotbrechen, unsere Existenz ist in das Zerbrechen Jesu hineingenommen. Eucharistie ist auch Brotbrechen: Es ist die Geste des Brotbrechens, an der die Jünger von Emmaus den auferstandenen Herrn erkannten, des Brechens im Sinne des Teilens und des Zerbrechens. Das Gemeinschaftsmotiv spielt auch beim Abendmahl eine Rolle: Wenn Jesus Brot und Wein unmittelbar auf sich bezieht (Mk 14,22-24; 1 Kor 11,23-25), stellt er eine 1 Dietrich Bonhoeffer, Gedanken zum Tauftag von D.W.R. (Mai 1944), in: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft. Hg. Christian Gremmels – Eberhard Bethge – Renate Bethge. Werke 8, Gütersloh 1998, 435f. Verbindung zu den Jüngern her, die seinen Tod überdauert. Im Zerbrechen stiftet er Gemeinschaft. Das Kreuz: „Die Auferstehungen deiner unsichtbaren Frühlinge sind in Tränen gebadet. Der Himmel übt an Dir ZERBRECHEN. Du bist in der Gnade.“ (Nelly Sachs) Heute hat sich dieses Schriftwort erfüllt Jean Paul Sartre lebte in politisch und gesellschaftlich turbulenten Zeiten, im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit. Im Oktober 1945 schrieb er: „Vielleicht gibt es schönere Zeiten, aber dies ist unsere Zeit.“ Ja, es mag schönere Zeiten geben als die unsrige. Und doch: Diese Zeit ist unser Leben. Es drückt die Idee aus, dass wir die Gegenwart akzeptieren und aktiv gestalten, da sie unsere einzige Realität ist, auch wenn es bessere Zeiten geben mag. Und wir sollten vor der eigenen Freiheit und Verant wortung nicht davonlaufen. Jeder Altersphase in einer Biografie, aber auch jede Zeit der Kirche ist eine Zeit der Nachfolge und hat einen je eigenen Kairos. „Heute“ hat sich dieses Schriftwort erfüllt, so ist bei Lukas von Jesus zu lesen (Lk 4,21). Da nützt keine Rückkehr in eine verklärte Vergangenheit. Und die Flucht in die Utopien geht auch vorbei an der Wirklichkeit. Schuldabwehr durch Schuldprojektion oder Täter - Opfer-Umkehr ist eine psychische Entlastungsstrategie. Karl Jaspers, Die Schuldfrage (1946): „Politische Freiheit beginnt damit, daß in der Mehrheit des Volkes der einzelne sich für die Politik seines Gemeinwesens mit haftbar fühlt, – dass er nicht nur begehrt und schilt, – dass er vielmehr von sich verlangt, Realität zu sehen und nicht zu handeln aus dem in der Politik falsch angebrachten Glauben an ein irdisches Paradies, das nur aus bösem Willen und Dummheit der anderen nicht verwirklicht wurde, – daß er vielmehr weiß: Politik sucht in der konkreten Welt den je gangbaren Weg, geführt von dem Ideal des Menschseins als Freiheit.“2 + Manfred Scheuer Bischof von Linz 2 Karl Jaspers, Die Schuldfrage, Heidelberg 1946, 104.