Staatlich angeordnete Vernichtung wird durch das mutige, gottesfürchtige Handeln einzelner Frauen durchkreuzt, die sich zwischen Gehorsam gegenüber der Obrigkeit und Schutz des Lebens für Letzteres entscheiden.
Die Predigt erzählt die biblische Geschichte von Mose als Baby im Korb am Nil und ordnet sie als Bericht über mutiges Handeln starker Frauen ein. Der Pharao plant die Tötung aller neugeborenen hebräischen Jungen, was als antiker Völkermord bezeichnet wird. Die israelitischen Hebammen verweigern den Befehl aus Ehrfurcht vor Gott. Jochabet versteckt ihren Sohn drei Monate und setzt ihn dann in einem Schilfkorb am Nil aus. Mirjam beobachtet und vermittelt ihre Mutter als Amme an die Tochter des Pharao. Die Predigt betont, dass die Pläne des Pharaos durch das Handeln mehrerer Frauen durchkreuzt werden. Die Gottesfurcht der Hebammen wird in dreifacher Weise ausgelegt: Schutz des Lebens, Inkaufnahme von Gefahr und Vorrang Gottes vor staatlicher Autorität. Der Text endet mit einem Verweis auf den Theologen Hans-Jörg Bräumer zum Thema passiver Widerstand.
2. Mose 2,15-10 · 2. Mose 1,15 · 2. Makkabäer 2
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
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Ich denke die meisten von euch haben diese Flyer oder auch Plakate gesehen, mit denen für die Sommerkirche eingeladen wurde und da stand dann ganz groß oben drauf, Leinenlos. Das war das Motto in diesen fünf Wochen Leinenlos und für heute steht dann so als Unterthema Kreuzfahrt auf dem Niel und jetzt muss ich gleich schon vorwegnehmen mit der Kreuzfahrt. Wird das nichts. Das wird nichts. Das Schiff bleibt am Ufer. Aber da bin ich jetzt viel zu weit mal von vorn. Im zweiten Jahrtausend vor Christus, da wächst in Ägypten die Familie des biblischen Stammpfers Jakob zu einem stattlichen kleinen Volk heran. Anfangs sind sie im Land ja ganz gut gelitten. Schließlich hatte Josef, einer von Jakob, Söhnen Ägypten vor einer schlimmen Hungerkatastrophe bewahrt. Aber das Wissen um diese bedeutende Tat, die geht den Ägyptern doch im Laufe der Generation so nach und nach verloren und im 13. Jahrhundert vor Christus schließlich, da weiß nicht einmal mehr der ägyptische König, der Farrao, irgendwas von dem, was da mal war. Er sieht nur eine wachsende Zahl an Israeliten oder Hebräern, wie sie auch genannt werden, als Gefahr und fürchtet, sie könnten sich im Kriegsfall gegen Ägypten stellen. Deshalb zwingt er sie zu harte Arbeit. Sie müssen Städte bauen, sie müssen auf den Feldern bauen und sie werden von den Aufsehern unterdrückt. Aber wie? Aber je mehr man sie bedrängt, desto stärker wächst das Volk heran und das macht den Farrao natürlich noch nervöser. Er verschärft die Unterdrückung. Was anderes fällt ihm nicht ein. Er verschärft die Unterdrückung und lässt die Israeliten mit brutaler Zwangsarbeit ausbeuten. Das Leben wird für sie immer schwerer, geprägt von Druck, von Gewalt und von dem Versuch, ihr Volk klein zu halten. Aber sie werden nicht weniger, sondern sie werden immer mehr. Schließlich und so lesen wir jetzt im zweiten Buch Mose, Kapitel 1, Abferst 15. Schließlich befahl der ägyptische König den israelitischen Hebammen schiefra und pur. Wenn ihr von den hebräischen Frauen zur Geburt gerufen werdet und seht, dass ein Junge zur Welt kommt, dann tötet ihn sofort. Ist es ein Mädchen, könnt ihr es am Leben lassen. Aber aus Ehrfurcht vor Gott hielten sich die Hebammen nicht an den königlichen Befehl, sondern ließen die Jungen am Leben. Als der König sie deswegen zur Rede stellte, erklärten sie, die hebräischen Frauen sind viel kräftiger als die Ägypterin Ehe, wer zu ihnen kommen, haben sie ihr Kind schon geboren. Weil die Hebammen eher furcht vor Gott hatten, tat er ihnen Gutes und schenkte ihnen eigene Familien und Kinder. Das Volk Israel wurde immer größer und mächtiger. Schließlich befahl der Pharao den Ägyptern werft alle neu geborenen Jungen der Heb, Hebreah in den Nihl. Nur die Mädchen lasst am Leben. Zu jener Zeit heiratete ein Mann vom Stammlevi eine Frau aus dem selben Stamm. Sie wurde schwanger und bekam einen Sohn. Als sie sah, dass es ein gesunder, schöner Junge war, hielt sie ihn drei Monate lang versteckt. Doch schließlich konnte sie ihn nicht mehr verbergen. Sie nahm einen Korb aus Schilfror und dichtete ihn mit Erdharz und Pech ab. Dann legte sie das Kind hinein und setzte es im Schilf am Nihl-Ufer aus. Die Schwester des Jungen blieb in einiger Entfernung stehen, um zu beobachten, was mit ihm geschehen würde. Irgendwann kam die Tochter des Pharao zum Baden an den Fluss. Ihre Dienerin ging am Ufer hin und her und warteten. Plötzlich entdeckte die Tochter des Pharaos den Korb im Schilf. Sie schickte eine Dienerin hin und ließ ihn holen. Als sie den Korb öffnete, sah sie den weinenden Jungen darin liegen. Sie bekam Mitleid und sagte, das ist bestimmt eins von den hebräischen Kindern. Da ging die Schwester des Jungen zu ihr und erzählte, ich kenne eine hebräische Frau, die gerade stillt. Soll ich sie rufen? Dann kam sie, dann kann sie das Kind für dich stillen. Ja, ruft sie her, rief die Tochter des Pharaos und so lief das Mädchen los und holte ihre Mutter. Die Tochter des Pharaos forderte die Frau auf, nimm dieses Kind mit und still es für mich, ich werde dich dafür bezahlen. Dann nahm die Frau ihren Sohn wieder zu sich und stillte ihn. Als der Junge größer wurde, brachte sie ihn zur Tochter des Pharaos, die ihn als ihren eigenen Sohn annahm. Ich habe ihn aus dem Wasser geholt, sagte sie und darum nannte sie ihn Mose. Das heißt herausgezogen. Jetzt sind wir schon am Ende der Geschichte. Ich möchte mit euch nochmal an den Anfang gehen. Dann mag man sich fragen, sag mal Pharao wohl liegt eigentlich dein Problem. Über viele Generationen gibt es eine friedliche Co-Existenz der hebräischen Community mit den Ägyptern. Was soll das, dass du die nun versglafst? Was soll das? Aber der Pharao, der ja die Aufgabe hat seine Kraft im Wohle des ägyptischen Volkes zu widmen, seine Nutzen zu mehren und Schaden von ihm zu wenden, so heißt das heute in Deutschland, ne? Der Pharao, der guckt nicht auf das, was gewesen ist, davon weiß er nämlich nichts mehr, sondern er guckt auf das, was möglicherweise eventuell vielleicht mal eintreten könnte. Zitat, ihr seht, dass die Israeliten schon fast zahlreicher und mächtiger sind als wir. Wir müssen uns etwas einfallen lassen, damit dieses Volk nicht noch weiter wächst, denn sonst laufen sie womöglich zu unseren Feinden über, wenn ein Krieg ausbrechen sollte. Dann könnten sie gegen uns kämpfen und das Land in ihre Gewalt bringen. Wie nah diese Vermutung damals an der Wirklichkeit ist, das werden wir nie erfahren. Was wir aber erfahren ist, dass der Pharao versucht, dass Volk durch die gezielte Tötung aller männlichen, neu geborenen Hebräer auszuritten. Diesen staatlich angeordneten Befehl, den darf man guten Gewissens als ein geplanten antiken Völkermord bzw. als ein Vernichtungsfeldzug auf Raten bezeichnen. Soweit der Plan, aber es kommt anders. Der Pharao hat ja den israelitischen Hebammen befohlen, neu geborene Jungen sofort nach der Entbindung zu töten. Aber die Hebammen halten sich nicht an diesen königlichen Befehl, sondern sie lassen die Jungen aus Ehrfurcht vor Gott, wie es heißt, am Leben. Natürlich merken die Ägypter das irgendwann. Die haben ja auch Augen. Als die Hebammen zur Rede gestellt werden, sagen sie, die hebrieischen Frauen sind viel kräftiger als die Ägypterinnen. Ehe wer zu ihnen kommen, haben sie ihr Kind schon geboren. Das ist ja durchaus möglich, dass das zum Teil auch so war. Aber ziemlich wahrscheinlich, doch nur zum Teil, oder? Irgendwann ist es dem Pharao schließlich genug. Nicht mehr die ganz offensichtlich unwilligen Hebammen nimmt er in die Pflicht, sondern nun seine eigenen Leute, die Ägypter. Den traut er das dann noch mehr zu. Werft alle neu geborenen Jungen der Hebreah in den Nile nur die Mädchen, das am Leben. Wir haben es gehört. Das war jetzt so diese Gesamt, die Gesamtägyptische Perspektive, die wir bis jetzt uns angeguckt haben. Und im folgenden Abschnitt da zoomt. Da zoomt das Auge des biblischen Autors in das Leben einer einzelnen hebräischen Familie hinein. Jochébert, so ihr Name, wie wir an anderer Stelle der Bibel lesen. Jochébert, eine Frau aus dem Stammlevi ist von ihrem Mann am Ramm, ebenfalls ein Levit, schwanger und sie bringt einen Jungen zur Welt. Und sie schafft es irgendwie, dass in den ersten drei Monaten des Kindes niemand von der Geburt erfährt. Wie das sein kann, fragt mich nicht. Aber sie kriegt das hin? Sie kriegt das hin? Aber irgendwann kriegt sie es nicht mehr hin oder merkt, es wird nicht mehr lange gut gehen. Und weil es im Alten gibt und keine Babyklappe gibt, baut sie aus dem Reichlich an den Ufern des Nils vorhandenen Schilfrohr eine Teva. Wie es auf Hebräisch heißt und verklebt diese mit Erdharz und Pech. Wörtlich übersetzt heißt Teva Kasten oder Kiste oder Schachtel. Das selbe Wort kommt übrigens in der Bibel nur noch ein weiteres Mal vor, da nämlich als Gott zu Noah sagt, Noah, bau dir eine Teva. Mach sie aus festen Holz und dichte sie von innen und außen mit Pech. Ab als Jochabetz Körbchen fertig ist, setzt sie ihren Sohn in die kleine Arche. So will ich das jetzt mal nennen und verbergt diese im Schilf des Nils. Also keine Kreuzfahrt auf dem Niel. Das ist jetzt die Auflösung von dem, was ich am Anfang sagte. Keine Kreuzfahrt auf dem Niel für den Lütten. Das Schiff bleibt am Ufer, ist vielleicht auch gut so. Noch mal zu Jochabett. Wie Jochabett das schaffen konnte, ihren kleinen Jungen einfach auszusetzen und seinem Schicksal zu überlassen. Puh, was für ein Angang. Aber sie kriegt das hin. Was wäre denn auch die Alternative? Die Alternative wäre in absehbarer Zukunft sein sicherer Tod durch die Hand der ägyptischen Nachbarn. Davon konnte sie ausgehen. Jochabett kriegt es hin. Sie löst sich von dem Jungen. Wer das nicht hin kriegt, ist Mirjam. Das ist die Schwester. Auch ihren Namen erfahren wir an anderer Stelle der Bibel. Ähnlich wie über tausend Jahre später Petros, dem gefangenen Jesus zum Palast des Hohe Priests, folgt, um ein Auge auf die dortigen Geschehnisse zu haben. Bleibt mehr in der Nähe des Körpchens am Niel und guckt, was da passiert. Und was da passiert, ist Folgendes. Ganz offensichtlich ist die kleine Arche an der Badesstelle einer Tochter des Pharaos hingelegt worden. Und diese Prinzessin, die entdeckt das Körpchen, sie nimmt das weinende Baby wahr und sie sieht, dass es sich um einen Hebräischen Jungen handelt. Was sie aber in der Folge nicht davon abhält, sich darum zu kümmern. An dieser Stelle wird Mirjam nun aktiv. Sie geht auf die Tochter des Pharaos zu und bietet ihr an, eine Hebräische Amme für den Jungen zu finden. Die Prinzessin will ich ein. Sie gibt auch noch ein angemessenes Pflegegeld mit und der Junge kommt zu seiner leiblichen Mutter zurück. Toll, ne? Wunderbare Idee von Mirjam und ich sage immer wunderbare Regie Gottes. Das Entwöhnen, das kann durchaus einige Jahre damals gedauert haben. Wir lesen im Apokryphen 2. Makabea-Buch, dass da einmal das Entwöhnen erst am Ende des dritten Lebensjahres abgeschlossen ist. Also wir wissen nicht ganz genau, wann nun genau, aber irgendwann kommt dann der kleine Mose doch zu der Prinzessin. Aber die ersten Jahre ist er halt bei seiner leiblichen Mutter. So weit nun die Geschichte. Was machen wir jetzt mit dieser Kreuzfahrt Geschichte, die in der gar keine Kreuzfahrt vorkommt? Ich sehe, dieser Bericht ist ein Bericht über das mutige Handeln sehr starker Frauen. Klar, der Farrao ist der King natürlich, was er plant und befiehlt. Das muss umgesetzt werden. Aber wir kriegen ja mit, dass seine Pläne eben nicht umgesetzt werden, sondern dass sie durch Kreuz werden und das gleich mehrfach, nämlich durch die Hebammen, durch Jochabeth, durch Mirjam und dann auch noch durch seine eigene Tochter. Ich möchte mit euch zunächst auf die israelitischen Hebammen gucken. Gleich zweimal wird in dem Bericht erwähnt, dass sie gottesfürchtig gewesen sein. Aber äußert sich, so denke ich, die Gottesfurcht hier in dreifacher Weise. Zum einen wären sich die Hebammen dagegen, Neugeborenes Schutzbedürftiges Leben zu töten. Sie tasten das, was Gott geschaffen hat, nicht an. Zum anderen nehmen sie dadurch bewusst die Gefahr im Kauf, in die sie selbst sich durch ihre Befehlverweigerung begeben. Sie geraten in Gefahr, natürlich. Und zum Dritten zeigen sie durch ihre Befehlverweigerung, dass sie Gott mehr fürchten, als den Fachero. Und sind die Hebammen trotzdem nicht markelos, ne? Denn als der Herr König sie zur Rede stellt, nachdem er festgestellt hat, dass immer noch hebrische, jungen Überleben, da kommen sie ja mit dieser Erklärung, dass die hebrischen Frauen so sehr viel kräftiger sein und immer schon ihre Kinder bekommen hätten, wenn die Hebammen da ankommen. Das ist eine schlaue Ausrede, finde ich. Sie klingt ja glaublich, aber ich denke nicht, dass sie in allen Fällen der Wirklichkeit entsprochen hat. Und ganz nebenbei gleichzeitig verschweigen die Hebammen auch ihren passiven Widerstand. Sie leisten passiven Widerstand. Beim Theologen Hans-Jörg Bräumer habe ich dazu ein paar Zeilen gelesen. Die möchte ich gerne mit euch teilen. Beurteilt man die Reaktionen der Hebammen der Hebräerinnen und vom Prinzip der absoluten Wahrhaftigkeit aus? So ist ihre Antwort Lüge. Lüge in der Gestalt der Halbwahrheit. Das abstrakte Prinzip der absoluten Wahrhaftigkeit stellt aber kein Gut in sich selbst dar, dem um seiner Selbstwillen gedient werden muss. Die listige und kluge Antwort der Hebammen war eine mutige Entscheidung für das Leben und für den Schutz der unmittelbar Schutzbedürftigen. Unter diesem Gesichtspunkt zu Bräumer steht ihre listige Antwort durchaus im Einklang mit ihrer Gottesfurcht. Hat er gut gesagt und ich teile seine Meinung. Ich nehme aus der Betrachtung der Hebammen oder dem, was sie hier tun, folgende Fragen für mich mit. Das sind zwei Fragen. Die eine Frage, die ich mir selber stell, ist, wäre auch ich bereit im Falle des Falles und auch auf die Gefahr hin anschließend stärkste Repressalien befürchten zu müssen. Wäre auch ich bereit, um es mit den Worten des Aposteln Petrus und Paulus zu sagen, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen. Die zweite Frage, was wäre, wenn ich selber mich in dem Dilemma befände, dass ich jemand andere nur dadurch schützen könnte, dass ich wissendlich lügen würde, woher wüsste ich, was in diesem Moment vor Gott das Richtige wäre? Da habe ich jetzt keine Antwort. Das frage ich mich. Nach den Hebammen gucke ich nur noch Jochhebet. Die Mutter des kleinen Mose. Wobei ich mich dann auch frag, wie hat die Jochebet den kleinen wohl genannt? Denn die Naamose kriegte sie der Junge ja von der Prinzessin. Keine Ahnung, ob er Mütter sind, ja ohnehin sehr erfinderisch, was Cousinnamen für ihre Babys angeht. Das kann ich aktuell bei unserer Schwiegertochter hören. Die Mutter des kleinen Mose. Die hält ja nun entweder einen Herz aus Stein, dass sie sich von dem Grad mal drei Monate alten Säugling trennt. Oder aber sie hat und das wird das ja wohl in Wahrheit sein. Oder sie hat ein immenses Vertrauen in das Handeln Gottes. Sie setzt den kleinen Mose in seinem Körbchen ins Schilf aus. Das bedeutet doch, sie legt das weitere Ergehen ihres Sohnes in Gottes Hand. Sie lässt das Baby los und vertraut des schweren Herzens Gott an. Und zwar restlos. Und ich frage nun mich wieder zwei Fragen. Erstens. Wie würde ich erkennen, dass auch ich mich in einer bestimmten Situation davon lösen sollte, selber handeln zu wollen? Und stattdessen ganz allein Gott das Ruder zu überlassen. Und das zweite wäre ich dann auch bereit, dazu das zu tun. Denn Wissen ist ja das eine. Hören ist das eine, aber der Gehorsam. Das ist dann das andere. Komme ich zu Mirjam. Mirjam, die erscheint in der Bibel als eine starke, eigenständige und gleichermaßen dann doch auch irgendwie ambivalente Persönlichkeit. In unserem Bericht, da tritt sie ziemlich sicher übrigens noch jung an Jahren als mutige, kluge Vermittlerin auf, die ihren Bruder Mose so ganz geschickt von hinten durch die Brust ins Auge wieder in die Familie bringt. Das macht sie ganz toll. Später werkt sie als charismatische Führungsfigur. Nach dem Durchzeug durch das Schilfmeer, so lesen wir dann in anderen Teilen der Fünfbüchern Mose, da wird sie als Prophetin bezeichnet und führt die Frauen im Gesang und im Tanz an zum Lobegottes. Das weist, finde ich, auf eine sehr inspirierende Ausstrahlung hin, dass sie die Frauen dazu kriegt. Gleichzeitig erkennen wir bei ihr aber auch menschliche Schwächen. In einem vierten Buch Mose im zwölften Kapitel, da wird berichtet, wie sie ihre Kompetenzen dann auch mal überschreitet. Gemeinsam mit ihrem anderen Bruder Aron kritisiert sie in einer bestimmten Situation Mose, der das Volk aus der ägyptischen Versklavung geführt hat. Sie wirkt stolz, irgendwie auch verletzt oder eifersüchtig. Und sie hat eine Grenze überschritten und das führt dazu, dass sie mal für eine Woche isoliert wird. Kann man mal nachlesen, wie das passiert. Vierten Mose 12. Insgesamt aber zeichnet die Bibel Miriam als eine leidenschaftliche, mutige und geistliche Frau, die sowohl Führungsstärke als auch Fehlbarkeit aufweist und gerade dadurch eine bemerkenswerte Figur darstellt. Und bei Miriam, da ist es deswegen auch weniger eine Frage, die ich mitnehme, sondern vielmehr eine Bestätigung. Ja, genau mit solchen Leuten macht Gott Geschichte, genau mit solchen Leuten, mit Menschen, die gleichermaßen begabt wie begrenzt sind. Superhelden gibt es in der Bibel nicht kein einzigen, zeich mir ein, ich zeich dir, wo er das nicht mehr ist oder sie. Und auch in Gottes Gemeinde heute gibt es keine Superhelden. Ein letzter Blick auf die Königstochter, Pharaonentochter, Prinzessin, wie auch immer wir sie nennen. Sie nimmt das Kind nicht unwissend unter ihren Schutz. Sie weiß, dass es sich um ein Ebrea Kind handelt und sie weiß auch, warum es auf dem Niel schwimmt. Sie kennt die Gesetze ihres Vaters und trotzdem oder vielleicht sogar deswegen hat sie Mitleid und ihr Mitleid wert zur Tat. Durch ihre Aufmerksamkeit, ihr Mitleid und ihre Liebe erhält Mose die unglaubliche Gelegenheit, die ersten Jahre in seiner Hebräischen Familie zu verbringen und da seine eigenen Wurzeln kennen zu lernen. Und zum zweiten erhält er dann, als er später in den Palast kommt, am Königlichen Hof Macht, Einfluss, Bildung und lernt die Egyptische Kultur kennen. Beides, beides. Das Wissen um seine Herkunft aus dem Volk der Hebrea und all das, was man so an Wissen mitkriegen kann von den Ägyptern, was er dann später braucht, um das Volk Israel aus Ägypten zu führen. Er ist also bestens ausgebildet für diese Aufgabe, die Gott ihm zugedacht hat, nämlich eben diesen Exodus anzuleiten. Wenn der Pharao das alles durchschaut hätte, der hätte sicher getobt. Aber unbemerkt und ungehindert geschieht hier der verborgene Wille Gottes. Das ist Gottes Maßarbeit. Diese Gedanken, die führen mich nun zum Schluss meiner Betrachtung der Geschichte von der verhinderten Kreuzfahrt auf dem Nihl. Und an dieser Stelle möchte ich unseren Blick aus dem zweiten Buchmose herausholen und möchte eine breitere Perspektive aufzeigen. Gott hatte ja einst Jakobs Großvater Abraham verheißen, aus ihm ein großes und starkes Volk zu machen. Und Gott, der lässt sich auch nicht aufhalten. Durch einen Herrscher, der Angst vor genau diesem Volk hat, weil es in seinen Augen zahlreich und stark geworden sei. Gott kommt mit seinem Plan zum Ziel. In diesen Plan eingewoben ist Mose. In diesen Plan eingewoben ist das Volk Israel. Und in diesen Plan eingewoben ist der, der aus dem Volk Israel kommt und zum Retter aller Völker geworden ist, nämlich Jesus Christus. Den hat Gott schon da vor Augen am Nihl. Unser Bericht von Moses Geburt und seiner wunderbaren Errettung ist auch im Predigtplan der evangelischen Kirche in Deutschland enthalten, an die sich ja ebenfalls relativ viele frei kälte Gemeinden orientieren. Wisst ihr eigentlich, an welchem Tag im Kirchenjahr über diesen Text gepredigt wird? Machen wir wissen das, Leute. Am ersten Weihnachtstag, am ersten Weihnachtstag, der Tag also, der dem Heiligabend folgt, an dem die Geschichte von der Geburt Jesu im Mittelpunkt steht. So eng hat die Perikopemordnung diese beiden Ereignisse zusammengetan. Und diese beiden Geburtsgeschichten zeigen mit erstaunlichen Gemeinsamkeiten zum einen natürlich das Altes und Neues Testament zusammengehören. Aber wir sehen eben in beiden Geschichten auch wie Gott in mitten aller Bedrohung und Gefahren dieser Welt trotzdem immer wieder Wege zum Friedenbahn. Immer wieder. Und eben darum geht es ja nun auch im Kern der Weihnachtsbotschaft, auch wenn heute nicht Weihnachten ist, aber wir sind ganz nah dran durch eben die Verordnung im Perikopenplan normalerweise. Gott ist von Anfang an dabei. Dann kommt er aber in den Menschen Jesus selbst in unsere Welt. So verkommen die Welt inzwischen auch ist. Und durch das Leiden und die Auferweckung Jesu Christi rettet er, was schon verloren schien. Und das sind wir Menschen. Komme was und wer da wolle. Gott lässt uns Menschen nicht im Stich, sondern möchte uns auf den Weg bringen, der durch alle Gefährdu