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Katholisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Installation zweier neuer Domherren

ohne Namen · Bistum Chur – Predigten von Bischof Bonnemain · 2026-06-08 · Chur · Quelle

Gemeinschaft · Hauptbotschaft Demut · tragend

Die wahre Kathedrale ist nicht das Gebäude, sondern das durch Heiligkeit und Geschwisterlichkeit geeinte Herz der Gläubigen, das als lebendige Wohnung Gottes dient.

Auf Kathedralen kann er verzichten, auf unsere Herzen will er nicht verzichten. Vor allem dort beginnt der Gottesdienst.

Der Text beschreibt die liturgische Feier der Kathedralweihe und die Installation zweier neuer Domherren in Chur. Er betont, dass die Einweihung den Raum von der menschlichen Verfügungsfreiheit löst und ihn Gott übergeben wird. Die Installation der Domherren wird als Eingliederung in das lebendige Haus Gottes und nicht als bloße administrative Funktion verstanden. Mit Verweis auf Paulus wird das Amt als Ruf zur Heiligkeit und zur Geschwisterlichkeit definiert, die Individualismus ausschließt. Ein Anekdotenbeispiel eines Bischofs aus Kamerun illustriert, dass die eigentliche Kathedrale im Herzen und in der Gemeinschaft der Gläubigen liegt. Der Text fordert das Bistum zu einer spirituellen Erneuerung auf, um ein gemeinsames Zuhause Gottes zu bilden. Er schließt mit einem Gebet um Gottesverbundenheit und Heiligkeit für die neuen Amtsträger und die gesamte Gemeinde.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Feindschaft, Hass, Zerfall der Gemeinschaft
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit; innere Wandlung, Reue, Sinnesänderung
Was ist der Mensch nach diesem Text?
vor allem Teil einer Gemeinschaft oder Schöpfung
Wohin geht die Geschichte?
eine Wende, ein Kommen, eine neue Ordnung steht bevor (erschlossen)
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
den eigenen Glaubensgeschwistern
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

Eph 2,19-22

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
3 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
1 von 3
Zeitbezug
früher 1, jetzt 2, künftig 2

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Vesper Kathedralweihe und Installation Domherren Liebe neuernannte Domkapitulare Lieber Domprobst, lieber Domdekan, liebe Domherren Liebe Mitbrüder Liebe Gäste Liebe Schwestern und Brüder Die Feier des Weihetags einer Kirche bringt zum Ausdruck, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Versammlungsraum handelt, sondern um einen Ort des liturgischen Kultes, der Gottesverherrlichung, des Gebetes und der Gottverbundenheit. Die Einweihung entzieht den Raum der Verfügbarkeit der Menschen. Durch die Einweihung wird dieser Ort gleichsam Gott übergeben. Diese Bestimmungsverwandlung gilt in besonderer Weise für die Bistumskathedrale. Ihr Weihetag sollte den Gläubigen im Bistum zum Bewusstsein bringen, dass sie alle durch die Taufe Gott geweiht sind, berufen zu einer vertrauten und tiefen Gottesbeziehung und dass sie der eigenen Selbstverfügbarkeit entzogen sind. Sie sind Ort Gottes, geweihte Erde, Abbild und Kinder des göttlichen Vaters. Es ist heute eine besondere Freude für uns, dass zusammen mit dem Kirchweihfest die Amtseinsetzung zweier neuer Kanoniker stattfindet. Wir sprechen von der Installation der neuen Kapitulare, von der festen Einbindung in die Mutterkirche des Bistums. Dass die Domherren installiert werden, bedeutet nicht eine «Einschraubung» ins Gebäude, sondern in den, der durch die Einweihung – wie vorher erwähnt – die Mitte und Herr des kirchlichen Gebäudes geworden ist: Gott selber. Als lebendiges Haus des Herrn sind wir berufen, Glieder seines Leibes zu sein. Der hl. Paulus bringt diese Wirklichkeit in seinem Brief an die Gemeinde in Ephesus wunderbar zur Sprache: «Wir sind Mitbürger der Heiligen!» Das heisst: Verbundene und Nachahmerinnen und Nachahmer von jenen, die restlos ihr Leben und ihre Hingabe, ihr Opfer und ihren Einsatz Gott gewidmet haben. Irgendein Amt in der Kirche zu bekleiden, bedeutet weniger Ehre, als ein dringender Ruf nach Heiligkeit. Wir sind – sagt Paulus – «Gottes Hausgenossen» . Wir können nicht in Innerlichkeit und Heiligkeit wachsen, wenn wir nicht einen tiefen Sinn für Gemeinschaft und Geschwisterlichkeit haben. Das Haus Gottes ist kein Haus für Individualisten. Die Eingliederung in das Kathedralkapitel bedeutet nicht zuletzt, sich der brüderlichen Verbundenheit mit den anderen Domherren und mit dem ganzen Volk Gottes bewusster zu werde. Es handelt sich um den Tempel Gottes – lebendig durch und durch – gebildet aus lebendigen Steinen, der weiterwachsen soll. Im Amt installierte Domherren, Priester, Päpste, Bischöfe, Getaufte, alle sind berufen, lebendige Wohnung Gottes zu sein. Unsere Herzen sollten Orte sein, an denen sich Gott wohlfühlt. Auf Kathedralen kann er verzichten, auf unsere Herzen will er nicht verzichten. Vor allem dort beginnt der Gottesdienst. Ich werde einen Bischof aus Kamerun nicht vergessen, der mich letztes Jahr besuchte. Ich zeigte ihm die Kathedrale. Er war natürlich sehr beeindruckt und schätzte die ehrwürdige Geschichte der Kathedrale. Beim anschliessenden Mittagessen holte er sein Handy und zeigte mir ein Bild. Es war eine Wiese, umrahmt von Wald. Er erklärte mir: Das ist meine Kathedrale. Bis jetzt hatten sie keine Mittel, um eine eigentliche Kathedrale zu bauen. Dies hat mich sehr nachdenklich gemacht. Wie Paulus schreibt, sollten wir alle «im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut» werden. Das ganze Bistum, alle Gläubigen sollten einträchtig, zusammen eine Kathedrale, einen Ort des Herrn, ein Zuhause Gottes, offen für alle Menschen bilden. In dieser Hinsicht – würde ich meinen – dass unsere Diözese eine spirituelle Erneuerung braucht, das was der hl. Papst Paul VI. zum Ausdruck brachte, als er sagte: Die Welt braucht ein Supplement an Seele . Liebe Domherren, möge Gott euch anspornen, ein Beispiel von Gottesverbundenheit, Heiligkeit und Geschwisterlichkeit für unser Bistum zu sein. Möge Gott uns allen die Gnade schenken, in unserer Verbundenheit mit Christus zu wachsen, sodass die Gläubigen sich ihrerseits motiviert und inspiriert fühlen, ihre Verbundenheit mit dem Herrn zu vertiefen. Die Patronin unserer Kathedrale, die Mutter Gottes, Beschützerin unseres Domkapitels, ist durch ihre Heiligkeit Ansporn aller Generationen von Christinnen und Christen. Sie wird uns immer ermutigen, das zu tun, was Christus von uns erwartet. Amen Chur, 8. Juni 2026 Joseph Maria Bonnemain Bischof von Chur