Die islamische Mittelmäßigkeit ist keine Kompromisslösung, sondern eine erhabene göttliche Balance, die in der gegenwärtigen Zeit des Materialismus und Extremismus als rettender Anker für die Seele und die Gesellschaft dient.
Der Text ist eine islamische Predigt (Khutba) über das Konzept der 'Mittelmäßigkeit' (Wasatiyya) als zentralen Weg des Islam. Er beschreibt die Mitte als göttliche Balance zwischen Extremen wie Übertreibung und Nachlässigkeit, Materialismus und Extremismus. Der Prediger verweist auf Koranverse und Hadithe, um die Mitte in verschiedenen Lebensbereichen zu belegen: Glauben, Anbetung, Umgang mit dem Propheten, Gräberbesuch und gesellschaftlichem Engagement. Die aktuelle Zeit wird als von Lärm, Materialismus und extremistischem Denken geprägt dargestellt, in der die Mitte als 'Anker' und 'Rettungsring' dient. Konkrete Handlungsaufforderungen umfassen das Festhalten an Koran und Sunna, die Erziehung zu Gleichgewicht und das Zusammenrücken um religiöse Gelehrte und Herrscher. Der Text positioniert die mittlere Gruppe als Zeugen über die Menschen und warnt vor beiden Extremen, die der Satan nutzt.
Koran 1:6-7 · Koran 2:143 · Koran 42:11 · Koran 6:153 · Koran 33:56 · Hadith Muslim 867
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut auf Deutsch
Die Mitte: Ein Weg und ein Leben
Die erste Predigt
Gepriesen sei Allah, der Weise, der Allwissende, der Seine Scharia zu einem Licht für die Brusthöhlen und zu einer Ruhe für die Herzen in der Zeit der Unruhen und der Veränderungen gemacht hat. Und ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, dem Einzigen, dem es keinen Gleichgesinnten gibt, und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Sein Gesandter ist. Allah hat ihn als Barmherzigkeit für die Welten gesandt und als Wegweiser zu einem geraden Pfad. Möge Allah ihn segnen und Frieden und Segen auf ihn und auf seine Familie und seine Gefährten und auf diejenigen, die ihnen mit Güte folgen, bis zum Tag der Abrechnung senden. Was danach kommt: So fürchtet Allah, den Erhabenen, ihr Diener Allahs; denn Seine Gottesfurcht ist das beste Reisegepäck für den Tag Seiner Begegnung. Und wisset, dass die wahrste Rede das Buch Allahs ist, und das beste Vorbild das Vorbild Muhammads – möge Allah ihn segnen und Frieden auf ihn senden – ist, und das schlechteste der Dinge sind die Neuerungen, und jede Neuerung ist eine Bid'a, und jede Bid'a ist Irrtum, und jeder Irrtum ist im Feuer [1].
Ihr Geliebten in Allah: In unserer heutigen Zeit, in der das Lärm durcheinandergeht und die Gedanken aufeinanderprallen, und in der den Menschen Wellen des Übertreibens und des Verhärten hin- und herreißen, und in der die Seelen zwischen einem überhandnehmenden Materialismus und einem extremistischen Denken zerrissen werden, findet sich der Muslim in einem dringenden Bedürfnis nach einem „Anker", der ihn festigt, und einem Weg, der ihm Ruhe und Sicherheit schenkt. Dieser Weg ist der gerade Pfad, den wir Allah, den Erhabenen, bitten, uns jeden Tag zu lehren, nicht weniger als siebzehn Mal in unseren Gebeten; wenn wir die Fatiha lesen: „Leite uns den geraden Pfad, den Pfad derer, die Du begünstigt hast, nicht derer, über die Zorn gekommen ist, noch der Irregeleiteten" [Al-Fatiha: 6-7].
Die „Über die Zorn gekommen ist" sind die Leute des Übertreibens, die die Wahrheit kannten und sich darüber erhoben, und die „Irregeleiteten" sind die Leute des Nachlässigens, die ohne Wissen von der Wahrheit abgewichen sind. Und zwischen ihnen steht der Muslim in der Gegenwart des mittleren Weges.
Ihr Gläubigen: Diese Mittelmäßigkeit dieser Umma ist kein zusammengestoppelter Mittelweg und kein Nachgeben über die Konstanten hinweg, um die Menschen zufriedenzustellen, sondern sie ist eine erhabene Stellung und eine schöne göttliche Balance zwischen dem Geist und der Materie und zwischen dem Verstand und dem Gefühl. Allah, der Gepriesene, der Erhabene, sagt: „Und so haben Wir euch eine mittlere Gemeinde gemacht, damit ihr Zeugen über die Menschen seid" [Al-Baqara: 143]. Mittel in der Überzeugung und in der Scharia, mittel in den Sitten und im Verhalten, mittel im Umgang mit der Diesseitigkeit und der Jenseitigkeit.
Der Imam Ibn al-Qayyim – möge Allah ihn barmherzig sein – sagt in einer bemerkenswerten gläubigen Bemerkung: „So ist die Religion Allahs mittel zwischen dem, der in ihr übertreibt, und dem, der von ihr abgewichen ist, und die besten der Menschen sind die mittlere Gruppe, die sich über das Versagen der Nachlässigen erhoben haben und nicht dem Übertreiben der Übertreiber nachgefolgt sind" [2].
So im Kapitel der Namen und Eigenschaften:
Sie bezeugen Allah, was Er für Sich selbst bezeugt hat, ohne Verzerren und ohne Leugnen, und ohne Bestimmen und ohne Vergleichen; ihre Gewissheit über ihren Herrn ist, dass Er ist: „Nichts ist Ihm gleich, und Er ist der Hörende, der Sehende" [Asch-Schura: 11].
Und im Kapitel der Liebe zum Propheten, möge Allah ihn segnen und Frieden auf ihn senden:
Sie lieben ihn mehr als sich selbst und ihre Familien und ihr Vermögen; denn ihre Liebe zu ihm ist Gehorsam und Nachfolge, ohne Übertreiben, das ihn aus seiner Menschlichkeit herausbringt, und ohne Verhärten, das von seinem Rang mindert – auf ihn sei der Segen und der Friede.
Und im Kapitel der Gräber und ihres Besuchs: Sie nehmen die Stellung des prophetischen Vorbildes ein; sie beten sie nicht an und sie rufen nicht ihre Bewohner an außer Allah, und zur selben Zeit erniedrigen sie sie nicht, sondern sie besuchen sie zur Erinnerung an die Jenseitigkeit und zum Bittgebet für die Toten um Barmherzigkeit.
Und im Kapitel des Glaubens und des Werkes: Sie glauben, dass der Glaube Rede und Werk ist; so erklären sie den Muslim nicht wegen der Sünde zum Ungläubigen, wie es die Khawarij taten, und sie machen die Sünden nicht gering und lassen das Werk fallen, wie es die Murdschia aufhob.
Und im Kapitel des Befehlens zum Rechtmaßigen und des Verbietens des Verwerflichen: Sie gehen mit Weisheit und guter Ermahnung voran; so halten sie die Blutvergießung nicht für zulässig und erheben sich nicht gegen die Herrscher der Angelegenheiten, wie es die Leute der Unruhetun, und sie bleiben nicht zurück oder werden träge bei der Ermahnung der Gesellschaft und der Verbreitung des Guten in ihr.
Und in den Anbetungen und im Leben: Sie trennen sich nicht von der Diesseitigkeit im Namen der neu eingeführten Askese, und sie versinken nicht im Schlamm des Materiellen und der Begierden, sondern sie verbinden die Bewirtschaftung der Erde mit der Ruhe im Gebetsraum.
Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem verjagten Satan: „Und dass dies Mein gerader Weg ist, so folgt ihm und folgt nicht den Pfaden, die euch von Seinem Weg trennen. Das hat Er euch geboten, auf dass ihr euch fürchtet." [Al-An'am: 153]. Möge Allah mir und euch in der großen Qur'an segnen und mich und euch mit dem, was in ihm an Versen und weisem Gedenken ist, nützen. Ich sage meine Worte und bitte Allah um Vergebung für mich und euch und für die übrigen Muslime von jeder Sünde, so bittet ihr Ihn um Vergebung, denn Er ist der Vergebende, der Barmherzige.
Die zweite Predigt
Das Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten, und das Gebet und der Friede seien auf unserem Propheten Muhammad, dem Gesandten als Barmherzigkeit für die Welten, und auf seiner Familie und seinen Gefährten, allen. Was danach kommt: So fürchtet Allah, ihr Knechte Allahs!
Und wisset, dass unser Bedarf an der Mitte heute kein geistiger Luxus ist, sondern ein Rettungsring für unsere Seelen, unsere Kinder und unsere Gesellschaften; denn der Satan lauert dem Menschen auf, und es ist ihm gleichgültig, auf welchem der beiden Wege er ihn trifft. Der Imam al-Awza'i – möge Allah ihn barmherzig sein – sagte: „Es gibt keine Sache, zu der Allah befohlen hat, außer dass der Satan darin zwei Stiche hat: entweder zum Übermaß oder zum Mangel, und es ist ihm gleichgültig, mit welchem er Erfolg hat." [3]
Und unser Prophet – möge Allah ihn segnen und Frieden über ihn senden – hat uns vor diesen beiden Wegen gewarnt und sagte: „Das Maßvolle, das Maßvolle, so werdet ihr es erreichen." [4]
Ihr Geliebten in Allah: Wie leben wir diese gesegnete Mitte an unserem heutigen Tag?
Erstens: Durch das Festhalten an der ersten Leuchte: Dass wir unsere Herzen und unser Leben mit dem edlen Qur'an und der prophetischen Sunna verbinden; denn sie sind die feste Festung gegen den Übermut des Materiellen und die Hitzewellen der abgewichenen Ideen.
Zweitens: Durch das Bewusstsein und die Weisheit: Dass wir uns selbst, unsere Söhne und unsere Töchter auf das Gleichgewicht erziehen; so dass es weder ein Übermaß gibt, das den Extremismus und die Gewalt vererbt, noch ein Mangel, der die Identität und die Sitten vor der Flut der Verwerflichkeiten fallen lässt.
Drittens: Durch das Zusammenrücken um die Führung und die fest verwurzelten Gelehrten: Dass wir hinter denen gehen, die den umfassenden Blick und das tiefe Fiqh besitzen, und dass wir dem Gehorsam gegenüber den Herrschern im Rechtmaßigen nachkommen, zur Wahrung der Sicherheit, zur Sammlung des Wortes und zur Bewahrung der Gesellschaft vor Zersplitterung und Chaos.
Dann betet und segnet den Gesandten als Barmherzigkeit für die Welten, denn euer Herr hat euch befohlen und gesagt: „Allah und Seine Engel senden Segen auf den Propheten. O ihr, die ihr glaubt, sendet ihr auch Segen auf ihn und grüßt ihn mit Frieden." [Al-Ahzab: 56].
O Allah, führe uns Deinen geraden Weg, den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, von den Propheten, den Wahrhaftigen, den Märtyrern und den Frommen. O Allah, erhöhe den Islam und die Muslime, und bewahre unser Vaterland und unsere Herrscher, und führe unsere Jugend und unsere jungen Frauen, und mache uns zu Wegweisern, die geführt werden, nicht zu Irregeleiteten und nicht zu Irreführenden.
[1] Die Predigt der Notwendigkeit: Muslim hat sie in seinem Sahih mit der Nummer (867) aus dem Hadith von Dschabir ibn Abdullah – möge Allah mit beiden zufrieden sein – überliefert.