Liberal · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen
Claiming Zionism
ohne Namen ·
Central Synagogue New York - Predigten ·
2026-09-21
· New York
· Quelle
Gemeinschaft · Hauptbotschaft
Gerechtigkeit · tragend
Verantwortung · tragend
Zionismus ist das fundamentale Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung in seiner Heimat, das unabhängig von politischen Regierungen gilt und die Würde aller Bewohner des Landes einschließen muss.
Der Zionismus, einfach ausgedrückt, ist die Überzeugung, dass das jüdische Volk das Recht auf Selbstbestimmung in seiner Heimat hat.
Die Predigt von Rabbinerin Angela Buchdahl am Jom Kippur 5787 thematisiert die historische Entwicklung des jüdischen Selbstverständnisses in Amerika und die Entstehung des Zionismus als Antwort auf europäische Verfolgung. Sie definiert Zionismus nicht als Unterstützung einer spezifischen Regierung, sondern als das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung in seiner Heimat. Buchdahl argumentiert, dass der Zionismus älter und größer ist als politische Fehler oder extremistische Akteure, und ermutigt Juden, die sich nicht als Zionisten bezeichnen, diesen Begriff wieder in Besitz zu nehmen. Sie betont, dass wahre jüdische Werte auch die Würde und Sicherheit der Palästinenser einschließen müssen. Der Text ruft dazu auf, die Bindung an das jüdische Volk und den Staat Israel als Ausdruck von Freiheit und Verantwortung zu verstehen, ohne dabei die Forderung nach Frieden und Gerechtigkeit zu vernachlässigen.
- Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
-
Bedrängnis der eigenen Gemeinschaft von außen
- Wo sitzt das Übel?
-
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
- Was hilft dagegen?
-
gerechte gesellschaftliche oder politische Verhältnisse; Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit
- Was ist der Mensch nach diesem Text?
-
vor allem Teil einer Gemeinschaft oder Schöpfung
- Wohin geht die Geschichte?
-
es wird besser, Entwicklung zum Guten
- Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
-
auf eigenes Erleben, Zeugnis, Begegnung; auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis
- Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
-
den eigenen Glaubensgeschwistern
- Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
-
ausdrücklich auf beide
Verwandte Texte aus anderen Traditionen
nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition
Wozu der Text aufruft
- Den Begriff Zionismus als Recht auf Selbstbestimmung anerkennen (innerlich)
- Sich für die Würde und Sicherheit aller im Land einsetzen (gesellschaftlich)
Gemessen
- Grundhaltung
- 1 von -2 bis 2
- Eindringlichkeit
- 2 von 3
- Reichweite
- 3 von 5
- Konkretheit
- 2 von 3
- Abgrenzung
- 1 von 3
- Zeitbezug
- früher 2, jetzt 3, künftig 2
Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut auf Deutsch
Transkript
Rabbiner Buchdahl lädt uns ein, weiter mit den in dieser Predigt aufgeworfenen Fragen zu ringen. Erkunden Sie Ressourcen und Möglichkeiten für weitere Lernprozesse.
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ZIONISMUS IN ANSPRUCH NEHMEN
Jom Kippur 5787
Rabbinerin Angela Buchdahl
Erinnern Sie sich, dass ich am Rosch haSchana über meinen Vorgänger, Rabbiner Alexander Kohut, sprach? Er war der renommierte europäische Gelehrte, der 1885 seine erste Predigt hier hielt und mit dem Gomel-Gebet begann, in dem er Gott dafür dankte, ihn sicher nach Amerika, in dieses Gelobte Land, gebracht zu haben.
Ich muss Ihnen erzählen, wie der Rest dieser Predigt verlief.
Unser neuer deutschsprachiger Rabbiner warnte unsere Gemeinde anschließend vor den Veränderungen, die er im amerikanischen Judentum geschehen sah und die unsere Verbindung zum jüdischen Volk als Ganzes bedrohten.
Zwei Jahre zuvor, als das Hebrew Union College seine erste Klasse von in Amerika ausgebildeten reformierten Rabbinern ordinierte, umfasste sein Festbankett Weiche Krabben und Shrimpsalat – das berüchtigte Treyfa-Bankett. Es war eine provokante Erklärung, dass amerikanische Juden nicht länger durch archaische Gesetze gebunden seien, die uns von unseren Nachbarn trennten.
Kohut warnte, dass das Verwerfen der Tradition das Judentum zu einem Skelett machen würde – „ohne Geist und Herz“. Wenn jeder Jude einfach auswählen könnte, welche Regeln er befolgt, was würde uns dann als Volk zusammenhalten?
Kohut veranschaulichte seinen Punkt mit einer berühmten midraschischen Gleichnis: Eine Gruppe von Menschen reist zusammen auf einem Schiff, als ein Passagier beginnt, unter seinem Sitz ein Loch zu bohren. Die anderen rufen: „Was tust du da?“ Er erwidert: „Warum geht das euch an? Ich bohre nur unter meinem Sitz.“
Kohuts Predacht löste Schockwellen in der jüdischen Gemeinschaft aus. Am nächsten Schabbat antwortete Rabbiner Kaufmann Kohler, die führende Stimme des radikalen Reformjudentums, von seiner eigenen Kanzel aus, nur acht Blocks stadtaufwärts, mit der Argumentation: „Das Judentum ist ein lebendiger Glaube, keine Religion, die in toten Buchstaben gefangen ist.“
Wochenlang hielten die beiden Rabbiner Predigten vor vollen Kirchenbänken. Die Kohut-Kohler-Debatten erreichten sogar die Titelseite der New York Times.
Später in diesem Jahr half Kohler bei der Ausarbeitung der Pittsburgh Platform, die die Prinzipien eines neuen amerikanischen Reformjudentums definierte. Ihre folgenreichste Aussage betraf weder die Kaschrut noch die rituelle Kleidung, sondern das Volkstum (Peoplehood), und erklärte: „Wir betrachten uns nicht länger als Nation, sondern als religiöse Gemeinschaft.“
Amerika hatte den Juden ein radikales Versprechen gemacht: Man konnte vollständig jüdisch und vollständig amerikanisch sein. Mit Amerika – dankbar – als unserer neuen Nation konnte das Judentum einfach unsere Religion sein – wie unsere protestantischen Nachbarn, die um die Ecke wohnen. Es war befreiend. Aber es amputierte auch einen Teil der jüdischen Identität, der seit Tausenden von Jahren wesentlich gewesen war.
Natürlich ist das Judentum eine religiöse Praxis, aber seit Jahrhunderten war es auch unser Gesetz und unser Kalender, unsere Sprache und unsere Literatur. Die jüdische Identität zieht sich durch die Art, wie wir sprechen – und streiten, die Witze, die wir erzählen. Und in diesem unerklärlichen Sog, wenn etwas mit einem Juden passiert, den wir nie getroffen haben, an einem weit entfernten Ort, spüren wir irgendwie, dass es uns passiert ist.
Der Philosoph des 20. Jahrhunderts, Martin Buber, verstand, warum. Die meisten Religionen, bemerkte er, beginnen mit einer individuellen Offenbarung: Ein Prophet oder spiritueller Lehrer hat eine Begegnung und teilt sie mit anderen.
Aber die definierende religiöse Begegnung des Judentums ist anders. Am Sinai geschieht die Offenbarung für ein ganzes Volk. Buber schrieb: „In der Stunde des Glaubens wird die Gruppe zu einer Nation. Nur als Nation kann es hören, was es zu hören bestimmt ist.“ Jüdischer Glaube und Volkstum können nicht voneinander getrennt werden.
Aber wir versuchten es weiterhin. Die Moderne verlangte von uns, ein Kästchen anzuhaken: Religion? Rasse? Nationalität? Was sind wir?
Die Autorin Dara Horn gibt die beste Antwort, die ich je gehört habe: Sie sagt: „Es ist nicht kompliziert, es ist nur alt. Juden sind eine beitretbare Stammesgruppe mit einer gemeinsamen Geschichte, Heimat und Kultur. Das ist ein ganzer Satz im Englischen. Aber im Hebräischen sind es nur zwei Buchstaben: Am. Wir sind Am Jisrael. Das Volk Israel.“
Und rund um die Wende zum 20. Jahrhundert, gerade als die reformjüdischen Juden ihren Anspruch auf die jüdische Nation lockerten, sagte Europa unseren jüdischen Brüdern: Nicht so schnell.
Pogrome fegten durch das Russische Reich. Politische Bewegungen in Deutschland forderten die Rücknahme jüdischer Rechte. Wien, die glitzernde Hauptstadt der europäischen Kultur, wählte einen offen antisemitischen Bürgermeister. Und in Frankreich entdeckte Alfred Dreyfus – ein Franzose nach Geburt, Sprache und Militärdienst –, dass er für seine Ankläger einfach ein Jude war.
Europa stellte weiterhin die sogenannte „jüdische Frage“. Was tun mit den Juden? Konnten sie sich genug assimilieren, um dazuzugehören? Oder würden sie in den Ländern, die sie als Heimat bezeichneten, immer Fremde bleiben?
Jüdische Führer begannen, eine andere Frage zu stellen: Wie können wir unsere Zukunft in unsere eigenen Hände nehmen? Verschiedene Juden gaben radikal unterschiedliche Antworten. Ihre Antworten wurden als Zionismus bezeichnet.
Der politische Zionist Theodor Herzl fragte: Wie retten wir die Juden? Seine Antwort war Souveränität: Die Juden konnten nicht länger von der Toleranz anderer Nationen für ihre Sicherheit abhängen.
Der kulturelle Zionist Achad Ha’am widersprach: Was nützt es, die Juden zu retten, wenn wir es versäumen, das Judentum zu retten? Seine Antwort war kulturelle Erneuerung: ein hebräisches geistliches und kulturelles Zentrum, das das jüdische Leben überall erneuern konnte.
Der arbeitszionistische Zionist A.D. Gordon stellte die Frage weiter: Aber zu welcher Art von Juden versuchen wir zu werden? Seine Antwort war durch Arbeit: Die Juden würden wieder Wurzeln schlagen, indem sie den Boden bearbeiteten und nicht nur eine Heimat, sondern auch sich selbst neu schufen.
Der religiöse Zionist Rav Kook fragte: Wie kann diese nationale Wiedergeburt auch eine geistliche Wiedergeburt sein? Seine Antwort war Erlösung: Durch den Wiederaufbau des jüdischen nationalen Lebens konnten sogar säkulare Pioniere an einem heiligen Prozess teilnehmen, der größer war, als sie es verstanden.
Es gab nie nur einen Zionismus. Und es gibt ihn auch heute noch nicht. Die frühen Zionisten stritten über jeden Aspekt des Staates, den sie zu bauen hofften. Der Zionismus war eine Familienstreitigkeit darüber, wie ein uraltes Volk die Verantwortung für seine eigene Zukunft übernimmt.
Der Journalist Haviv Rettig Gur hat den Zionismus als „Rettungsprojekt“ definiert. Denn unter all diesen konkurrierenden Visionen lag eine dringliche Überzeugung: Es muss irgendwo auf der Welt einen Ort geben, an dem wir die Erlaubnis einer anderen Nation nicht brauchen, um als Juden zu leben.
Der Holocaust machte dieses Bedürfnis unbestreitbar. Selbst nachdem die Welt die Vernichtungsmaschinerie der Nazis miterlebt hatte, litten Hunderttausende Überlebende in Lagern für Vertriebene, weil die meisten Nationen es weiterhin ablehnten, uns aufzunehmen.
Später wurden mehr als 800.000 Juden aus arabischen und muslimischen Ländern wie Irak, Libyen und Iran vertrieben, wodurch jüdische Gemeinschaften ausgelöscht wurden, die seit Tausenden von Jahren bestanden hatten. Und in den 1990er Jahren nahm Israel über eine Million Juden auf, die vor Verfolgung in der ehemaligen Sowjetunion flohen, sowie Zehntausende äthiopische Juden, die vor Hungersnot und Bürgerkrieg flohen.
Nach der Gründung des Staates Israel musste das jüdische Überleben nie wieder davon abhängen, ob jemand anderes die Tür öffnete.
Und das bringt mich zu einem Rettungsprojekt für unsere Generation. Ich möchte das Wort „Zionismus“ retten.
Eine Umfrage der Jewish Federation zu Beginn dieses Jahres hat meine Aufmerksamkeit erregt: Neun von zehn amerikanischen Juden glauben, dass Israel das Recht hat, als jüdischer und demokratischer Staat zu existieren. 9 von 10. Aber nur ein Drittel von uns würde sich selbst als Zionisten bezeichnen. Warum ist das wichtig? Weil es, wenn eine Mehrheit der Juden den Namen „Zionist“ ablehnt, geradezu verschleiert, wie selbstverständlich die Unterstützung für einen jüdischen Staat und die Bindung an die jüdische Völkerschaft unter den Juden ist.
Der Zionismus, einfach ausgedrückt, ist die Überzeugung, dass das jüdische Volk das Recht auf Selbstbestimmung in seiner Heimat hat.
Wenn Sie glauben, dass Israel als jüdischer Staat existieren sollte, stehen Sie bereits innerhalb des zionistischen Arguments.
Lassen Sie mich Ihnen sagen, warum ich Zionist bin.
Für mich – Zionismus ist das, was möglich wird, wenn das jüdische Volk sein eigenes Leben vollständig gestalten kann: In Israel leben Juden nicht nur von Januar bis Dezember, sondern von Nisan bis Adar, von Rosch haSchana bis Tischa BeAv. Kinder bestellen Eis in der Sprache unserer Propheten. Juden haben erstaunliche Universitäten und Krankenhäuser errichtet, in denen jüdische und palästinensische Bürger Seite an Seite studieren und gemeinsam Leben retten. Ingenieure lassen die Wüste blühen, Tropfen für Tropfen. Und wir leben wieder im Land, in das Juden im Exil seit zweitausend Jahren ihre Gebete gerichtet haben.
Mit dieser Rückkehr kommt Verantwortung: eine Gesellschaft aufzubauen, die unseren tiefsten jüdischen Werten würdig ist und stets nach Frieden strebt.
Und weil ich weiß, wie wesentlich Sicherheit und Selbstbestimmung für mein Volk sind, kann mein Zionismus diese gleichen grundlegenden Rechte nicht einem anderen Volk verwehren. Auch Palästinenser müssen in ihrem Land mit Würde, Sicherheit und Freiheit leben. Das ist ebenfalls mein Zionismus.
Heute wende ich mich nicht an die einen von zehn Juden, die die Idee eines jüdischen Staates grundsätzlich ablehnen. Obwohl meine Tür und diese Synagoge für euch offen bleiben. Ich spreche zur Mehrheit der Juden, die an den jüdischen Staat glauben – aber den Namen Zionismus ablehnen.
Und ihr habt mir gesagt, warum.
Ihr habt gesagt: Ich möchte mich nicht Zionist nennen, weil ich die Behandlung der Palästinenser durch die israelische Regierung und das Militär nicht unterstützen kann.
Aber der Zionismus ist älter und größer als jede Regierung. Widerspruch – ja sogar Verachtung – gegenüber einem israelischen Führer oder einer Politik macht euch nicht zum Außenseiter des Zionismus; er stellt euch vielmehr neben Israelis, die seit Jahren die Straßen füllen und aus ihrem Zionismus heraus gegen ihre eigene Regierung protestieren.
Ihr habt gesagt: Ich schäme mich für israelische Extremisten, die Verbrechen im Namen des religiösen Zionismus begehen.
Aber wir alle sollten von der Gewalt extremistischer Siedler entsetzt sein. Niemand sollte sich in dasselbe Lager stellen wie rassistische Minister, die diese Hillul HaSchem – diese Entweihung – entschuldigen oder ermöglichen. Hunderte prominente Zionisten – ehemalige Premierminister, Generäle der IDF sowie Leiter des Mossad und des Schin Bet – haben den „jüdischen Terrorismus“ verurteilt und ein Ende der Gewalt und Vertreibung im Westjordanland gefordert.
Ihr habt gesagt: „Zionismus“ ist zu einer Beleidigung geworden – „Sie ist eine ‚Zionistin‘.“ Eine Kurzformel für Kolonialismus, Rassismus, Apartheid, ja sogar Völkermord. Aber diese Wörter haben eine Geschichte. In den 1960er-Jahren formulierte die sowjetische Propaganda die jüdische nationale Befreiungsbewegung bewusst als kolonialistisches und imperialistisches Projekt um, während sie den Antizionismus nutzte, um sowjetische Juden zu unterdrücken. Sogar die Unterstützung einer UN-Resolution von 1975, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzte. Die Bezeichnung „Zionist“ wird seit mehr als einem halben Jahrhundert gegen Juden als Waffe eingesetzt.
Wir können eine große jüdische Idee nicht auf die Politik des Augenblicks reduzieren. Wie der britische Schriftsteller Howard Jacobson sagt: „Zionismus ist kein Land oder ein Regierungssystem. Zionismus ist der Ausdruck der Seele eines Volkes: Er ist ein Verlangen und eine Notwendigkeit, eine utopische Fantasie, ein Verständnis der Geschichte, eine Lösung, ein Akt des Nachdenkens, ein Akt der Verzweiflung, ein Gebet, ein Gedicht und ein Lied.“
Seit wann lassen wir Juden andere für uns benennen?
Wenn wir den Namen Zionismus ablehnen, weil andere ihn beschmutzt haben, oder weil manche ihn mit ihrer Gewalt befleckt haben, übergeben wir das Wort seinen fanatischsten Anhängern und seinen feindlichsten Gegnern.
Wir verlassen die Zionisten, die jeden Tag für ein gerechteres, sicheres und friedliches Israel für all seine Bewohner arbeiten. Und wir übergeben ein Wort, das seit Generationen die Träume, Opfer und Hoffnungen des Am Jisrael getragen hat.
Einer unserer jungen zentralen Mitglieder verbrachte das letzte Jahr in Israel. Er sagte, seine Zeit dort habe sowohl seine Liebe zum israelischen Volk als auch seine Abscheu gegen die aktuelle Regierung verstärkt. Er ist nicht der Typ, der an Protesten teilnimmt. Aber an Freitagen fuhr er in den Westjordanland, um palästinensische Hirten und Bauern zu begleiten, damit sie mit weniger Angst vor Belästigung oder Gewalt durch Siedler arbeiten konnten. Israelische Gruppen nannten dies „schützende Präsenz“. Dieser junge Mann nannte es seinen Zionismus.
Ich möchte insbesondere, dass die nächste Generation weiß, dass es bedeutet, Zionismus zu behaupten, an die jüdische Souveränität zu glauben und darauf zu bestehen, dass diese nicht von den moralischen Forderungen unserer Tradition befreit ist. Es bedeutet, klar zu sehen, wo Israel ein Leuchtturm und ein Segen gewesen ist. Und wo es versagt hat, seinen Werten gerecht zu werden – wie sie in seiner eigenen Unabhängigkeitserklärung festgehalten sind: „Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden“ und gleiche Rechte für alle seine Bürger.
Wenn wir unserem Versprechen nicht gerecht werden – wie es jeder Mensch und jede Nation tut –, so ist die jüdische Antwort nicht der Verzicht. Es ist Teshuvah. Eine Rückkehr zu dem, was wir sein sollen.
Das ist es, was Jom Kippur von uns verlangt. Teshuvah erfordert eine ehrliche Abrechnung und Veränderung. Aber das Ziel von Teshuvah ist nicht die Scham. Teshuvah ist im Wesentlichen ein Akt der Hoffnung – die Hoffnung der Rückkehr.
Als die Israeliten im 6. Jahrhundert v. Chr. nach ihrem Exil erstmals nach Jerusalem zurückkehrten, sangen sie: „Shir Hama’alot b’shuv Adonai et shivat Tzion, hayinu k’cholmim“ – „Wenn Gott uns nach Zion zurückbrachte, waren wir wie Träumer.“ Sie konnten es nicht glauben. Sie lebten in dem, was einst unmöglich schien. Der Zionismus hat immer diese Art von Vorstellungskraft erfordert.
Theodor Herzl sah ein zerstreutes, verwundbares Volk und stellte sich vor, wie wir wieder souverän in unserer Heimat des Urvolkes sind, und sagte: „Im tirtzu, ein zo aggadah.“ „Wenn ihr es wollt, ist es kein Märchen.“ Weniger als ein halbes Jahrhundert später wurde der Staat Israel geboren. Unmöglich. Bis es geschah.
Und nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 betrachteten Israelis Ägypten als ihren gefährlichsten Feind, und die große Mehrheit der Israelis glaubte nicht, dass Frieden möglich sei. Doch bald darauf wurde Israels mächtigster Gegner der erste arabische Staat, der Frieden schloss. Unmöglich. Bis es geschah.
Und in jüngerer Erinnerung, nach 738 Tagen der Verzweiflung und der Angst, dass wir nie jeden Geiseln aus Gaza zurückbekommen würden, kehrten am Simchat-Tora-Feiertag – 2 Jahre nach ihrer Entführung – alle noch lebenden Geiseln heim. Ein Wunder, ermöglicht durch die unermüdliche Arbeit so vieler und die Gebete von Am Yisrael auf der ganzen Welt. Unmöglich. Bis es geschah.
Im tirtzu, ein zo aggadah.
Wenn ihr es wollt, ist es kein Märchen.
Es gibt immer noch so viel, was sich in Israel gerade unmöglich anfühlt. Aber wenn uns unsere Geschichte etwas lehrt, dann ist es, das, was noch kommen wird, nicht zu unterschätzen – oder unsere Verantwortung, dabei mitzuwirken, es zu gestalten.
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Rabbi Kohut diente dieser Gemeinde um die Geburt der modernen zionistischen Bewegung. Seine Botschaft an uns im Jahr 1885 ist heute nicht weniger wahr: Wir Juden sitzen im selben Boot.
Die Hälfte der Juden der Welt lebt im Staat Israel. Kein Jude sollte je sagen: „Warum sollte mich das interessieren? Das Loch ist nur unter ihrem Sitz.“
Wir können uns nicht vom wichtigsten souveränen Projekt des jüdischen Volkes abwenden. Wir müssen den Namen „Zionist“ stolz beanspruchen – und unseren Platz in der sich entfaltenden Geschichte von Am Yisrael einnehmen.
Wortlaut im Original
Transcript
Rabbi Buchdahl invites us to continue wrestling with the questions raised in this sermon. E xplore resources and opportunities for further learning .
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CLAIMING ZIONISM
Yom Kippur 5787
Rabbi Angela Buchdahl
Do you remember on Rosh Hashanah I spoke about my predecessor Rabbi Alexander Kohut? He was the renowned European scholar who gave his first sermon here in 1885, and began with the Gomel prayer, thanking God for bringing him safely to America, to this Promised Land.
I need to tell you how the rest of that sermon went down.
Our new German-speaking rabbi proceeded to warn our congregation about the changes he saw happening in American Judaism that threatened our connection to the Jewish people as a whole.
Two years earlier, when Hebrew Union College ordained its first class of American-trained Reform rabbis, its celebratory dinner included soft-shell crabs and shrimp salad — the infamous Treyfa Banquet. It was a provocative declaration that American Jews were no longer bound by archaic laws that separated us from our neighbors.
Kohut cautioned that discarding tradition would leave Judaism a skeleton — "without spirit and heart." If every Jew could simply pick and choose which rules to follow, what would hold us together as a people?
Kohut illustrated his point with a famous midrashic parable: A group of people are traveling together on a ship when one passenger begins drilling a hole beneath his seat. The others cry out, "What are you doing?" He replies, "Why do you care? I'm only drilling under my
seat."
Kohut’s sermon sent shockwaves through the Jewish community. The next Shabbat, Rabbi Kaufmann Kohler, the leading voice of radical Reform, answered from his own pulpit, just eight blocks uptown, arguing: “Judaism is a living faith, not a religion confined to dead letters.”
For weeks, the two rabbis traded sermons before packed pews. The Kohut-Kohler debates even made the front page of The New York Times.
Later that year, Kohler helped author the Pittsburgh Platform, defining the principles of a new American Reform Judaism. Its most consequential statement was not about kashrut or ritual garb, but Peoplehood , declaring: "We consider ourselves no longer a nation, but a religious community."
America had offered Jews a radical promise: you could be fully Jewish and
fully American. With America — gratefully
— as our new nation, Judaism could just be
our religion — like our Protestant neighbor, down the street. It was liberating. But it also amputated a part of Jewish identity that had been essential for thousands of years.
Of course Judaism is a religious practice, but for centuries it was also our law and calendar, our language and literature. Jewish identity runs through how we speak — and argue, the jokes we tell. And in that inexplicable pull that when something happens to a Jew we have never met, in a place far away, we somehow feel it happened to us .
The 20th century philosopher Martin Buber understood why. Most religions, he noted, begin with an individual revelation: a prophet or spiritual teacher, has an encounter and shares it with others.
But Judaism's defining religious encounter is different. At Sinai, revelation happens to an entire people. Buber wrote: “In the hour of faith , the group becomes a nation. Only as a nation can it hear what it is destined to hear.” Jewish faith and peoplehood cannot be pulled apart.
But we kept trying. Modernity asked us to check a box: Religion? Race? Nationality? What are we?
The author Dara Horn gives the best answer I’ve heard: She says: "It's not complicated, it's just old. Jews are a joinable tribal group with a shared history, homeland and culture. That’s a whole sentence in English. But in Hebrew, it’s just two letters: Am . We are Am Yisrael . The people Israel.”
And around the turn of the 20th century, just as Reform Jews were loosening their claim on Jewish nationhood, Europe told our Jewish brethren: Not so fast.
Pogroms swept the Russian Empire. Political movements in Germany demanded the rollback of Jewish rights. Vienna, the glittering capital of European culture, elected an openly antisemitic mayor. And in France, Alfred Dreyfus — a Frenchman by birth, language and military service — discovered that to his accusers, he was simply a Jew.
Europe kept asking what was called: “the Jewish question.” What to do with the Jews? Could they assimilate enough to belong? Or would they always remain strangers in the countries they called home?
Jewish leaders began asking a different question: How can we take our future into our own hands? Different Jews gave radically different answers. Their answers came to be called Zionism .
The political Zionist, Theodor Herzl, asked: How do we save the Jews? His answer was sovereignty: Jews could no longer depend on the tolerance of other nations for our safety.
The cultural Zionist, Ahad Ha'am, pushed back: What good is saving the Jews if we fail to save Judaism? His answer was cultural renewal: a Hebrew spiritual and cultural center that could renew Jewish life everywhere.
The labor Zionist, A.D. Gordon, pushed the question further: But what kind of Jews are we trying to become? His answer was through labor: Jews would become rooted again by working the soil, remaking not only a homeland, but ourselves.
The religious Zionist, Rav Kook, asked: How can this national rebirth also be a spiritual rebirth? His answer was redemption: by rebuilding Jewish national life, even secular pioneers could participate in a sacred process larger than they understood.
There was never just one Zionism . And there still isn’t today. Early Zionists disagreed about every aspect of the state they hoped to build. Zionism was a family argument about how an ancient people takes responsibility for our own future.
Journalist Haviv Rettig Gur has defined Zionism as a “rescue project.” Because underlying all of those competing visions, was one urgent conviction: There has to be somewhere in the world here we do not need another nation’s permission to live as Jews.
The Holocaust made that need undeniable. Even after the world witnessed the Nazis’ machinery of extermination, hundreds of thousands of survivors languished in displaced-persons camps because most nations still refused to take us in.
Later, more than 800,000 Jews were expelled from Arab and Muslim countries such as Iraq, Libya and Iran, erasing Jewish communities that had endured for thousands of years. And in the 1990s, Israel took in over a million Jews fleeing persecution in the former Soviet Union, and tens of thousands of Ethiopian Jews escaping famine and civil war.
After the founding of the State of Israel, Jewish survival never again had to depend on whether someone else
opened the door.
And that brings me to a rescue project for our generation. I want to rescue the word ‘Zionism.’
A Jewish Federation survey earlier this year grabbed my attention: Nine out of ten American Jews believe Israel has the right to exist as a Jewish and democratic state. 9 out of 10. But only a third of us would call ourselves Zionists. Why does that matter? Because when a majority of Jews reject the name “Zionist,” it obscures just how mainstream support for a Jewish state and attachment to Jewish peoplehood is for Jews.
Zionism, simply put, is the belief that the Jewish people have the right to self-determination in our ancestral homeland.
If you believe Israel should exist as a Jewish state you are already standing inside the Zionist argument.
Let me tell you why I am a Zionist.
To me – Zionism is what becomes possible when the Jewish people can fully shape our own lives: In Israel, Jews live not only from January to December, but from Nisan to Adar, from Rosh Hashanah to Tisha B’Av. Children order ice cream in the language of our prophets. Jews have built amazing universities and hospitals, where Jewish and Palestinian citizens study side by side, and save lives together. Engineers make the desert bloom, one drip at a time. And we live again in the land where Jews in exile have directed our prayers for two thousand years.
With that return comes responsibility: to build a society worthy of our deepest Jewish values, always striving for peace.
And because I know how essential safety and self-determination are for my people, my Zionism cannot deny those same fundamental rights to another. Palestinians, too, must live with dignity, security, and freedom in their land.That is also my Zionism.
Today, I’m not addressing the one in ten Jews who reject the very idea of a Jewish state. Although my door, and this synagogue, remain open to you.I’m speaking to the majority of Jews who believe in the Jewish state — but refuse the Zionist name.
And you’ve told me why.
You’ve said: I don’t want to call myself a Zionist because I can’t support the Israeli government and military’s treatment of the Palestinians.
But Zionism is older and larger than any government. Dissent — even contempt — for an Israeli leader or policy does not place you outside Zionism it puts you alongside Israelis who have filled the streets for years , protesting their own government because of their Zionism.
You’ve said: I am ashamed of Israeli extremists who commit crimes in the name of religious Zionism.
But all of us should be appalled by extremist settler violence. No one should stand in the same camp with racist ministers who excuse or enable this hillul Hashem – this desecration. Hundreds of prominent Zionists — former prime ministers, IDF generals and heads of the Mossad and Shin Bet — have condemned "Jewish terrorism" and demanded an end to the violence and displacement in the West Bank.
You’ve said: ‘Zionism’ has been turned into a slur — “She’s a ‘ Zionist.’ ” A shorthand for colonialism, racism, apartheid, even genocide. But these words have a history. In the 1960s, Soviet propaganda deliberately recast the Jewish national liberation movement as a colonialist and imperialist project, while using antizionism to oppress Soviet Jews. Even sponsoring a 1975
UN resolution equating Zionism as racism. The label, “Zionist” has been weaponized against Jews for more than a half century.
We cannot reduce a vast Jewish idea to the politics of the moment. As British writer Howard Jacobson says: “Zionism is not a country or a system of government. Zionism is the expression of a people's soul: It is a longing and a necessity, a Utopian fantasy, an understanding of history, a solution, an act of reasoning, an act of despair, a prayer, a poem, and a song.”
Since when do we Jews let other people do our naming for us?
If we refuse the Zionist name because others have smeared it, or because some have stained it with their violence, we hand the word to its most fanatical followers, and its most hostile opponents.
We abandon the Zionists working every day for a more just, safe and peaceful Israel for all its inhabitants. And we surrender a word that has carried the dreams, sacrifices and hopes of Am Yisrael for generations.
One of our young Central members spent the last year in Israel. He said his time there increased both his love for the Israeli people and his disgust for the current government. He’s not the type to join protests. But on Fridays he traveled into the West Bank to accompany Palestinian shepherds and farmers so they could work with less fear of harassment or violence from settlers. Israeli groups called this “protective presence.” This young man called it his Zionism.
I especially want the next generation to know that claiming Zionism means believing in Jewish sovereignty and insisting that it’s not exempt from our tradition's moral demands. It means seeing clearly where Israel has been a beacon and a blessing. And where it has failed to live up to its values — stated in its own Declaration of Independence: “freedom, justice and peace,” and equal rights for all its citizens.
When we fall short of our promise — as every person, and every nation does — the Jewish response is not abandonment. It is teshuvah. A return to who we are meant to be.
That is what Yom Kippur asks of us. Teshuvah requires honest accounting, and change. But the goal of teshuvah is not shaming. Teshuvah is fundamentally an act of hope — the hope of return.
When the Israelites first returned to Jerusalem in the 6th century BCE, after their exile, they sang: Shir Hama’alot b’shuv Adonai et shivat Tzion, hayinu k’cholmim — ‘When God returned us to Zion, we were like dreamers .’ They couldn’t believe it. They were living inside what once seemed impossible. Zionism has always required that kind of imagination.
Theodor Herzl looked at a scattered, vulnerable people and imagined us sovereign again in our ancestral homeland, saying: Im tirtzu, ein zo aggadah. “If you will it, it is no dream.” Less than half a century later, the State of Israel was born. Impossible. Until it happened.
And after the 1973 Yom Kippur War, Israelis regarded Egypt as their most formidable enemy, and the vast majority of Israelis didn’t believe peace was possible. But soon thereafter, Israel’s mightiest adversary became the first Arab state to make peace. Impossible. Until it happened.
And in recent memory, after 738 days of despair and fear that we would never see every hostage out of Gaza, on Simchat Torah — 2 years after their kidnapping — every last living hostage came home. A miracle made possible by the relentless work of so many, and the prayers of Am Yisrael around the world. Impossible. Until it happened.
Im tirtzu, ein zo aggadah.
If you will it, it is no dream.
There is still so much that feels impossible in Israel right now. But if our history teaches us anything it is not to underestimate what is yet to come — or our responsibility to help shape it.
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Rabbi Kohut served this congregation around the birth of the modern Zionist movement. His message to us in 1885 is no less true today: We Jews are in the same boat.
Half the world’s Jews live in the State of Israel. No Jew should ever say: “Why should I care? The hole is only under their seat.”
We cannot walk away from the most important sovereign project of the Jewish people. We must proudly claim the name ‘Zionist’ — and take our place in the unfolding story of Am Yisrael.