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Philosophisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Freigeist (86) • „Leben, Körper, Tod“ • Hör-Kolumne von Helmut Fink

Kortizes – Institut für populärwissenschaftlichen Diskurs · Kortizes – Institut für populärwissenschaftlichen Diskurs · 2026-10-01 · Nürnberg · Quelle

Wissen · Hauptbotschaft Gerechtigkeit · tragend Verantwortung · tragend

Das Buch 'Leben, Körper, Tod' bietet eine transparente, evidenzbasierte und zugängliche Analyse aktueller medizinethischer Dilemmata, die zur rationalen Abwägung und zum Mitdenken einlädt.

Die Darstellung ist also eher transparent als suggestiv und lädt zu Mitdenken ein. Das kann man auf jeden Fall sagen.

Der Text stellt das Sachbuch 'Leben, Körper, Tod' der Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert vor und würdigt dessen Zugänglichkeit und wissenschaftliche Fundierung. Er skizziert die Struktur des Werks, das zwölf aktuelle medizinethische Dilemmata und drei theoretische Grundlagenkapitel behandelt. Besprochen werden unter anderem die Reichweite von Patientenverfügungen bei Demenz, die Debatte um die Widerspruchslösung bei Organspenden und die Frage nach der Zulässigkeit von Neuroenhancement. Der Sprecher verweist auf die Evidenzorientierung der Autorin und ihre Rolle im Münster-Rahner-Kreis zur Kritik an alternativer Medizin. Es wird betont, dass das Buch transparente Argumente für verschiedene Positionen liefert und zur ethischen Abwägung einlädt. Der Text dient als Vorankündigung für einen Vortrag der Autorin im humanistischen Salon in Nürnberg. Die Darstellung ist sachlich, informativ und hebt die Balance zwischen Fachlichkeit und Lesbarkeit hervor.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Unwissenheit, Illusion, falsche Sicht der Wirklichkeit
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis; gerechte gesellschaftliche oder politische Verhältnisse
Was ist der Mensch nach diesem Text?
selbstbestimmt, Urheber seines Handelns
Wohin geht die Geschichte?
es wird besser, Entwicklung zum Guten (erschlossen)
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf Argument, Logik, Wissenschaft
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf andere, die Gesellschaft, andere Gruppen

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nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
4 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
1 von 3
Zeitbezug
früher 1, jetzt 3, künftig 2

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Willkommen zum neuen Freigeist. Der Titel dieser Folge ist ein Buchtitel. Und zwar der Titel des aktuellen Buches von Bettina Schöne Seifert, der bekannten Medizinetikerin. Es ist ein Sachbuch im Wallstein Verlag im Jahr 2025 erschienen. Im Freigeist kommen ja immer wieder kluge Gedanken, kompetente Autoren zur Sprache. Und so auch heute, ich darf vorwegnemen, das Buch ist ausgezeichnet. Ich empfehle es zur Lektüre. Ja, wie komme ich überhaupt drauf? Nun ja, Cortices veranstaltet ja mehrere Vortragsreihen, sowohl in Präsenz als auch online. Unter anderem den humanistischen Salon in Nürnberg, immer im Winterhalbjahr. Und da ist am Sonntag, den 15. November 2026, Bettina Schöne Seifert bei uns in Nürnberg zu Gast und spricht über die Themen dieses Buches. Und da ich den humanistischen Salon moderiere, habe ich das Buch schon gelesen, sozusagen als vorauseilende Vorbereitung und bin ziemlich begeistert. Naja, es gibt natürlich auch andere sehr gute und sehr wichtige Bücher zu leben und tot und zu medizinethischen Fragen. Das sind ja wichtige Fragen, die viele Menschen betreffen. Also etwa von Dieter Bernbacher oder von Hartmut Kress. Aber heute geht es eben um Leben, Körper, Tod von Bettina Schöne Seifert. Wer ist die Autorin? Schöne Seifert war 20 Jahre lang Lehrstuhlinhaberin für Ethik in der Medizin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster am tödlichen Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin. Sie ist nun seit 2023 im Ruhe stand. Sie hatte in Göttingen promoviert und auch habilitiert und war in ihrer wissenschaftlichen Karriere unter anderem an der Georgetown University in Washington gewesen und später an der Universität Zürich, letzteres im Rahmen eines Projekts zur psychiatrischen Ethik. 2001 bis 2003, nach der habilitation, war sie dann Gastprofessorin in Hanover bei Paul Heuningen Hühne, den vielleicht einige kennen, bevor sie dann den Lehrstuhl in Münster übernahm. Dort war sie lange prägend für ihre Themen, insbesondere durch die Initierung des Münster-Rahner-Kreises. Der Münster-Rahner-Kreis ist ein interdisziplinär zusammengesetzter Kreis von Experten zu fragen, der komplementären und alternativen Medizin. Dieser Kreis existiert seit 2016 und er trat wiederholt durch kritische Stellungnahmen hervor, etwa zum Heilpraktikerberuf, zur Homöopathie, zur anthroposophischen Medizin und zur wissenschaftsorientierten und evidenzbasierten Medizin. Dieser Kreis agiert rational, die Stellungnahmen sind metodenbewusst und rechtverstanden evidenzorientiert, also vernünftig. 2001 bis 2010 gehörte Bettina Schöne-Seifert, dem nationalen bzw. deutschen Ethikrat an, hier wurde 2008 umbenannt. Außerdem ist sie Mitglied der Nationalakademie Leopoldina in der Sektion Wissenschaftstheorie und sie ist Mitglied im Beirat der Giordano-Brunner-Stiftung. Das ist ein sehr gelungenes Sachbuch, leicht lesbar und auch ohne Vorkenntnisse gut verständlich. Aber ich denke auch Leser mit Vorkenntnissen werden sich nicht langweilen. Das ist durchweg sehr überlegt und präzise formuliert, ohne sich allerdings in fachliche Terminologie, also in medizinische oder ethische Fachterminologie oder in Spezialdiskurse zu verrennen. Ich würde also sagen, die Balance aus Zugänglichkeit und Informationstiefe ist voll gelungen. Das Buch enthält 12 plus 3 Kapitel, nämlich die ersten 12 Kapitel sind ähnlich aufgebaut und dort werden aktuelle medizinethische Problemlagen geschildert und diskutiert. Und zwar jeweils so, dass am Anfang eine kleine erfundene Geschichte steht, die sozusagen einen empathischen Zugang ermöglicht, ein fiktiver Konfliktfall oder einfach eine eindrückliche Begebenheit, so dass man mit dem Thema konfrontiert wird, sozusagen hineingezogen wird. Und das sind etwa so 3 bis 5 Seiten. Story wird das genannt, das ist die einführende Story. Danach folgt immer ein Abschnitt Hintergründe und Fakten mit Zahlen, Daten oder eben Informationen zur Sache. Und das hat in der Regel mehrere Unterabschnitte, je nachdem zu medizinischen oder auch zu gesellschaftlichen oder politischen Aspekten. Und dann kommt ein langer Abschnitt, gewissermaßen der Hauptabschnitt, die Kontroverse, in dem dann auf die ethischen Fragen oder auf ein ethisches Dilemma fokussiert wird und insbesondere die Argumente für verschiedene mögliche Positionen umrissen werden. Denn man kann bei diesen Themen, das ist ja gerade der Witz sozusagen unterschiedlicher Meinung sein, kann unterschiedliche Positionen einnehmen, die dann jeweils auch vertreten werden in der Literatur. Dabei wird dann schon immer auch klar, wofür die Autorin selber plädiert, wofür sie steht und aus welchen Gründen sie das tut und wo sie sich eben in der jeweiligen Debatte verortet. Und es wird vor allem auch klar, welche Abwägungen man treffen muss. Man muss da nämlich immer letztlich ethisch sich entscheiden, man muss Abwägungen treffen bei all diesen Themen. Und auch wenn man dann im Ergebnis vielleicht nicht der Autorin folgen will, dann lernt man doch auf jeden Fall etwas über die zugrunde liegenden Debatten. Ja, die Darstellung ist also eher transparent als suggestiv und lädt zu Mitdenken ein. Das kann man auf jeden Fall sagen. Am Schluss steht dann immer ein kurzes Fazit, dass die wesentlichen Aspekte des Themas zusammenfasst. Und dann gibt es drei Zusatzkapitel, das ist dieses Plus 3, drei angehängte Kapitel, die sind grundsätzlich im Gebiet mit uns ein etwas theoretischer gefasst. Und die Themen sind Patientenautonomie, Paternalismus in der Medizin und Gemeinwohl in der Medizin. Zu all diesen 12 Plus 3 Kapiteln gibt es jeweils Literaturverzeichnis und darin werden auch jeweils einige Titel zur Vertiefung empfohlen, was eingestandenermaßen die vorlebende Autorin widerspiegelt. In allen Teilen des Buches wird spürbar, dass Bettina Schöne-Seifert durchgängig rationalitätssensibel und wissenschaftsorientiert denkt und auch, dass sie dabei immer in besonderer Weise die Patientenautonomie und die Freiheit der Lebensgestaltung bis zum Schluss im Blick hat. Nun möchte ich skizzieren, worum es eigentlich in diesen 12 Kapiteln geht. Ich habe ja noch gar nicht zu über Inhalte gesagt. Was sind denn nun die Themen, die umstritten sind? Kapitel 1 lautet, demens darf ich über mein späteres Ich verfügen. Es geht im Kern um die Reichweite von Patientenverfügungen. Nun sind Patientenverfügungen ja als Ausdruck der Autonomie des Betroffenen weiterhin anerkannt, aber die können sich auf Situationen beziehen, die sich unter dessen geändert haben. Insbesondere bei Demenz verändert sich ja die Persönlichkeit und es kann dann sein, dass Betreuende und Ärzte den Eindruck haben, dass die Person jetzt in ihrer entstandenen Lage vielleicht kurzfristig etwas anderes will, als was in der Patientenverfügung steht. Wie ist also die Reichweite so einer vorausschauenden Selbstbestimmung? Ist die auf jeden Fall zu respektieren? Oder kann man sagen, naja, die Person würde jetzt was anderes wollen, als sie damals aufgeschrieben hat, die Person hat sich verändert? Das ist ein Konflikt. Und dafür gibt es einen englischen Fachbegriff. Past Directive Present Interest, PDPI. Also, frühere Direktiven können in Widerspruch geraten zu gegenwärtigen Interessen, die man der Person dann zuschreibt. Also, etwa wenn der Verzicht auf lebenserhaltende Maßnahmen ursprünglich in der Patientenverfügung formuliert war, aber in der jeweiligen gegebenen Situation dann der Patient sehr den Eindruck erweckt, dass er am Leben hängt. Was soll man dann tun? Nun, das Kapitel mündet in ein Plädoyer, diese Problemlage zu sehen, rechtzeitig und selbst auch sozusagen bewusst und explizit zum Gegenstand einer Verfügung zu machen, eben einer Demenzverfügung, um damit spätere Interpretationsspielräume einzuängen und nicht die Last von Entscheidungen dann etwa bei Ärzten oder Angehörigen zu belassen. Das Kapitel 2 dreht sich um eine bekannte Streitfrage und lautet Organspende wie bloß Regeln. Also, da gibt es ja bekanntlich die Frage Zustimmungslösung oder Widerspruchslösung. Also, wird man nur dann Organspender, wenn man dokumentiert, dass man damit einverstanden ist, wenn man das eben vorher dokumentiert hat, oder gilt standardmäßig jeder als Organspender, wenn er nicht Widerspruch eingelegt hat. Sehr aktuell, jetzt im September 2026, waren dazu wieder Vorschläge im Bundestag, mal sehen, wie es damit weitergeht. Bettina Schöne-Seifert diskutiert, dass viel davon abhängt, dass man es den Menschen bei einer Widerspruchslösung leicht machen muss, den Widerspruch auch tatsächlich einzulegen und dann sieht sie allerdings wenig, dass dagegen spricht, weil natürlich der große Nutzen der Organe für die Menschen, die drauf warten und das sind ja nur einfach viel mehr als Organe zur Verfügung stehen, insbesondere in Deutschland, weil das einfach mit einem großen Lebensrednern nutzen verbunden ist. Kapitel 3 steht unter dem Titel Optimierungsmedizin, warum denn nicht? Und ja, es geht um die Enhancement-Debatte, also um den Einsatz von Mitteln nicht zur Behandlung von Krankheiten, sondern ja zur Verbesserung der menschlichen Leistungsfähigkeit beigesunden. Also das Paradebeispiel ist etwa Ritalin. Also Ziele sind dann etwa eine Steigerung der Konzentrationsfähigkeit, Steigerung des intellektuellen Leistungsvermögens, potenziell aber auch Steigerung des Wohlgefühls, also Wirkung auf die emotionale Seite des Menschen, perspektivisch wird manchmal auch versprochen eine moralische Wirkung, dass man die Menschen besser macht, dafür gibt es allerdings bisher keine Belege. Und natürlich ist dieses ganze Thema vielfältig umstritten, weil man die Frage nach der Fairness stellen kann, wenn es manche nehmen und andere nicht, insbesondere in Konkurrenz-Situationen, also bis hin zum Betrug, wenn jemand sich gewissermaßen dobt und das aber nicht transparent macht und sozusagen Abkürzungen nimmt gegenüber dem, was andere mit großem Aufwand durch Training oder durch Landvorgänge versuchen zu erreichen. Also dass Menschen ihre Bedingungen und auch ihre eigenen Leistungen versuchen zu verbessern, das ist völlig normal, das war schon immer so. Es geht halt um die Frage, mit welchen Mitteln und wie geht die Gesellschaft damit um? Was heißt das für Naturlichkeitsideale und was heißt es für das Authentizitätsverständnis, wenn also mit chemischen oder mit pharmazeutischen oder auch mit genetischen Mitteln sozusagen materiell eingegriffen wird? Ja, im Fazit hatte ich das Gefühl, dass das Kapitel ein bisschen ausgeht, wie es Honberger schießen. Ich weiß nicht so recht, warum. Frau Schöne-Seifert ist fraglos, eine Expertin für diesen Themenkreis. Sie hat 2009 auch schon einen Sammelband zu diesem Thema Neuroenhancement herausgegeben. Übrigens hatten wir auch Rainer Rosenzweig und ich, ein Symposium organisiert 2008, damals für den Turm der Sinne, auch zu diesem Themenkreis, künstliche Sinne, gedobtes Gehirn war damals der Titel und auch 2009 ist unser zugehöriger Sammelband erschienen. Ich gebe zu, dass ich damals sehr stark dafür plädiert habe, dass man das politisch regeln muss, weil ich dachte, dass da große Möglichkeiten vor der Tür stehen und das hat sich in der Form aber nicht bewahrheitet. Also viele dieser Mittel leisten nun auch nicht so viel, dass man da quasi von einem Game Changer sprechen könnte und vielleicht ist deswegen auch die Position hier im Buch eher abwartend. Das muss man in der Tat den Freunden des Transummannes auch sagen, dass sie ihre Träume halt immer wieder verschieben und vertagen müssen. Kapitel 4, auch ein wichtiges Thema lautet, dein Bauch gehört hier Fragezeichen, Emprionenetik. Und es geht natürlich um Pflanzungsmedizin. Und ja, also aus befruchteten Eizellen werden Emprionen im Kapitel dargestellt, wie die Entwicklung biologisch verläuft. Und nun ist es ja so, dass es in Deutschland ein sehr restriktives Emprionenschutzgesetz gibt, dass die Gewinnung emprionaler Stammzellen in Deutschland verbietet. Und ja, was sind die ethischen Argumente? Also oft angeführt wird das sogenannte Potentialitätsargument, also Emprionen seien zu schützen, weil ihnen das Entwicklungspotential hin zum lebensfähigen Kind inne wohnt. So kann man das formulieren, aber das ist eben kein wirklich überzeugendes Argument, denn Potentialität ist ja noch nicht die schützenswerte Wirklichkeit. Und selbstverständlich plädiert Frau Schöne-Seifert für eine liberale Auffassung. Und ich darf vielleicht mal einen Absatz aus dem Fazit vorlesen, Seite 97. Das Entwicklungsbiologische Wissen unserer Zeit hat mit vielen falschen Vorstellungen über menschliche Emprionen aufgeräumt. Sie können nicht nur auf natürlichem Weg gezeugt, sondern auch auf verschiedene künstliche Weisen hergestellt werden, z.B. durch Manipulation von Körperzellen. Sie können sich nicht aus sich selbst heraus entwickeln, sondern bedürfen unzählige Reize durch den müterlichen Körper, indem sie heranwachsen. Und sie können in den ersten Monaten rein gar nichts empfinden. Zudem gibt es bisher keinerlei empirische Hinweise dafür, dass das Praktizieren von Abtreibungen oder von Emprionenforschung zu gesellschaftlichen Verwerfungen führt. Also soweit. Sie geht damit natürlich auf Bedenken ein, die in der Gesellschaft, auch in der Fachliteratur, immer wieder geäußert werden. Die meisten medizin-etischen Streitfälle beziehen sich natürlich auf den Anfang des Lebens oder auf das Ende des Lebens. Das ist ja auch das, wo dann weltanschauliche Positionen oft wirksam werden. Und in Kapitel 5 geht es wieder um das Ende des Lebens. Hilfe beim Suizid. Eine ärztliche Aufgabe, Fragezeichen. Naja, da wird zunächst mal begrifflich unterschieden zwischen indirekter Sterbehilfe, die nur den Tod sozusagen in Kauf nimmt bei linderten Maßnahmen. Und passiver Sterbehilfe, wo man den Tod eintreten lässt, durch Unterlassen. Und aktiver Sterbehilfe. Und eben Suizidhilfe. Und bei der Suizidhilfe, klar, da ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020 entscheidend, dass einfach die freie Zugänglichkeit, wenn sie den geboten wird, für jeden ohne besondere Begründungspflicht garantiert, als ein Grundrecht der Verfügung über das eigene Leben. Ein wesentliches Stichwort ist die Freiverantwortlichkeit, die hier im Beitrag auch diskutiert wird. Also das soll natürlich nicht unter Druck oder unter Zwang geschehen. Aber was viele eben nicht wissen, ist, dass das Suizid sowieso aber auch die Suizidhilfe in Deutschland straffrei sind. Wie es bis 2015 auch der Fall war, als der unglückliche Paragraf 217-Strafgesetzbuch etabliert wurde, aber der wurde eben 2020 wieder abgeschafft. Der hat nur fünf Jahre lang gegolten. Und das ist in der Tat straffrei. Und natürlich kein Widerspruch zur Palliativversorgung. Man kann ja beides machen. Erbettel 6 behandelt ein Thema, das gesellschaftlich immer noch sehr umstritten ist, aber da bezieht die Autorin Klar Position. Das lautet Kügelchen und Co. Alternativmedizin und der Beschussfragezeichen. Und es geht insbesondere um Homöopathie, aber auch um anthroposophische Medizin. Und ja, um diverse Verfahren, die beliebt sein mögen und ein gutes Gefühl machen, aber den üblichen Wirkungsnachweis nicht bestehen und deswegen nur durch Binnenkonsens auf dem Markt präsentiert werden können und dann als anerkannt verkauft werden, wozu beiträgt, dass es eine Apothekenpflicht gibt und dass es häufig auch durch die Solidargemeinschaft finanziert wird. Und das sieht sich natürlich sehr kritisch. Es spielt insbesondere auch an einer Stelle die Frage, eine Rolle, ob man denn im Sinne der evidenzbasierten Medizin nicht das Ganze weiter untersuchen müsste durch weitere Studien, in denen man sagt, naja, wenn Leute sagen, es hat ihnen geholfen, muss man dann nicht nach dem Wirkmechanismus suchen und da sagt sie, nee, muss man nicht, weil es einfach aufgrund unseres ja schon existierenden, gesicherten Hintergrundwissens so unplausibel ist, dass man da eigentlich nichts zu erwarten hat. Ich lese den Absatz vor, Seite 135. Wirkmechanismen von Homöopathika verstehen zu können, würde nun aber grundlegenden Annahmen der Naturwissenschaften widersprechen, auf die unsere Theorie und Praxis permanent und erfolgreich bauen, so dem apogatroschen Gesetz, der Dosis-Wirkungsbeziehung und den physikalisch-chemischen Eigenschaften von Lösungen. Hier entsprechende Erkenntnisfortschritte für möglich zu halten, ist schlicht absurd, auch wenn Homöopathen sich dabei auf wissenschaftlichen Pluralismus berufen. Soweit dieses Zitat, wie ich höre, ist die Frage, ob man weitere Studien veröffentlichen soll, auch in der Skeptiker Szene umstritten und okay, sie sagt nein. Ein anderer Aspekt, der bei diesem Themenfeld wichtig ist und der hier auch behandelt wird, ist der Umgang mit dem Placeboeffekt. Also, Placebo-Wirkungen sind ja echte Wirkungen und die Frage ist, soll man darüber aufklären, wenn man sie einsetzt oder soll man das stillschweigen tun? Und sie schreibt dazu, Seite 136, Hardliner, zu denen ich selbst mich in dieser Frage rechne, finden es problematisch, Placeboeffekte bewusst durch Scheinmedikamente auszulösen und unaufgeklärt zu lassen. In ihren Augen ist solches behandeln trotz seiner wohlmeinenden Absicht und harmlosen Wirkung unangemessen manipulativ. In ihren Augen bedeuten Scheinmedikamente eine subtile Form von Bevormundung, die Respekt und Vertrauen aufs Spiel setzt. Patienten sollten durchgehend wahrheitsgemäß aufgeklärt und behandelt werden, auch wenn dies Abstriche am möglichen Wohlbefinden mit sich bringt. Stattdessen sollte die Drogearzt möglichst ehrlich, gut und respektvoll eingesetzt werden. Soweit also diese Beschreibung der Position von Hardlinern, zu denen sie sich selbst zählt. Es war dann auch darauf hingewiesen, dass auch der aufgeklärte Einsatz von Placebos, wenn man also dazu sagt, dass es den Placeboeffekt gibt, trotzdem Wirkungen zeitigt, ja, vielleicht, weil es logisch lüssig ist und sich die Patienten sagen, wenn ich dran glaube, dass es dann wirkt, und das ist ja erwiesen, als ich glaube, ich dran und dann wirkt. In Kapitel 7 geht es wieder um ein mögliches Lebensende mit dem Titel Nahrungsverzicht und Fütterverbot zulässige Sterbewege. Also es geht um Sterbefasten. Und also die professionelle Abkürzung ist FVNF freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit. Das ist vermutlich ein Minderheitenweg. Es geht natürlich langsamer als andere Formen der Sterbehilfe, ist dabei natürlich ein Prozess ähnlicher. Und ja, kann von Menschen gewählt werden, die das so wollen, die entweder keine andere Möglichkeit haben oder die das für sich als angemessen empfinden. Der Weg ist in Deutschland bekannt gemacht worden von Christian Walter und Dieter Bernbacher. An Christian Walter erinnern sich vielleicht manche noch im humanistischen Kontext. Er hat einen Beitrag in einem Sammelband Humanismusperspektiven damals verfasst von Horst Groschow Paraus gegeben 2010 mit dem schönen Titel Unlaube Genügt. Es ist also ein unauffälligter Arteist. Und wo ist aber nun dabei das Problem? Man könnte ja sagen, das ist ein selbstbestimmter Weg in den Tod. Das ist vielleicht nicht schön anzusehen, es muss begleitet werden, etwa durch Mundhygiene. Aber das Problem ist, dass natürlich irgendwann das Bewusstsein schwindet und dass dann die Unmittelbaren Lebensäußerungen dem Umfeld nahe legen, dass derjenige natürlich eben doch Durst hat oder vielleicht auch was essen möchte. Und inwieweit geht man denn dann darauf ein? Das ist die Frage. Und wenn die Vorgabe, die dokumentiert ist von Menschen, die das für sich so wollen, strikt eingehalten werden soll, dann prägt Bettina Schöne-Seifert dafür den Begriff Fütterverbot. Das klingt hart, wie sie auch selber schreibt. Aber darum geht es letztlich. Und dazu gibt es Alternativen. Eine wohl eingeführte Alternative ist das sogenannte Comfort-Füttern. Kurioser Begriff. Also damit ist nicht jetzt Comfort im Sinne umfassenden Lebensgenusses gemeint, sondern es soll nur dann gefüttert werden, wenn offensichtlich ist, dass das jetzt momentan Leid lindert. Und damit verzögert man natürlich den Sterbeprozess. Un