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Katholisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

römisch-katholisch, Theologin Andrea Meier, Bern

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) · SRF Radiopredigt · 2026-10-11 · Zuerich · Quelle

Demut · Hauptbotschaft Geduld · tragend Umkehr · tragend

Weichheit und Demut vor Gott sind keine Schwäche, sondern die Quelle für innere Stärke und die Fähigkeit, in einer verhärtenen Welt aufrecht und verbunden zu bleiben.

Wenn ich mich vor Gott beuge, stehe ich aufrecht in der Welt. Wenn ich meine Grenzen im Gebet vor Gott lege, richte ich mich auf und gehe gestärkt weiter.

Der Text beschreibt vier alltägliche Situationen, in denen die Sprecherin mit Härte, Stress oder gesellschaftlicher Polarisierung konfrontiert ist. In jeder Situation formuliert sie ein Gebet an Gott, das darauf abzielt, 'weich' zu bleiben oder wieder weich zu werden. Die Weichheit wird durch natürliche Bilder wie Wasser, Pflanzen oder Tiere veranschaulicht, die sich dem Wind oder dem Druck anpassen, ohne zu brechen. Der Text verbindet persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Beobachtungen, wie etwa den Streit in der Familie oder die Polarisierung in den Medien. Es wird betont, dass körperliche Verhärtung ein Zeichen für Überlastung ist und durch Bewegung und Gebet gelöst werden kann. Die zentrale Botschaft ist, dass Demut und Anpassungsfähigkeit vor Gott eine Quelle innerer Stärke und Aufrechterhaltung in der Welt darstellen. Der Text ruft dazu auf, sich nicht zu verhärten, sondern in der Beugung vor Gott aufrecht zu stehen.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Festhalten, Begehren, Nicht-loslassen-Können; Feindschaft, Hass, Zerfall der Gemeinschaft
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
Gebet, Gottesdienst, Meditation, wiederholte Übung; innere Wandlung, Reue, Sinnesänderung
Was ist der Mensch nach diesem Text?
in Täuschung oder Begehren verfangen, aber befreibar
Wohin geht die Geschichte?
die Botschaft steht außerhalb der Geschichte (erschlossen)
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf eigenes Erleben, Zeugnis, Begegnung
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
1 von 5
Konkretheit
3 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 1, jetzt 3, künftig 1

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
S.A.F. Audio Lange haben wir uns nicht getroffen. Jetzt sitzen wir gemeinsam beim Mittagessen. Unbedarft frage ich nach deinem Befinden. Schwierig sei es gewesen, in letzter Zeit erzählst du. Ein großer Streit in der Familie. Männer, die einander nicht verstehen. Harte Worte, abgebrochene Telefonate, verschlossene Türen. Offen und sehr ehrlich erzählst du von deiner Verletztheit. Von deinem Unverständnis, von deinem Ärger, deiner Wut. Ich höre dir zu und denke, du möchtest nicht so sein. Du möchtest nicht verwickelt sein in diesem Strudel. Du möchtest nicht so hart reden und denken über Menschen, die dich im Arm trugen, als du klein warst. Und doch seid ihr in diesem Konflikt gelandet. Hart steht ihr einander gegenüber. Du erzählst von deinem Bemühen, die Sache gut zu beenden. Von deinem Ringen um die Beziehung. Von deiner Traurigkeit über die verlorene Nähe. Ich fahre heim auf dem Velo und bete. Lass ihn weich bleiben Gott. Biegsam wie die Zweige, die der Wind nicht abreißt. Wie das Ufergras, das sich duckt im peitschenden Wind. Wie mein Haar, das der Fortwind kreuselt. Lass ihn weich bleiben Gott. Andern tags im Büro. Der neue Mitarbeiter bei uns im Team ist erst 26 Jahre alt. Wir freuen uns auf den frischen Wind. Sind gespannt auf die fachlichen Inputs aus der Ausbildung. Dass er in Frage stellen würde, was sich lange bewährt hat, hatten wir nicht erwartet. Seine Art auf Feierabend und freie Wochenenden zu bestehen, ist für uns alte Hasen manchmal irritierend. Ich erwische mich dabei, dass ich denke, aber du bist doch noch jung. Beim Mittagessen erzählt er von seiner Leidenschaft für seinen Garten, von der Katze, vom Skifahren. Das alles scheint für ihn wichtiger zu sein als die Arbeit. Innerlich bereite ich das Mitarbeitergespräch vor. Worte wie Output, Leistungsbereitschaft, Prioritäten kommen darin vor. Und ich merke, ich möchte nicht so sein. Ich möchte mich auf diese neue Generation einlassen. Sie richtet ihren Kompass anders aus, als ich es gewohnt bin. Auf dem Weg zur Migros bete ich, lass mich weich bleiben Gott, wie die Glockenrebe, die sich zur Sonne windet, wie die Blindschleiche, die sich kringelt im Gras, wie der Hopfen an der Fassade am Haus gegenüber. Lass mich weich bleiben Gott. Es wird jetzt viel geschrien im Fernsehen. In den Kommentarspalten der Zeitungen verhärtet sich der Ton. Die Newsportale scheinen mir zu sagen, die Welt ist aus den Fugen. Klimakrise, Krieg, erhöhte Preise, bedrohte Demokratien, mächtige Tech-Konzerne und KI. Manchmal verstehe ich, dass es Menschen gibt, die die Nachrichten nicht mehr hören wollen. Politikerinnen aller Lager reagieren darauf mit zunehmender Härte. Ihre Antworten werden immer mehr schwarz-weiß. Unterschiedliche Meinungen zu Abstimmungen vergiften das Klima beim Mittagessen, in der Firma und am Familientisch. Kompromisse werden schwieriger, Interessen gegeneinander ausgespielt. Die Schwächsten kommen unter die Räder. Mit dem gleichen Slogan werben die einen für ein Ja und die anderen für ein Nein. Kein Wunder wissen wir manchmal nicht mehr, wo uns der Kopf steht. Nach dem Frühstück hänge ich die Wäsche auf und bete. Lass uns weich bleiben Gott. Wie das Wasser, das einen Weg findet zwischen den Steinen. Wie der Schnee, der sich über alles legt und die Geräusche verschluckt. Wie der Sand zwischen meinen Zähnen. Lass uns weich bleiben Gott. Es beginnt im rechten Schulterblatt. Ein feines Ziehen, dann ein Kribbeln im Arm. Manchmal zieht es hoch in den Nacken, manchmal eher runter Richtung Kreuz. Wenn es schlimm ist bis in die Hüften. Ich weiß genau, wenn das passiert, ist es zu viel. Zu viel aufs Mal, zu viel zu erledigen, zu viel Liegen gebliebenes, zu viel unbeantwortetes, zu viel aufgeschobenes, zu viel, was ich mir vorgenommen habe. Stress. Wenn mein Kopf überlastet ist, wenn mein Herz müde wird, dann verhärtet sich mein Körper. Dann muss ich mich bewegen. Trampen laufen, wandern, dehnen, schwitzen. Wenn die Muskeln sich dann lösen, wird auch der Kopf wieder freier. Mit dem Kribbeln in den Armen lässt auch die Ängstlichkeit nach. Seit Jahrhunderten gehören Körperübungen in verschiedenen Formen zur Praxis in den Religionen. Bewusstes Atmen, im Körper ankommen, Boden und Himmel spüren, frei werden für das Größere. Ich blindzle in die Sonne und bete. Lass mich wieder weich werden, Gott. Wie die Keimblätter, die ihren Weg finden aus der harten Schale der Samen. Wie die Küken, die die Eierschale zerbrechen. Wie das Moos, das sie Steine bedeckt. Lass mich wieder weich werden, Gott. Als junge Frau habe ich einmal ein Zitat aufgeschnappt und als Motto in meine Agenda geschrieben. Wer sich vor dir beugt, wird nicht krumm. Ich weiß nicht, woher es stammt und in welchem Kontext es ursprünglich steht. Damals habe ich es intuitiv auf meinen Glauben übertragen. Dieser Gedanke trägt mich bis heute. Wenn ich mich vor Gott beuge, stehe ich aufrecht in der Welt. Wenn ich meine Grenzen im Gebet vor Gott lege, richte ich mich auf und gehe gestärkt weiter. Im Gottesdienst, mein Knie zu beugen oder den Kopf zu senken, ist für mich ein Zeichen dafür geworden, weich zu bleiben. Mich weich zu machen bei Gott, einzugestehen, dass ich nicht alles kann, nicht alles weiß, nicht alles muss. Ich kniehe in einer kleinen Kapelle am Berg und bete. Lass mich immer weicher werden, Gott. Wie Wurzeln, wie Rinde, wie Laub, wie Wasser, wie Nebel, wie Atem, wie Federn, wie Wind, wie ein Streicheln auf der Haut. Lass mich immer weicher werden, Gott.