omnist.world

English

Mahayana · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

1557-Wer bin ich (Buddhistisch betrachtet)- Buddhismus im Alltag - Achtsamkeit im täglichen Leben

Buddhismus im Alltag · Buddhismus im Alltag · 2026-09-23 · Quelle

Umkehr · Hauptbotschaft Verantwortung · tragend Wissen · tragend

Das menschliche Ich ist kein fester Kern, sondern ein veränderbarer Strom von Erfahrungen und karmischen Tendenzen, der durch bewusste Handlungen im gegenwärtigen Moment neu gestaltet werden kann.

Gerade weil es kein starres Selbst gibt, hast du die Freiheit, den Strom, der ja schließlich du bist, jetzt neu zu gestalten.

Der Text erklärt die buddhistische Lehre der Nicht-Selbst (Anatta) und widerlegt die Vorstellung eines unveränderlichen, ewigen Ichs. Er beschreibt das menschliche Erleben als einen dynamischen Strom aus den Fünf Skandhas, der sich von Moment zu Moment neu zusammensetzt. Das Konzept des Karmas wird als kausale Kette von Ursache und Wirkung dargestellt, die über Leben hinweg wirkt, ohne dass ein fester Träger existiert. Am Beispiel des Räubers Angulimala wird illustriert, dass karmische Prägungen durch bewusste Handlungen und neue Absichten verändert werden können. Der Text betont, dass der Mensch nicht Opfer eines starren Schicksals ist, sondern Gestalter seines eigenen Bewusstseinsstroms. Es wird zur achtsamen Beobachtung des eigenen Seins und zur Verantwortung für jeden Gedanken und jede Handlung aufgerufen. Die zentrale Botschaft ist, dass Identität ein Prozess ist, der im Hier und Jetzt gestaltet wird.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Unwissenheit, Illusion, falsche Sicht der Wirklichkeit; Festhalten, Begehren, Nicht-loslassen-Können
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis; innere Wandlung, Reue, Sinnesänderung
Was ist der Mensch nach diesem Text?
in Täuschung oder Begehren verfangen, aber befreibar
Wohin geht die Geschichte?
Wiederkehr, kein Ziel, immer dasselbe Muster
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf den Stifter oder Propheten der Tradition; auf die heilige Schrift der eigenen Tradition
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

Dhammapada

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
1 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 2, jetzt 3, künftig 2

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Herzlich willkommen bei Buddhismus im Alltag, dem Podcast rund um das Thema Buddhismus, das Audio-Format für Interessierte und solche, die sich von der Lehre des großen Lehrers angezogen fühlen. Die Reise der Seele, wer bin ich? Im Buddhismus gibt es keine Seele im klassischen Sinn, also kein unveränderliches, ewiges Selbst, das von Leben zu Leben wandert wie ein Passagier, der nur das Flugzeug wechselt. Diese Vorstellung nennt sich Anatha, die Nicht-Selbstlehre. Sie ist eine der zentralen und zugleich radikalsten Einsichten des Buddha. Was du als dein Ich empfindest, ist kein fester Kern, sondern ein Strom von Erfahrungen, Gedanken, Empfindungen und Bewusstseinsformen, die sogenannten Fünf-Skandas, Form, Empfindung, Wahrnehmung, geistige Formation und Bewusstsein. Diese fügen sich moment von moment neu zusammen wie eine Flamme, die wie gesagt von einer Katze zur nächsten weitergegeben wird. Es ist nicht dieselbe Flamme, doch ist sie auch nicht völlig verschieden. Genau hier setzt die Frage an, ob deine Persönlichkeit schon vor der Zeugung existiert haben könnte. Aus buddhistischer Sicht wäre die Antwort nicht eine Persönlichkeit im heutigen Sinn, aber ein Kontinuum von Ursache und Wirkung. Karma, das sich über unzählige Existenzen hinweg entfaltet. Wenn ein Leben endet, löst sich das, was du als Person kennst, auf. Doch die karmischen Tendenzen, die geistigen Gewohnheiten, die Verstrickungen und Sehnsüchte, die in diesem Bewusstseinsstrom aufgebaut werden, wirken weiter. Sie sind wie ein Samen, der neu in Boden fällt. Im Moment der Empfängnis so leeren viele buddhistische Traditionen, trifft dieser karmische Strom auf die Bedingung von Ei und Samen und beginnt, sich in einem neuen Leben zu manifestieren. Das bedeutet, vor deiner Zeugung gab es kein fertiges Du mit Charakter, Vorleben und Erinnerung, das nur darauf wartete, wieder geboren zu werden. Aber es gab möglicherweise einen Strom von Bedingungen, Neigungen und ungelösten karmischen Mustern, die die Grundlage für genau die Persönlichkeit legen, die du heute als ich erlebst. Und das genau könnte dein jetziges Leben tief geprägt haben. Vielleicht erklärt es, warum manche Menschen von Geburt an bestimmte Neigungen, Ängste, Begabungen oder unerklärliche Anziehungen zu bestimmten Orten, Themen oder Menschen mitbringen, Dinge, die sich nicht alleine durch Erziehung oder Umwelt erklären lassen. Aus buddhistischer Perspektive sind das Spuren früherer karmischer Prägungen, die in dir weiter wirken, auch wenn du dich an keine früheren Erlebnisse oder Leben erinnern magst. Wichtig ist dabei, der Buddhismus lädt dich nicht dazu ein, dich als Obst, aber dich als Opfer eines vorbestimmten Schicksals zu sehen. Im Gegenteil, gerade weil es kein starres Selbst gibt, hast du die Freiheit, den Strom, der ja schließlich du bist, jetzt neu zu gestalten. Jeder Gedanke, jede Handlung, jede Absicht säht neue Samen für die Zukunft. Die Frage, wer bin ich, wird damit weniger zu einer suchenden, einer festen Antwort, sondern zu einer fortwährenden, achtsamen Beobachtung dieses Werbens. So gesehen ist deine Reise der Seele kein Weg eines unverinnerlichen Wesens durch die Zeit, sondern einzig ständig wandelnder Fluss von Ursache und Wirkung. Der dich zu dem gemacht hat, was du heute bist und der durch dein Handeln im Hier und Jetzt weiter fließt in das, was noch kommen wird. Eine Anekdote zum Wandel des karmischen Stroms. Eine der bekanntesten Geschichten aus dem Leben Buddhas ist die von Anguiliamala. Einem gefürchteten Räubern mörderte einer Legende nach die abgeschnittenen Finger seiner Opfer als Kette um den Halsdruck. Daher sein Name Fingerkette. Als Buddha erfuhre, dass Anguiliamala in der Nähe sein unwesentrieb, ging er ihm bewusst entgegen statt hinzumeiden. Der Anguiliamala verfolgt ihn, um auch ihn zu töten, konnte ihn aber trotz allen Laufens nicht einholen. Verwundert rief er, bleibt stehen, als geht. Buddha antwortete ruhig, ich stehe schon lang still. Der antwortete der andere, du bist es der noch immer läuft, ich habe aufgehört, allen Wesengewalt anzutun, du hast damit noch nicht aufgehört. Diese Worte trafen Anguiliamala so tief, dass er innehielt, seine Waffen niederlegte entbuddarm die Aufnahme in seine Gemeinschaft bat. Er wurde später ein hingebungsvoller Mönch. Diese Geschichte passt genau zum vorherigen Thema, sie zeigt, dass ein karmischer Strom, selbst einer der mit extremer Gewalt und Verstrickungen beladen ist, nicht als starre Schicksal verstanden werden muss. Anguiliamalas frühere Prägungen bestimmten sein Verhalten, doch in dem Moment, in dem er innehielt und eine neue Absicht fasste, begann er, seinen Strom aktiv neu zu gestalten. Das illustriert genau jeden Punkt, den wir vorher besprochen haben, du bist nicht Gefangener eines vorbestimmten Ichs, sondern Gestalter eines fortlaufenden Lerdens. Ein passendes Zitat dazu aus dem Dhammapada, eine der ältesten und zentralsten Textsammlungen buddhistischer Lehrreden, stammt die berühmt der Eröffnung, alles, was wir sind, ist das Ergebnis dessen, was wir gedacht haben. Dieser Satz bringt die karmische Sichtweise auf den Punkt, nicht ein festes Selbstreiß durch die Zeit, sondern ein Strom von Gedanken, Absichten und Handlungen, der Form, was in diesen und im nächsten Moment oder Leben entsteht.