Christlicher Glaube ist kein System von Forderungen und Bekenntnissen, sondern ein Geschenk, das den Menschen auch in seinen Zweifeln und Fehlern trägt und ihn als Beschenkten zum Segen für andere macht.
Der Text ist eine Predigt zur Jubiläumskonfirmation, die an die eigene Konfirmationserinnerung anknüpft und diese mit der Erfahrung von Gewalt und Überforderung in der kirchlichen Erziehung kontrastiert. Die zentrale Botschaft lautet, dass Glaube nicht auf starre Bekenntnisse und Forderungen reduziert werden darf, sondern als Geschenk und Segen zu verstehen ist, der auch Zweifel und Schicksalsschläge einschließt. Am Beispiel des Propheten Elia wird gezeigt, dass Gott den Menschen auch nach Fehlern und Abwegen wieder auffängt und stärkt. Der Text fordert dazu auf, die eigenen 'Engel' – Menschen, die geholfen haben – zu erkennen und ihnen Dank zu sagen. Die Seligpreisungen werden als Orientierungshilfe vorgestellt, die im Indikativ formuliert sind: Der Mensch ist bereits gesegnet und wird dadurch zum Segen für andere. Der Gegenwartsbezug liegt in der Kritik an Hass und Verurteilung im Internet sowie am Mangel an Zuhören in der Gesellschaft. Der Text schließt mit dem Gedanken, dass christlicher Glaube nicht fordert, sondern schenkt, und dass daraus ein Leben aus Dankbarkeit erwächst.
1. Mose 12,2 · 1. Mose 1,28 · Mt 5,1-12 · Mt 26,39 · Mt 27,46 · 1. Könige 19
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut anzeigen
Erinnert ihr euch? 14 Jahre alt, meine Güte, das ist schon lange her. Ich guck mal so um, hier in unseren Reihen, ich glaube der Satz gilt für uns alle. Das ist schon ganz schön lange her. Konfirmationszeit. Aus der Kindheit kommend, in der Jugendzeit mit all den Verunsicherungen, aber auch spannenden Themen auf dem Weg in die Verantwortung des Erwachsenenseins. Dann ein Pastor, vielleicht hier und da auch schon eine Pastorin und Konfirmationsunterricht. Ich freue mich immer, wenn Menschen sich gerne erinnern und bei Taufgesprächen und Traugesprächen zum Beispiel sagen, Herr Pastor, ich war lange nicht in der Kirche, aber an meine Konfirmation erinnere ich mich gerne. Leider gibt es dann auch die anderen Geschichten, wo meistens ältere Menschen erzählen von Konfirmatoren, die sogar manchmal zugelangt haben. Und ich denke, wie schlimm ist das, wenn man im Raum der Kirche, wo es wirklich um Gottes Liebe geht und um das, was uns im Leben hält und trägt, sogar Gewalt erfährt, ob das jetzt körperlich oder verbal ist. Ich finde auch eine andauernde Erforderung, du musst, du sollst und Gott sieht alles, ist eine Form von Gewalt, weil sie etwas mit Menschen macht. Ich hoffe und wünsche, dass sie, dass ihr gute Konfirmationserfahrungen habt. Und wenn es anders ist, dann darf man eine solche schlechte Erfahrung auch, wenn es geht, weiterziehen lassen und gute Gedanken, zum Beispiel aus diesem Gottesdienst mitnehmen, an diese Stelle setzen und sagen, so soll es sein. Es geht um Ermutigung, es geht um Stärkung und Kraft für unseren Weg, es geht um Segen und der Segen Gottes ist etwas Strahlendes, Offenes, Weites und niemals etwas Gewaltvolles und Einengendes. Weg zurück auf Konformationen, damals wurden oft sehr gewagte Glaubensbekenntnisse abverlangt von Konfermandinnen und Konfermanden. Ich glaube, dass Gott und Jesus der Herr und Highland meines Lebens ist, dass er für mich gestorben ist und für alle meine Sünden und dann kamen viele Sätze, die theologisch eine tiefe Wahrheit haben. Aber mit diesem Vorsatz, ich glaube, dass für Menschen mit 14, glaube ich, eine Überforderung sind. Man spricht es dann und ich habe es ja genauso getan in der Hoffnung, dass man das hinkriegt. Und ich weiß nicht, wie es euch gegangen ist, weil es ihr zum ersten Mal gemerkt habt, ich bin mir da gar nicht so sicher. Vielleicht hatte ich Glück und es war in deiner Kindheit in der Konfermationszeit eine gewisse Sicherheit da, weil der Glaube auch noch etwas Kindliches hatte. Aber dann kommen plötzlich schwere Erfahrungen, auch Schicksalsschläge dazu. Der Glaube wangt und schwangt und bin ich dann eigentlich noch auf diesem Kurs der Konfermation? Unbedingt, ganz bestimmt. Denn ich glaube, diese Glaubensbekenntnisse, so theologisch richtig sie sind, sind in der Sache pädagogisch oder religionspädagogisch gesehen nicht unproblematisch, weil sie eine Menschenglauben machen. Es wäre mit dem Glauben so einfach, du musst nur Ja sagen. Heute formulieren wir das anders. Da wird nicht mehr erwartet, glaubst du, sondern da wird gefragt, versprichst du und möchtest oder möchtest du die Frage nach Gott, das Suchen nach Gott, immer wieder neu in deinem Leben behalten. Also da wird die Frage, das Suchen schon eingebaut, damit niemand hinterher sagen muss, ich habe doch was versprochen, was ich nicht einhalten konnte. Und ich glaube, inzwischen ist es wichtig, immer wieder auch zu sagen, auch in Predigten in Gottesdiensten, dass eben zu einem festen Glauben, der hält und trägt, nicht nur die starken Glaubenssätze der Bibel gehören, die wir auch gleich als Konfirmationssprüche hören und die wertvoll und groß und heilig sind, es gehören genauso die Sprüche dazu, wie etwa Jesus sie gesagt hat, mein Vater, wenn es sein darf, lass diesen Kälch an mir vorbeigehen. Wer das in seinem Leben mal gesagt hat, Gott, wenn es irgendwie sein kann, verschont mich davor, ist auf dem Weg des Glaubens so wie Jesus, denn das sind Worte Jesu. Und wer später nach einem Schicksalsschlag gesagt hat, mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Hat nicht etwa den Kurs der Konfirmation verlassen, sondern steht fest in dieser Spur, weil das sind Worte Jesu. Bibelischer Frommar kann man es gar nicht haben, denn Frömmigkeit heißt immer auch Zweifeln, Zurückfallen, Wiederfinden, Wiedergefunden werden und ganz ehrlich sind nicht die größten Momente im Leben, die, wo wir etwas wiederfinden und die Freude darüber und gar nicht so sehr das, was immer schon selbstverständlich war. Und in der Bibel gibt es schöne Geschichten, wie sich Gott dem Himmel freut über jeden und jede, die wieder auf die Spur zurückfindet, die mit diesem Glauben und diesem Halt des Glaubens zu tun hat. Das heißt aber auch, dass man sie zwischendurch mal verlieren darf, weil Gott uns nicht verliert. Das ist seine feste Zusage. Und ich liebe diese Lesung so sehr, die wir gerade gehört haben von Elia, den Propheten, der viel falsch gemacht hat in seinem Leben, worauf er da zurückblickt und warum er flied und Angst hat, ist, er hat viele hundert Bar als Priester, also heidische Priester umgebracht und hat damit seinem Gott dienen wollen. Und hat überhaupt nicht verstanden, dass man mit Gewalt und Krieg und Hass niemals Gott dient, sondern ihn verleugnet. Jetzt flied er, vor denen die Rache nehmen wollen, möchte am liebsten sterben, aber Gott geht ihm nach. Eigentlich hätte er viel Grund zu sagen, hör mal lieber Prophet, du hast es nur wirklich nicht verstanden, was in meinem Willen ist, nämlich Leben schützen, Leben bewahren, Leben fördern, Dein sind auch das der Anderen und dieser Welt, durchaus im kritischen Dialog, auch im Streit, aber doch nicht mit Waffen und nicht mit Gewalt. Aber Gott schickt einen Engel und der legt etwas zu seinen Füßen, was ihn stärkt und nähert. Und nicht irgendwie so ein Kartenkantenbrot, sondern ein geröstetes Brot, ich finde, da steht schon in diesem Wort, so viel Liebevolles drin, vielleicht ist das sogar schon leicht mit Strichen, mit einem schönen fruchtigen Aufstrich, wie es den damals gab. Also liebevoller, warmes geröstetes Brot und dazu ein krug frisches Wasser. Das heißt, wenn der Prophet oder jeder und jede von uns von diesem Weg abkommt, weil wir nicht perfekt sein können und auch nicht müssen, dann kommt Gott und findet uns wieder. Irgendwie hat er seinen Engel, der uns aufhilft. Und vielleicht ist dieser Tag der Jubiläumskonformation ein guter Anlass, nochmal zu überlegen, wie heißen eigentlich meine Engel, die mir damals begegnet sind. Und wer gibt es Engel, die jetzt noch an eurer Seite leben und die das von euch auch wissen, dass ihr das so empfindet, aber vielleicht gibt es auch jemanden der oder die sich riesig freuen würde, wenn jemand nach vielen, vielen Jahren mal sagt, weißt du eigentlich, was du damals für mich warst? Ich habe das schon eine Weile mal gemacht und habe in viele Gesichter wirklich mit Tränen geblickt, weil Menschen sagten, das berührt mich jetzt so sehr. Ich dachte, du bist der Schüler, an dem alles vorbei geht. Und jetzt sagst du mir, dass ich wichtig war für dich als Lehrer. Wahnsinn. Und umgekehrt habe ich selber gemerkt, was das mit einem Menschen macht. Erzählt es euch, wenn es Engel gibt, die aufgeholfen haben, die weitergeholfen haben, die unterstützt haben, die auf diese Weise Booten der Liebe Gottes waren. Und die Geschichte wird ja noch besser. Elias trinkt und ist und dann legt er sich wieder zum Schlafen. Also es fehlt noch irgendwie die Kraft, die Power wirklich aufzustehen. Dann kommt der Engel nochmal und auch wieder nicht mit dem Zeigefinger und sagt, hör mal, du hast es immer noch nicht verstanden, sondern ganz liebevoll sagt er, komm, ist, ist nochmal, da ist noch mehr für dich da. Und dann geht. Und dann geht Elias 40 Tage und 40 Nächte. Das ist ein Zeichen für die Fülle. Es ist dann für einen Moment alles gut. Und wir wissen selber, es ist nie für immer alles gut. An der Weser stand mal ein Graffiti, leider ist es jetzt übermalt. Ich fand das so toll. Da stand, es gibt keine guten Zeiten, nur gute Momente. Es ist nicht für immer gut. Aber wenn es den guten Moment gibt, wo einer sagt, komm, steh auf, ist und trink, hab wieder Mut, ich bin an deiner Seite, dann kann es weitergehen. Zumindest die nächsten Schritte. Wenn es dann wieder schwierig wird, ich stolper und vielleicht falle, dann darf ich wieder hoffen, dass ein Engel kommt, Mann, Frau, Kind, älterer Mensch und sagt im Namen Gottes, du bist nicht allein, steh auf. Und was ist dann mein Teil an diesem Weg? Wenn Gott mir entgegenkommt, wenn er eigentlich das Entscheidende übernimmt, ich glaube, das ist das ganz große an unserem christlichen Glauben, dass er ein Glaube ist, der nicht fordert, sondern schenkt und dann sagt als beschenkter Mensch, wirst du in einem gewissen Automatismus, wenn dich das wirklich berührt, ein Segen sein. Du kannst eigentlich gar nicht anders, weil du hast ja alles bekommen. Ich will dich segnen und du wirst ein Segen sein. Steht im ersten Mosubuch, also ganz am Anfang der Bibel. Manchmal liest man die Übersetzung und du sollst ein Segen sein. Das liegt daran, dass wir Menschen immer irgendwie gewohnt sind. Wenn man etwas geschenkt bekommt, dann musst du auch etwas leisten. Oder du leistest das Erste, dann kriegst du etwas geschenkt. Diese Verknüpfung, Gott ist so groß, so heilig, dass er das nicht braucht. Er sagt, ich schenke dir das, was da ist, dein Leben, deine Begabungen, auch deine Zweifel und manchmal auch harte Dinge, die dich dann wieder auf einen anderen Kurs bringen. Manchmal weißt du nicht, warum und Muster durch, aber ich bin da. Gott schenkt und dann freut er sich, wenn als Beschenkte wir segensreich wirken und handeln. Bei den reformierten Christen heißt das Wort dann Leben aus Dankbarkeit, also Nachfolge aus Dankbarkeit. Das ist ein ganz schöner Gedanke. Nicht als imperativ, als indikativ. Du bist gesegnet und du wirst ein Segen sein. Du bist es schon. Vielleicht auch das einfach einander mitteilen. Wo bist du für mich ein Segen? Wo kann ich ein Segen für dich sein? Ich glaube, ihr werdet einiges hören von Menschen, dass ihr das seid und immer wieder wart und sein werdet. Und wenn man dann überlegt und sagt, ich möchte es konkreter haben, haben früher manche an die Zehen geboten, zuerst gedacht, an die soll man immer denken. Aber wenn Leute zum Beispiel Eltern zu mir kamen und sagten, Herr Pastore, bringen Sie unserem Jungen mal die Zehen geboten bei, dann habe ich gedacht, okay, also ich glaube, da hat jemand noch nicht genau verstanden, worum es im Glauben und im Konferenz- unser Recht geht. Es geht um den Segen, um das Geschenk und um das Leben aus Dankbarkeit. Ich glaube, die Orientierungshilfe ist dann neben oder nach vor den Zehen geboten noch die Seligpreisungen. Die Seligpreisungen Jesu. Denn die sind genau das, die sind ein Zuspruch. Die sagen, nicht du musst das sein, du musst das sein, sondern du bist es. Selig bist du, wenn du friedfertig bist, wenn du barmherzig bist, wenn du geistlich arm bist, also nicht behauptest, du hättest Gott verstanden, sondern wirklich weißt, ich bin ein Empfangender. Und dann wirst du ein Geben da, durch Barmherzigkeit, durch Friedfertigkeit. Und ich glaube, in unserer Welt, in unserem Alltag, ist das etwas ganz Großes, in einer Zeit, wo Menschen kaum noch sich zuhören, wo Menschen nur noch irgendwelche Statements äußern und alle, die anders denken, sogar verurteilen, was im Internet da an Hass kursiert, ist unbeschreiblich. Da ein Mensch zu sein, der weiß, ich bin gesegnet und ich bin selig, wenn ich barmherzig bin. Auch mit jemandem, der eine andere Meinung vertritt. Dann natürlich mit ihm Ringe diskutiere und ihm erzähle, was meine Meinung ist. Also wir sind im Austausch, der andere ist mir nicht egal. Aber ich bin friedfertig, ich argumentiere, ich habe eine Haltung ohne Hass. Dann bin ich auf dem Weg, auf dem Weg der Konformation, auf dem Weg meines ganz persönlichen Segens, auf dem Weg, auf den Gott mich und uns immer wieder zurückruft. Manche Umwege, Irrungen und Wirrungen sind möglich. Das trägt er uns nicht nach. Aber er ruft uns immer wieder, selig bist du, gesegnet bist du, und du darfst ein Segen sein. Das hört auch nicht auf, auch nicht im hohen Alter. Denn da, wo ein Mensch an andere denkt, wo er gute Worte spricht, Solidarität lebt und für den Friedeneintritt mit einer klaren Haltung, ist er, ist sie, stark im Glauben. Und dazu stärke uns Gott.