Humanistisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen
„Ein gemeinsames Streben nach Veredlung und Vervollkommnung“
ohne Namen ·
diesseits – Das humanistische Magazin ·
2026-10-02
· Berlin
· Quelle
Gemeinschaft · Hauptbotschaft
Gerechtigkeit · tragend
Wissen · tragend
Ludwig Urban verband religiöse Vervollkommnung als inneres Wesen des Menschen mit politischem Handeln und der Gründung einer überkonfessionellen Gemeinde, die alle Menschen unabhängig von Glaube und Stand einbeziehen sollte.
Der Text stellt die Biografie von Ludwig Urban (1806–1879) dar, einem preußischen Schmied, Tierarzt und Mitbegründer der freien Berliner Gemeinde des Urchristenbundes. Er beschreibt Urbans militärische Ausbildung, seine politische Rolle bei der Berliner Märzrevolution 1848 und seine religiöse Bestrebung, Menschen aller Glaubensrichtungen zu einem gemeinsamen Streben nach Veredlung und Vervollkommnung zu verbinden. Urban veröffentlichte 1845 die Aussage, Religion bestehe nicht in äußeren Formen, sondern sei das innerste Wesen des Menschen. 1849 wurde die freie Gemeinde des Urchristenbundes gegründet, deren Banner den Spruch 'Vorwärts mit Gott, um Jedem das Seine zu schaffen' trug. Die Gemeinde hielt ihre Versammlungen in einer Gaststätte ab, wo morgens biblische und naturhistorische Vorträge stattfanden. Der Text endet mit Urbans Tod 1879 und verweist auf eine erweiterte Fassung beim Historischen Arbeitskreis des Humanistischen Verbands Berlin-Brandenburg.
- Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
-
Feindschaft, Hass, Zerfall der Gemeinschaft
- Wo sitzt das Übel?
-
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
- Was hilft dagegen?
-
Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit; Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis
- Was ist der Mensch nach diesem Text?
-
vor allem Teil einer Gemeinschaft oder Schöpfung
- Wohin geht die Geschichte?
-
es wird besser, Entwicklung zum Guten
- Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
-
auf eigenes Erleben, Zeugnis, Begegnung; auf Argument, Logik, Wissenschaft
- Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
-
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
- Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
-
auf andere, die Gesellschaft, andere Gruppen
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Gemessen
- Grundhaltung
- 0 von -2 bis 2
- Eindringlichkeit
- 1 von 3
- Reichweite
- 4 von 5
- Konkretheit
- 3 von 3
- Abgrenzung
- 0 von 3
- Zeitbezug
- früher 3, jetzt 0, künftig 0
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut anzeigen
Am 2. Oktober 1806 wurde vor 220 Jahren in Silkerode im Harz dem kinderreichen Dorfschmied Urban ein Sohn geboren, der den Namen Ludwig bekam. Als ausgebildeter Schmied und wegen seiner stattlichen Körperlänge von ca. 1,80 m wurde er schon mit 17 Jahren in den preußischen Militärdienst aufgenommen.
Im November 1844 schrieb der Tierarzt 1. Klasse an die Königlichen Hochlöblichen Polizeipräsidii von der alles umfassenden Liebe als der Grundlage unseres Glaubens und seiner Bestrebung, alle Menschen, wes Glaubens, Stande und Bekenntnis sie sein mögen, durch ein gemeinsames Streben nach Veredlung und Vervollkommnung in einem Verein über den inneren Menschen zu verbinden. 1845 veröffentlichte er in der Vossischen Zeitung: Die Religion besteht nicht in äußern Formen und Gebräuchen, sie ist das innerste Wesen eines jeden Menschen.
Am 18. März 1848 hat Urban den Bau einer großen, stabilen Barrikade in der Königsstraße am Alexanderplatz geleitet, wo er mit Schanzkörben Erde zwischen die gestapelten Gegenstände rieseln ließ. Einer der Schanzkörbe diente ihm als Beobachter zum Versteck. Dadurch konnte er einen durch Schüsse des Militärs Verletzten schnell aus der Schusslinie herausholen. Historisch bedeutsam ist auch die Überredung des von Bürgern gefangen genommenen Generalmajors von Möllendorf zur Unterzeichnung der sofortigen Feuereinstellung der Besatzung der Kaserne des Kaiser-Alexander-Grenadier-Regiments und des Kaiser Franz Grenadier Regiments am 19. März 1848.
Nach der Märzrevolution beantragte Urban eine Genehmigung zur Gründung einer freien Gemeinde des Urchristenbundes . Die erste Versammlung am 8. Oktober 1848 in der Gaststätte des Ehepaares Hillreimer in der Frankfurter Straße 77 wurde von der Polizei wegen Urbans Unpünktlichkeit nach 10 Minuten als ungesetzlich aufgelöst. Am 9. November 1849 fand die Gründung der freien Gemeinde des Urchristenbundes , die Verabschiedung des Glaubensbekenntnisses und der Kirchenordnung statt. Ludwig Urban wurde zum Vorsteher der Urchristengemeinde gewählt. Auf dem Banner der Urchristen steht: Vorwärts mit Gott, um Jedem das Seine zu schaffen.
Um 10 Uhr und nachmittags 3 Uhr fanden die kirchlichen Versammlungen der freien Berliner Gemeinde des Urchristenbundes in der Bierkneipe Hillreimer statt, morgens biblische und naturhistorische Vorträge und nachmittags die desfallsigen Besprechungen . Polizeispitzel berichteten ausführlich über die Versammlungen. Die Akten der Königlichen Polizeipräsidii zu Berlin „ Versammlungen und religiöse Vorträge von Tierarzt Urban – Urchristengemeinde“ enthalten 216 Seiten.
Am 5. Dezember 1879 starb Ludwig Urban mit 73 Jahren nach langem Leiden an Lungenkatarrh sowie weiteren Schäden an den Atemwegen durch einen Großbrand am Tag zuvor in einer Lagerhalle in der Blumenstraße.
Eine erweiterte Fassung dieses Beitrags erscheint in Kürze auf den Seiten des Historischen Arbeitskreises des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg.