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Liberal · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

BERESCHIT

ohne Namen · Allgemeine Rabbinerkonferenz – Paraschat HaSchawua · 2026-10-16 · Berlin · Quelle

Verantwortung · Hauptbotschaft Gemeinschaft · tragend Wissen · tragend

Der Mensch ist frei und moralisch unterscheidungskräftig, weshalb er einen Teil der Verantwortung für den Zustand seiner Gesellschaft trägt und diese durch sein Handeln mitgestalten kann.

Das bedeutet, dass wenn wir eine schlechte Gesellschaft um uns herum haben, dann ist diese wenigstens zum Teil unsere eigene Schuld und nicht Gottes Schuld, denn wir haben die Wahl wie wir uns verhalten und benehmen.

Der Text stellt die Frage, warum die von Gott geschaffene Welt nicht perfekt ist, und nimmt dafür die Schöpfungsgeschichte aus der Torah als Ausgangspunkt. Er betont, dass die Bibel von einem Garten östlich von Eden spricht, nicht von einem christlichen Paradies, und dass die verbotene Frucht nicht ausdrücklich ein Apfel ist. Die zentrale Lehre wird darin gesehen, dass der Mensch frei wählen kann und dabei zwischen Gut und Böse unterscheiden kann. Diese Freiheit und Unterscheidungskraft begründen laut Text die menschliche Würde und den göttlichen Hauch. Die Verantwortung für eine schlechte Gesellschaft wird dem Menschen selbst zugeschrieben, nicht Gott. Der Text ruft dazu auf, die eigene Mitbestimmung beim Gestalten der Gesellschaft zu erkennen und zu nutzen. Er schließt mit einem Schabbat-Gruß und verweist auf den jüdischen Kontext der Predigt.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Sünde, persönliches Versagen, Schuld vor Gott
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
praktisches Handeln am Nächsten, Werke; Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis
Was ist der Mensch nach diesem Text?
selbstbestimmt, Urheber seines Handelns
Wohin geht die Geschichte?
die Botschaft steht außerhalb der Geschichte
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf Argument, Logik, Wissenschaft
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

1. Mose 1,27 · 1. Mose 2-3

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
4 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
1 von 3, benannt: Christliche Tradition (bezüglich des Begriffs Paradies)
Zeitbezug
früher 2, jetzt 3, künftig 1

Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
BERESCHIT Keine perfekte Welt Immer wieder wird diese Frage gestellt: Warum, wenn Gott die Welt geschaffen hat, sowie wir das dieses Wochenende ganz am Anfang der Bibel, der Torah lesen, warum ist sie dann nicht perfekt. Bei menschlichen Schöpfungen, mit möglicher Ausnahme von einer Symphonie von Ludwig van Beethoven oder Wolfgang Amadeus Mozart, oder ein Bild von Rembrandt van Rijn oder Pablo Picasso, bei menschlichen Schöpfungen kann man doch immer meinen, dies hätte besser oder anders sein können. Aber wenn Gott uns Menschen geschaffen hat, sowie es in dem morgigen Abschnitt steht und ich zitiere jetzt – Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Warum sind wir dann nicht perfekt? Diese Frage stellen sich auch diejenigen unbekannten Autoren, denen wir unsere Bibel verdanken. Um sie zu beantworten, gaben sie uns die Geschichte vom Garten, der sich östlich von Eden befand – sowie es die Bibel ausdrückt. Die Torah, die Bibel spricht von keinem Paradies. Das Wort kennt die Torah nicht. Es ist eine spätere, christliche und keine jüdische Idee. Und in diesem Garten, der auf keiner Stadt- oder Landkarte steht, und in keinem Atlas zu finden ist, in diesem Garten hat der Mensch von einer verbotenen Frucht gegessen – und die Bibel sagt nicht, dass es ein Apfel war, sie spricht nur von einer Frucht- es hätte schließlich auch eine Feige oder ein Granatapfel sein können. Diese Geschichte vom Garten östlich von Eden mag ein Mythos sein, eines der größten und schönsten Mythen der Weltliteratur. Aber sie enthält eine fundamentale Lehre über den Zustand von Menschen auf Erden, von jedem von uns. Nämlich, dass wenn es sich darum handelt, was wir tun, ob wir früh aufstehen oder uns ausschlafen, ob wir Äpfel oder Trauben kaufen, ob wir die zwei Flügel von einem Huhn zum Mittag essen oder nur einen Teller Nudeln, all das entscheiden wir selbst, das ist unsere Wahl. So ist es heute, so war es im Garten östlich von Eden, so war es vom ersten Tag der menschlichen Geschichte. Und zweitens, wenn wir diese Wahl machen, so wissen wir was gut ist und was schlecht. Das lehrt uns die Geschichte von Adam und Eva und der Frucht, in die sie gebissen haben. Das weiß auch jeder von uns vom Moment unseres ersten Bewusstseins. So wie es der israelische Schriftsteller Amos Oz mal sagte, wir kennen eben den Unterschied zwischen Goethe und Goebbels, zwischen Teheran und Tel Aviv, zwischen Stalin und König Salomon, und im menschlichen Umgang zwischen Lob und Beleidigung, zwischen Ehrlichkeit und Betrug. Das bedeutet, dass wenn wir eine schlechte Gesellschaft um uns herum haben, dann ist diese wenigstens zum Teil unsere eigene Schuld und nicht Gottes Schuld, denn wir haben die Wahl wie wir uns verhalten und benehmen. Wir haben ein Mitbestimmungsrecht beim Gestalten unserer Gesellschaft. Das gibt uns unseren Auftrag und unsere Mission hier auf Erden. Das verleiht uns auch unsere menschliche Würde und den Hauch des Göttlichen, der uns Menschen vom Tag der an begleitet. Schabbat Schalom. Wiederverwendung mit freundlicher Genehmigung des RBB. Der Beitrag wurde dort am 01.10.2010 gesendet. 09.10.2026 Artikelarchiv >> Rabbiner & Rabbinerinnen Strömungen Positionen Bet Din Publikationen Links Impressum Home © Allgemeine Rabbinerkonferenz