Demokratie beruht auf Vertrauen und zivilgesellschaftlichem Zusammenhalt, die durch religiöse Gemeinschaften gestärkt werden; der Rückgang dieser Institutionen gefährdet die Demokratie, und jüdische Gemeinden sind aufgerufen, trotz Polarisierung vielfältig zusammenzubleiben.
Der Text ist eine Predigt zum 250. Jahrestag der USA, gehalten am Vorabend von Rosh HaSchana. Sie beginnt mit der Erinnerung an den 11. September 2001 und dem Gomel-Gebet der Gemeinde. Anschließend wird die Geschichte des Rabbiners Alexander Kohut erzählt, der 1885 nach Amerika emigrierte und Gott für seine Rettung aus dem antisemitischen Europa dankte. Der Text verknüpft die jüdische Erfahrung der Einwanderung mit dem amerikanischen Versprechen von Freiheit und Gleichheit. Zentrale These ist, dass Demokratie auf Vertrauen und zivilgesellschaftlichem Zusammenhalt beruht, der durch religiöse Gemeinschaften gestärkt wird. Der Rückgang religiöser Zugehörigkeit wird als demokratiegefährdend dargestellt. Die Predigt ruft dazu auf, trotz politischer Polarisierung in vielfältigen Gemeinden zusammenzubleiben und die 'Kunst des Zusammenlebens' zu üben.
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut auf Deutsch
Transkript
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Am 11. September 2001 brach der Morgen mit einem strahlend wolkenlosen Himmel an. Dieser Himmel ist für immer in meinem Gedächtnis eingebrannt, zusammen mit so vielen anderen Details dieses Tages: Rauch, der von Meilen entfernt sichtbar war. Sirenen, die nie aufzuhören schienen. Brücken, die in jede Richtung gesperrt waren. Fieberhafte Anrufe bei Angehörigen. Menschen, bedeckt mit Asche, die in betäubtem Schweigen in die Innenstadt gingen.
Einige Tage später versammelte sich unsere Gemeinde zum Rosh HaSchana in dem Heiligtum, das wir gerade nach einem verheerenden Brand im Jahr 1998 neu geweiht hatten. Rabbi Rubinstein wusste, dass unsere erschütterte New Yorker Gemeinde einen rituellen Moment kollektiver Dankbarkeit brauchte. Also rezitierten wir das Gomel-Gebet – den Segen, der dargebracht wird, wenn man eine lebensbedrohliche Erfahrung durchstanden hat. Wir schöpften Kraft aus uralten Worten, die Generationen vor uns in Dankbarkeit für ihr wundersames Überleben gesprochen haben. Baruch Atah Adonai…she'gemalani kol tuv „Gepriesen bist du, Ewiger…der mir so viel Gutes gewährt hat."
Das war nicht das erste Mal, dass Gomel von der Kanzel der Central Synagogue gesprochen wurde. Im Jahr 1885 eröffnete Rabbi Alexander Kohut, unser fünfter Seniorrabbiner, seine Antrittspredigt, indem er Gomel rezitierte, oder „benchte". Unsere deutschsprachige Gemeinde hatte einen Leuchtturm anheuern wollen, und Kohut hatte sich in Europa bereits als Gelehrter und begabter Prediger einen Namen gemacht.
Kohut hatte seine Frau und acht Kinder auf der beängstigenden, wochenlangen Überfahrt über den Atlantik mitgebracht und war nur sechs Tage vor seiner ersten Predigt in New York angekommen. Der schlanke, bärtige Rabbi stieg auf diese Kanzel und erklärte, dass der Talmud vier Menschen nenne, die Dankbarkeit darbringen sollten: jemand, der eine Seereise überlebt hat, eine Wüste durchquert hat, von einer Krankheit genesen ist oder aus der Gefangenschaft befreit wurde.
Kohut fühlte sich veranlasst, Gomel zu benchen, nicht einfach nur, weil er die Seereise überlebt hatte. Er sagte, er habe auch die Wüste des antisemitischen Europa durchquert, der Krankheit der Intoleranz entkommen und aus den physischen und geistigen Fesseln befreit worden, die europäischen Juden auferlegt wurden. Rabbi Kohuts erste Predigt in Amerika begann damit, dass er Gott dafür dankte, dass er ihm das Leben gerettet hatte, indem er ihn in dieses Gelobte Land brachte.
Stellen Sie sich für einen Moment vor, was Amerika für einen Juden wie Kohut im Jahr 1885 bedeutete. Er wurde erwachsen, als europäische Juden endlich die Staatsbürgerschaft erlangten, als Universitäten und Berufe für sie öffneten. Aber die rechtliche Emanzipation wurde nie in soziale Gleichheit übersetzt. Je integrierter die Juden wurden, desto intensiver wurde der Antisemitismus. Mob in ganz dem Russischen Reich führten in den vier Jahren vor seiner Ankunft über 250 Pogrome gegen Juden durch. Und selbst jene Juden, die französische, deutsche oder ungarische Staatsbürger wurden, wurden immer noch als Fremde unter den Völkern betrachtet.
Da wir in diesem Jahr Amerikas 250. Jahrestag begehen, erinnern wir uns an das Versprechen, das dieses Land für unzählige Immigranten und Flüchtlinge barg – wie die meisten unserer Familien –, die viele Meere überquerten, um hier ein neues Leben zu beginnen.
Denn Amerika bot Juden etwas radikal Neues: Volle Staatsbürgerschaft. Religionsfreiheit. Gleichheit vor dem Gesetz. Ein Jude konnte anders sein und trotzdem dazugehören. Ein Jude lebte hier nicht als Gast, dessen Willkommen bedingt war. Ein Jude war ein Amerikaner. Das allein war revolutionär.
Und diese Freiheiten waren Teil einer größeren revolutionären Idee: In Amerika glaubten wir, dass alle Menschen „gleich geschaffen" sind. Wir lehnten die Monarchie ab; stattdessen sollte die politische Macht dem Volk gehören. Amerika hat diesen Idealen nie voll und ganz gerecht geworden. Unsere Geschichte enthält tiefgreifende Versäumnisse. Aber unsere Gründungsdokumente gaben uns die Verantwortung, die Lücke zwischen Amerikas Versprechen und seiner Realität zu schließen.
Und es gab noch etwas anderes Radikalisches am amerikanischen Projekt. Die Demokratie hing nicht einfach von Gesetzen ab, die unsere Rechte schützen. Sie hing von etwas viel Fragilerem ab: Vertrauen. Eine Regierung „des Volkes, durch das Volk, für das Volk" kann nur überleben, wenn wir unseren Mitmenschen vertrauen. Thomas Paine verstand dies vor 250 Jahren. Er schrieb in Common Sense, dass eine wirksame Demokratie nicht allein auf einer starken Verfassung beruht; sie benötigt, was er eine „große Kette der Verbindung" nannte, die die Menschen zusammenhält.
Fünfzig Jahre später beobachtete der französische Staatsmann Alexis de Tocqueville unser seltsames amerikanisches Experiment und kam zu demselben Schluss, indem er feststellte, dass die Demokratie: „in besonderem Maße die freie Zustimmung der Regierten erfordert." Er erkannte: Die Demokratie beruht auf Vertrauen.
Tocqueville war fasziniert von der Art, wie die Amerikanen dieses Vertrauen aufbauten: „Amerikaner jeden Alters, jeder Stellung und jeder Gesinnung", bemerkte er, „bilden ständig Vereinigungen." Ja. Wir schufen Wohltätigkeitsorganisationen und Vereine, Gemeinden und bürgerliche Gruppen. Amerikaner konnten offenbar auf ein Problem nicht stoßen, ohne einen Ausschuss zu bilden. Und in diesen Institutionen lernten wir, was Tocqueville die „Kunst der Vereinigung" nannte, und übten die wesentlichen Muskeln der Demokratie: Wir organisierten uns. Wir stritten. Wir überredeten. Wir kompromissierten. Wir kooperierten.
Für die meiste der amerikanischen Geschichte waren wir außergewöhnliche „Beitrittsbereite". Doch beginnend in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts begann dieser reiche Stoff der Vereinigungen zu fransen, wie Robert Putnam in Bowling Alone berühmt beschrieben hat. Amerikaner hörten auf, Rotary Clubs und Elternvereine, Sportligen und Freiwilligengruppen beizutreten. Als diese Vereinigungen schwächer wurden, schwächte sich auch das soziale Kapital – und das Vertrauen –, das für die Demokratie wesentlich ist.
Unter den Institutionen, die in Amerika am stärksten im Niedergang begriffen sind, ist die Religion. Über 4.000 Kirchen haben in jedem Jahr des letzten Jahrzehnts geschlossen. Und 44 % der amerikanischen Erwachsenen unter 30 identifizieren sich nun als „Nones". Nein. Nicht diese Art. Sondern: „Was ist deine Religion?" Keine. 44 %!
Und dies ist nicht nur ein Problem für Gott und die Religion.
Tocqueville würde dies als ein Problem für die Demokratie betrachten.
Er betrachtete Gotteshäuser als „die vornehmsten der politischen Institutionen des Landes". Aber er war auch ein emphatischer Verteidiger der Trennung von Kirche und Staat. Das klingt nach einem Widerspruch.
Aber es ist keiner.
Tocqueville beobachtete, dass in Amerika die moralische Autorität der Religion gerade aus der Tatsache herrührte, dass die Religion: „keinen direkten Anteil an der Regierung der Gesellschaft nimmt." Ein Gotteshaus ist die vornehmste politische Institution nicht, weil es den Menschen sagt, wie sie wählen sollen, sondern weil es Bürger für die Demokratie ausbildet, auf zwei wesentliche Arten.
Erstens sind Gotteshäuser wie Mini-Demokratien; mit selbstverwalteten Vorständen, Budgets und Ausschüssen aller Art. Und glaubt mir, es ist schwer, bessere Wege zu finden, die demokratischen Fähigkeiten des Streits, der Verhandlung und des Kompromisses zu üben, als in einem Synagogenausschuss.
Zweitens, und vielleicht noch wichtiger, beobachtete Tocqueville, wie religiöse Gemeinschaften das moralische Fundament für das menschliche Zusammenleben schaffen: Sie lehren uns, unseren Nächsten zu lieben. Ehrlichkeit, Zurückhaltung und Vergebung zu üben. Ältere zu ehren. Den Waisen, die Witwe, den Armen zu schützen. Den Fremden zu lieben.
Gotteshäuser demonstrierten, was Tocqueville „selbstsucht richtig verstanden" nannte – die Erkenntnis, dass unser eigenes Eigeninteresse vom Gedeihen der gesamten Gemeinschaft abhängt.
Und lange bevor Tocqueville dies erkannte, lehrte das Judentum dasselbe.
Als unser Volk erstmals aus Jerusalem nach Babylon vertrieben wurde – traumatisierte Fremde in einem fremden Land – lehrte der Prophet Jeremia: Dirshu et shalom ha'ir… ki bishlomah yihyeh lachem shalom. „Sucht den Frieden und das Wohl der Stadt, in die ich euch vertrieben habe… denn wenn es ihr gut geht, wird es euch auch gut gehen."
Jeremia besteht darauf: Ihr müsst für das Wohl der Gesellschaft um euch herum arbeiten, denn euer Schicksal ist mit ihrem verknüpft. Das ist nicht nur bürgerlicher Rat. Es ist eine theologische Aussage darüber, wie Juden in der Welt leben sollen.
Ich weiß, dass dies gerade eine herausfordernde Botschaft sein kann. So viele von uns haben in den vergangenen Jahren echte Angst, Verzweiflung und Wut darüber empfunden, was mit den Juden in Amerika geschieht. Und unsere Reaktion ist oft, uns mit anderen Juden zusammenzurotten. Uns nur auf jüdische Themen zu konzentrieren. Nur jüdischen Anliegen zu spenden. Wir verstehen den Auftrag des Rabbiners Hillel mehr auf der Eingeweideebene: Wenn ich nicht für mich selbst bin, wer wird es für mich sein? Aber wir dürfen auch die zweite Zeile nicht vergessen: Wenn ich nur für mich selbst bin, was bin ich dann?
Hillel und Jeremia, die jeweils in Zeiten der Unsicherheit lebten, erinnern uns daran, dass wir sowohl ein praktisches Interesse als auch eine moralische Verpflichtung haben, uns in der Gesellschaft um uns herum zu engagieren. In einer Zeit, in der sich die jüdische Gemeinschaft fragt, ob das Goldene Zeitalter des amerikanischen Judentums vorüber ist, müssen wir uns erneut den demokratischen Werten verpflichten, die Amerika zur blühendsten Diaspora in der jüdischen Geschichte gemacht haben.
Wir müssen die Kunst des Zusammenlebens wieder üben. In das bürgerliche Leben unserer Nachbarschaften und Städte gehen. Unseren heiligen Ritus des Wahlens ernst nehmen. Die Rechte anderer so leidenschaftlich verteidigen, wie wir unsere eigenen verteidigen. Und vor allem: Vertrauen wieder aufbauen. Unsere Demokratie funktioniert ohne es nicht. Und wir können diese Arbeit hier in der Central beginnen. Diese Gemeinde – wie Amerika – enthält Vielheit. Demokraten und Republikaner. Sozialisten und Kapitalisten. Atheisten und Gottfürchtige. Manchmal, erstaunlicherweise, alle in derselben Familie.
E Pluribus Unum. Aus Vielen, EINS.
In der Central sind wir Teil eines zunehmend seltenen und lebenswichtigen amerikanischen Projekts: aus den Vielen EINS zu machen.
Und das ist schwer. Manchmal wirklich schwer. Das vergangene Jahr hat uns enorm auf die Probe gestellt. Wir wissen jetzt – schmerzhaft – dass selbst heilige Mauern nicht jede Bedrohung draußen halten können. Und wenn Themen existenziell wirken, kann es tief unangenehm, sogar bedrohlich sein, neben Menschen zu sitzen, die die Welt sehr anders sehen als man selbst. Wir beginnen zu glauben, dass „die andere Seite" nicht nur falsch ist. Sie sind unmoralisch. Böse. Unser Feind. Wir fragen uns, ob das Unbehagen, der Druck und der Kompromiss es wert sind, ob es überhaupt noch möglich ist, eine vielfältige Gemeinde zusammenzuhalten.
Denn es gibt eine verführerische Alternative. Eine rabbinische Kollegin hat mir von einer langjährigen Gemeindemitglied erzählt, das seine Synagoge für eine andere verlassen hat. Sie wollte dazugehören, wo sie wusste, dass alle um sie herum so wählten wie sie. Sie sagte: „Wenn ich in die Synagoge gehe, will ich eine warme Decke."
Ich verstehe diesen Wunsch. Aber ich bitte euch, dem Komfort des reibungsfreien Denkens zu widerstehen. Denn das Judentum – und die Demokratie – verlangen etwas Schwereres von uns: Bindungen aufzubauen, die stark genug sind, um unsere Meinungsverschiedenheiten zu tragen.
Ich habe Gespräche mit Gemeindemitgliedern geführt, die ich schätze, bei denen unsere Ideen stark kollidieren. Ihr habt mich von dieser Kanzel aus zu Themen sprechen hören, bei denen ich glaube, dass „die andere Seite" grundsätzlich falsch liegt. Aber Uneinigkeit sollte niemals Dämonisierung bedeuten. Und das habe ich daraus gelernt, Teil dieser außergewöhnlichen Gemeinde zu sein.
Denn „die andere Seite" sitzt genau neben euch in diesen Kirchenbänken. Und ihr habt gemeinsam gebetet, um unsere Geiseln nach Hause zu bringen. Ihr habt hungrigen New Yorkern Mahlzeiten serviert. Bei einander Schiwa-Minyanim besucht. Verwundbare Bürger, die aus der Inhaftierung zurückkehren, begleitet. Neues jüdisches Leben an dieser Aron Kodesch gesegnet.
Selbst wenn wir einander herausfordern – wir sind neugierig geblieben, wir haben zugehört. Wir haben gelernt, einander grundlegende Anständigkeit zuzugestehen – und einander zu vertrauen. Das ist die Kunst des Zusammenlebens.
Und als Juden sind wir gut geübt in den Werkzeugen, die es uns ermöglichen, zu debattieren – ohne Misstrauen und Verleumdung. Unser eigener Name, Jisrael, bedeutet „göttliche Ringer". Wir haben die heilige Debatte praktisch erfunden. Wir nennen es machloket l'shem shamayim – „Uneinigkeit um des Himmels willen". Unsere Tradition bewahrt Minderheitsmeinungen auf derselben Seite wie die Mehrheitsmeinung. Wir verstehen, dass es mehr als eine treue Auslegung geben kann.
So machen wir aus Vielen eines. Das ist es, was wir hier schmieden – wenn wir unsere Unterschiede überwinden und etwas Größerem dienen, als wir selbst sind. Und deshalb werde ich mein Rabbinat darauf setzen, diese inspirierende, meinungsfreudige, wunderschön vielfältige Gemeinschaft zusammenzuhalten. Ich sehe es als meine jüdische Verpflichtung. Und als meine patriotische.
E Pluribus Unum.
Es war nie leicht. Aber „wir, das Volk" sind nach wie vor damit beauftragt, eine vollkommeneren Union zu schaffen.
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Am 11. September sahen wir das dunkelste Übel, das Menschen tun können. Aber wir sahen auch das Beste von Amerika. Gewöhnliche Menschen taten außergewöhnliche Dinge für Fremde. Wir erkannten unsere gegenseitige Abhängigkeit. Wir vertrauten einander mit unseren Leben. Wir opferten uns für einen Zweck, der größer war als wir selbst. Für einen schrecklichen, leuchtenden Moment konnten wir fast Thomas Paines „große Kette der Verbindung" sehen.
Rick Rescorla war der Sicherheitsdirektor von Morgan Stanley, der Tausende seiner Mitarbeiter aus dem Südturm evakuierte. Der sich selbst als „Keltischer Krieger" bezeichnende Mann – der als Erwachsener zum Buddhismus konvertierte – entschied sich, „God Bless America" zu singen, als er verängstigte Menschen durch endlose Treppenhäuser führte, ihre Nerven beruhigte und ihre Geister hob.
Nachdem seine Mitarbeiter sicher draußen waren, ging Rescorla wieder hinauf, um nach anderen zu suchen. Zuletzt wurde er gesehen, wie er kurz vor dem Einsturz des Südturms die Treppe hinaufstieg.
Denken Sie einen Moment darüber nach. Ein Buddhist, „Keltischer Krieger", sang ein Lied, das von einem jüdischen Einwanderer geschrieben wurde – um Tausende von Amerikanern jeder Rasse und Religion zu stützen, während sie einen brennenden Turm verließen.
Dort, in diesem Treppenhaus, war Amerika, das Schöne.
Irving Berlin schrieb „God Bless America" in Dankbarkeit für das Land, das seiner Familie Zuflucht gewährt hatte.
Genauso wie vor 140 Jahren Rabbi Kohut Gott seine Dankbarkeit dafür darbrachte, in diesem Gelobten Land angekommen zu sein.
Vor 25 Jahren, nachdem die Türme fielen, versammelte sich unsere Gemeinschaft hier und brachte Dankesopfer dar.
Und nun – 250 Jahre nach der Gründung dieses großen demokratischen Projekts – bekräftigen wir unsere Dankbarkeit für diese Nation und übernehmen unsere Verpflichtung, sie zu stärken.
Wir denken an „God Bless America" als an eine Hymne, aber Berlin schrieb es als Segen und Gebet. In diesem neuen Jahr, 5787, beten wir, dass unser Land es weiterhin verdient, von Gottes Segen beglückt zu sein.
Die Gemeinde sang dann „God Bless America" mit.
Wortlaut im Original
Transcript
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September 11, 2001 dawned with a brilliant, cloud-free sky. That sky is forever etched in my memory, along with so many other details of that day: smoke visible from miles away. Sirens that never seemed to stop. Bridges closed in every direction. Frantic phone calls to loved ones. People covered in ash walking uptown in stunned silence.
A few days later, our congregation gathered for Rosh Hashanah in the sanctuary we had just rededicated after a devastating 1998 fire. Rabbi Rubinstein knew that our shaken New York congregation needed a ritual moment of collective gratitude. So, we recited the Gomel prayer — the blessing offered when one has come through a life-threatening experience. We drew strength from ancient words that generations before us have spoken in gratitude for their miraculous survival. Baruch Atah Adonai…she’gemalani kol tuv “Blessed are you God…who has bestowed such goodness on me.”
That wasn’t the first time Gomel was uttered from Central’s pulpit. In 1885, Rabbi Alexander Kohut, our fifth senior rabbi, opened his inaugural sermon by reciting, or ‘benching’ Gomel. Our German-speaking congregation had wanted to hire a luminary, and Kohut had already made a name for himself as a scholar and a gifted preacher in Europe.
Kohut had brought his wife and eight children on the harrowing, weeklong, voyage across the Atlantic and arrived in New York only six days before his first sermon. The slender, bearded rabbi ascended this pulpit and explained that the Talmud names four people who should offer thanksgiving: someone who has survived a sea voyage, crossed a wilderness, recovered from illness or been released from captivity.
Kohut felt compelled to bench Gomel not simply because he had survived the sea voyage. He said he had also crossed the wilderness of antisemitic Europe, escaped the illness of intolerance and been released from the physical and spiritual constraints placed upon European Jews. Rabbi Kohut’s first sermon in America began with him thanking God for saving his life by bringing him to this Promised Land.
For a moment, imagine what America represented to a Jew like Kohut, in 1885. He came of age as European Jews were finally gaining citizenship, when universities and professions were opening to them. But legal emancipation never translated into social equality. As Jews became more integrated, antisemitism only intensified. Mobs across the Russian empire waged over 250 pogroms against Jews in the four years before his arrival. And even those Jews who became French, German or Hungarian citizens, were still regarded as strangers among the nations.
As we mark America’s 250th this year, we remember the promise this country held for countless immigrants and refugees — like most of our families — who crossed many seas to make a new life here.
For America offered Jews something radically new: Full citizenship. Religious liberty. Equality under law. A Jew could be different and still belong. A Jew did not live here as a guest, whose welcome was conditional. A Jew was an American. This alone was revolutionary.
And those freedoms were part of a larger revolutionary idea: In America, we believed that all human beings “are created equal.” We rejected monarchy, instead, political power would belong to the people. America has never perfectly lived up to those ideals. Our history includes profound failures. But our founding documents gave to us, the responsibility of closing the gap between America’s promise and its reality .
And there was something else radical about the American project. Democracy did not simply depend upon laws protecting our rights. It depended upon something much more fragile: trust. A government “of the people, by the people, for the people” can only survive if we trust our fellow people . Thomas Paine understood this 250 years ago. He wrote in Common Sense that an effective democracy does not rest solely on a strong Constitution; it requires what he called a “great chain of connection” holding people together.
A half-century later, the French statesman Alexis de Tocqueville observed our strange American experiment and came to the same conclusion, noting that democracy: “peculiarly requires the free consent of the governed.” He saw: Democracy relies on trust.
Tocqueville was fascinated by the way Americans built that confidence: “Americans of all ages, all conditions, and all dispositions,” he noted. “ constantly form associations .” Yes. We created charities and clubs, congregations and civic groups. Americans apparently could not encounter a problem without forming a committee. And in these institutions, we learned what Tocqueville called, the “art of association,” and exercised the essential muscles of democracy: We organized. Disagreed. Persuaded. Compromised. Cooperated.
For most of American history, we were exceptional “joiners.” But beginning in the latter half of the twentieth century, that rich fabric of associations began to fray, as Robert Putnam famously chronicled in Bowling Alone. Americans stopped joining Rotary Clubs and PTAs, sports leagues and volunteer groups. As those associations weakened, so did the social capital – and trust –essential to democracy.
Among the institutions in greatest decline in America – is religion. Over 4,000 churches have closed each year of the last decade. And 44% of American adults under 30 now identify as “Nones.” No. Not that kind. As in: “What’s your religion?” None. 44% !
And this is not just a problem for God and religion.
Tocqueville would view this as a problem for democracy.
He regarded houses of worship as “ the foremost of the political institutions of the country.” But he was also an emphatic defender of the separation of church and state. That sounds like a contradiction.
But it isn’t.
Tocqueville observed that in America, religion’s moral authority derived precisely from the fact that religion took: “no direct part in the government of society.” A house of worship is the pre-eminent political institution not because it tells people how to vote, but because it trains citizens for democracy, in two essential ways.
First, houses of worship are like mini-democracies; with self-governing boards, budgets, and committees of all kinds. And trust me, it’s hard to find better ways to practice the democratic skills of disagreement, negotiation, and compromise than on a synagogue committee.
Second, and maybe more importantly, Tocqueville observed how religious communities create the moral foundation for human coexistence: Teaching us to love our neighbor. Practice honesty, restraint and forgiveness. Honor elders. Protect the orphan, the widow, the poor. Love the Stranger.
Houses of worship demonstrated what Tocqueville called “self-interest rightly understood” — the recognition that our own self-interest depends upon the flourishing of the entire community.
And long before Tocqueville recognized this, Judaism taught the same thing.
When our people were first exiled from Jerusalem to Babylon — traumatized strangers in a strange land — the prophet Jeremiah taught: Dirshu et shalom ha’ir… ki bishlomah yihyeh lachem shalom. “Seek the peace and prosperity of the city to which I have carried you… because if it prospers, you will prosper too.”
Jeremiah insists: you must work for the wellbeing of the society around you, because your fate is bound up with theirs. That’s not just civic advice. It’s a theological claim about how Jews are meant to live in the world.
I know this can be a challenging message right now. So many of us over these past years have felt real fear, despair and anger, about what is happening to Jews in America. And our response is often, to hunker down with other Jews. To focus only on Jewish issues. To give only to Jewish causes. We understand more viscerally Rabbi Hillel’s mandate; If I am not for myself, who will be for me? But we cannot forget the second line either; If I am only for myself, what am I?
Hillel and Jeremiah, who each lived in times of uncertainty, remind us that we have both a practical stake and moral obligation to stay engaged in the society around us. At a time when the Jewish community wonders if the Golden Age for American Jewry is over, we must recommit to the democratic values that have made America the most flourishing diaspora in Jewish history.
We must practice the art of associating, again. Show up in the civic life of our neighborhoods and cities. Take our sacred rite of voting seriously. Defend the rights of others as fiercely as we defend our own. And critically, rebuild trust . Our democracy doesn’t work without it. And we can begin that work right here at Central.This congregation — like America — contains multitudes. Democrats and Republicans. Socialists and Capitalists. Atheists and the God-fearing. Sometimes, remarkably, all in the same family.
E Pluribus Unum. Out of the many, ONE.
At Central, we are part of an increasingly rare and vitally important American project: making ONE out of the many.
And that is hard. Sometimes really hard. This past year has tested us tremendously. We know now – painfully – that even sacred walls cannot keep every threat outside. And when issues feel existential, it can be deeply uncomfortable, even threatening, to sit beside people who see the world very differently than you do. We begin to believe “the other side,” is not just wrong. They’re immoral. Evil . Our enemy. We wonder if the discomfort, strain and compromise is worth it, if holding a diverse community together is even still possible.
Because there is a seductive alternative. A rabbinic colleague told me about a longtime congregant who left his synagogue for another. She wanted to belong somewhere where she knew everyone around her voted the same way she did. She said: “When I walk into shul, I want a warm blanket.”
I understand that desire. But I’m asking you to resist the comfort of frictionless thinking. Because Judaism — and democracy – ask something harder of us: to build bonds strong enough to hold our disagreements.
I have had conversations with congregants I treasure, where our ideas strongly clash. You have heard me speak out from this pulpit about issues where I believe “the other side” is fundamentally wrong. But disagreement should never mean demonization. And I’ve learned that from being part of this extraordinary congregation.
Because the “other side” is sitting right next to you in these pews. And you’ve prayed together to bring our hostages home. You’ve served meals to hungry New Yorkers. Shown up at one another’s shiva minyans. Mentored vulnerable citizens returning from incarceration. Blessed new Jewish life at this ark.
Even when we challenge each other – we have stayed curious, we have listened. We have come to know – and trust – one another’s fundamental decency. This is the art of associating.
And as Jews, we are well practiced in the tools that allow us to debate – without suspicion and defamation. Our very name, Yisrael, means “divine wrestlers.” We practically invented sacred debate. We call it machloket l’shem shamayim — “disagreement for the sake of heaven.” Our tradition preserves minority opinions on the same page as the majority. We understand that there can be more than one faithful reading.
That’s how we make one out of many . It’s what we are forging here – when we transcend our differences and serve something bigger than ourselves. And that is why I will stake my rabbinate on holding this inspiring, opinionated, beautifully diverse community together. I see it is my Jewish obligation. And my patriotic one.
E Pluribus Unum.
It has never been easy. But “we the people” are still charged with creating a more perfect union .
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On 9/11 we saw the darkest evil humans can do. But we also saw the best of America. Ordinary people did extraordinary things for strangers. We recognized our mutual dependence. We trusted one another with our lives. We sacrificed for a purpose larger than ourselves. For one terrible, luminous moment, we could almost see Thomas Paine’s “great chain of connection.”
Rick Rescorla was the Morgan Stanley security director who evacuated thousands of his employees from the South Tower. The self-described “Celtic Warrior” — who converted to Buddhism as an adult — chose to sing “God Bless America” as he led terrified people down endless stairwells, steadying their nerves and raising their spirits.
After his employees were safely out, Rescorla went back up to search for others. He was last seen climbing the stairs shortly before the South Tower collapsed.
Think about that for a moment. A Buddhist, “Celtic Warrior,” sang a song written by a Jewish immigrant — to help shore up thousands of Americans of every race and religion as they escaped a burning tower.
There, in that stairwell, was America, the Beautiful.
Irving Berlin wrote “God Bless America” in gratitude to the country that had given his family refuge.
Just as 140 years ago, Rabbi Kohut offered God his gratitude for arriving in this Promised Land.
25 years ago, after the towers fell, our community gathered here, and offered thanksgiving.
And now – 250 years after the founding of this great democratic project – we reaffirm our gratitude for this nation and accept our obligation to strengthen it.
We think of “God Bless America” as an anthem, but Berlin wrote it as a blessing and a prayer. In this new year, 5787, we pray that our country continues to be worthy of God’s blessing.
T he congregation then joined in singing “God Bless America.”