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Humanistisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

„Lasst uns stärken, was uns verbindet“

ohne Namen · diesseits – Das humanistische Magazin · 2026-10-06 · Berlin · Quelle

Gemeinschaft · Hauptbotschaft Verantwortung · tragend Gerechtigkeit

Ehrenamtliches Engagement ist ein wesentlicher Ausdruck demokratischer Verantwortung und dient dazu, den gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer pluralistischen und krisenbehafteten Zeit zu stärken.

Der Text berichtet über das diesjährige Bürgerfest des Bundespräsidenten in Bonn, das unter dem Motto 'Musubu' (verbinden) stand und Japan als Partnerland hatte. Bundespräsident Steinmeier würdigte in seiner Rede das Ehrenamt als zentralen Baustein der Demokratie und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Er appellierte an die Anwesenden, demokratische Werte zu schützen und sich aktiv für die Gemeinschaft einzusetzen. Die Autorin Elke Krämer beschreibt ihre Eindrücke vom Fest, darunter kulturelle Darbietungen und Begegnungen mit japanischen Gästen. Im zweiten Teil des Textes wird Dagmar Müller-Funk, eine ehrenamtlich tätige Humanistin, interviewt. Sie erklärt ihre Motivation für das Engagement in der Bildung und Demokratieerziehung sowie ihre Sicht auf die Unterstützung von Ehrenamtlichen durch den Staat. Beide Teile betonen die Bedeutung von Mitgestaltung, Respekt und menschlicher Verbindung in der aktuellen Gesellschaft.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Feindschaft, Hass, Zerfall der Gemeinschaft
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit; praktisches Handeln am Nächsten, Werke
Was ist der Mensch nach diesem Text?
selbstbestimmt, Urheber seines Handelns
Wohin geht die Geschichte?
es wird besser, Entwicklung zum Guten (erschlossen)
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf eigenes Erleben, Zeugnis, Begegnung; auf Argument, Logik, Wissenschaft
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf andere, die Gesellschaft, andere Gruppen

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nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
4 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
1 von 3, benannt: Personen, die demokratische Werte verachten
Zeitbezug
früher 1, jetzt 3, künftig 2

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Elke Krämer Auf Vor­schlag des Huma­nis­ti­schen Ver­ban­des Nord­rhein-West­fa­len wur­de ich die­ses Jahr zum Bür­ger­fest des Bun­des­prä­si­den­ten in den Park der Vil­la Ham­mer­schmidt nach Bonn ein­ge­la­den. Die­se Vil­la mit dem gut vier Hekt­ar gro­ßen Land­schafts­park war von 1950 bis 1994 Amts- und Wohn­sitz des Bun­des­prä­si­den­ten der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, bis der Umzug nach Schloss Bel­le­vue erfolg­te. Das Bon­ner Domi­zil blieb als Zweit­wohn­sitz erhal­ten und kommt jetzt wie­der zu alten Ehren, bis die Reno­vie­rung von Schloss Bel­le­vue in acht Jah­ren vor­aus­sicht­lich abge­schlos­sen sein wird. Nach umfang­rei­cher Sicher­heits­über­prü­fung am Ein­gang konn­ten mei­ne Beglei­tung und ich den Park betre­ten und sahen schon bald die Vil­la Ham­mer­schmidt vor uns, konn­ten einen ers­ten Blick auf die weit­läu­fi­ge Park­land­schaft wer­fen. Musubu – die­ses japa­ni­sche Wort für „ver­bin­den, ver­knüp­fen“ – war das Mot­to des dies­jäh­ri­gen Bür­ger­fes­tes, Japan das Part­ner­land der Ver­an­stal­tung. Mit die­sem Mot­to begann auch Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er sei­ne Eröff­nungs­re­de, nach­dem er alle Besu­cher des Fes­tes will­kom­men gehei­ßen hat­te, beson­ders natür­lich den japa­ni­schen Minis­ter Mino­ru Kiuchi und alle anwe­sen­den Japa­ner. Der Bun­des­prä­si­dent beton­te, dass genau das im Ehren­amt täti­ge Men­schen tun: Men­schen mit­ein­an­der ver­bin­den, Fäden zu ande­ren knüp­fen. Rund 2000 Enga­gier­te aus 16 Bun­des­län­dern waren gela­den, die in den unter­schied­lichs­ten Berei­chen aktiv sind. Er sprach über Bonn als Stadt, die für den demo­kra­ti­schen Neu­an­fang unse­res Lan­des steht, für Grund­ge­setz, demo­kra­ti­sche Selbst­be­stim­mung, Welt­of­fen­heit und inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit und rief dazu auf, die­se Wer­te an künf­ti­ge Gene­ra­tio­nen wei­ter­zu­tra­gen und sie vor denen zu schüt­zen, die all das ver­ach­ten und mit Füßen tre­ten. Er erin­ner­te dar­an, dass Vie­les in Bonn begann, erwähn­te den Kli­ma­schutz, beton­te die wich­ti­ge Rol­le der glo­ba­len Gemein­schaft mit der Bemer­kung: „Wir brau­chen doch aus­ge­rech­net jetzt nicht auch noch Leug­ner des Kli­ma­wan­dels in den Regie­run­gen.“ Bonn sei also ein guter Ort für ein sol­ches Fest. Der Bun­des­prä­si­dent dank­te allen Ehren­amt­li­chen, egal, ob sie in der Haus­auf­ga­ben­hil­fe, im Ret­tungs­dienst, in der Betreu­ung von Flücht­lin­gen, der Hos­piz­ar­beit, in Sport und Kul­tur oder ande­ren Berei­chen aktiv sind. Er dank­te allen, auch stell­ver­tre­tend für die Vie­len, die die­ses Jahr nicht dabei waren. Beson­ders erwähn­te er noch die vie­len Feu­er­wehr­leu­te und Ein­satz­kräf­te, die bei den Wald­brän­den in den letz­ten Wochen extrem gefor­dert waren. Der Geist die­ses Enga­ge­ments und Mit­ein­an­ders sol­le wei­ter­ge­tra­gen wer­den, Men­schen sich mit­ein­an­der ver­bin­den. Auf Japa­nisch eben: „Musubu“ und auf Deutsch: „Lasst uns stär­ken, was uns ver­bin­det.“ Unter­schied­li­che Mei­nun­gen, Erfah­run­gen, Bedürf­nis­se tref­fen auf­ein­an­der, Kom­pro­mis­se müs­sen gesucht wer­den. Es kommt dar­auf an, wie wir mit all dem umge­hen. Genau da beginnt Demo­kra­tie. In Kri­sen nicht ver­za­gen, anpa­cken, strei­ten mit Respekt vor­ein­an­der, zusam­men­ste­hen, an Lösun­gen arbei­ten und nicht ver­ges­sen: die­se Men­schen, wir, sind die Mehr­heit. Und das Ehren­amt ist ein wich­ti­ger Teil davon. Die Demo­kra­tie ist eine Errun­gen­schaft: hüten wir sie gut, schüt­zen und ver­tei­di­gen wir sie. Das war noch ein­mal ein Appell, bevor unser Gast­ge­ber auf das groß­ar­ti­ge Pro­gramm zu spre­chen kam, das uns an die­sem Tag erwar­te­te. Über Bonn und Beet­ho­ven kam noch ein­mal Japan zur Spra­che. Der Bun­des­prä­si­dent erzähl­te von der japa­ni­schen Tra­di­ti­on, zum Jah­res­wech­sel die „Ode an die Freu­de“ zu sin­gen, in ganz Japan – und das auf Deutsch, bevor er dann das Bür­ger­fest als eröff­net erklär­te. Auch der japa­ni­sche Minis­ter sprach noch ein­mal kurz zu uns – auf Deutsch –, und so erfuh­ren wir, dass er als Kind teil­wei­se in Bonn auf­ge­wach­sen war, eine Zeit­lang in Deutsch­land stu­diert und auch als Dol­met­scher des japa­ni­schen Kai­sers gear­bei­tet hat­te. Bonn bezeich­ne­te er als sein zwei­tes Zuhau­se. Wie vom Bun­des­prä­si­den­ten bereits ange­kün­digt, war das Pro­gramm wirk­lich reich­hal­tig: neben Dar­bie­tun­gen der Big Band der Bun­des­wehr gab es Vor­füh­run­gen japa­ni­scher Kampf­kunst und Trom­mel­dar­bie­tun­gen, Vio­lin­spiel wur­de prä­sen­tiert, eben­so wie eine Dis­kus­si­on über künst­li­che Intel­li­genz in Schu­len. Bekann­te Künst­ler wie Wolf­gang Nie­de­cken und Gre­gor Meyle mit der Big Band der Bun­des­wehr run­de­ten das Pro­gramm ab. Für Füh­run­gen in der Vil­la Ham­mer­schmidt und im Kanz­ler­bun­ga­low muss­ten Inter­es­sier­te lan­ge anste­hen. Bunt gemischt prä­sen­tier­ten sich unter­schied­li­che Fir­men, dazu Orga­ni­sa­tio­nen mit Schwer­punk­ten wie Kin­der­hil­fe, Digi­tal­pakt im Alter, Gesell­schaf­ten zur Gesund­heits­för­de­rung und auch die Deut­sche Stif­tung für Enga­ge­ment und Ehren­amt. Die japa­ni­sche Kul­tur in allen Facet­ten mit kuli­na­ri­schen Spe­zia­li­tä­ten und Vor­füh­run­gen kul­tu­rel­ler Trach­ten, Gepflo­gen­hei­ten und Kal­li­gra­fie bil­de­te einen beson­de­ren Schwer­punkt. Stän­de ver­schie­de­ner Natio­nen, die kuli­na­ri­sche Genüs­se prä­sen­tier­ten, gab es reich­lich – wer da hung­rig oder durs­tig nach Hau­se ging, war selbst schuld. Ich hät­te gern noch das eine oder ande­re Häpp­chen pro­biert, wäre gern noch den Dar­bie­tun­gen auf der Haupt­büh­ne gefolgt. Aber Regen, der immer hef­ti­ger wur­de, bewog uns am Ende, doch vor­zei­tig die Heim­fahrt anzu­tre­ten. Es war ein Tag, voll von blei­ben­den Ein­drü­cken, an den ich ger­ne zurück­den­ke. Dagmar Müller-Funk Wie bist du zu deinem Ehrenamt beim Humanistischen Verband gekommen? Seit 2010 bin ich bei den Huma­nis­ten – damals noch bei der Frei­re­li­giö­sen Gemein­schaft Neu-Isen­burg. Recht bald habe ich im Prä­si­di­um mit­ge­wirkt, zunächst vor allem, um die Orts­ge­mein­schaft zu erhal­ten. Dann habe ich den enor­men Gestal­tungs­spiel­raum schät­zen gelernt, den mir die­ses Ehren­amt eröff­net. Unse­re drei Kin­der waren damals zwi­schen acht und 13 Jah­ren alt, und so konn­te ich auch mei­ne Freu­de am Umgang mit Kin­dern und Jugend­li­chen ein­brin­gen. Bil­dung liegt mir beson­ders am Her­zen. Des­halb bin ich seit eini­gen Jah­ren Lehr­kraft für Huma­nis­ti­sche Lebens­kun­de. Heu­te möch­te ich Räu­me schaf­fen, in denen Men­schen erle­ben, dass sie selbst etwas gestal­ten kön­nen. Wie schaffst du es, andere Menschen für Mitgestaltung und Engagement zu begeistern? Mir liegt Demo­kra­tie sehr am Her­zen. Kin­der und Jugend­li­che für Demo­kra­tie, glei­che Rech­te und Selbst­wirk­sam­keit zu begeis­tern, ist mir ein beson­de­res Anlie­gen. Dabei gilt mein Augen­merk auch Mäd­chen und jun­gen Frau­en, denn Gleich­be­rech­ti­gung auf dem Papier bedeu­tet noch lan­ge nicht glei­che Chan­cen. Demo­kra­tie darf nicht nur erklärt wer­den. Men­schen müs­sen erle­ben, dass ihre Mei­nung zählt, dass sie etwas bewir­ken kön­nen und dass Unter­schied­lich­keit aus­ge­hal­ten wird. Dann muss ich für die Begeis­te­rung gar nicht so viel tun: Mensch­lich­keit, Demo­kra­tie und Frei­heit sind – gut auf­be­rei­tet – Selbst­läu­fer. Was wünschst du dir von Politik und Gesellschaft, um ehrenamtliches Engagement besser zu unterstützen? Die Stan­dard­ant­wort: mehr Geld. In Zei­ten knap­per Kas­sen ist aber jede Unter­stüt­zung will­kom­men: mehr Frei­wil­li­ge, kos­ten­freie Tagungs- und Unter­richts­räu­me, mehr Sicht­bar­keit in Medi­en und bei öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen. Kom­mu­nen könn­ten bei­spiels­wei­se über eine Art Kom­pen­sa­ti­ons­kon­to Kos­ten aus­glei­chen, die durch ehren­amt­li­che Arbeit ent­ste­hen. Ehren­amt­li­che brau­chen nicht stän­dig Applaus. Aber sie soll­ten spü­ren, dass ihre Arbeit gesell­schaft­lich etwas wert ist. Denn bei aller Ver­schie­den­heit: Auf Mensch­lich­keit und Demo­kra­tie kön­nen wir uns doch wohl eini­gen. Welches Erlebnis in deinem Ehrenamt ist dir besonders in Erinnerung geblieben? Da ich das Amt der Frau­en­be­auf­trag­ten erst seit Kur­zem inne­ha­be, möch­te ich ein Bei­spiel aus dem Unter­richt nen­nen. Ein Unter­richts­wo­chen­en­de der Huma­nis­ti­schen Lebens­kun­de begann ganz harm­los mit der Hel­den­rei­se als Zugang zu „Mythen und Reli­gio­nen“. Am Ende ent­stan­den sehr per­sön­li­che Geschich­ten. Plötz­lich ver­schwam­men Geschlech­ter­rol­len: wei­nen­de Jungs, taf­fe Mäd­chen – und nie­mand schäm­te sich dafür. Das Beson­de­re war, dass die Grup­pe die­se per­sön­li­chen Erleb­nis­se als Gemein­schaft getra­gen hat. Für mich war das ein sehr kon­kre­ter Moment von Selbst­wirk­sam­keit, Offen­heit und Mensch­lich­keit. Mehr möch­te ich aus Respekt vor der Ver­trau­lich­keit nicht erzäh­len. Wie hast du das Bürgerfest beim Bundespräsidenten erlebt? Trotz der vie­len Men­schen habe ich mich dort sehr wohl und unter Gleich­ge­sinn­ten gefühlt. Über das The­ma Ehren­amt kam man schnell mit­ein­an­der ins Gespräch. Beson­ders ein­drucks­voll fand ich, wie unter­schied­lich Ehren­amt aus­se­hen kann – von Feu­er­wehr und THW bis zu Bil­dungs- und Men­schen­rechts­ar­beit. Was uns ver­bin­det, ist ein ähn­li­cher Impuls: Wir wol­len nicht nur zuschau­en. Die Big Band der Bun­des­wehr sorg­te für gute Stim­mung, das Cate­ring war erst­klas­sig. Scha­de waren nur die lan­gen Schlan­gen, durch die wir man­che Ange­bo­te – etwa die Füh­rung durch die Vil­la Ham­mer­schmidt – nicht mehr geschafft haben. Gab es eine Begegnung, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist? Die japa­ni­schen Tromm­ler. Sie waren über das gan­ze Gelän­de zu hören und mit ihrer prä­zi­sen Cho­reo­gra­fie auch eine ech­te Augen­wei­de. Hat der Tag deinen Blick auf dein eigenes Engagement verändert oder bestärkt? Es war schön, ein­mal eine öffent­li­che Wür­di­gung der eige­nen Tätig­keit zu erfah­ren. Mei­ne Hal­tung zum Ehren­amt hat sich dadurch aller­dings nicht ver­än­dert. Dafür bin ich schon zu lan­ge dabei: Ich bin eine Über­zeu­gungs­tä­te­rin. Welche Bedeutung hat es aus deiner Sicht, wenn der Bundespräsident ehrenamtliches Engagement öffentlich würdigt? Ich glau­be nicht, dass jemand sein Ehren­amt des­halb aus­übt. Wir tun das aus einem zutiefst inne­ren Antrieb. Man macht, was man kann und was gera­de nötig ist. Trotz­dem tut es gut, gese­hen und gewür­digt zu wer­den. Auch die Ehren­amts­kar­te fin­de ich eine gute Idee. Schön wäre, wenn sie künf­tig auch für den ÖPNV bezie­hungs­wei­se als Deutsch­land­ti­cket gel­ten könn­te – schließ­lich sind vie­le Ehren­amt­li­che viel unter­wegs und finan­zie­ren die­se Wege selbst oder über den Ver­band. An mei­nem Enga­ge­ment wür­de das nichts ändern. Ich bin ehren­amt­lich tätig, seit ich zwölf bin. Mei­ne tiefs­te Über­zeu­gung ist: Ein Staat kann und soll nicht alles leis­ten, was Men­schen auf kur­zen, infor­mel­len Wegen für­ein­an­der tun kön­nen. Dafür sind wir eben Mit­men­schen. Ash Ziab