Australien kann seine Rolle als Klimaführer bei der COP31 nur glaubwürdig erfüllen, wenn es zu Hause den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen einleitet und damit die Überlebensinteressen der pazifischen Inselstaaten respektiert.
Der Text argumentiert, dass das Verständnis der Klimakrise nicht mehr das Hauptproblem ist, sondern das fehlende Handeln mit der nötigen Dringlichkeit. Anhand von Berichten aus Tuvalu und Fidschi wird die unmittelbare Bedrohung für pazifische Gemeinschaften durch den Klimawandel als gelebte Realität dargestellt. Die moralische Autorität des Pazifiks leitet sich aus der Verbindung von Klimazielen mit Überlebensfragen ab. Australien wird als Co-Gastgeber der COP31 kritisiert, da sein Ausbau fossiler Brennstoffe zu Hause seine Glaubwürdigkeit auf der internationalen Bühne untergräbt. Der Text fordert von Australien und anderen Staaten konkrete Maßnahmen zur Beendigung der Förderung fossiler Energien und zur Erhöhung der Klimafinanzierung. Es wird betont, dass die Wochen bis zur Konferenz in Antalya genutzt werden müssen, um eine Einigung auf einen gerechten Übergang zu erneuerbaren Energien zu erzielen. Die Botschaft richtet sich an politische Entscheidungsträger, die Prioritäten des Pazifiks in den Verhandlungen zu wahren und nicht zu verwässern.
Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut auf Deutsch
Die deutlichste Botschaft aus der Pazifischen Pre-COP war, dass das Verständnis der Klimakrise nicht mehr die Herausforderung ist. Es ist das Handeln mit der Dringlichkeit, die sie erfordert.
Letzten Dienstag besuchte eine Handvoll Pre-COP-Delegierter das Funafuti-Atoll in Tuvalu, eines der am stärksten von der Klimakrise betroffenen Orte auf der Erde. Dort sahen sie mit eigenen Augen die verheerenden Auswirkungen der Klimakrise auf die kleine Atoll-Nation. Sie hörten von Gemeinschaften, deren Zukunft von Entscheidungen abhängt, die weit jenseits ihrer Küsten getroffen werden, und von Kindern, die sie baten, sich an diejenigen zu erinnern, die mit den Konsequenzen leben werden.
Schülerinnen und Schüler des Nadi Centre for Special Education wandten sich an die Delegierten: „Wir wollen in einem sicheren Fidschi, in einem sicheren Pazifik aufwachsen. Wenn ihr, die Führer, Entscheidungen über den Klimawandel trefft, denkt bitte an uns.“
Dieser Appell muss mit Australien, der Türkei und jeder Delegation, die zur COP31 in Antalya reist, reisen. Die bevorstehenden Entscheidungen werden bestimmen, ob diese Kinder in sicheren Häusern aufwachsen können, Zugang zu Wasser und traditionellen Lebensmitteln haben und ihre Verbindung zu ihrer Kultur aufrechterhalten können.
Für den Pazifik ist die Klimakrise eine gelebte Realität
Die moralische Autorität des Pazifiks rührt von der Klarheit her, mit der seine Menschen und Führer Klimabeschlüsse mit ihren realen und gelebten Konsequenzen verbinden. 1,5 °C ist hier nicht nur ein Ziel – es ist eine Überlebenslinie, die bestimmt, ob Gemeinschaften auf ihrem Land bleiben können, ob Süßwasser gesichert ist und ob Kinder die Orte erben können, die ihre Geschichten bewahren.
Ein lokaler Mann beobachtet die Küstenerosion auf der Insel Kakula. © Niki Kuautonga / Greenpeace
Aber die Führung des Pazifiks besteht auch darin, Lösungen vorzuschlagen und Rechenschaft einzufordern. Die Region leistet die Arbeit, Gemeinschaften zu schützen, während sie diejenigen, die über größere Ressourcen und Verantwortung verfügen, auffordert, ihre Arbeit zu tun. Regierungen können nicht anerkennen, was mit diesen Gemeinschaften geschieht, Solidarität versprechen und dann weiterhin die fossilen Brennstoffe ausbauen, die ihre Zukunft gefährden.
Für Tuvalu geht es bei dieser Arbeit um die Sicherung des Überlebens einer gesamten Nation. Premierminister Feleti Teo sagte in der Plenarsitzung: „Die Führer hatten die Gelegenheit, die fragile Zukunft Tuvalus und das, was wir tun, um sicherzustellen, dass wir als Nation überleben, mit eigenen Augen zu erleben.“ Seine Worte machen deutlich, dass Tuvalu bereits handelt, um seine Zukunft zu schützen. Es braucht die Welt, mit derselben Dringlichkeit zu handeln.
Es ist nicht fair, dass diejenigen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, den größten Preis zahlen, während die am meisten Verantwortlichen ihren gewohnten Kurs fortsetzen.
Die Glaubwürdigkeit Australiens steht auf dem Spiel
Für Australien stellen diese Botschaften einen direkten Test der Glaubwürdigkeit dar. Während es sich darauf vorbereitet, die Verhandlungen der COP31 gemeinsam mit der Präsidentschaft der Türkei zu leiten, wird seine Fähigkeit, ambitionierte Ergebnisse zu erzielen, durch die Entscheidungen getestet, die es zu Hause trifft.
Premierminister Anthony Albanese sagte in der Plenarsitzung: „Und wir müssen die Einheit, die hier herrscht, in Handlung umwandeln.“
Australien sollte an diesem Maßstab gemessen werden. Es kann 1,5 °C nicht glaubwürdig auf der globalen Bühne verteidigen, während es zu Hause die Produktion fossiler Brennstoffe ausbaut, die dieses Ziel untergräbt. Pazifische Gemeinschaften zu bitten, seiner Klimaführung zu vertrauen, während man gleichzeitig das Feuer der Krise, die ihr Überleben bedroht, anheizt, ist politische Doppelzüngigkeit.
Luftaufnahmen des Gasplattformkomplexes Marlin in der Bass-Straße, etwa 42 km vor der Gippsland-Küste von Victoria. © Greenpeace / Michaela Skovranova
Australiens Energiewende zu erneuerbaren Energien und seine Unterstützung für seine pazifische Familie sind wichtig, gleichen aber die Konsequenzen des Ausbaus der Kohle- und Gasproduktion zu Hause nicht aus. Um die Lücke in der Glaubwürdigkeit zu schließen, braucht Australien einen nationalen Fahrplan, um fossile Brennstoffe zu Hause fair auslaufen zu lassen, einschließlich eines geordneten Rückbaus der Produktion für den Export, mit Unterstützung für Arbeiter und Gemeinschaften. Eine Regierung, die andere zu schwierigen Entscheidungen auffordert, muss zeigen, dass sie bereit ist, ihren eigenen Hinterhof aufzuräumen.
Während das Bekenntnis zur Elektrifizierung eine willkommene Verpflichtung darstellt, wird sein Erfolg daran gemessen, ob erneuerbarer Strom fossile Brennstoffe verdrängt, Emissionen reduziert und Menschen erreicht, die ihn benötigen.
Die Arbeit zwischen jetzt und Antalya
Die Wochen zwischen jetzt und Antalya müssen diese Dringlichkeit in Handlung umwandeln. Im Zentrum dieser Arbeit muss der Aufbau einer Einigung darüber stehen, wie die Länder zu einem gerechten Übergang weg von fossilen Brennstoffen übergehen, der mit dem Ziel vereinbar ist, 1,5 °C am Leben zu halten, sowie eine Ausweitung und Zugänglichkeit der Klimafinanzierung.
Regierungen müssen sich auch auf die nächste globale Bewertung des Klimafortschritts vorbereiten: eine Gelegenheit, einen ehrlichen Blick darauf zu werfen, ob ihre gemeinsamen Anstrengungen funktionieren und was sie noch mehr tun müssen. Diese Bewertung muss von der neuesten Wissenschaft geleitet werden und zu stärkerem Handeln führen.
Der Premierminister der Salomonen, Wale, fasste die Frustration zusammen: „Wir stehen vor einem herablassenden Paradoxon, in dem die Schwere unserer Krise anerkannt wird, aber die Lösungen verwässert und abgeschwächt werden.“
Australien hat die Verantwortung sicherzustellen, dass die Prioritäten des Pazifiks die Verhandlungen mit ihrer Ambition intakt überstehen. Das bedeutet, Unterstützung für praktische Pläne aufzubauen, um fossile Brennstoffe gerecht auslaufen zu lassen, erneuerbare Energien zu beschleunigen, die sie ersetzen, und tiefgreifendere Emissionsreduzierungen zu erzielen. Es bedeutet auch, eine erhebliche Erhöhung der Finanzmittel sicherzustellen, damit Entwicklungsländer diesen Übergang vollziehen und ihre Gemeinden schützen können.
Der Pazifik hat den Standard gesetzt. Australien muss nun in Antalya ankommen, bereit, diesem Standard gerecht zu werden, mit der Glaubwürdigkeit, andere dazu aufzufordern, dasselbe zu tun.
Jasper Inventor ist stellvertretender internationaler Programmleiter für Greenpeace International
Wortlaut im Original
The clearest message from the Pacific Pre-COP was that understanding the climate crisis is no longer the challenge. Acting with the urgency it demands is.
Last Tuesday, a handful of Pre-COP delegates visited the Funafuti atoll in Tuvalu, one of the most climate-vulnerable places on Earth. There, they saw firsthand the devastating effects of the climate crisis on the small atoll-nation. They heard from communities whose futures depend on decisions made far beyond their shores, and from children asking them to remember those who will live with the consequences.
Students from the Nadi Centre for Special Education appealed to the delegates: “We want to grow up in a safe Fiji, in a safe Pacific. Leaders, when you make decisions about climate change, please remember us.”
That appeal must travel with Australia, Türkiye, and every delegation heading to COP31 in Antalya. The decisions ahead will shape whether these children can grow up with safe homes, access to water and traditional foods, and continued connection to their culture.
For the Pacific, the climate crisis is a lived reality
The Pacific’s moral authority comes from the clarity with which its people and leaders connect climate decisions to their real and lived consequences. 1.5°C is not just a goal here — it is a survival line that determines whether communities can remain on their land, whether freshwater is secure and whether children can inherit the places that hold their histories.
A local man observes coastal erosion on Kakula Island. © Niki Kuautonga / Greenpeace
But Pacific leadership also comes from proposing solutions and demanding accountability . The region is doing the work of protecting communities while asking those with greater resources and responsibility to do theirs. Governments cannot acknowledge what is happening to these communities, promise solidarity and then continue expanding the fossil fuels putting their futures at risk.
For Tuvalu, that work is about securing the survival of an entire nation. Prime Minister Feleti Teo told the plenary: “Leaders had the opportunity to witness firsthand the fragile future of Tuvalu and what we are doing to ensure that we survive as a nation.” His words make clear that Tuvalu is already acting to protect its future. It needs the world to act with the same urgency.
It is not fair that those who have contributed least to the climate crisis are the ones facing the greatest price, while those most responsible continue with business as usual.
Australia’s credibility is on the line
For Australia, these messages present a direct test of credibility. As it prepares to lead COP31 negotiations alongside Türkiye’s presidency, its ability to drive ambitious outcomes will be tested by the choices it makes at home.
Prime Minister Anthony Albanese told the plenary: “And we must turn the unity which is here into action.”
Australia should be held to that standard. It cannot credibly champion 1.5°C on the global stage while expanding the fossil fuel production that undermines that goal at home. Asking Pacific communities to trust its climate leadership while adding fuel to the crisis threatening their survival is political double talk.
Aerial documentation of the Marlin gas platform complex in the Bass Strait, about 42 km off Victoria’s Gippsland coast. © Greenpeace / Michaela Skovranova
Australia’s renewable energy transition and support for its Pacific family matters, but does not offset the consequences of expanding coal and gas production at home. To close the credibility gap, Australia needs a national roadmap to fairly phase out fossil fuels at home, including a managed wind-down of production for export, with support for workers and communities. A government asking others to make difficult decisions must show it is prepared to clean up its own backyard.
While the Electrification Pledge is a welcome commitment, its success will be measured by whether renewable electricity displaces fossil fuels, reduces emissions and reaches people who need it.
The work between now and Antalya
The weeks between now and Antalya must turn this urgency into action. At the centre of that work must be building agreement on how countries will move to a just transition away from fossil fuels at a pace consistent with keeping 1.5°C alive, and scaled up, accessible climate finance.
Governments must also prepare for the next global assessment of climate progress: an opportunity to take an honest look at whether their collective efforts are working and what more they must do. That assessment must be guided by the latest science and lead to stronger action.
Solomon Islands Prime Minister Wale captured the frustration: “We face a patronizing paradox where the severity of our crisis is acknowledged but the solutions are diluted, watered down.”
Australia has a responsibility to ensure Pacific priorities survive the negotiations with their ambition intact. That means building support for practical plans to phase out fossil fuels fairly, accelerate renewable energy that replaces them and deliver deeper emissions cuts. It also means securing a substantial increase in finance so developing countries can undertake that transition and protect their communities.
The Pacific has set the standard. Australia must now arrive in Antalya prepared to meet it, with the credibility to ask others to do the same.
Jasper Inventor is the Deputy International Program Director for Greenpeace International