Katholisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen
São Francisco, 800 anos depois
ohne Namen ·
Arquidiocese de São Paulo – Artigos e pronunciamentos do Cardeal Odilo Scherer ·
2026-10-10
· São Paulo
· Quelle
Umkehr · Hauptbotschaft
Demut · tragend
Gemeinschaft · tragend
Das auf Gott zentrierte, demütige und von Besitz gelöste Leben Franziskus von Assisi bleibt auch acht Jahrhunderte nach seinem Tod eine aktuelle Quelle der Inspiration für ein friedliches, brüderliches und ökologisch verantwortliches Zusammenleben.
Sein auf Gott zentriertes Leben hat ihn nicht von den Problemen seiner Zeit noch von der Schönheit der Geschöpfe entfernt, sondern ihm erlaubt, alle und alles zu lieben, ohne zu besitzen und ohne Gewalt.
Der Text erinnert an den 800. Jahrestag des Todes von Franziskus von Assisi und verbindet dies mit den brasilianischen Wahlen. Er beschreibt den Lebensweg Franziskus vom reichen Jungmann mit Kreuzzugsträumen zum asketischen Prediger der Armut und Brüderlichkeit. Die Kernbotschaft ist, dass Franziskus' Leben auch heute noch Inspiration bietet, weil es auf Gott zentriert ist und Loslösung von Besitz und Gewalt lehrt. Der Text betont, dass Franziskus alle Menschen und Geschöpfe als Brüder und Schwestern betrachtete. Er zeigt, wie Franziskus durch Demut und friedliche Begegnung auch bei denen ankam, die er zuvor für Feinde hielt. Der Gedankengang verknüpft die mittelalterliche Biografie mit gegenwärtigen Fragen nach Sinn, Ökologie und friedlichem Zusammenleben. Der Text schließt damit, dass Franziskus' Lehre aktuell bleibt für alle, die mehr als flüchtigen Ruhm und Macht suchen.
- Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
-
Festhalten, Begehren, Nicht-loslassen-Können; Leere, Orientierungslosigkeit, Verzweiflung
- Wo sitzt das Übel?
-
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
- Was hilft dagegen?
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innere Wandlung, Reue, Sinnesänderung; Genügsamkeit, Fasten, freiwilliges Opfer, Loslassen
- Was ist der Mensch nach diesem Text?
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von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
- Wohin geht die Geschichte?
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die Botschaft steht außerhalb der Geschichte
- Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
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auf den Stifter oder Propheten der Tradition; auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis
- Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
-
auch Tieren, Pflanzen, der ganzen Schöpfung
- Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
-
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst
Verwandte Texte aus anderen Traditionen
nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition
Wozu der Text aufruft
- sich von Gütern lösen (innerlich)
- alle Menschen als Brüder und Schwestern behandeln (zwischenmenschlich)
- ohne Gewalt lieben (gesellschaftlich)
Genannte Stellen
Mt 5,1-12
Gemessen
- Grundhaltung
- 1 von -2 bis 2
- Eindringlichkeit
- 2 von 3
- Reichweite
- 5 von 5
- Konkretheit
- 2 von 3
- Abgrenzung
- 1 von 3, benannt: keine
- Zeitbezug
- früher 3, jetzt 2, künftig 1
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut auf Deutsch
Am 4. Oktober, dem Festtag des heiligen Franziskus von Assisi, fiel in diesem Jahr auf die erste Runde der Wahlen in Brasilien. Am Vortag gedachte man des 800. Jahrestages seines Todes, den die Franziskaner als „Übergang des heiligen Franziskus" feiern. Der Besuch der kleinen Stadt des Heiligen und der Orte, die vom Leben des heiligen Franziskus geprägt sind, im Zentrum Italiens, bietet die Gelegenheit, in die mittelalterliche Vergangenheit und in den historischen, sozialen und religiösen Kontext einzutauchen, in dem der heilige Franziskus lebte.
Dort aber atmet man nicht nur die Nostalgie der Vergangenheit. Selbst acht Jahrhunderte nach seinem Tod hat der heilige Franziskus viel zu sagen für unsere Zeit. Was führt noch heute so viele katholische und nicht-katholische, gläubige und ungläubige Menschen dazu, mit Sympathie und Rührung auf den heiligen Franziskus zu blicken und in seinem Leben und seinen Lehren Inspiration zu suchen? Vielleicht kommt uns sofort in den Sinn, dass er der Schutzpatron der Ökologie ist, der Beschützer der Tiere, der Dichter des Bruders Sonne und der Schwester Mond… All das ist wahr, aber es handelt sich lediglich um Früchte einer Pflanze mit viel tieferen Wurzeln.
Franziskus war ein junger Mann wie so viele andere seiner Zeit, zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Idealist und aus einer reichen Familie, hatte er Träume von Größe: Er wollte ein Held in den Kreuzzügen sein, in Rüstung, mit einer Lanze in der Hand auf einem Pferd, um das Heilige Land von der Herrschaft der Muslime zu befreien. Sein Vater wollte, dass er sich darauf vorbereite, das Familienunternehmen zu führen, aber Franziskus, ergriffen von einer starken inneren Krise, stellte in Frage, ob all dies tatsächlich imstande sei, sein Leben mit Sinn zu füllen: Der Reichtum der Familie, die militärischen Ehren und die Eitelkeiten der Zeit würden sein Herz, das nach etwas Mehrem dürstete, sättigen?
Da beschloss er dann, sich von den Gütern dieser Welt zu lösen, einschließlich des väterlichen Erbes; arm mit den Armen, nahe den Kranken, denen man sich ekelt, bis er den Mut hatte, einen Aussätzigen zu umarmen und zu küssen. Franziskus wandte sein Herz ganz Gott zu, seinem einzigen und wahren Gut, und legte in ihn all sein Vertrauen. Er begann, von der Vorsehung Gottes zu leben, als Bittender, ohne auf die Sicherheiten zu zählen, die das gesellschaftliche Leben bieten konnte; die Lehren Jesu wurden zur Inspiration für sein alltägliches Leben. Manche hielten Franziskus für verrückt, aber er fühlte sich frei, leicht und glücklicher als je zuvor, reich an allen Gütern Gottes, die er mit Einfachheit und ohne Anhänglichkeit genießen konnte.
Sich tiefglücklich fühlend, wie ein Sohn des Vaters im Himmel, begann Franziskus, alle Menschen als Brüder und Schwestern zu betrachten, und er wollte, dass auch die Gruppe, die sich um ihn bildete, dieselbe Erfahrung des brüderlichen Lebens erlebte. Und er behandelte mit derselben Liebe den Bruder Aussätzigen, den Bruder Dieb, den Gefangenen, den Fremden… Brüder und Schwestern waren auch die übrigen Geschöpfe Gottes: Bruder Sonne, Schwester Mond, Wasser, Feuer, Wind, Mutter Erde, Schwester leiblicher Tod. Demütig und losgelöst, ruhig und versöhnt mit sich selbst, mit den übrigen Menschen und mit allen Geschöpfen, wurde Franziskus ein Mann des Friedens, respektvoll und aufnehmend gegenüber allen. Die Seligpreisungen des Evangeliums wurden zu seiner ständigen Inspiration.
Vor seiner Bekehrung hatte Franziskus geträumt, das Heilige Land mit dem Schwert zu erobern; nun siehe ihn als demütigen Pilger, ruhig und unbewaffnet, auf dem Weg zu dem Sultan von Ägypten, dessen Truppen die Kreuzritter bekämpften. Und so erwarb er die Aufnahme und die Bewunderung derer, die er zuvor für Feinde gehalten hatte, und seine Brüder konnten sich an den christlichen heiligen Stätten niederlassen, zur Aufnahme der Pilger, wie sie es noch heute tun. Franziskus sah, dass die Kirche Reformen brauchte, um zum echten Geist des Evangeliums Christi und zu seiner Sendung zurückzukehren. Aber er tat es nicht mit feurigen Reden oder beißenden Kritiken gegen die Übel der Zeit. Er begann die Reformen bei sich selbst und seiner Gruppe, indem er gegen den Strom der Ideale und der Eitelkeiten seiner Zeit schwamm und wie ein wahrer homo evangelicus – ein Mann des Evangeliums – lebte.
A ihm gesellten sich zahlreiche andere, die brüderliche Gemeinschaften bildeten und neue soziale Beziehungen pflegten. Die franziskanische Bewegung verbreitete sich rasch in Italien und in ganz Europa, zog gewöhnliche Menschen und angesehene Persönlichkeiten in ihren Bann und erreichte noch während seines kurzen Lebens die Höfe der Könige und der feudalen Herren. Sein Ruhm und der Erfolg seiner Bewegung machten ihn weder eitel noch selbstbezogen. Er blieb bis zum Ende seines Lebens demütig und bescheiden. Franziskus begegnete zwei Päpsten seiner Zeit, die ihn segneten und die Echtheit seiner Lebensweise anerkannten.
Acht Jahrhunderte später bleiben die Lehren des heiligen Franziskus aktuell und ziehen weiterhin die Aufmerksamkeit vieler auf sich, die von dem Leben mehr wünschen als die flüchtigen Momente des Ruhms, die die Eitelkeiten des Reichtums und der Macht bieten können. Sein auf Gott zentriertes Leben hat ihn nicht von den Problemen seiner Zeit noch von der Schönheit der Geschöpfe entfernt, sondern ihm erlaubt, alle und alles zu lieben, ohne zu besitzen und ohne Gewalt. Die Loslösung hat ihn frei und brüderlich gemacht; arm an Gütern fühlte er sich unermesslich reich, um mit den anderen die Liebe des „höchsten, heiligsten und guten Herrn" zu teilen, des einzigen, wahren und höchsten Gutes.
Kardinal Odilo Pedro Scherer
Erzbischof von São Paulo
Ursprünglich veröffentlicht in der Zeitung O ESTADO DE S.PAULO am 10. Oktober 2026
Wortlaut im Original
Dia 4 de outubro, festa de São Francisco de Assis, coincidiu neste ano com o primeiro turno das eleições no Brasil. No dia anterior, recordavam-se os 800 anos de sua morte, que os franciscanos celebram como “trânsito de São Francisco”. A visita à cidadezinha do santo e aos lugares marcados pela vida de São Francisco, no centro da Itália, oferece a ocasião para um mergulho no passado medieval e no contexto histórico, social e religioso em que São Francisco viveu.
Ali, porém, não se respira apenas a nostalgia do passado. Mesmo oito séculos após a sua morte, São Francisco tem muito a dizer ao nosso tempo. O que leva ainda hoje tantas pessoas católicas e não católicas, crentes e descrentes a olharem para São Francisco com simpatia e emoção, buscando inspiração em sua vida e em seus ensinamentos? Talvez nos venha logo à mente que ele é o padroeiro da ecologia, o protetor dos animais, o poeta do irmão sol e da irmã lua… Isso tudo é verdadeiro, mas trata-se apenas de frutos de uma planta com raízes muito mais profundas.
Francisco foi um jovem como tantos outros da sua época, no início do século 13. Idealista e de família rica, tinha sonhos de grandeza: queria ser um herói nas Cruzadas, vestindo uma couraça, lança em punho sobre um cavalo, para libertar a Terra Santa do domínio dos muçulmanos. Seu pai queria que se preparasse para tocar a empresa familiar, mas Francisco, tomado por uma forte crise interior, punha em dúvida se tudo isso, de fato, seria capaz de encher de sentido sua vida: a riqueza da família, as glórias militares e as vaidades do tempo saciariam seu coração sedento de algo mais?
Foi então que resolveu desapegar-se dos bens deste mundo, inclusive da herança paterna; pobre com os pobres, próximo dos enfermos, de quem sentia asco, até que teve a coragem de abraçar e beijar um leproso. Francisco voltou seu coração inteiramente para Deus, seu único e verdadeiro bem, e colocou nele toda a sua confiança. Passou a viver da providência de Deus, como mendicante, sem contar com as seguranças que a vida social podia oferecer; os ensinamentos de Jesus passaram a ser a inspiração para a sua vida cotidiana. Alguns pensaram que Francisco tinha enlouquecido, mas ele sentia-se livre, leve e feliz como nunca antes, rico de todos os bens de Deus, que podia apreciar com simplicidade e sem apego.
Sentindo-se profundamente feliz, como filho do Pai do céu, Francisco passou a olhar todas as pessoas como irmãos e irmãs e queria que também o grupo formado em torno dele vivesse a mesma experiência de vida fraterna. E tratava com o mesmo amor o irmão leproso, o irmão ladrão, prisioneiro, estrangeiro… Irmãos e irmãs eram também as demais criaturas de Deus: irmão sol, irmã lua, água, fogo, vento, mãe terra, irmã morte corporal. Humilde e desapegado, sereno e reconciliado consigo mesmo, com os demais humanos e com todas as criaturas, Francisco tornou-se um homem de paz, respeitoso e acolhedor em relação a todos. As bem-aventuranças do Evangelho tornaram-se a sua constante inspiração.
Antes de sua conversão, Francisco sonhara em conquistar a Terra Santa à espada; agora, ei-lo como humilde peregrino, sereno e desarmado, indo ao encontro do sultão do Egito, cujas tropas os cruzados combatiam. E assim conquistou a acolhida e a admiração dos que antes considerava inimigos e seus frades puderam estabelecer-se nos lugares santos cristãos, para a acolhida dos peregrinos, como fazem ainda hoje. Francisco viu que a Igreja precisava de reformas para voltar ao genuíno espírito do Evangelho de Cristo e à sua missão. Mas não o fez com discursos inflamados ou críticas mordazes contra os males do tempo. Começou as reformas a partir de si mesmo e do seu grupo, indo contra a corrente dos ideais e as vaidades do seu tempo e vivendo como um verdadeiro homo evangelicus – homem do Evangelho.
A ele juntaram-se numerosos outros, formando comunidades fraternas e cultivando novas relações sociais. O movimento franciscano espalhou-se rapidamente pela Itália e por toda a Europa, envolvendo gente comum e pessoas ilustres, chegando às cortes dos reis e senhores feudais ainda durante a sua breve vida. Sua fama e o êxito do seu movimento não o envaideceram nem o centraram no seu ego. Conservou-se humilde e despojado até o final de sua vida. Francisco encontrou dois papas de seu tempo, que o abençoaram e reconheceram a genuinidade do seu modo de viver.
Passados oito séculos, as lições de São Francisco permanecem atuais e seguem atraindo a atenção de muitos que desejam algo mais da vida do que os momentos fugazes de glória que as vaidades da riqueza e do poder podem proporcionar. Sua vida centrada em Deus não o afastou dos problemas do seu tempo nem da beleza das criaturas, mas lhe permitiu amar a todos e a tudo, sem possuir e sem violência. O desapego o tornou livre e fraterno; pobre de bens, ele sentiu-se imensamente rico para partilhar com os outros o amor do “altíssimo, santíssimo e bom Senhor”, único, verdadeiro e supremo bem.
Cardeal Odilo Pedro Scherer
Arcebispo de São Paulo
Publicado originalmente no jornal O ESTADO DE S.PAULO em 10 de outubro de 2026