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Judentum · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Die Entstehung der Vielfalt

Yonatan Amrani · Juedische Allgemeine, Wochenabschnitt · 2026-10-15 · Quelle

Gerechtigkeit · Hauptbotschaft Verantwortung · tragend Gemeinschaft

Die göttliche Ordnung nach der Sintflut besteht in der Vielfalt von Orten und Sprachen, die durch Abrahams Berufung mit dem Wert der Gerechtigkeit und des Rechts gefüllt werden soll, um weiteres Verderben zu verhindern.

Awrahams Aufgabe ist es, »Gerechtigkeit und Recht zu üben« und dadurch ein Leuchtturm für die anderen Nationen zu sein: »In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.«

Der Text analysiert den Wochenabschnitt Noach und betont, dass nach der Sintflut erstmals Namen und Orte eine zentrale Rolle spielen. Der Turmbau zu Babel wird als Versuch der Vereinheitlichung gedeutet, den Gott durch Zerstreuung und Sprachenvielfalt durchkreuzt. Ort und Sprache werden als Grundlagen nationaler Identität vorgestellt. Der Autor sieht in der Berufung Abrahams die nächste Stufe: Ein definierter Ort und eine definierte Sprache müssen mit Werten wie Gerechtigkeit und Recht gefüllt werden. Abraham soll ein Leuchtturm für alle Völker sein. Der Text schließt mit dem Appell, dass die Verantwortung für das tägliche Üben von Gerechtigkeit und Recht bei den Menschen liegt. Die Frage, ob dieses Experiment Früchte getragen hat, wird als tägliche Herausforderung formuliert.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Sünde, persönliches Versagen, Schuld vor Gott; Feindschaft, Hass, Zerfall der Gemeinschaft (erschlossen)
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
praktisches Handeln am Nächsten, Werke; Gebote befolgen, Ordnung einhalten, Pflichten erfüllen
Was ist der Mensch nach diesem Text?
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
Wohin geht die Geschichte?
eine Wende, ein Kommen, eine neue Ordnung steht bevor
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf den Stifter oder Propheten der Tradition
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

1. Mose 6,9–11,32 · 1. Mose 12,1

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
5 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
1 von 3
Zeitbezug
früher 3, jetzt 2, künftig 2

Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Aschkenas: Dies ist der Begriff, der die deutsch-französisch-jüdische Tradition beschreibt, die sich nach Europa und von dort aus in die gesamte jüdische Welt verbreitete. Der Ursprung des Begriffs liegt in unserem Wochenabschnitt. Nach der Erzählung der Sintflut erscheint eine schier endlose Liste von Noachs Nachkommen einerseits und Orten andererseits, von denen uns viele völlig unbekannt sind. Und im Herzen dieser Liste steht »Aschkenas«. Nein, selbst nach Ansicht der kühnsten Forscher gab es in der Zeit nach der Sintflut keine jüdische Siedlung in Deutschland oder Frankreich. Es handelt sich also um einen Namen, der im Laufe der Entwicklung des Judentums auf diese Region und ihre jüdische Tradition übertragen wurde. Wie erwähnt, ist Aschkenas Teil einer sehr langen Liste von Namen und Orten, die nach der Sintflut erscheint. Unmittelbar nach dieser Namensliste folgt die Geschichte vom Turmbau zu Babel, an deren Ende aus einer einzigen, einheitlichen Sprache viele Sprachen werden. Die Tora fragt nicht, wo Kajin wohnte Diese beiden Phänomene – Orte und Sprachen – waren in den Schöpfungserzählungen und den Anfängen der Menschheit bisher kaum präsent. Adam und Chawa wurden aus dem Garten Eden vertrieben, und seitdem wird kaum mehr ein Ort erwähnt. Die Tora fragt weder, wo Kajin wohnte, noch wie die Stadt hieß, in der Metuschelach oder in welchem Land Noach lebte. Zudem ist es der Tora nicht wichtig zu erwähnen, welche Sprache sie sprachen. Die Welt in ihren Anfängen war diesen beiden Phänomenen gegenüber gleichgültig, obwohl sie heute eine der entscheidendsten Grundlagen für die uns bekannte Identität bilden: Ort und Sprache. Man könnte fast sagen, dass die nationalen Identitäten, die wir heute kennen – ob in Europa oder Afrika, im Fernen Osten oder in Südamerika –, hauptsächlich auf diesen beiden Elementen basieren, zusammen mit der lokalen Kultur und einer gemeinsamen Geschichte. Und in der Tat wurde Adam im Garten Eden erschaffen – einem fantastischen und abstrakten Gebilde. Eine Sphäre, die eine perfekte Harmonie in sich bergen sollte: zwischen den Menschen untereinander, zwischen Mensch und Tier sowie zwischen den Menschen und der Schöpfung. In dem Moment, als diese Elemente durch Adams Sünde aus dem Gleichgewicht gerieten, wurden Adam und Chawa aus dieser idyllischen Fantasie vertrieben. Auch nach der Vertreibung aus dem Garten Eden war die Welt offenbar ein einziger Ort, an dem sich alles abspielte – der Mord an Hewel, Kajins Wanderschaft, die Entwicklung der Musikinstrumente und die Entdeckung des Eisens; all dies geschieht an einem Ort ohne Grenzen und Länder. Doch das Fehlen von Grenzen zwischen den Menschen führt zu Gewalt und Verderbnis, und Gott beschließt, einen »Reset« der Welt durchzuführen – die Sintflut spült alles fort, die Menschheit beginnt von vorn. Zwei Elemente definieren die Menschheit bei ihrem Neuaufbau nach der Sintflut: Ort und Sprache Wie bereits erwähnt, definieren zwei Elemente die Menschheit bei ihrem Neuaufbau nach der Sintflut: Ort und Sprache. Waren die zehn Generationen zwischen Adam und Noach bis dahin ohne Namen und Ort, so zeigt die Liste der Nachkommen Noachs eine Trendwende – es gibt Namen und Orte: Aschkenas, Scheba, Babel, Assur. Es entsteht eine neue Welt, in der zwischen dem Einzelnen und dem anderen, zwischen einer Nation und ihrer Nachbarin sowie zwischen dem einen und dem anderen Territorium unterschieden wird. Vollendet wird dieser Prozess in der Geschichte vom Turmbau zu Babel. Eine menschliche Tendenz zur Sammlung und Vereinheitlichung führt die Menschen dazu, sich an einem einzigen Ort zusammenzufinden und sich auf ein gemeinsames Ziel zu konzentrieren: den Bau eines Monuments, das ihre eigene Nichtigkeit überwinden und sie alle miteinander vereinen soll – eines Turms, »dessen Spitze bis an den Himmel reicht«. Es gelingt ihnen beinahe, ein einziges menschliches Konglomerat zu schaffen – ein einziges Imperium, das die gesamte Menschheit vereint. Doch Gott will es anders: Er will Zerstreuung und Selbstbestimmung, und so werden sie in alle Himmelsrichtungen verteilt. Nun ist die Zerstreuung nicht mehr nur geografisch, sondern auch sprachlich. Damit ist die gewaltige menschliche Revolution vollendet, die unmittelbar nach der Sintflut stattfindet – eine kulturelle und nationale Definition, die den umfassenden Begriff der Menschheit ersetzt oder einschränkt. Wird die Menschheit eine weitere Sintflut und Zerstörung verhindern? Zu welcher Art von Menschheit führt all dies? Wird diese Menschheit moralischer sein als jene vor der Sintflut? Wird sie eine weitere Sintflut und Zerstörung verhindern? Fragen, die offen bleiben, bis der Ruf an Awraham Awinu ergeht. Der Ruf an Awraham: »Geh aus deinem Land« (Lech Lecha), dessen erste Anzeichen wir am Ende des Wochenabschnitts sehen und über den wir in der kommenden Woche lesen werden, ist die nächste Stufe des partikularistischen nationalen Ansatzes. Ein definierter Ort und eine definierte Sprache genügen nicht; man muss sie mit Werten und einem Weg füllen. Awrahams Aufgabe ist es, »Gerechtigkeit und Recht zu üben« und dadurch ein Leuchtturm für die anderen Nationen zu sein: »In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.« Der göttliche Plan scheiterte zweimal: das erste Mal im Garten Eden, als der erste Mensch gegenüber der göttlichen Ordnung untreu wurde und vertrieben wurde; das zweite Mal, als die Menschheit ihren Weg verdarb und in der Sintflut umkam. Gott will keine weitere derartige Katastrophe: »Nie wieder soll eine Sintflut kommen, die Erde zu verheeren.« Doch wie hält Er sein Versprechen? Awraham ist die Antwort – ein neues wertbezogenes Modell, das die Völker der Welt betrachten sollen; ihn und seine Lehre sollen sie nachahmen und dadurch das Verderben und das Böse von der Erde fernhalten. Hat dieses Experiment Früchte getragen? Das ist eine Frage, die uns jeden Tag aufs Neue vorgelegt wird. Die Verantwortung liegt weder bei Awraham noch bei der Tora, sondern bei uns – in unserem täglichen Bestreben, »Gerechtigkeit und Recht« zu üben und unser eigenes kleines Stück Welt auf den richtigen Weg zu lenken. Der Autor ist Kantor und Religionslehrer. inhalt Der Wochenabschnitt Noach erzählt von G’ttes Beschluss, die Erde zu überfluten. Das Wasser soll alles Leben vernichten und nur Noach verschonen. Der soll eine Arche bauen, auf die er sich mit seiner Familie und einem Paar von jeder Tierart zurückziehen kann. So erwacht nach der Flut neues Leben. Der Ewige setzt einen Regenbogen in die Wolken als Symbol seines ersten Bundes mit den Menschen. Doch die beginnen, die Stadt Babel zu erbauen, und errichten einen Turm, der in den Himmel reicht. 1. Buch Mose 6,9 – 11,32 Dresden Tora-Projekt wird verlängert Mitten in Dresden wird derzeit in aller Öffentlichkeit eine Tora-Rolle geschrieben. Das Projekt soll jüdisches Leben sichtbar machen. Die Schreiberin sitzt in einem gläsernen Pavillon 14.10.2026 Talmudisches Klassengröße Was unsere Weisen über das Lernen in Gemeinschaft lehren von Yizhak Ahren 09.10.2026 Erziehung Der widerspenstige Sohn Wer sich gegen seine Eltern auflehnt, soll laut Tora mit dem Tod bestraft werden. 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