Die moderne Fixierung auf Optimierung, Effizienz und technische Lösungen verdrängt Trost, Hoffnung und generative menschliche Fürsorge, die als Fundament für ein gelingendes Leben und eine gerechte Gesellschaft notwendig sind.
Der Text nimmt eine augenzwinkernde Bemerkung über die Auswahl der Eltern zum Anlass, um die moderne Fixierung auf Optimierung, Effizienz und KI in Bildung und Gesellschaft zu thematisieren. Er kritisiert, dass dabei menschliche Begegnung, Zärtlichkeit, Beten und Trost ausgeblendet werden. Mit Verweisen auf Wittgenstein und Habermas wird die Grenze von Logik und Mathematik gegenüber dem Lebendigen betont. Trost wird als Kraft der Hoffnung vorgestellt, die Menschen befähigt, das Leben ohne Ausblendung des Bösen anzunehmen. Am Beispiel vertriebener Kinder in Syrien wird die Notwendigkeit von Verankerung, Selbstwissen und einem guten Lebensfundament herausgearbeitet. Die Gesellschaft wird aufgefordert, jungen Menschen echte Gelegenheiten und einen Lebensplatz zu schulden. Erziehung und Bildung sollen durch 'generative Menschen' erfolgen, die Vertrauen vermitteln und Freude am Blühen anderer haben. Abschließend wird mit der Anekdote von der Lehrerin in Baltimore die Liebe als entscheidende Kraft für gelungene Entwicklung hervorgehoben.
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
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Es gab da eine Lehrerin Predigt beim Gottesdienst zur Eröffnung des Studienjahres an der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz 1. Oktober 2026, PHDL
„Man kann nicht vorsichtig genug sein bei der Auswahl seiner Eltern.“ So hat mir eine Innsbrucker Bekannte vor einigen Tagen geschrieben. Was war das jetzt? Natürlich schmunzeln wir.
Zumindest eine halbe Sekunde brauchen wir, dass wir vermerken, dass wir uns die Eltern gar nicht ausgesucht bzw. gewählt haben. Es legt nahe, dass wir in allen Lebensbereichen eine Auswahl haben. Es vermittelt aber auch, dass es hohe Ansprüche gibt. Manchmal wird das noch bei Todesanzeigen deutlich: Sie war die beste Mama, die man sich vorstellen kann. Die Familie war ihm alles. Die perfekte Familie? Nun, davon haben wir schon lange Abschied genommen. Die Ansprüche sind schon da: die beste Pflege, die beste medizinische Leistung, die beste Schule … Man kann gar nicht vorsichtig genug sein bei der Auswahl seiner Lehrer:innen? Unsere Kinder haben ein Anrecht auf die besten Lehrer:innen?! Sehr viel wird in die Optimierung von Schule und Erziehung getan. Meist ist das verbunden mit der Forderung nach mehr Geld. Und es geht um technische und wirtschaftliche Effizienz und Leistungsfähigkeit, in den letzten Monaten viel um KI. Elon Musk hat vor einigen Tagen gemeint, dass wir in Hinkunft keine Universitäten und Hochschulen brauchen, weil die KI das besser mache. Und manche Schüler:innen meinen, sie könnten sich das ganze Lernen sparen, wegrationalisieren und sind schon mit einem Knopfdruck gescheiter als alle Professoren. Optimierung ist sicher auch moralisch gemeint (aus den Übeln das Gute hervorziehen), aber ebenso physikalisch (alle Kräfte bestmöglich nutzen) und ökonomisch (alle Energien am effizientesten einsetzen). Werden menschliche Freiheit und Ethik, werden zwischenmenschliche Begegnung und Gespräch ausgeblendet, werden Sicherheit und Gewissheit ausschließlich in abstrakten Gebieten wie Geometrie oder in der reinen Rationalität gesucht, dann führt das in die Isolation, dann wird von den wirklich bedrängenden Fragen abgelenkt. Mit Zahlen lässt sich kein Friede schließen.
Logik und Mathematik können Totes festhalten, nicht aber Lebendiges verstehen. Was ist mit dem Gesicht, mit dem Antlitz? Was mit der Zärtlichkeit und mit dem Eros, was mit der Schönheit, was mit dem Beten? Sind Zahlen arbeitslos? Haben Statistiken Probleme? Sterben Zahlen an Krankheiten? Und: Wer hat welches Wissen? Wem gehört dieses Wissen? Wie sieht Demokratie aus in der Wissensgesellschaft – und wie Gerechtigkeit in einer digitalisierten Welt? Denn Wissen ist auch Macht (Francis Bacon). Ludwig Wittgenstein (1889 -1951), der bedeutendste österreichische Philosoph des zwanzigsten Jahrhunderts, befasst sich mit der Abwechslung der philosophischen Diät im metaphorischen Sinne: „Eine Hauptursache philosophischer Krankheiten – einseitige Diät: Man nährt sein Denken mit nur einer Art von Beispielen.“1
1 Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Frankfurt a. M. 1971, §593.
Wie eine Mutter ihr Kind tröstet Aufklärung und Wissenschaften haben, so der im März 2026 verstorbene Jürgen Habermas, eines nicht vermocht: „das Bedürfnis nach Trost sei es zu stillen oder zum Vergessen zu bringen.“2 Trost, das ist gerade nicht Vertröstung, Trost, das ist die Kraft der Hoffnung. Diese gegenwärtigen Zeiten sind eine Herausforderung, unser psychosoziales Immunsystem gegenüber feindlichen Viren zu stärken. Geradezu tödliche Viren dieser Art sind z. B. Hass, Verachtung, Feindbilder oder auch verantwortungslose Gleichgültigkeit, und diese schleichen sich oft unbewusst ein. Was macht demgegenüber „resilienzfähig“ oder was macht unser Leben im guten Sinn robuster? Krisen wie die des Zusammenlebens, psychische Krisen, die Ökokrise, Kriege oder auch Gesundheitskrisen sind eine Herausforderung, eine gute Verankerung zu suchen, am Fundament des eigenen Lebens zu arbeiten.
Gottes Selbstmitteilung und Trost schenkt dem Menschen Freiheit und Vertrauen, er gibt dem Menschen Sinn und Richtung seines Lebens. Trost befähigt den Menschen, das Leben mit seinen Höhen und Tiefen, mit seiner Größe und mit seinem Elend, mit der Zerbrechlichkeit und mit seiner Fülle ohne Ausblendung des Bösen und der Schuld im Vertrauen und ohne Illusion anzunehmen, diesem Leben standzuhalten und es auch im Angesicht von Not, Verlust und Tod neu zu wagen. Er befreit zu befreiendem Handeln und zu Veränderung und sucht die Verwirklichung von Humanität, Gerechtigkeit und Frieden. Er gibt aber auch Bestand in gegenwärtig unveränderbaren Situationen, er lässt beistehen, wo kein Erfolg mehr lockt, wo es im Leben nichts mehr zu hoffen gibt.
Vor drei Jahren war ich in Syrien. Sehr viele Kinder waren „displaced“, psychologisch und auch spirituell. Größte Herausforderung ist die Haltung oder Absage: There is no future. Sie sind alleine gelassen, im Stich gelassen. In der Dunkelheit und in der Angst war niemand da, der sagt: Es wird wieder gut! – Es wird wieder gut! Das sagen Mütter zu ihren Kindern, wenn sie weinen und etwas sehr weh tut. Das ist nicht nur beschwichtigend gemeint. Es wird wieder gut! Dieses Wort ist mit dem Versprechen verbunden: Ich bin für dich da und ich setze mich ein, dass es für dich gut wird. – Junge Menschen müssen wissen, wer sie sind, was sie wollen, was sie können, wenn sie im Leben einen guten Weg gehen möchten. Der gute Start ins Leben hat mit offenen Türen und echten Gelegenheiten zu tun. Kurz, die Gesellschaft schuldet den jungen Menschen die Möglichkeit, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und an einer Existenz zu bauen. Und sie brauchen einen „Lebensplatz“. Die Gesellschaft schuldet der Jugend ein gutes Lebensfundament und einen guten Start ins Leben. Ein gutes Lebensfundament sind Selbstwissen, Selbstachtung und Selbstvertrauen. Junge Menschen sollen wissen, wer sie sind, was sie wollen, was sie können, wenn sie im Leben einen guten Weg gehen möchten.
Erziehung und Bildung möge durch Menschen erfolgen, die nicht nur an sich selbst und der eigenen Autonomie in erster Linie interessiert sind, sondern „generative Menschen“ sind, also Menschen, die selbst auf festem Grund stehen, Vertrauen vermitteln und Fr eude am Blühen anderer haben. Generativen Menschen geht es nicht nur um die eigene Selbstbehauptung.
Ihre Energien, ihre Zeit sind nicht durch die eigenen Interessen besetzt. Ohne generative, schöpferische Fürsorge und Verantwortung für andere, verarmt das Leben, es stagniert.
2 Jürgen Habermas, Die Neue Unübersichtlichkeit, Frankfurt a. M. 1985, 52.
Es gab da eine Lehrerin „Ein College-Professor ließ seine Soziologiestudenten in die Slums von Baltimore gehen, um Fallgeschichten über zweihundert Jugendliche zu sammeln. Sie wurden gebeten, eine Bewertung über die Zukunft eines jeden Jungen zu schreiben. In jedem Fall schrieben die Studenten:
‚Er hat keine Chance.‘ Fünfundzwanzig Jahre später stieß ein anderer Soziologieprofessor auf die frühere Studie. Er ließ seine Studenten das Projekt nachvollziehen, um zu sehen, was mit diesen Jungen passiert war. Mit Ausnahme von zwanzig J ungen, die weggezogen oder gestorben waren, erfuhren die Studenten, dass 176 der verbliebenen 180 einen mehr als ungewöhnlichen Erfolg als Anwälte, Doktoren und Geschäftsleute erlangt hatten. Der Professor war überrascht und beschloss, die Angelegenheit weiter zu verfolgen. Glücklicherweise lebten alle Männer in der Nähe, und er konnte jeden einzelnen fragen: ‚Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?‘ Jeder von ihnen antwortete: ‚Es gab eine Lehrerin.‘ – Die Lehrerin war noch am Leben, also machte er sie ausfindig und fragte di alte, aber noch immer aufgeweckte Dame, welche magisch Formel sie benutzt habe, um diese Jungen aus den Slums herauszureißen, hinein in erfolgreiche Leistungen. Die Augen der Lehrerin funkelten, und auf ihren Lippen erschien ein leises Lächeln. ‚Es war wirklich ganz einfach‘, sagte sie. Ich liebte diese Jungen.“ (Eric Butterworth)3 + Manfred Scheuer Bischof von Linz
3 Liebe: die einzig schöpferische Kraft. Nachgedruckt mit Genehmigung von Eric Butterworth (1992) 15f.