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Humanistisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

»Katholische Missionierung auf Staatskosten«

ohne Namen · Giordano-Bruno-Stiftung – Meldungen · 2026-05-11 · Mastershausen · Quelle

Gerechtigkeit · Hauptbotschaft Fürsorge · tragend Wahrhaftigkeit · tragend

Die öffentliche Finanzierung des Katholikentags mit Steuergeldern ist in einer mehrheitlich konfessionsfreien Gesellschaft verfassungsrechtlich und ökonomisch nicht gerechtfertigt, während gleichzeitig die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche unzureichend bleibt.

Diese öffentliche Subventionierung ist nicht nur verfassungsrechtlich verwerflich, sondern ergibt auch aus einer rein ökonomischen Sicht keinerlei Sinn.

Der Text beschreibt eine Protestaktion der Aktionsgruppe »11. Gebot« der Giordano-Bruno-Stiftung zum Katholikentag in Würzburg. Mit Großskulpturen, einer Kirchenaustritts-Beratungsstelle und einer Ausstellung soll auf die Trennung von Staat und Kirche sowie auf die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche aufmerksam gemacht werden. Die Kritik richtet sich gegen staatliche Zuschüsse in Höhe von mindestens 4,44 Millionen Euro, die als verfassungsrechtlich verwerflich und ökonomisch unsinnig bezeichnet werden. Es wird argumentiert, dass die katholische Kirche über ausreichende eigene Mittel verfüge und den Katholikentag-Verein als unabhängige Laienbewegung vorgebe, obwohl das Bistum Mitveranstalter sei. Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen wird als unzureichend dargestellt, insbesondere hinsichtlich transparenter Anerkennungsverfahren und der verspäteten Meldung an die gesetzliche Unfallversicherung. Der Text verweist auf den demografischen Wandel, wonach in Deutschland und auch in Würzburg die konfessionsfreie Bevölkerung in der Mehrheit sei. Die Kernbotschaft ist, dass die öffentliche Finanzierung eines überwiegend religiösen Events in einer mehrheitlich konfessionsfreien Gesellschaft nicht gerechtfertigt sei und gleichzeitig die Interessen von Missbrauchsopfern missachtet würden.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Ausbeutung, Unterdrückung, ungleiche Verhältnisse; Unwissenheit, Illusion, falsche Sicht der Wirklichkeit
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
gerechte gesellschaftliche oder politische Verhältnisse; Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis
Was ist der Mensch nach diesem Text?
selbstbestimmt, Urheber seines Handelns
Wohin geht die Geschichte?
es wird schlechter, eine Ordnung geht zu Ende
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf Argument, Logik, Wissenschaft; auf eigenes Erleben, Zeugnis, Begegnung
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf andere, die Gesellschaft, andere Gruppen

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Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

11. Gebot

Gemessen

Grundhaltung
-1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
3 von 3
Reichweite
4 von 5
Konkretheit
3 von 3
Abgrenzung
2 von 3, benannt: Die katholische Kirche und ihre Unterstützer in Politik und Medien
Zeitbezug
früher 1, jetzt 3, künftig 1

Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Seit zwölf Jahren reist die Aktionsgruppe »11. Gebot« zu jedem Kirchen- und Katholikentag, um mit ihrer drei Meter hohen Moses-Figur an das »11. Gebot« zu erinnern: »Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen!« Beim vom 13. bis 17. Mai stattfindenden Katholikentag in Würzburg wird »Moses« durch die bekannten Skulpturen des »Hängemattenbischofs« und des »Geldhamsters« unterstützt. Sie weisen auf einen »doppelten Skandal« hin: Während die katholische Kirche noch immer Millionenzuschüsse vom Staat kassiert, werden die Opfer sexueller Gewalt im Stich gelassen. Mit den drei aufsehenerregenden Großplastiken, einer »Kirchenaustritts-Beratungsstelle« und einer Ausstellung zur Geschichte der Betroffenen sexualisierter Gewalt der Betroffeneninitiative Hildesheim will das Aktionsteam »11. Gebot« der Giordano-Bruno-Stiftung gemeinsam mit dem »Aktionsbündnis Betroffeneninitiativen« auf die hinkende Trennung von Staat und Kirche sowie die verschleppte Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in kirchlicher Verantwortung aufmerksam machen. Das Protestbündnis richtet sich nicht nur gegen die schleppende Aufarbeitung der Missbrauchsfälle und gegen unangemessen niedrige Entschädigungsleistungen der Bistümer, sondern auch gegen die Strategie des »Churchwashing«. Gemeint ist damit eine bloße Symbolpolitik, die das Image der Kirche aufbessern soll, während die Interessen der Betroffenen weiterhin missachtet werden. Auch wenn bei der Prävention in den vergangenen Jahren einige Schritte unternommen wurden, zeige sich bei der Anerkennungspraxis ein gravierender Reformstau, heißt es aus dem Aktionsbündnis. Seit 2010 habe die katholische Kirche in Deutschland bei der transparenten und glaubwürdigen Ausgestaltung finanzieller Leistungen kaum Fortschritte erzielt. »Betroffene berichten weiterhin von intransparenten Verfahren, mangelnder Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen und unzureichender Kommunikation«, erklärt Jens Windel von der Betroffeneninitiative Hildesheim. »Dies steht im deutlichen Widerspruch zu dem Anspruch auf Aufarbeitung und Verantwortung. Wer Verantwortung übernehmen will, darf nicht den Eindruck erwecken, erst spät oder nur auf Druck hin zu handeln! « Matthias Katsch, Sprecher der Betroffeneninitiative »Eckiger Tisch«, weist darauf hin, dass nur 7 der über 900 Veranstaltungen des Würzburger Katholikentags sich mit der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche beschäftigen: »Auch wenn bei manchen der Eindruck besteht, 16 Jahre nach Aufdeckung des katholischen Missbrauchsskandals in Deutschland wäre alles aufgeklärt, muss man leider immer wieder klarstellen: Dem ist nicht so. So steht die Aufarbeitung der Aktivitäten deutscher Missbrauchspriestern im Ausland noch am Anfang. Betroffene etwa in Ecuador oder Brasilien machen sich auf den Weg, sichtbar zu werden und sich zusammenzuschließen. Für Betroffene ist nach wie vor das unbefriedigende kirchliche System der Anerkennungsleistungen belastend. Schade auch, dass die Herausforderungen der Aufarbeitung sexueller Gewalt etwa für viele Gemeinden nicht sichtbar werden.« Besonders irritierend sei, ergänzt Jens Windel, »dass die Kirchen Missbrauchsfälle jahrelang nicht an die gesetzliche Unfallversicherung gemeldet haben. Dadurch sind vielen Betroffenen, die für die Kirche beispielsweise als Messdiener tätig waren, beträchtliche Rentenzahlungen entgangen.« Wie der Deutschlandfunk am 6. März 2026 berichtete , wussten die Kirchen schon seit 2011 von diesen Versicherungsansprüchen, jedoch gaben sie die Missbrauchsfälle erst ab 2022 an die Versicherung weiter. »Da die Rentenzahlungen rückwirkend nur für die letzten vier Jahre erfolgen, ist der Schaden für die Betroffenen gewaltig«, sagt Jens Windel. »Man fragt sich, weshalb die Kirchen auf solche Weise agiert haben: Liegt es vielleicht daran, dass sie befürchteten, von den Versicherungen später in Regress genommen zu werden? Derartige Verfahren laufen ja bereits.« David Farago, Leiter der Aktionsgruppe »11. Gebot«, meint dazu, »dass sowohl die Kirchen als auch Teile der Politik den Bezug zur gesellschaftlichen Realität verloren haben«: »Sie agieren noch immer so, als sei die Mehrheit der Bevölkerung christlich. Dabei haben wir den Punkt erreicht, an dem weniger als die Hälfte der Menschen in Deutschland Mitglieder der katholischen oder evangelischen Kirche sind. Selbst im einst sehr katholischen Würzburg, dessen Bistum den Priester Wolfdieter Weiß seit Jahrzehnten schützt, obwohl dieser in mindestens 5 Pfarreien unzählige Kinder missbrauchte, sind Katholiken aktuell mit aufgerundet einem Drittel der Einwohner in der Minderheit, die Konfessionsfreien überschreiten hier pünktlich zum Katholikentag die bald bundesweit erreichte 50-Prozent-Hürde. Dies ist sicherlich mit ein Grund dafür, dass der Katholikentag trotz der starken Unterstützung durch den BR, tvMainFranken, der Mainpost, der Süddeutsche Zeitung und dem gastgebenden Bistum massive Probleme hatte, Privatunterkünfte für sein Glaubensfest zu finden.« 4,44 Millionen Euro Steuergeld für katholische Missionierung? Trotz der gravierenden Veränderungen in der Gesellschaft wird der Katholikentag in Würzburg mit mindestens 4,44 Millionen Euro von der öffentlichen Hand gefördert, kritisiert David Farago, Leiter des Aktionsteams »11. Gebot«: »Das Land Bayern gibt 3,0 Millionen Euro, der Bund anstatt wie traditionell 500.000 Euro erstmals 940.000 Euro und die mit über 815 Millionen Euro verschuldete Stadt Würzburg 500.000 Euro inklusive Sachleistungen. Dieses Geld muss die Stadt faktisch als Kredit aufnehmen, um es an die Kirche für ihr nicht nachhaltiges Missionierungsfest verschenken zu können. Wie will man so etwas in einer bald mehrheitlich konfessionsfreien Stadt rechtfertigen?! Welches Interesse sollten Würzburger Bürgerinnen und Bürger an einer katholischen Missionierung auf Staatskosten haben? Immerhin trägt die öffentliche Hand 44,4 Prozent der Gesamtkosten in Höhe von 10,0 Millionen Euro. Diese öffentliche Subventionierung ist nicht nur verfassungsrechtlich verwerflich, sondern ergibt auch aus einer rein ökonomischen Sicht keinerlei Sinn.« In der Begründung für die öffentlichen Zuschüsse ging man noch von »mehreren 10.000 Teilnehmenden« und ca. 1.000 Veranstaltungen aus. Stattdessen werden es nun wohl inklusive tausender Mitwirkender weniger als 30.000 Besucher und 900 Programmangebote sein, wie der Katholikentag selbst auf seiner Veranstaltungsseite angibt. Farago rechnet vor: »Bei 4,44 Millionen Euro von der öffentlichen Hand und 30.000 Teilnehmern wird jeder Besucher mit 148 Euro aus öffentlichen Steuermitteln subventioniert. Fällt die Besucherzahl noch niedriger aus, wäre die Pro-Kopf-Quote sogar noch höher. Eine absurd hohe Summe! Zum Vergleich: Für das Stadtfest gab es von der Stadt Würzburg keinen einzigen Euro Förderung – konnte aber über 130.000 Besucher anlocken. Das Festival Umsonst & Draußen mit etwa 80.000 Besuchenden erhielt vom Steuerzahler knapp 32.000 Euro. Der Katholikentag erhält im Vergleich mehr als das 15-fache an städtischen Steuermitteln bei weniger als halb so vielen Teilnehmenden!« Die Politik wollte diese hohe öffentliche Förderung unter anderem damit rechtfertigen, dass der Katholikentag angeblich Programmpunkte anbiete, die nicht nur für Katholiken, sondern für die gesamte Gesellschaft von Interesse seien. Doch dieses Argument lässt Farago nicht gelten: »Wenn man in der Programmdatenbank alle Schlagworte mit religiösem Bezug auswählt, erhält man 504 Ergebnisse. Über 56 Prozent der 900 Veranstaltungen drehen sich also um religiöse Themen. Darüber hinaus werden selbst weltliche Themen überwiegend durch die religiöse Brille betrachtet. Es wundert daher nicht, dass nach den eigenen Studien des Katholikentags weniger als zwei Prozent der Besucher keine Christen sind.« Auch der Vergleich mit anderen städtisch geförderten Kultur- oder Sportveranstaltungen greift zu kurz, meint David Farago: »Es ist ein allgemeiner Grundsatz des Haushaltsrechts, dass öffentliche Förderungen nur vergeben werden, wenn der Veranstalter die Kosten nicht selbst decken könnte. Während Kultur- und Sportvereine oft unterfinanziert sind, besitzt das Bistum Würzburg jedoch ein – kaufmännisch schlank gerechnetes – Vermögen von 423,9 Millionen Euro. 2026 betrugen alleine die Kirchensteuer-Erträge 178 Millionen Euro. Aus diesem Grund schiebt die Kirche den ›armen‹ Katholikentags-Verein als angebliche Laienbewegung und Veranstalter vor. Tatsächlich aber ist das Würzburger Bistum Mitveranstalter, von einer unabhängigen Bewegung kann somit keine Rede sein.« Kirchenkritik in Aktion Die Aktionsgruppe »11. Gebot« hat mit den Großskulpturen »Moses«, »Hängemattenbischof« und »Geldhamster« in der Vergangenheit für internationale Schlagzeilen gesorgt. Wer die Plastiken einmal vor Ort erleben möchte, findet dazu in den nächsten Tagen Gelegenheit: Das Aktionsbündnis wird von Dienstag, dem 12.05.2026, nachmittags bis Sonntag, dem 17.05.2026 vormittags am Dominikanerplatz in der Würzburger Innenstadt protestieren. Dort wird am Donnerstag, dem 14.05.2026, um 11:11 Uhr auch eine Pressekonferenz der Aktionsgruppe »11. Gebot« und des »Aktionsbündnisses Betroffeneninitiativen« stattfinden. Kontaktdaten »Aktionsteam 11.Gebot« : David Farago, 0175 410 25 35 Kontaktdaten »Betroffeneninitiative-Hildesheim« : Jens Windel, , 0176 476 112 85 Kontaktdaten »Eckiger Tisch« : Matthias Katsch, 0178 167 48 38 Zahlen und Hintergründe zur Finanzierung von Kirchen- und Katholikentagen: www.11tes-gebot.de . Social Media: Facebook: 11tes-gebot.de, Instagram: @11.Gebot. Die Aktion wird getragen von der Giordano-Bruno-Stiftung.