Sunnitisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen
Gastfreundschaft
DITIB Religionsamt ·
DITIB ·
2024-11-22
· Köln
· Quelle
Fürsorge · Hauptbotschaft
Demut · tragend
Gemeinschaft · tragend
Gastfreundschaft ist eine islamische Tugend, die Großzügigkeit mit Maß, Respekt und Rücksicht verbindet und sowohl Gastgeber als auch Gast zu einem bestimmten Verhalten verpflichtet.
Gastfreundschaft bedeutet nicht, mit dem, was man besitzt, zu prahlen, sondern den Gast aufrichtig zu ehren. Verschwendung sollte unbedingt vermieden werden.
Der Text ist eine Freitagspredigt der DITIB über Gastfreundschaft als islamische Tugend. Er verweist auf Abraham und den Propheten Muhammad als Vorbilder, die Gäste großzügig und respektvoll bewirteten. Aus Koran und Sunna werden konkrete Verhaltensregeln abgeleitet: Vorankündigung, Pünktlichkeit, angemessene Gesprächsthemen, Verzicht auf Verschwendung und gegenseitiges Bittgebet. Die Predigt betont, dass Gastfreundschaft nicht auf Pranger oder Überforderung des Gastgebers abzielen darf, sondern auf aufrichtige Ehrung und gegenseitigen Segen. Sie richtet sich an die gläubige Gemeinde und verbindet religiöse Pflicht mit alltagsnaher Etikette. Ein aktueller politischer oder gesellschaftlicher Bezug wird nicht hergestellt.
- Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
-
Gier, Konsum, unstillbares Verlangen nach mehr
- Wo sitzt das Übel?
-
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
- Was hilft dagegen?
-
Gebote befolgen, Ordnung einhalten, Pflichten erfüllen; praktisches Handeln am Nächsten, Werke
- Was ist der Mensch nach diesem Text?
-
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
- Wohin geht die Geschichte?
-
die Botschaft steht außerhalb der Geschichte
- Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
-
auf den Stifter oder Propheten der Tradition; auf die heilige Schrift der eigenen Tradition
- Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
-
den eigenen Glaubensgeschwistern
- Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
-
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst
Verwandte Texte aus anderen Traditionen
nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition
Wozu der Text aufruft
- Gäste im Voraus ankündigen (zwischenmenschlich)
- Geschenke austauschen (zwischenmenschlich)
- Für den Gastgeber beten (rituell)
Genannte Stellen
Koran 51:25 · Koran 51:26 · Ibn Hanbel IV, 157 · İbn Mâdsche, Et'ime, 55 · Ibn Mâdsche, Mesâcid, 6 · Muvatta, Husnu'l-huluk, 16 · Koran 49:12 · Buhârî, Edeb, 31
Gemessen
- Grundhaltung
- 1 von -2 bis 2
- Eindringlichkeit
- 2 von 3
- Reichweite
- 3 von 5
- Konkretheit
- 3 von 3
- Abgrenzung
- 0 von 3
- Zeitbezug
- früher 2, jetzt 3, künftig 1
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut anzeigen
Gastfreundschaft
(22.11.2024)
Werte Gläubige!
Gastfreundschaft und das Beherbergen von Gästen sind edle Tugenden, die uns vom Gesandten Allahs (s.a.s.) gelehrt wurden. Sie bieten uns eine wertvolle Gelegenheit, die Zufriedenheit Allahs zu erlangen. Doch wie in allen Bereichen des Lebens gibt es auch bei der Gastfreundschaft bestimmte Etikette und moralische Prinzipien, die wir beachten sollten. In der heutigen Predigt möchte ich einige wesentliche Aspekte dieses Themas beleuchten – basierend auf dem Koran, der Sunna und den daraus entstandenen kulturellen Traditionen.
Liebe Gläubige!
Denken wir über das Beherbergen von Gästen nach, kommt uns Abraham (a.s.) in den Sinn. Im Koran beschreibt Allah, wie Abraham (a.s.) seine Gäste mit großer Freundlichkeit und Großzügigkeit behandelte, obwohl er sie nicht kannte. Als diese Fremden an sein Haus kamen und mit „Selâm“ grüßten, erwiderte er ebenfalls „Selâm“ und lud sie herzlich ein.[1] Er betrachtete sie als „Gäste Allahs“ und bereitete ihnen ein Mahl, ohne zu fragen, ob sie hungrig waren.[2] Dieses vorbildliche Verhalten hat in unserer Kultur einen besonderen Platz und wird als „Halil-Ibrahim-Tisch“ bezeichnet. Für uns bedeutet das Beherbergen von Gästen mehr, als nur Speisen anzubieten. Es bedeutet, sie herzlich willkommen zu heißen, sie mit Respekt zu behandeln und ihnen keine Verlegenheit zu bereiten.
Auch unser geliebter Prophet Muhammad (s.a.s.) hat die Bedeutung der Gastfreundschaft vielfach betont. Er sagte: „Es gibt nichts Gutes an dem, der keinen Gast bewirtet.“[3] Zudem erklärte er, dass Gäste Segen und Güte mit sich bringen.[4] Sein eigenes Zuhause war stets ein Ort, an dem viele Gäste Zuflucht und Gastfreundschaft fanden.[5]
Liebe Geschwister!
Eine vorbildliche Gastfreundschaft beginnt mit Rücksicht und einer respektvollen Ankündigung. Informieren wir diejenigen, die wir besuchen möchten, stets im Voraus – unabhängig davon, wie gut wir befreundet sind. Unser geliebter Prophet (s.a.s.) sagte: „Tauscht Geschenke aus, damit die Liebe zwischen euch wächst.“[6] Ein kleines Geschenk zeigt Respekt und Wertschätzung und stärkt die Beziehung. Bemühen wir uns, pünktlich zu sein, und fragen wir bei der Ankunft erneut, ob der Gastgeber Zeit für uns hat. Sollte dies nicht der Fall sein, zeigen wir Verständnis und kehren höflich zurück. Beim Betreten des Hauses sollten wir stets seitlich zur Tür stehen und geduldig warten, bis wir hereingebeten werden. Nehmen wir dann den Platz ein, den uns der Gastgeber zuweist, und verhalten wir uns dabei höflich, freundlich und respektvoll. Als Gastgeber ist es wichtig, Großzügigkeit zu zeigen, jedoch ohne die eigenen finanziellen Möglichkeiten zu übersteigen. Gastfreundschaft bedeutet nicht, mit dem, was man besitzt, zu prahlen, sondern den Gast aufrichtig zu ehren. Verschwendung sollte unbedingt vermieden werden. Ein guter Besuch zeichnet sich auch durch die Wahl der Gesprächsthemen aus. Halten wir uns fern von Verleumdungen oder dem Ausforschen privater Angelegenheiten.[7] Sollte ein solches Gespräch beginnen, lenken wir es auf positive und nützliche Themen oder beenden es höflich. Folgen wir dabei dem Ratschlag unseres Propheten (s.a.s.), der sagte: „Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, soll Gutes sprechen oder schweigen.“[8]Achten wir zudem darauf, die Dauer unseres Besuchs angemessen zu halten, damit der Gastgeber nicht überfordert wird. Zum Abschluss sollten wir als Gäste für den Gastgeber beten, denn solche Bittgebete haben vor Allah eine besondere Bedeutung.[9] Ebenso sollten Gastgeber ihre Gäste darum bitten, für sie zu beten, um so gegenseitigen Segen und Liebe zu fördern.
Die DITIB-Predigtkommission
[1] Dhâriyât, 51/25.
[2] Dhâriyât, 51/26.
[3] Ibn Hanbel, IV, 157.
[4] İbn Mâdsche, Et’ime, 55.
[5] Ibn Mâdsche, Mesâcid, 6.
[6] Muvatta, Husnu’l-huluk, 16.
[7] Hudschûrât, 49/12.
[8] Buhârî, Edeb, 31.
[9] Ebu Dâvûd, Vitr 29.
2024-11-22
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