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Von Berufs wegen ein Segnender Predigt bei der Priesterweihe von Br. Adam Bergmann OFM 4. Juli 2026, Stadtpfarrkirche Wels

ohne Namen · Dioezese Linz – Predigten und Ansprachen von Bischof Scheuer · 2026-07-04 · Linz · Quelle

Fürsorge · Hauptbotschaft Demut · tragend Gemeinschaft · tragend

Die Priesterweihe ist ein heilsamer Kontrapunkt gegen den Strukturfetischismus in der Kirche, der durch franziskanische Armut, die Pflege lebendiger Beziehungen und das Segnen als radikale Gottesbeziehung und Nächstenliebe gelebt wird.

Br. Adam wird von Berufs wegen ein Segnender sein! Und er ist zum Gebet berufen: „Bist du bereit, zusammen mit dem Bischof im Gebet, das uns aufgetragen ist, Gottes Erbarmen für die dir anvertraute Gemeinde zu erflehen?“

Die Predigt bei der Priesterweihe von Br. Adam Bergmann kritisiert einen 'Strukturfetischismus' in Kirche und Gesellschaft, der lebendige Beziehungen durch Zahlen und Verwaltung ersetzt. Als Gegenentwurf wird die franziskanische Armut vorgestellt, die als radikale Freiheit und Abhängigkeit von Gott verstanden wird. Der Text betont, dass wahre Armut nicht nur materiell, sondern auch als Erfahrung von Entbehrung und Gebrochenheit zu verstehen ist. Diese Haltung relativiert Besitz und Macht und lenkt den Blick auf die Schwachen und Kranken. Zitate von Leo XIV. und Bonhoeffer unterstreichen die Notwendigkeit physischer Nähe und des Segnens als Antwort auf Leid. Die Priesterweihe wird als heilsamer Kontrapunkt zu einer entmenschlichten Bürokratie gefeiert. Der Prediger ruft dazu auf, Beziehungen zu pflegen und in der Gemeinde Fürbitte zu leisten.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Festhalten, Begehren, Nicht-loslassen-Können; Abkehr von Gott, Gleichgültigkeit, Götzendienst
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
Genügsamkeit, Fasten, freiwilliges Opfer, Loslassen; persönliche Erfahrung, Zeugnis, Begegnung mit Gott oder Menschen
Was ist der Mensch nach diesem Text?
vor allem als Angenommener und Beschenkter beschrieben
Wohin geht die Geschichte?
die Botschaft steht außerhalb der Geschichte (erschlossen)
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf den Stifter oder Propheten der Tradition; auf ein gegenwärtiges Oberhaupt, Lehrer, Amt
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
den eigenen Glaubensgeschwistern
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

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nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

Lk 12,34 · Mt 6,19 · 2 Kor 12,9 · 1 Kor 1,18-31

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
3 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 2, jetzt 3, künftig 1

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Von Berufs wegen ein Segnender Predigt bei der Priesterweihe von Br. Adam Bergmann OFM 4. Juli 2026, Stadtpfarrkirche Wels „Er wendet sein Interesse ab vom Leben, von den Menschen, von der Natur und den Ideen – kurz, von allem, was lebendig ist; er verwandelt alles Leben in Dinge, einschließlich seiner selbst und der Manifestationen seiner menschlichen Fähigkeiten der Vernunft, des Sehens, des Hörens, des Fühlens und Liebens. … und viel von der Liebe und Zärtlichkeit, die ein Mensch besitzt, wendet er seinen Maschinen und Apparaten zu.“1 So hat Erich Fromm schon vor Jahrzehnten geschrieben. Wenn man heute gesellschaftliche und kirchliche Vollzüge anschaut, dann spielen nicht selten Zahlen, Statistiken oder auch Strukturen die Hauptrolle. Viele Sitzungen landen nach einem kurzen spirituellen Einstieg bei der Verwaltung, beim Geld, bei der Macht und bei Strukturen. Und das gilt nicht zuletzt für pastorale Berufe. Wenn heute Br. Adam von den Franziskanern zum Priester geweiht wird, so kann das ein heilsamer Kontrapunkt auf einen Strukturfetischismus in der Kirche sein. Denn wo dein Schatz ist, dort wird auch dein Herz sein (Lk 12,34) Franz von Assisi schreibt in der ‚Früheren Regel’ aus den Jahren 1210- 1221: „Regel und Leben dieser Brüder ist so: … zu leben und der Lehre und Spur unsres Herrn Jesu Christi zu folgen. Der sagt: Willst du vollkommen sein, geh hin und verkaufe alles, was du hast, und gib‘ s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir.“ Bei Absage an die Sorge geht es um das „Zuerst“ des Reiches Gottes, um die Gottesfrage: Gott oder Götze. „Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde.“ (Mt 6,19) „Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“ (Lk 12,34) – Franz von Assisi will arm und nackt dem armen und nackten Christus nachfolgen. In einer Bettelexistenz ohne etwas Eigenes (sine proprio) weiß Franz sich hautnah und ausgesetzt in allem auf Gott und die Nächsten angewiesen und von diesen beschenkt. Franz kennt die Verpflichtung zur Arbeit, jedoch ohne einen Anspruch auf einen (gerechten) Lohn. Er lebt aus der Freude des Empfangens und des Verschenkens. Ziel dieser Armut als totalem Freiwerden für Gott ist die Gleichförmigkeit mit dem geliebten Christus. – „Bist du bereit, dich Christus, dem Herrn, von Tag zu Tag enger zu verbinden und so zum Heil der Menschen für Gott zu leben?“ (Pontifikale 102) Beim Priesterberuf geht es ganz radikal um die Gottesfrage. Gott allein ist die Erfüllung menschlicher Sehnsucht. Und er ist der Grund menschlicher Freiheit. Von Gott her wird der Mensch erst frei von allen Abhängigkeiten, Süchten und Fixierungen. Mitte des Priesterberufs ist die Liebe zu Christus und die daraus folgende Nachfolge Jesu. Armut: Ich denke hier an Armutserfahrungen, wie sie zu unserem Alltag gehören. Jede Art von Entbehrung, von Enttäuschung, von Verzicht; jeder Mangel an Angenommen -, Mangel an Geliebt- und Geachtet-Sein; jedes Zu-kurz-Kommen; jedes Vergessen und Übersehen-W erden. Auch die Erfahrungen der Armut an bestimmten Lebensgestalten wie behinderten, leiblich 1 Erich Fromm, Anatomie der menschlichen Destruktivität, in: GesamtausgabeVII-318, hg. von Rainer Funk 2016. und psychisch kranken und alten Menschen und Notleidenden. Dabei erfahren wir die Gebrochenheit. Angesicht solcher Erfahrungen werden Besitz, Geld und Macht relativiert. Die Frage lautet: Wie können wir anders leben? Wir müssen zum heute geltenden Lebensstil eine wirkliche Alternative finden. Franziskus war damals der Auffassung, dass Habgier und Geiz die Beziehungen des Menschen zu Gott stören und dass Ehrgeiz und Konkurrenzdenken den Sinn für die Geschwisterlichkeit unter den Menschen zunichtemachen. Er wollte das evangelische Ideal der Liebe und Brüderlichkeit in seiner ganzen Fülle leben. Die Ohnmächtigen und Schwachen, die um der Gerechtigkeit und Wahrheit willen Gescheiterten, die Habenichtse und die Kranken: Auf sie muss sich der Blick und der Dienst, die Verantwortung und die Sorge der Priester und aller Glaubenden richten. Aus F. Dostojewskis großem Roman „Die Brüder Karamasow“ stammt folgender Gedanke: Gott ist in Jesus Christus nicht zu den Menschen herabgestiegen, um sie durch Wunder, überzeugendes Beispiel oder sonst wie zur Gegenliebe zu nötigen, sondern weil es ihn nach absolut freier, ungeschuldeter Liebe verlangt. – Die französische Schriftstellerin Marguerite Yourcenar schreibt in ihrem Werk „Feuer“: „Man liebt die Menschen nicht genug, wenn man ihr Elend, ihre Erniedrigung, ihr Unglück nicht anbetet.“ – Das klingt zunächst irritierend, geradezu befremdlich. Es geht aber keineswegs um eine Verherrlichung von Elend, Schmach und Leid. Und es geht um eine Öffnung des Blicks: Selbst der elendste Mensch muss in die Ver heißung und Suche nach Heil und Glück einbezogen bleiben. Und gerade ein solcher Mensch hat vor allen a nderen Anspruch darauf, dass seine Würde und seine Interessen und Rechte respektiert und wenn nötig erkämpft und verteidigt werden. Pflegen wir Beziehungen! „In einer Zeit, die zu Beschleunigung und Fragmentierung neigt, verlangt der menschliche Körper weiterhin nach Fürsorge und Anerkennung durch Hände, die zu Zärtlichkeit fähig sind, durch aufmerksame Menschen und durch freundliche Worte. Die digitale Kultur vervielfacht Verbindungen und bietet neue Möglichkeiten der Begegnung; dennoch bewahrt das menschliche Herz ein unverzichtbares Bedürfnis nach Nähe. Ich lade dazu ein, an Orten und Zeiten festzuhalten, wo die physische Anwesenheit zählt: am gemeinsamen Tisch, an der christlichen Gemeinschaft, die sich versammelt, am Besuch bei einsamen Menschen und am Dienst an den Armen.“ (Leo XIV., MH 239) Unsere real existierenden Familien und Gemeinschaften sind kein idealistisches Paradies. In der konkreten Wirklichkeit gibt es gestörte, zerstörende und zerstörte Beziehungen, Behinderungen, Belastungen, Kränkungen, Machtverhältnisse im Miteinander. Die neurotischen Verzerrungen und Behinderungen sind bei Paulus Material der Beziehung und der Gemeinschaft. Er rühmt sich seiner Schwächen (2 Kor 12,9; 1 Kor 1,18 -31). Es wäre gerade die Herausforderung, mit den Licht- und mit den Schattenseiten, mit Stärken und Defiziten, mit Begabungen und Behinderungen, mit den Rosen und Neurosen beziehungsreich umzugehen. Segen und Gebet Dietrich Bonhoeffer (1906–1945): „Die Antwort des Gerechten auf die Leiden, die ihm die Welt zufügt, heißt: segnen. Das war die Antwort Gottes auf die Welt, die Christus ans Kreuz schlug: Segen. Gott vergilt nicht Gleiches mit Gleichem, und es soll auch der Gerechte nicht tun. Nicht verurteilen, nicht schelten, sondern segnen. Die Welt hätte keine Hoffnung, wenn dies nicht wäre. Vom Segen Gottes und der Gerechten lebt die Welt und hat sie eine Zukunft. Segnen, das heißt die Hand auf etwas legen und sagen: du gehörst trotz allem Gott. So tun wir es mit der Welt, die uns solches Leiden zufügt. ... Wir haben Gottes Segen empfangen in Glück und im Leiden. Wer aber selbst gesegnet wurde, der kann nicht mehr anders als diesen Segen weitergeben, ja er muss dort, wo er ist, ein Segen sein. Nur aus dem Unmöglichen kann die Welt erneuert werden; dieses Unmögliche ist der Segen Gottes.“ 2 Br. Adam wird von Berufs wegen ein Segnender sein! Und er ist zum Gebet berufen: „Bist du bereit, zusammen mit dem Bischof im Gebet, das uns aufgetragen ist, Gottes Erbarmen für die dir anvertraute Gemeinde zu erflehen?“ (Pontifikale 102) „Ein Pastor soll nicht über seine Gemeinde klagen, schon gar nicht vor Menschen, aber auch nicht vor Gott; nicht dazu ist ihm eine Gemeinde anvertraut, dass er vor Gott und Menschen zu ihrem Verkläger werde. ...der tue in der Erkenntnis eigener Schuld Fürbitte für seine Brüder, der tue, was ihm aufgetragen ist und danke Gott.“3 + Manfred Scheuer Bischof von Linz 2 Dietrich Bonhoeffer, Gesammelte Schriften 4, 595f. 3 Dietrich Bonhoeffer, Gemeinsames Leben. Das Gebetbuch der Bibel (WW hg. von E. Bethge, Bd. 5 hg. von G.L. Müller) München 1987, 26.