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Katholisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Civilização do amor. Utopia?

ohne Namen · Arquidiocese de São Paulo – Artigos e pronunciamentos do Cardeal Odilo Scherer · 2026-08-08 · São Paulo · Quelle

Gemeinschaft · Hauptbotschaft Fürsorge · tragend Gerechtigkeit · tragend

Die Zivilisation der Liebe, verstanden als konkrete Haltung des Engagements für das Gemeinwohl, ist die einzige Kraft, die zur persönlichen und gesellschaftlichen Vollkommenheit führen und die Menschheit im digitalen Zeitalter vor den Gefahren der Technologie schützen kann.

Nur die Liebe kann den Menschen vollständig verändern, lehrte Johannes Paul II. in der apostolischen Exhortation Novo millennio ineunte (2001).

Der Text beschreibt die historische Entwicklung des Konzepts der 'Zivilisation der Liebe' in der katholischen Soziallehre, beginnend bei Papst Paul VI. im Jahr 1970. Er verortet das Konzept in der Zeit des Kalten Krieges und zeigt seine Weiterentwicklung durch Johannes Paul II. und Papst Franziskus. Die zentrale These lautet, dass Liebe die einzige Kraft ist, die zur persönlichen und gesellschaftlichen Vollkommenheit führen kann. Die Liebe wird dabei als konkrete Haltung des Engagements für das Gemeinwohl verstanden, nicht als vage Sentimentalität. Der Text grenzt die soziale Nächstenliebe von egozentrischer Liebe und übertriebenem Individualismus ab. Ein besonderer Fokus liegt auf der aktuellen Herausforderung durch künstliche Intelligenz und die Frage, wie diese zur Zivilisation der Liebe beitragen kann. Der Text schließt mit dem Hinweis, dass es sich um ein anspruchsvolles Projekt handelt, keine naive Utopie.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Feindschaft, Hass, Zerfall der Gemeinschaft; Gier, Konsum, unstillbares Verlangen nach mehr (erschlossen)
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
praktisches Handeln am Nächsten, Werke; Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit
Was ist der Mensch nach diesem Text?
vor allem Teil einer Gemeinschaft oder Schöpfung
Wohin geht die Geschichte?
es wird besser, Entwicklung zum Guten
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf ein gegenwärtiges Oberhaupt, Lehrer, Amt; auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf andere, die Gesellschaft, andere Gruppen

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
5 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 2, jetzt 2, künftig 2

Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut auf Deutsch
Das Konzept der „Zivilisation der Liebe" trat in die Sprache der Soziallehre der Kirche mit Papst Paul VI. ein, der es in einer sonntäglichen Ansprache an das Volk am 17. Mai 1970 verwendete. Es war die Zeit des Kalten Krieges, mit den Spannungen zwischen dem sozialistischen-kommunistischen Block und dem liberal-kapitalistischen Block. Anschließend erschien das Konzept in praktisch allen Texten der sozialen Lehrämter der Päpse bis auf unseren Tag. Johannes Paul II. verwendete den Ausdruck häufig in den sozialen Enzykliken Centesimus annus (1991) und Sollicitudo rei socialis (1988), um die Gesamtheit der Werte und Grundsätze zu bezeichnen, die der christlichen Vorschlag für eine der menschlichen Person würdige soziale und politische Organisation zugrunde liegen. Unter diesen Grundsätzen befindet sich die Solidarität, die eine Synthese anderer Grundsätze und Werte darstellt. Der Grundsatz der Solidarität, obgleich er nicht notwendigerweise theologisch und religiös ist, steht in perfekter Übereinstimmung mit dem Respekt, der Gerechtigkeit und der Liebe zum Nächsten, die ethische Forderungen für die Christen sind. Die motivierenden Grundsätze des menschlichen Handelns können vielfältig sein, wie der Durst nach Macht, die Anhäufung von Gütern, der Genuss des Lebens, die gesellschaftliche Geltung und der Wunsch, glücklich zu sein. Aber das Verhalten der Person ist voll menschlich, wenn es aus der Liebe geboren wird, die Liebe manifestiert und auf die Liebe ausgerichtet ist. Und das gilt nicht nur für das persönliche Leben, sondern auch für das gesellschaftliche Zusammenleben. Nicht die Gewalt, der Hass, die Überheblichkeit, der extreme Egoismus, die Gleichgültigkeit, sondern die Liebe ist die einzige Kraft, die fähig ist, zur persönlichen und gesellschaftlichen Vollkommenheit zu führen und die Geschichte auf ihr wahres Gut auszurichten. Diese Liebe, die sich nicht mit einer gewissen vagen und flüchtigen Sentimentalität verwechselt, bezieht sich auf konkrete Haltungen der Sorgfalt und Hingabe zum Gemeinwohl, der Aufmerksamkeit und des Interesses an den Menschen, insbesondere an den Gemeinschaften und Völkern, die der sozialen Verwundbarkeit ausgesetzt sind. Diese Liebe, die sich auf jeden Menschen erstreckt, ohne Unterscheidung, wurde von Thomas von Aquin als soziale Nächstenliebe und auch als politische Nächstenliebe bezeichnet. Papst Franziskus nannte diese Liebe in der Enzyklika Fratelli tutti (2020) auf ähnliche Weise soziale Freundschaft, wie sie auch bereits in der Enzyklika Rerum novarum (1891) von Leo XIII. erscheint. Die soziale oder politische Nächstenliebe stellt sich der egozentrischen Liebe und dem übertriebenen Individualismus entgegen, die in allem nur die eigene Befriedigung suchen. Die Suche nach der sozialen Verbesserung und der Aufbau der Gesellschaft im Guten sind Voraussetzungen, die das soziale und politische Handeln legitimieren. Das Gegenteil davon wäre nicht akzeptabel. Es ist auch gewiss, dass der Aufbau einer der Person würdigen Gesellschaft über verschiedene Vorschläge gehen kann, die ständig in der kulturellen, politischen und sozialen Lebens in Debatte und Spannung stehen. Allerdings muss gut bewertet werden, ob die Vorschläge zur Verbesserung des politischen und wirtschaftlichen Lebens wahrhaftig von der sozialen Liebe inspiriert sind, als höchste Norm des Handelns. Nur die soziale Liebe, wenn sie zu Kultur und Norm wird, kann eine stabile soziale Ordnung erzeugen und die bloße bewaffnete Koexistenz in eine Gemeinschaft des Schicksals verwandeln (vgl. Franziskus, Fratelli tutti, 183). Die Liebe ist die höchste und edelste Form der Beziehung zwischen den Menschen und muss daher jede Dimension des Lebens beleben, nicht nur die individuelle, sondern auch die soziale und die Beziehung zwischen den Völkern. Die Menschheit wird wahre Frieden nur dann kennen, wenn die Zivilisation der Liebe herrschen wird. In diesem Sinne hat die Lehre der katholischen Kirche, vor allem in den Worten ihrer Päpste, sich beständig für die Gerechtigkeit, die Solidarität und den Frieden zwischen den Menschen, den lokalen Gemeinschaften und den Völkern eingesetzt und die integrale menschliche Entwicklung als Weg hingewiesen, um das Gemeinwohl und den Frieden zu verwirklichen. Der Hass entfacht die Gewalt, die mehr Gewalt und Leid erzeugt. Nur die Liebe kann den Menschen vollständig verändern, lehrte Johannes Paul II. in der apostolischen Exhortation Novo millennio ineunte (2001). Dieser Papst schlug als große Aufgabe für die Kirche im dritten christlichen Jahrtausend die Zusammenarbeit mit der gesamten Menschheit für den Aufbau der Zivilisation der Liebe vor. Und das ist keine naive Utopie, sondern ein anspruchsvolles Projekt, bemerkte Leo XIV. in der jüngsten Enzyklika Magnifica humanitas (2026, Nr. 106). Der gegenwärtige Papst widmete ein ganzes Kapitel seiner Enzyklika dem Aufbau der Zivilisation der Liebe, wobei er die technologische Revolution der Informatik und der künstlichen Intelligenz (KI), die die Menschheit gegenwärtig erlebt, in den Mittelpunkt stellte. Wie muss die KI genutzt werden, damit dieses technologische Wunder nicht zum Nachteil der menschlichen Person und ihrer Würde kommt, sondern zur Zivilisation der Liebe im digitalen Zeitalter beiträgt? Wie kann man verhindern, dass die Macht der Technologie und die neue technokratische Kultur überheblich und unterdrückend werden? Wie kann man die Herzen und die Hände im digitalen Zeitalter entwaffnen? Keine einfache, aber notwendige Aufgabe ist es, die immer größere gegenseitige Abhängigkeit zwischen den Menschen und den Völkern in Bande der Aufnahme und der Solidarität zu verwandeln. „Es genügt nicht, dass die KI uns effizienter oder vernetzter macht; sie muss dienen, um die universelle menschliche Familie aufzubauen, mit geteilten Rechten und Pflichten, wo die digitale Nähe zu einer konkreten Gelegenheit der Begegnung und der gegenseitigen Fürsorge wird" (Magnifica humanitas, 187). Kardinal Odilo Pedro Scherer Erzbischof und Metropolit von São Paulo Ursprünglich veröffentlicht in der Zeitung O ESTADO DE S.PAULO am 8. August 2026
Wortlaut im Original
O conceito de “civilização do amor” entrou na linguagem da Doutrina Social da Igreja a partir do papa Paulo VI, que o empregou numa alocução dominical ao povo, no dia 17 de maio de 1970. Era o tempo da guerra fria, com as tensões entre o bloco socialista-comunista e o bloco liberal-capitalista. Em seguida, o conceito apareceu em praticamente todos os textos do magistério social dos papas, até nossos dias. João Paulo II usou com frequência a expressão nas encíclicas sociais Centesimus annus (1991) e Sollicitudo rei socialis (1988) para designar o conjunto de valores e princípios basilares da proposta cristã para a organização social e política digna da pessoa humana. Entre esses princípios, está a solidariedade, que é uma síntese de outros princípios e valores. O princípio da solidariedade, mesmo não sendo necessariamente teológico e religioso, está em perfeita sintonia com o respeito, a justiça e o amor ao próximo, que são exigências éticas para os cristãos. Os princípios motivadores das ações humanas podem ser diversos, como a sede de poder, o acúmulo de bens, o gozo da vida, a projeção social e o desejo de ser feliz. Mas o comportamento da pessoa é plenamente humano quando nasce do amor, manifesta o amor e está orientado para o amor. E isso não vale apenas para a vida pessoal, mas também para o convívio social. Não a violência, o ódio, a prepotência, o egoísmo extremado, a indiferença, mas o amor é a única força capaz de levar à perfeição pessoal e social e de orientar a história para seu verdadeiro bem. Esse amor, que não se confunde com certo sentimentalismo vago e fugaz, refere-se a atitudes concretas de zelo e dedicação ao bem comum, de atenção e interesse pelas pessoas, especialmente as comunidades e povos expostos à vulnerabilidade social. Esse amor, que se estende a todo ser humano, sem distinção, foi qualificado por São Tomás de Aquino como caridade social e também caridade política. O papa Francisco, na encíclica Fratelli tutti (2020), de modo semelhante, chamou esse amor de amizade social, como também já aparece na encíclica Rerum novarum (1891), de Leão XIII. A caridade social, ou política, contrapõe-se ao amor egocêntrico e ao individualismo exacerbado, que buscam em tudo apenas a própria satisfação. A busca da melhoria social e a edificação da sociedade no bem são pressupostos que legitimam a ação social e política. O contrário disso não seria aceitável. Também é certo que a edificação da sociedade digna da pessoa pode passar por várias propostas, constantemente em debate e tensão na vida cultural, política e social. No entanto, é preciso avaliar bem se as propostas de melhoria da vida política e econômica são verdadeiramente inspiradas no amor social, como norma suprema do agir. Só o amor social, quando se torna cultura e norma, pode gerar uma ordem social estável, transformando a simples coexistência armada em uma comunidade de destino (conferir Francisco, Fratelli tutti , 183). O amor é a forma mais elevada e nobre de relação entre os seres humanos e, portanto, deve animar cada dimensão da vida, não apenas individual, mas também social e a relação entre os povos. A humanidade vai conhecer verdadeira paz somente quando reinar a civilização do amor. É nesse sentido que o ensino da Igreja Católica, sobretudo nas palavras dos seus papas, tem se empenhado constantemente em favor da justiça, da solidariedade e da paz entre as pessoas, as comunidades locais e os povos, apontando o desenvolvimento humano integral como caminho para realizar o bem comum e a paz. O ódio desencadeia a violência, que gera mais violência e sofrimento. Só o amor pode mudar completamente o ser humano, ensinou João Paulo II na carta apostólica Novo millennio ineunte (2001). Esse papa propôs, como grande tarefa para a Igreja no terceiro milênio cristão, a colaboração com toda a humanidade para a construção da civilização do amor. E isso não é uma utopia ingênua, mas um projeto exigente, observou Leão XIV na recente encíclica Magnifica humanitas (2026, n.º 106). O papa atual dedicou um capítulo inteiro da sua encíclica à edificação da civilização do amor, tendo como enfoque a revolução tecnológica da informática e da inteligência artificial (IA) que a humanidade vive atualmente. Como deve ser usada a IA para que essa maravilha tecnológica não venha em prejuízo da pessoa humana e de sua dignidade, mas contribua para a civilização do amor na era digital? Como evitar que o poder da tecnologia e a nova cultura tecnocrática se tornem prepotentes e opressoras? Como desarmar os corações e as mãos na era digital? Tarefa nada simples, mas necessária, é transformar a interdependência sempre maior entre as pessoas e os povos em laços de acolhida e solidariedade. “Não basta que a IA nos torne mais eficientes ou conectados; ela deve servir para edificar a família humana universal, com direitos e deveres compartilhados, onde a proximidade digital se torna ocasião concreta de encontro e cuidado recíprocos” ( Magnifica humanitas , 187). Cardeal Odilo Pedro Scherer Arcebispo Metropolitano de São Paulo Publicado originalmente no jornal O ESTADO DE S.PAULO em 8 de agosto de 2026