Die Begegnung mit einer heidnischen Frau in Tyrus und Sidon fungiert als katalytisches 'Exerzitium', das Jesus veranlasst, seine missionarische Beschränkung auf Israel aufzugeben und den Glauben universell zu öffnen.
Der Text interpretiert die biblische Episode von Jesus in Tyrus und Sidon als eine Phase der inneren Einkehr, die der Sprecher als 'Exerzitien' bezeichnet. Er argumentiert, dass sich Jesus in dieser fremden Gegend zurückzog, um seinen missionarischen Weg zu reflektieren und seine ursprüngliche Beschränkung auf das Haus Israel zu überwinden. Zentrale Rolle spielt die Begegnung mit einer heidnischen Frau, deren hartnäckiges Bitten und kluges Gegenargument Jesus dazu bewegen, seine Strategie zu ändern und die Grenzen seines Wirkens zu sprengen. Der Sprecher stellt die Weisheit der Frau als Katalysator für die universale Ausrichtung des Glaubens dar. Er kritisiert implizit eine zu enge, national oder rassistisch begründete Abgrenzung und fordert eine Öffnung hin zu allen Menschen. Als konkreten Vorschlag schlägt er vor, den 20. Sonntag im Jahreskreis als 'Tag der Exerzitien Jesu' zu benennen, um diese Begegnung zu würdigen. Der Text verbindet die biblische Auslegung mit einem Appell zur Überwindung von Ausgrenzung und zur Stärkung der Gemeinschaft durch das geteilte Brot.
Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
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Was Jesus nach Tyrus und Sidon geführt hat, darüber rätseln die Bibelfachleute. Auffällt, dass Matthäus diese Begebenheit in der Mitte seines Evangelienwerkes berichtet. Fest steht, dass eine heidnische Frau dank ihres hartnäckigen Glaubens einen Strategiewechsel seines prophetischen Wirkens auslöst und damit die Grenzen des "Hauses Israel" sprengt. Am Ende der Evangelienerzählung wird Jesus seine Jünger in die ganze Welt aussenden und ihnen zusagen, dass er mit ihnen sei "bis ans Ende der Welt". Auszeit im Ausland Wow! Das hat Jesus gesagt? Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt… - Nur? Eine große Irritation breitet sich aus. Unser Jesus kann das gar nicht gesagt haben! Wir wissen doch, wie er war, wie er ist. So war er nicht! Und wenn - doch? - Die einfachste Lösung ist, ein wenig genauer hinzuschauen. Lasst uns das mal machen! Da sind die Ortsangaben. Schon ziemlich am Anfang. Tyros und Sidon. Das ist ziemlich weit draußen, also fremde Gegend, fremdes Land, fremde Menschen. Was Jesus da zu suchen hat? Matthäus, der die Geschichte erzählt, erzählt auch nur, dass sich Jesus zurückzieht. Warum aber zieht sich ein Mensch zurück? Um Abstand zu gewinnen? Aus Neugierde? Um zur Ruhe zu kommen? Um Zweifel, auch Selbstzweifel, zu klären? Matthäus legt uns da eine feine Spur! Jesus hat sich nach Tyros und Sidon zurückgezogen, um über seinen Weg nachzudenken und sich seiner Sendung zu vergewissern. Darf ich das einfach einmal „Exerzitien“ nennen? Exerzitien in Tyros und Sidon! Im Wörterbuch, dann sogar KI-generiert, finden wir eine kurze Beschreibung: Exerzitien (von lateinisch exercere = üben) sind geistliche Übungen im christlichen Glauben. Sie dienen der inneren Einkehr, dem Schweigen und der Begegnung mit Gott. Ziel ist es, das eigene Leben zu ordnen, Ballast abzuwerfen und neue Ausrichtung im Glauben zu finden. Mitten auf dem Weg Richtig auffällig ist auch, an welcher Stelle Matthäus von diesen Exerzitien erzählt. Mitten im Evangelium! Kapitel 15., 28 Kapitel sind es insgesamt. Bei Matthäus. Mitten nicht nur im Evangelium – mitten auf einem Weg, den Jesus beschritten hat! Das letzte Wort spricht der Auferstandene – ganz am Ende des Evangeliums: Gehet hin in alle Welt! Geht zu allen Völkern! Geht zu allen Menschen! Tauft. Lehrt. Denn: ich bin bei euch, alle Tage, bis an der Welt Ende! So hat Luther das übersetzt. Und gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Bis an der Welt Ende schließt selbst die gottverlassensten Winkel ein – und gleichzeitig wird auf einem Zeitstrahl leuchtend die Hoffnung dargestellt, dass die Welt nicht untergehen kann, solange er, Christus, der Auferstandene, die Welt zusammenhält, zusammenführt und in Liebe verbindet. Den Apokalyptikern von einst und heute wird der Wind aus den Segeln genommen. „Ich bin bei euch“ ist übrigens der Name Gottes! Ich bin bei euch! Mose hat es als erster gehört – nicht schlecht, so weit zurückgehen zu können. Oder zu müssen. Wo waren wir stehen geblieben? Jesus ist mitten auf seinem Weg. Er findet seinen Weg über die gewohnten, gewöhnlichen und erwarteten Wege hinaus! Das sind doch die ausgetretenen Latschen: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt… Also, Exercitien in Tyros und Sidon. Mitten drin muss Jesus auf seinem Weg zurückschauen, alles Revue passieren lassen, was er gesagt und getan hat – um noch einmal neu aufzubrechen. Gestärkt. Und alles ist abgewogen! Eine Frau verändert Jesus Nun sind auch hier aller guten Dinge drei! Mensch, Matthäus, was ist dir da gelungen! Jetzt müssen wir alle gut zuhören! Wer bringt Jesus auf die neue Spur? Es ist weder von einer Offenbarung die Rede, noch davon, dass Jesus bei einem – womöglich meditativen – Spaziergang auf die springende Idee kommt. Es ist eine Begegnung! Genauer noch! Es ist eine heidnische Frau, die Jesus auf die Sprünge hilft. Entschuldigung, das hört sich sehr menschlich an – und ist es auch! Die Frau, die keinen Namen hat, also für viele Frauen steht, die sich mit ihr identifizieren können, kontert einfach. Oder: Sie nimmt Jesus bei seinem Wort - und wendet es. Jesus sagt: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen. Sie sagt: Ja, Herr! Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Schon ein starkes Stück, die Frau mit dem Schimpfwort „Hund“ zu belegen! Typisch. Auch nicht ungewöhnlich. Am Ende geht es immer um Klassifikationen: Ich ein Mensch – du ein Hund. Ich der Herr – du bückst dich bitte. Das lässt sich beliebig variieren und mit neuen, anderen Schimpfbezeichnungen kombinieren oder ersetzen. Was die Frau macht, ist umwerfend: Ja, Herr! Aber dann kommt es – DAS Gegenargument, mit dem Jesus in seiner Argumentation geschlagen wird: Auch die kleinen Hunde, die kleinen Menschen, die hier leben, die Menschen, die beschimpft und ausgegrenzt werden – sie essen von dem einen Brot! Selbst, wenn es auf die Erde fällt. Es ist das eine Brot! Es wird gebrochen. Es wird geteilt. Es wird sogar mit den Hunden geteilt. Die Frau sagt nicht viel. Sie ist die Meisterin von zwei, drei Sätzen. Aber sie zeigen Jesus – seinen Weg! Tyros und Sidon haben wir wohl schon zu lange übersehen... Ich bin ganz fasziniert, was hier in Tyros und Sidon passiert: Jesus muss sich geschlagen geben. Von der Weisheit einer Frau, die in dieser gottlosen Gegend es doch wagt, Jesus um Hilfe anzurufen. Hilf mir, sagt sie – und dann erzählt sie ihre Geschichte. Die Geschichte von einem bösen Geist. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Böse Geister breiten sich überall aus. Sie haben noch nie Grenzen respektiert. Sie respektieren auch keine Wahrheit, kein Recht – und selbstverständlich auch keinen Glauben. Sie hinterlassen kaputte Biografien, egal, in welcher Sprache sie geschrieben werden. Sie hinterlassen verbrannte Erde, egal, wo einst Hoffnungen blühten. Aber das sollen wir doch sehen! Die bösen Geister werden gebannt! In Tyros und Sidon und an vielen Stellen – und Enden – der Erde. Jesus sagt: Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt. Die bösen Geister fürchten nichts so sehr wie den – Glauben. Ein neuer Gedenktag Ab jetzt müssen wir, wenn wir das Evangelium lesen, dieser Frau unseren Dank abstatten, unserem Herrn auf die Sprünge geholfen zu haben. Weg von der eigenen kleinen Welt bis an die Ende der Erde. Weg von historischen Befangenheiten hin zu einer Offenheit, in der der Glaube wachsen kann. Weg von Nationalismus und Rassismus hin zu einer Gemeinschaft, in der wir alle von dem einen Brot essen. Weg von der verstummten Hilflosigkeit hin zu dem offenen Wort, das Gott selbst bewegt. Schade, weil wir den Namen der Frau nicht kennen, können wir ihren keinen Gedenktag widmen. Aber der 20. Sonntag im Jahreskreis – eigentlich eine langweilige Bezeichnung, finden Sie nicht auch? – könnte von uns den Namen bekommen: Tag der Exerzitien Jesu. Mal sehen, was die Oberen dazu sagen. Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Eine fremde und „lästige“ Frau: befreien oder wegschicken? <div